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Yoro hat bisher 4 Bücher in ihrem Bücherregal.
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Leser: Yoro
  • Rezensionen: 4
  • Leserin

Yoro

Worte sind Magie! Das habe ich schon sehr früh erkannt, was sicher auch Zeit und Umständen geschuldet war. Fernsehen war damals noch Luxus (ich bin ein 1964er Jahrgang), und so Sachen wie Smartphone, Tablet oder Playstation gab es schlicht und einfach noch nicht. Da blieb es nicht aus, dass man diesen komischen Dingern aus Pappe und Papier von Anfang an viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt und sich gefragt hat, wozu die eigentlich gut sind.

Sobald ich begriffen hatte, dass da nicht nur Bilder, sondern auch lauter tolle Geschichten drinne stehen, war ich der Sache verfallen. Rettungslos.

So nahm die Sache ihren Lauf. Aus mir wurde nicht nur eine ausgemachte Leseratte, ich habe inzwischen auch eine Menge ‘für die Schublade’ geschrieben und einen Chicklit-Roman im Selfpublishing veröffentlicht. Mein Erstling 'Starthilfe für die Schmetterlinge' ist eigentlich nur entstanden, weil ich sehen wollte, ob ich mit dem Genre zurechtkomme - und es hat tatsächlich viel Spaß gemacht, es zu schreiben.

Weiteres wird folgen, ganz bestimmt auch mit Themen aus dem Fantasybereich.

Ich lebe heute mit meinem Mann in München, bin großer England-Fan (weswegen sich mein Vorname auch von Maria zu Mary gewandelt hat), ich koche & esse gerne, hab ein Faible für Malen und Zeichnen - und ich liebe Fantasy, Sci-Fi, gute Krimis und Thriller.
Aber egal welches Genre, ich lege viel Wert auf eine lebendige Charakterentwicklung und stimmige Plots, die sich gerne auch langsam entwickeln dürfen.

 

Rezensionen (4)

Otherland. Band 1

  • Gesamtbewertungen: 1
  • Durchschnitt: 5.00
  • Datum: 07.07.2026

Otherland gets you!

Unter diesem Slogan wurde Tad Williams’ Otherland - Zyklus bei uns eingeführt. Das ist zwar schon eine ganze Weile her, was der Genialität dieses Werkes aber keinen Abbruch tut.

Schon der Klappentext liest sich vielversprechend:

»Ende des 21. Jahrhunderts: Die reichsten und mächtigsten Männer und Frauen haben ein gigantisches Netzwerk geschaffen. In dieser virtuellen Welt wollen sie sich den ältesten Menschheitstraum erfüllen: das ewige Leben. Gleichzeitig fallen überall auf der Welt Kinder in ein rätselhaftes Koma. Nur wenige Menschen erkennen einen Zusammenhang zwischen dem Netzwerk und dem Zustand der Kinder. Eine Gruppe von Abenteurern macht sich auf, um das Geheimnis von Otherland zu ergründen und begibt sich damit in ungeahnte Gefahren.«

Das ist wirklich nur der allerkleinste Nenner, denn der Otherland-Zyklus beinhaltet so vieles mehr.

Bereits bei der Festlegung des Genres wird es schwierig: Ein Fantasy – Krimi – Thriller im Computerzeitalter mit philosophischen und sozialkritischen Komponenten und einem ordentlichen Schuss Verrücktheit, so könnte man vielleicht sagen.

Zu Beginn wird man völlig unvermittelt in ein Szenario des Ersten Weltkriegs geschubst, direkt an die Seite eines Mannes, der unter totalem Gedächtnisverlust leidet und keine Ahnung hat, wo er sich befindet oder wie er überhaupt hierhergelangt ist. Lediglich an seinen Namen erinnert er sich: Paul Jonas. In ziemlichem Tempo wechselt Paul dann von einer Realität in die nächste, jede davon so bizarr, dass es sie gar nicht geben dürfte. Er wird dabei von zwei furchterregenden Gestalten gejagt, die er weder kennt, noch von denen er weiß, was sie eigentlich von ihm wollen.

Dieser zwanzigseitige Einstieg bietet einen ersten Vorgeschmack auf Otherland, was einen dort erwartet und was darin alles möglich ist.
Keine Sorge und nicht erschrecken, wenn man zu diesem Zeitpunkt noch absolut nichts versteht. Man kann sich guten Gewissens auf die Story einlassen und dem Autor vertrauen, er weiß, was er tut. Versprochen.

