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Yoro hat bisher 2 Bücher in ihrem Bücherregal.Davon wurden derzeit 2 Bücher bewertet.
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- Rezensionen: 2
- Leserin
Yoro
Worte sind Magie! Das habe ich schon sehr früh erkannt, was sicher auch Zeit und Umständen geschuldet war. Fernsehen war damals noch Luxus (ich bin ein 1964er Jahrgang), und so Sachen wie Smartphone, Tablet oder Playstation gab es schlicht und einfach noch nicht. Da blieb es nicht aus, dass man diesen komischen Dingern aus Pappe und Papier von Anfang an viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt und sich gefragt hat, wozu die eigentlich gut sind.
Sobald ich begriffen hatte, dass da nicht nur Bilder, sondern auch lauter tolle Geschichten drinne stehen, war ich der Sache verfallen. Rettungslos.
So nahm die Sache ihren Lauf. Aus mir wurde nicht nur eine ausgemachte Leseratte, ich habe inzwischen auch eine Menge ‘für die Schublade’ geschrieben und einen Chicklit-Roman im Selfpublishing veröffentlicht. Mein Erstling 'Starthilfe für die Schmetterlinge' ist eigentlich nur entstanden, weil ich sehen wollte, ob ich mit dem Genre zurechtkomme - und es hat tatsächlich viel Spaß gemacht, es zu schreiben.
Weiteres wird folgen, ganz bestimmt auch mit Themen aus dem Fantasybereich.
Ich lebe heute mit meinem Mann in München, bin großer England-Fan (weswegen sich mein Vorname auch von Maria zu Mary gewandelt hat), ich koche & esse gerne, hab ein Faible für Malen und Zeichnen - und ich liebe Fantasy, Sci-Fi, gute Krimis und Thriller.
Egal welches Genre, ich lege viel Wert auf eine lebendige Charakterentwicklung und stimmige Plots, die sich gerne auch langsam entwickeln dürfen.
Rezensionen (2)
Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert
- Gesamtbewertungen: 1
- Durchschnitt: 3.00
- Datum: 01.07.2026
Ich hatte mir mehr versprochen
Der Tip für den hochgelobten Roman von Joël Dicker kam aus unserem Papyrus-Schreibforum, der Inhalt klang interessant und für komplexe Krimis bin ich immer zu haben. Auch international war das Buch ein gewaltiger Erfolg und ist nur knapp am Prix Goncourt (der prestigeträchtigste französische Literaturpreis) verbeigeschrappt, eigentlich sollte man damit nichts falsch machen. Also habe ich – zugegebenermaßen mit hoher Erwartungshaltung – zugeschlagen.
Worum gehts?
Auf stolzen 740 Seiten wird die Story aus der Sicht des jungen Autors Marcus Goldmann erzählt. Nachdem sein Erstling ein überwältigender Erfolg geworden ist, holt ihn eine üble Schreibblockade ein. In seiner Verzweiflung reist er in das kleine Städtchen Aurora in New Hampshire, wo sein Mentor Harry Quebert lebt. Von ihm erhofft sich Marcus Hilfe, doch dann gerät Harry, selbst ein gefeierter Autor, plötzlich unter Mordverdacht, als auf seinem Grundstück zufällig das Skelett der vor über dreißig Jahren verschwundenen, fünfzehnjährigen Nola gefunden wird. Was niemand auch nur geahnt hat: Sie ist damals Harrys Geliebte gewesen. Der Fall beschäftigt das ganze Land und es sieht nicht gut für Harry aus, Marcus ist jedoch von seiner Unschuld überzeugt und beginnt, selbst zu ermitteln …
Die Handlung springt nun ständig zwischen dem heute ermittelnden Marcus und den damaligen Geschehnissen hin und her und liest sich dank der immensen Verschachtelungen oft etwas unübersichtlich. Mit überraschenden Wendungen wird nicht gegeizt, was anfangs durchaus noch Spaß macht. Doch je weiter die Geschichte voranschreitet, desto unglaubwürdiger und an den Haaren herbeigezogen wirken sie, auch die Logiklöcher sind irgendwann groß genug, um darüber zu stolpern.
Es dreht sich also um einen Kriminalfall, aber auch um die Kunst der Schriftstellerei – und um die Liebe. An sich eine tolle Sache mit Potenzial ohne Ende, die Umsetzung lässt in meinen Augen leider einiges zu wünschen übrig.
Wenn sich zwei überragende Schriftsteller, wie Harry und Marcus dargestellt werden, über das Schreiben unterhalten, erwartet man als Leser schon die eine oder andere Kostprobe ihres Könnens, genauso wenn der Meister sein Wissen an seinen Schüler weitergibt. Tatsächlich wird man mit abgedroschenen Kalenderblatt-Weisheiten abgespeist. Auch die Auszüge aus ihren Romanen zeugen bestenfalls von durchschnittlichem Talent.