Danach wechselt der Fokus in die Realität des 21. Jahrhunderts, an die Seite von Renie Sulaweyo. Sie ist Dozentin für Virtualitätstechnik und vertritt für ihren kleinen Bruder Stephen die Mutterrolle.
Wie alle Kinder ist Stephen begeistert vom weltweiten Kommunikationswerk, dem Netz, und verbringt darin fast all seine Zeit.
Als er dabei in die Fänge eines geheimnisvollen virtuellen Nachtclubs gerät, schafft es Renie nur mit Mühe und der Hilfe ihres neuen Studenten !Xabbu, einem Buschmann, dem die moderne Technik eigentlich vollkommen fremd ist, ihren Bruder im letzten Moment zu retten.
Doch Stephen, von allem Verbotenen magisch angezogen, geht ein weiteres mal dorthin. Bevor Renie abermals eingreifen kann, liegt er im Koma. Die Ärzte können sich das nicht erklären, doch Renie ist sicher, dass ihm online etwas zugestoßen ist. Und Stephen ist kein Einzelfall, auf der ganzen Welt fallen plötzlich Kinder aus unerklärlichen Gründen ins Koma und können nicht mehr daraus hervorgeholt werden.
Reni und !Xabbu beginnen nun, auf eigene Faust zu ermitteln. Je mehr sie in Erfahrung bringen, desto klarer wird es, dass sie einer ungeheuerlichen Verschwörung auf der Spur sind und jede Einmischung sehr schnell tödlich enden kann.
Doch sie geben nicht auf und machen sich an der Seite einiger Mitstreiter auf eine so eigenartige wie gefährliche Reise in die Tiefen von Otherland, wo die Lösung der ganzen Rätsel verborgen sein muss …

Die Handlung setzt sich dann in drei weiteren Bänden mit ähnlich starkem Umfang fort, bevor alles aufgelöst und wirklich alle Enden stimmig verknüpft werden.


Einige der Hauptdarsteller:

 Renie Sulaweyo:
Sie will zunächst nur ihren Bruder retten. Doch die bizarre Geschichte, in die sie dabei hineingerät, macht ihr schnell klar, dass sie auf etwas gestoßen ist, was weder sie noch sonst ein Mensch jemals hätte entdecken dürfen.

· !Xabbu:
Er ist wohl der letzte noch lebende australische Buschmann und kam eigentlich in die Stadt, um zu lernen, wie die alten Traditionen seines Stammes bewahrt werden können. Mit ‚dem Herz eines Dichters und der Seele eines Schamanen’ ist er auf seine eigene Art ein Held – und einer von Renies Begleitern auf ihrer Reise in eine albtraumhafte Welt.

· Orlando Gardiner:
Ist erst vierzehn Jahre alt und im wirklichen Leben todkrank ans Bett gefesselt. Die Virtuality ist die einzige Möglichkeit, in der er sich frei bewegen kann. Dort ist er Thargor, der Barbar. Bis er sich einer sehr reellen Gefahr stellen muss. Für ihn beginnt damit ein Wettlauf gegen die Zeit.

· Paul Jonas:
Er ist irgendwie verlorengegangen und irrt nun zwischen Raum und Zeit umher. Dabei wird er von zwei furchtbaren Gestalten verfolgt, denn Paul besitzt ein Geheimnis, das die Welt retten kann. Unglücklicherweise hat er es vergessen.

· Osiris:
Ist der älteste Mensch der Erde – und der Schöpfer von Otherland. Er würde alles und jeden dafür opfern, sein Lebenswerk zu vollenden: Das Gralsprojekt.

· Dread:
Ein psychopathischer Mörder – und außerdem Osiris’ treuer Handlanger und Mann für alle Schmutzarbeit. Allerdings hat Dread mittlerweile längst eigene Pläne.

· Christabel:
Ein kleines Mädchen stolpert zufällig über ein großes Geheimnis. Dieses soll nicht nur ihr Leben verändern, sondern auch das der ganzen Menschheit.

· Beezle Bug:
Ist eine Software und spricht wie ein Gangster aus dem Chicago der 30er Jahre. Er findet den Zugang zu Otherland.

· Herr Sellars:
Er weiß mehr über Otherland als jeder andere und hält damit das Schicksal der Menschheit in seinen Händen.


Als erfahrener Fantasy-Autor kann Tad Williams auch mit Seitenzahlen von 900+ ohne Probleme umgehen, ein Talent, was ihm bei einem ehrgeizigen Projekt wie Otherland sehr zugutekommt.
Dabei gelingt ihm zudem das Kunststück, einen höchst komplexen Plot mit zahlreichen Handlungssträngen und ebensovielen Figuren anschaulich und übersichtlich darzustellen und gleichzeitig ein relativ hohes sprachliches Niveau zu halten.

Die Handlung selbst ist zwar extrem vielschichtig, aber völlig logisch aufgebaut, klar umrissen und immens spannend erzählt. Auch die Charaktere werden dem gerecht, die sehr lebendig und glaubhaft agieren, und bei deren Schicksal man mitfiebert.

Für wen eignet sich dieses Buch?

Der Otherland – Zyklus ist ein (längst nicht mehr geheimer) Geheimtipp für alle Fantasyfans, die komplexe, etwas anspruchsvollere Unterhaltung mögen, gerne auch mal abseits des Mainstreams unterwegs sind und sich nicht von gewaltigen Seitenzahlen abschrecken lassen.
Qualitativ hochwertig, doch trotzdem gut und einfach zu lesen, man hat keinerlei Schwierigkeiten, der Handlung zu folgen. Der Plot bietet einen hohen Unterhaltungswert und gleichzeitig zahlreiche intelligente Denkanstöße, und es macht einfach Spaß.

Tad Williams: Der Otherland - Zyklus

Band 1: Stadt der goldenen Schatten
Band 2: Fluss aus blauem Feuer
Band 3: Berg aus schwarzem Glas
Band 4: Meer aus silbernem Licht

Kriegsklingen - Die Klingen-Saga

  • Gesamtbewertungen: 1
  • Durchschnitt: 5.00
  • Datum: 07.07.2026

Noch immer ein echtes Fantasy-Highlight

Kriegsklingen, einer meiner ganz persönlichen Dauerbrennerdes Genres.
Wer epische Fantasy im Stil von George R.R. Martin liebt, wird auch an Abercrombie seine Freude haben, allerdings dürfte es nicht jedermanns Geschmack treffen.

Vom Inhalt her passiert gar nicht einmal so besonders viel:
"Dies ist die atemberaubende Geschichte von Logen, dem Barbarenkrieger, der eigentlich nur seine Ruhe haben will - wenn er nicht ständig um sein Leben kämpfen müsste. Und die Geschichte von Großinquisitor Glokta, der eigentlich durch nichts zu erschüttern ist - bis er auf eine lebende Legende trifft, die in seiner Stadt eine magische Intrige spinnt, und die das ganze Reich zu erschüttern droht ... "

Soweit die Inhaltsangabe von Amazon. Die Handlung fand ich zwar durchaus spannend, sie kann aber auch streckenweise als etwas zäh empfunden werden, weil sich alles nur sehr langsam entwickelt.
Wer auf wundervoll beschriebene Gegenden und liebevoll gestaltetes Ambiente à la Tolkien hofft, ist hier ebenfalls verkehrt. Wie schon jemand an anderer Stelle so treffend bemerkte: 'Ein Weltenbauer ist Abercrombie nicht.'

Ein weiterer Punkt, der bei vielen unangenehm aufstößt, ist die doch ziemlich derbe, oft sogar vulgäre Ausdrucksweise. Mit blutigen Details wird ebenso wenig gespart wie mit Kraftausdrücken, zartbesaitete Gemüter seien also vorgewarnt.
Was also macht dieses Buch trotzdem lesenswert?

Kriegsklingen lebt (wie auch die beiden Fortsetzungsromane) von seiner unglaublich guten und authentischen Gestaltung seiner Charaktere.
Jeder einzelne, auch die Nebenfiguren, ist vollkommen logisch und folgerichtig erstellt und benimmt sich und spricht auch genau so, wie er durch seine Herkunft und sein Schicksal geprägt wurde.
Einem barbarischen Krieger aus den wilden Nordländern nimmt man z.B. ein im Angesicht einer Feindestruppe gebrülltes "verdammte Scheiße, sind diese Drecksäcke schon wieder da!" ohne weiteres ab, es passt einfach.