Genauso enttäuschend ist die Liebesgeschichte konstruiert. Ein dreiunddreißigjähriger Autor verliebt sich unsterblich in ein fünfzehnjähriges Mädchen, Lolita lässt grüßen. Von einer großartigen, überwältigenden, bahnbrechenden Liebe ist da ständig die Rede, wie sie einem nur einmal im Leben begegnet. Die Begegnungen von Nola und Harry laufen jedoch völlig banal ab, wirken oberflächlich, trivial und infantil, selbst für eine Fünfzehnjährige. Bei einem erwachsenen Mann, einem Meister der Worte, kann man nur noch den Kopf schütteln und sich denken, gut, er war halt nicht mit dem Hirn, sondern mit einem anderen Körperteil bei der Sache. Fehlanzeige, die Angelegenheit läuft absolut prosaisch ab und erinnert in erster Linie an eine harmlose Teenager-Schwärmerei. Vor allem aber vermag sie nicht zu überzeugen, man nimmt Harry seine gewaltigen Gefühle einfach nicht ab.
Den meisten Figuren fehlt der Tiefgang, sie wirken nebulös, nicht so richtig greifbar – und nicht sonderlich intelligent. Selbst der großartige Harry Quebert bildet da keine Ausnahme. Einige, wie Marcus‘ Mutter, sind über alle Maßen hinaus überzeichnet, während andererseits auch ein paar Stereotypen im Rennen sind.
Der gesamte Plot entwickelt sich mehr und mehr zu einem überkonstruierten Moloch, der mit immer krampfhafteren Verwicklungen versucht, ständig ein weiteres, noch spektakuläreres Überraschungsmoment draufzusetzen.
Besonders seltsam erscheint dabei, dass handlungsmäßig so gut wie nichts passiert. Marcus zieht um die Häuser und interviewt die Bewohner zu den damaligen Geschehnissen, viel mehr ist es nicht. Das meiste erfährt man also aus zweiter Hand, die Show don’t Tell – Regel wurde so konsequent ignoriert, wie ich es nur selten gesehen habe.
Auch sprachlich fand ich das Buch nicht überzeugend. Der gesamte Text ist bis zum Überquellen mit Redundanzen vollgestopft, wesentliche Dinge (und genauso diverse weniger wichtige) werden immer wieder und wieder erwähnt. Der Schreibstil liest sich insgesamt etwas holperig und keinesfalls so, als ob darin großartige Autoren zu Wort kommen würden. Was das angeht, hatte ich mehr erwartet. Zudem hat mich gestört, dass es sich selbst sehr ernst zu nehmen scheint und arg humorlos auftritt.
Trotz alledem …
… fand ich es nicht restlos schlecht. Es hat einen gewissen Unterhaltungswert, ab einem bestimmten Punkt fragt man sich, wie oft die Erkenntnisse noch von Grund auf wieder umgekrempelt werden – und was zum Schluss dabei herauskommt. Ich habe mir außerdem gedacht, faszinierend, der Autor hat hier das Kunststück fertiggebracht, mit so ziemlich allen gängigen Schreibregeln zu brechen, und hat dafür ein passables Buch abgeliefert.
Es ist in meinen Augen ein netter Schmöker für den Urlaub, wenn man mit null Action leben kann, mehr aber auch nicht.
- Gesamtbewertungen: 2
- Durchschnitt: 2.50
- Datum: 01.07.2026
Warum ein tolles Cover eben doch nicht alles ist
Ein brandneuer Fantasyschmöker mit über 1200 Seiten? Genial, da musste ich unbedingt einen näheren Blick drauf werfen, ich liebe solche hochvoluminösen Wälzer.
Auch das Cover fand ich sehr gut gelungen und toll aufgemacht, wenn jetzt noch der Inhalt hält, was die Sache verspricht, ist es gekauft.
Glücklicherweise gibts beim ‘großen A’ die Möglichkeit der Leseprobe, die etwa 10% eines Werkes ausmacht. Bei gut 1200 Seiten ist das eine ordentliche Menge Lesestoff, ausreichend, um sich ein Urteil zu bilden und eine Kaufentscheidung fällen zu können.
Also heruntergeladen und losgelegt.
Überschrieben ist das Ganze als ‚düstere Fantasy mit einer epischen Liebesgeschichte‘. Na ja, nicht so wirklich meins, und mir schwante schon Schreckliches, aber man kann der Sache ja mal eine Chance geben.
Die Handlung in aller Kürze:
Die Protagonistin, letzte Überlebende des Widerstands aus irgendeinem Krieg, vergessen in Gefangenschaft. Durch Zufall gerät sie in die Hände des erbarmungslosen sozusagen – Geheimdienstchefs. Eingesperrt auf seinem eisernen Anwesen versucht sie, die letzten Geheimnisse des Widerstands zu wahren, während er versucht, mit alchemistischer Gewalt in ihren Kopf einzudringen.