Des Weiteren wurde völlig auf Schwarz-Weiß-Malerei verzichtet, keiner ist nur gut oder nur böse. Deswegen ist es nicht ganz einfach, sich darin als Leser einen Sympathieträger auszumachen, andererseits kann man auch für all die schlimmen 'Kotzbrocken' ein gewisses Verständnis aufbringen. Na ja, für fast alle.

Doch selbst dem unmenschlichen Großinquisitor Glokta, der, aus langjähriger Gefangenschaft verkrüppelt an Leib und Seele, seine einzige Befriedigung aus der Qual anderer ziehen kann, bringt man eine gewisse Sympathie entgegen und lacht über seine bitterbösen, zynischen Kommentare.
Dann hätten wir da noch Neunfinger Logen, einen Krieger aus dem Norden. Er ist alles andere als dumm und macht sich durchaus so seine Gedanken, trotzdem ist er ein grober und ungebildeter Klotz. Er würde ja gerne ein anderes Leben anfangen, unglücklicherweise hat er keine Ahnung, wie er das anstellen soll.
Oder Major West, einer der wenigen fähigen leitenden Militärs. Dummerweise stammt er aus einer 'falschen' Familie, die weder über Einfluss noch über Reichtum verfügt. Seine Position hat ihm in erster Linie Neider verschafft, die alles dransetzen, ihm das Leben schwer zu machen.
Unter dieser Herkunft hat auch seine Schwester Ardee zu leiden, eine selbstbewusste, starke Frau, die keinen Wert auf Konventionen legt. Nachdem aus den gehobenen Kreisen niemand etwas mit ihr zu tun haben möchte, flüchtet sie sich in den Alkohol.
Leichter hat es da Hauptmann Jezal dan Luthar, ein blendend aussehender, verhätschelter und verwöhnter junger Mann, der aus der besten Familie stammt und dem alles zu Füßen liegt. Dementsprechend ist auch sein Benehmen, er hat eigentlich von nichts eine Ahnung, dafür eine sehr hohe Meinung von sich selbst. Sein Weltbild gerät allerdings erheblich ins Wanken, als er sich in Ardee West verliebt, die für ihn zunächst nur Spott übrig hat.

... Und da gibt es noch einige mehr, aber lest es selbst.

Es ist ein grober, aber brutal ehrlicher Humor, der sich durch das ganze Buch zieht, und der sich höchst bissig über die Dummheit und die Heuchelei der Menschen lustig macht.
Sehr angenehm fand ich auch, dass es keinen Überhelden gibt, an dem allein die Rettung der Welt hängt. Vielmehr existieren vielschichtige Verflechtungen und es wird erst nach und nach klar, was da jetzt wie und mit wem zusammenhängt, und dass das alles unmöglich von einem allein zu schaffen ist.
Genauso wenig gibt es eine wunderschöne Heldin, in die sich alle verlieben und die zum Schluss ihren Traumprinzen bekommt; zum Glück wurde auf dieses restlos ausgelutschte Klischee völlig verzichtet.
Kriegsklingen liest man besser nicht, wenn man in erster Linie eine rasend spannende Story erwartet, in der ein Abenteuer das andere jagt und die vor atemberaubenden Wendungen nur so strotzt.
Es passieren zwar durchaus auch spannende Ereignisse, aber die sind eigentlich gar nicht so wichtig. Viel interessanter sind die diversen Einzelschicksale und ihre Entwicklungen. Ich fand es unglaublich spannend zu verfolgen, wie so nach und nach die Geschichte der Hauptpersonen erzählt wird. Warum jeder so geworden ist, wie er ist und vor allem, wie jeder einzelne von ihnen seinen persönlichen Problemberg auf die Reihe bekommt (oder auch nicht).

Für Fantasyfans, die sich einmal aus den gängigen Schienen und Klischees dieses Genres heraus und an etwas Neues heranwagen wollen, ist 'Kriegsklingen' eine ausgezeichnete Wahl. Allerdings empfehle ich, das Buch in der Buchhandlung ein paar Seiten lang anzulesen, denn Abercrombies Schreibstil muß man mögen.

Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert

  • Gesamtbewertungen: 1
  • Durchschnitt: 3.00
  • Datum: 01.07.2026

Ich hatte mir mehr versprochen

Der Tip für den hochgelobten Roman von Joël Dicker kam aus unserem Papyrus-Schreibforum, der Inhalt klang interessant und für komplexe Krimis bin ich immer zu haben. Auch international war das Buch ein gewaltiger Erfolg und ist nur knapp am Prix Goncourt (der prestigeträchtigste französische Literaturpreis) verbeigeschrappt, eigentlich sollte man damit nichts falsch machen. Also habe ich – zugegebenermaßen mit hoher Erwartungshaltung – zugeschlagen.

Worum gehts?

Auf stolzen 740 Seiten wird die Story aus der Sicht des jungen Autors Marcus Goldmann erzählt. Nachdem sein Erstling ein überwältigender Erfolg geworden ist, holt ihn eine üble Schreibblockade ein. In seiner Verzweiflung reist er in das kleine Städtchen Aurora in New Hampshire, wo sein Mentor Harry Quebert lebt. Von ihm erhofft sich Marcus Hilfe, doch dann gerät Harry, selbst ein gefeierter Autor, plötzlich unter Mordverdacht, als auf seinem Grundstück zufällig das Skelett der vor über dreißig Jahren verschwundenen, fünfzehnjährigen Nola gefunden wird. Was niemand auch nur geahnt hat: Sie ist damals Harrys Geliebte gewesen. Der Fall beschäftigt das ganze Land und es sieht nicht gut für Harry aus, Marcus ist jedoch von seiner Unschuld überzeugt und beginnt, selbst zu ermitteln …

Die Handlung springt nun ständig zwischen dem heute ermittelnden Marcus und den damaligen Geschehnissen hin und her und liest sich dank der immensen Verschachtelungen oft etwas unübersichtlich. Mit überraschenden Wendungen wird nicht gegeizt, was anfangs durchaus noch Spaß macht. Doch je weiter die Geschichte voranschreitet, desto unglaubwürdiger und an den Haaren herbeigezogen wirken sie, auch die Logiklöcher sind irgendwann groß genug, um darüber zu stolpern.

Es dreht sich also um einen Kriminalfall, aber auch um die Kunst der Schriftstellerei – und um die Liebe. An sich eine tolle Sache mit Potenzial ohne Ende, die Umsetzung lässt in meinen Augen leider einiges zu wünschen übrig.

Wenn sich zwei überragende Schriftsteller, wie Harry und Marcus dargestellt werden, über das Schreiben unterhalten, erwartet man als Leser schon die eine oder andere Kostprobe ihres Könnens, genauso wenn der Meister sein Wissen an seinen Schüler weitergibt. Tatsächlich wird man mit abgedroschenen Kalenderblatt-Weisheiten abgespeist. Auch die Auszüge aus ihren Romanen zeugen bestenfalls von durchschnittlichem Talent.

Genauso enttäuschend ist die Liebesgeschichte konstruiert. Ein dreiunddreißigjähriger Autor verliebt sich unsterblich in ein fünfzehnjähriges Mädchen, Lolita lässt grüßen. Von einer großartigen, überwältigenden, bahnbrechenden Liebe ist da ständig die Rede, wie sie einem nur einmal im Leben begegnet. Die Begegnungen von Nola und Harry laufen jedoch völlig banal ab, wirken oberflächlich, trivial und infantil, selbst für eine Fünfzehnjährige. Bei einem erwachsenen Mann, einem Meister der Worte, kann man nur noch den Kopf schütteln und sich denken, gut, er war halt nicht mit dem Hirn, sondern mit einem anderen Körperteil bei der Sache. Fehlanzeige, die Angelegenheit läuft absolut prosaisch ab und erinnert in erster Linie an eine harmlose Teenager-Schwärmerei. Vor allem aber vermag sie nicht zu überzeugen, man nimmt Harry seine gewaltigen Gefühle einfach nicht ab.

Den meisten Figuren fehlt der Tiefgang, sie wirken nebulös, nicht so richtig greifbar – und nicht sonderlich intelligent. Selbst der großartige Harry Quebert bildet da keine Ausnahme. Einige, wie Marcus‘ Mutter, sind über alle Maßen hinaus überzeichnet, während andererseits auch ein paar Stereotypen im Rennen sind.