Schon jetzt ist absehbar, dass sich die ‚epische Liebesgeschichte‘ früher oder später zwischen diesen beiden entwickeln wird, also eine Täter-Opfer-Beziehung. In meinen Augen ein mehr als heikles Thema, was ich immer verdammt problematisch finde.
Das Umfeld, in dem sich die Handlung abspielt, ist schon mal so richtig zum Abgewöhnen. Von Anfang an geht es um Folter und Tod, Hinrichtungen, Grausamkeiten aller Art, Menschenversuche mit Zuchtprogrammen, untoten Leichen und so einiges mehr, zum Teil richtig schön ausführlich beschrieben.
Appetizer gefällig? So wurde ein toter General wiedererweckt und gezwungen, seine Frau umzubringen, indem er Teile aus ihrem Körper herausschnitt und verspeiste. Mahlzeit.
Angeblich zieht sich dieser Stil weiter durch das gesamte Buch.
Echte Spannung kommt nicht wirklich auf und wird lediglich durch neue Scheußlichkeiten zu erzeugen versucht, denn viel anderes passiert da nicht und ist im Grunde eher langweilig.
Zur ‚Auflockerung‘ gibts dafür immer wieder längere Abschnitte über die dortigen Verhältnisse, wo man diverse Namen, Begriffe und Sachverhalte geballt an den Kopf geknallt bekommt. Infodump wie er im Buche steht, ohne Glossar ist man ziemlich chancenlos.
Die ständigen Treffen von Helena und Kaine laufen jedes Mal nach Schema F ab, ihre Welt gerät in einer Tour ins Wanken und sie taumelt am Rande einer Ohnmacht herum, während er andauernd kreidebleich wird. Ein sehr uninspirierter Schreibstil, Klischees an jeder Ecke und Figuren, die so hölzern und flach agieren, dass sie ähnlich leblos wirken wie die ganzen wiedererweckten Leichen – all das zusammen spricht eigentlich nur für ein mieses Buch. Zuklappen, vergessen, gut is.
Ich hätte damit auch kein Problem, wenn es nur um eine extrem handlungsarme Aneinanderreihung von Gewalt und Grausamkeiten gehen würde, wer sowas mag, bitteschön.
Das Problem liegt in meinen Augen in der Botschaft, die es vermittelt: Lass dich physisch und psychisch bis zum Anschlag quälen, denn darin findet sich die große Liebe. Kaine ist sexy, auf eine dunkle Weise umwerfend gut aussehend, skrupellos, grausam und manipulativ, aber er will das alles ja eigentlich gar nicht, er ist unglücklich in seiner Ehe, und im Geheimen liebt er Helena.
Helena hat ihrerseits nichts Besseres zu tun, als all seine Grausamkeiten zu entschuldigen, denn er will das alles ja gar nicht, und er hat es nicht leicht in seiner Position, zerrissen zwischen allen Fronten. (Und wahrscheinlich hatte er auch eine schwere Kindheit).
Genau diesen Cocktail finde ich nicht nur richtig übel, sondern auch nicht ganz ungefährlich.
Die Protagonistin wird in einer Tour gequält und gedemütigt, sie denkt eigentlich nur darüber nach, wie sie sich selbst umbringen könnte, damit die Geheimnisse nicht ans Tageslicht kommen. Von Anfang an gehts da heftig zur Sache (und nein, der Part mit den Vergewaltigungen kommt angeblich erst später), die Atmosphäre ist durchgängig trist, trübe, verzweifelt, hoffnungslos, depressiv. Wie sich da irgendwelche Zärtlichkeit oder gar eine Lovestory entwickeln kann, ist mir ein absolutes Rätsel, man sollte meinen, so sehr kann ein Stockholm-Syndrom doch gar nicht aus dem Ruder laufen.
Was mich aber am meisten wundert – und auch beunruhigt, ist die Tatsache, dass dieses Buch ein absoluter Renner ist und überall hoch gelobt wird.
Dark Romance richtet sich ja hauptsächlich an ein jüngeres, weibliches Lesepublikum, was hat diese Generation, die diesen Schmöker so toll findet, nur für eine Vorstellung von Liebe, Zärtlichkeit, Partnerschaft und gutem Sex?
Wenn erwachsene Frauen mit so etwas ihre Fantasien ausleben, kein Problem. Anders schaut es bei jungen, zum Teil auch sehr jungen Mädchen aus, die mit Beziehungen und allem, was damit zu tun hat, noch keinerlei Erfahrungen haben. Die Gefahr, dass auf diese Weise ein völlig verdrehtes Weltbild entsteht, ist nicht so ganz abwegig, weil auch die Fähigkeit, differenzieren zu können, sich erst mit der Zeit entwickelt.
Die Leseprobe habe ich nach etwa 2/3 gelöscht, und allen Göttern gedankt, dass sie mich vor einem katastrophalen Fehlkauf bewahrt hat!
Yoros Buchregal
Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert
- Gesamtbew.: 1
- Bewertet: 3
- Gesamtbew.: 2
- Bewertet: 1