Der gesamte Plot entwickelt sich mehr und mehr zu einem überkonstruierten Moloch, der mit immer krampfhafteren Verwicklungen versucht, ständig ein weiteres, noch spektakuläreres Überraschungsmoment draufzusetzen.
Besonders seltsam erscheint dabei, dass handlungsmäßig so gut wie nichts passiert. Marcus zieht um die Häuser und interviewt die Bewohner zu den damaligen Geschehnissen, viel mehr ist es nicht. Das meiste erfährt man also aus zweiter Hand, die Show don’t Tell – Regel wurde so konsequent ignoriert, wie ich es nur selten gesehen habe.

Auch sprachlich fand ich das Buch nicht überzeugend. Der gesamte Text ist bis zum Überquellen mit Redundanzen vollgestopft, wesentliche Dinge (und genauso diverse weniger wichtige) werden immer wieder und wieder erwähnt. Der Schreibstil liest sich insgesamt etwas holperig und keinesfalls so, als ob darin großartige Autoren zu Wort kommen würden. Was das angeht, hatte ich mehr erwartet. Zudem hat mich gestört, dass es sich selbst sehr ernst zu nehmen scheint und arg humorlos auftritt.


Trotz alledem …

… fand ich es nicht restlos schlecht. Es hat einen gewissen Unterhaltungswert, ab einem bestimmten Punkt fragt man sich, wie oft die Erkenntnisse noch von Grund auf wieder umgekrempelt werden – und was zum Schluss dabei herauskommt. Ich habe mir außerdem gedacht, faszinierend, der Autor hat hier das Kunststück fertiggebracht, mit so ziemlich allen gängigen Schreibregeln zu brechen, und hat dafür ein passables Buch abgeliefert.
Es ist in meinen Augen ein netter Schmöker für den Urlaub, wenn man mit null Action leben kann, mehr aber auch nicht.

Alchemised

  • Gesamtbewertungen: 2
  • Durchschnitt: 2.50
  • Datum: 01.07.2026

Warum ein tolles Cover eben doch nicht alles ist

Ein brandneuer Fantasyschmöker mit über 1200 Seiten? Genial, da musste ich unbedingt einen näheren Blick drauf werfen, ich liebe solche hochvoluminösen Wälzer.
Auch das Cover fand ich sehr gut gelungen und toll aufgemacht, wenn jetzt noch der Inhalt hält, was die Sache verspricht, ist es gekauft.

Glücklicherweise gibts beim ‘großen A’ die Möglichkeit der Leseprobe, die etwa 10% eines Werkes ausmacht. Bei gut 1200 Seiten ist das eine ordentliche Menge Lesestoff, ausreichend, um sich ein Urteil zu bilden und eine Kaufentscheidung fällen zu können.
Also heruntergeladen und losgelegt.

Überschrieben ist das Ganze als ‚düstere Fantasy mit einer epischen Liebesgeschichte‘. Na ja, nicht so wirklich meins, und mir schwante schon Schreckliches, aber man kann der Sache ja mal eine Chance geben.

Die Handlung in aller Kürze:

Die Protagonistin, letzte Überlebende des Widerstands aus irgendeinem Krieg, vergessen in Gefangenschaft. Durch Zufall gerät sie in die Hände des erbarmungslosen sozusagen – Geheimdienstchefs. Eingesperrt auf seinem eisernen Anwesen versucht sie, die letzten Geheimnisse des Widerstands zu wahren, während er versucht, mit alchemistischer Gewalt in ihren Kopf einzudringen.

Schon jetzt ist absehbar, dass sich die ‚epische Liebesgeschichte‘ früher oder später zwischen diesen beiden entwickeln wird, also eine Täter-Opfer-Beziehung. In meinen Augen ein mehr als heikles Thema, was ich immer verdammt problematisch finde.

Das Umfeld, in dem sich die Handlung abspielt, ist schon mal so richtig zum Abgewöhnen. Von Anfang an geht es um Folter und Tod, Hinrichtungen, Grausamkeiten aller Art, Menschenversuche mit Zuchtprogrammen, untoten Leichen und so einiges mehr, zum Teil richtig schön ausführlich beschrieben.
Appetizer gefällig? So wurde ein toter General wiedererweckt und gezwungen, seine Frau umzubringen, indem er Teile aus ihrem Körper herausschnitt und verspeiste. Mahlzeit.

Angeblich zieht sich dieser Stil weiter durch das gesamte Buch.
Echte Spannung kommt nicht wirklich auf und wird lediglich durch neue Scheußlichkeiten zu erzeugen versucht, denn viel anderes passiert da nicht und ist im Grunde eher langweilig.
Zur ‚Auflockerung‘ gibts dafür immer wieder längere Abschnitte über die dortigen Verhältnisse, wo man diverse Namen, Begriffe und Sachverhalte geballt an den Kopf geknallt bekommt. Infodump wie er im Buche steht, ohne Glossar ist man ziemlich chancenlos.
Die ständigen Treffen von Helena und Kaine laufen jedes Mal nach Schema F ab, ihre Welt gerät in einer Tour ins Wanken und sie taumelt am Rande einer Ohnmacht herum, während er andauernd kreidebleich wird. Ein sehr uninspirierter Schreibstil, Klischees an jeder Ecke und Figuren, die so hölzern und flach agieren, dass sie ähnlich leblos wirken wie die ganzen wiedererweckten Leichen – all das zusammen spricht eigentlich nur für ein mieses Buch. Zuklappen, vergessen, gut is.

Ich hätte damit auch kein Problem, wenn es nur um eine extrem handlungsarme Aneinanderreihung von Gewalt und Grausamkeiten gehen würde, wer sowas mag, bitteschön.
Das Problem liegt in meinen Augen in der Botschaft, die es vermittelt: Lass dich physisch und psychisch bis zum Anschlag quälen, denn darin findet sich die große Liebe. Kaine ist sexy, auf eine dunkle Weise umwerfend gut aussehend, skrupellos, grausam und manipulativ, aber er will das alles ja eigentlich gar nicht, er ist unglücklich in seiner Ehe, und im Geheimen liebt er Helena.
Helena hat ihrerseits nichts Besseres zu tun, als all seine Grausamkeiten zu entschuldigen, denn er will das alles ja gar nicht, und er hat es nicht leicht in seiner Position, zerrissen zwischen allen Fronten. (Und wahrscheinlich hatte er auch eine schwere Kindheit).

Genau diesen Cocktail finde ich nicht nur richtig übel, sondern auch nicht ganz ungefährlich.

Die Protagonistin wird in einer Tour gequält und gedemütigt, sie denkt eigentlich nur darüber nach, wie sie sich selbst umbringen könnte, damit die Geheimnisse nicht ans Tageslicht kommen. Von Anfang an gehts da heftig zur Sache (und nein, der Part mit den Vergewaltigungen kommt angeblich erst später), die Atmosphäre ist durchgängig trist, trübe, verzweifelt, hoffnungslos, depressiv. Wie sich da irgendwelche Zärtlichkeit oder gar eine Lovestory entwickeln kann, ist mir ein absolutes Rätsel, man sollte meinen, so sehr kann ein Stockholm-Syndrom doch gar nicht aus dem Ruder laufen.

Was mich aber am meisten wundert – und auch beunruhigt, ist die Tatsache, dass dieses Buch ein absoluter Renner ist und überall hoch gelobt wird.
Dark Romance richtet sich ja hauptsächlich an ein jüngeres, weibliches Lesepublikum, was hat diese Generation, die diesen Schmöker so toll findet, nur für eine Vorstellung von Liebe, Zärtlichkeit, Partnerschaft und gutem Sex?

Wenn erwachsene Frauen mit so etwas ihre Fantasien ausleben, kein Problem. Anders schaut es bei jungen, zum Teil auch sehr jungen Mädchen aus, die mit Beziehungen und allem, was damit zu tun hat, noch keinerlei Erfahrungen haben. Die Gefahr, dass auf diese Weise ein völlig verdrehtes Weltbild entsteht, ist nicht so ganz abwegig, weil auch die Fähigkeit, differenzieren zu können, sich erst mit der Zeit entwickelt.

Die Leseprobe habe ich nach etwa 2/3 gelöscht, und allen Göttern gedankt, dass sie mich vor einem katastrophalen Fehlkauf bewahrt hat!

Yoros Buchregal

Cover: Otherland. Band 1

Otherland. Band 1

  • Gesamtbew.: 1
  • Bewertet: 5
Cover: Kriegsklingen - Die Klingen-Saga

Kriegsklingen - Die Klingen-Saga

  • Gesamtbew.: 1
  • Bewertet: 5
Cover: Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert

Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert

  • Gesamtbew.: 1
  • Bewertet: 3
Cover: Alchemised

Alchemised

  • Gesamtbew.: 2
  • Bewertet: 1