
Titel: Wer hat die Glühbirne erfunden?
1888: Der erste Mandant des jungen Anwalts Paul Cravath wird George Westinghouse, den er ausgerechnet gegen Thomas Edison verteidigen soll, der diesen mit Anklagen vor Gericht überzieht. Edison ist mit allen Wassern gewaschen und macht es Westinghouse und seinem Anwalt nicht leicht.
Graham Moore, 2015 Oscargewinner für das beste adaptierte Drehbuch, nimmt sich hier den als Stromkrieg in die Geschichten eingegangenen Streit an, erzählt diesen aber komprimiert auf zwei Jahre. Neben den bereits erwähnten drei Charakteren trifft man hier auf eine ganze Reihe historischer Persönlichkeiten, allen voran Nikola Tesla. Zu vielen der erwähnten Personen habe ich zusätzlich recherchiert, die meisten davon haben mehr oder weniger große Spuren hinterlassen.
Wie schon erwähnt nimmt sich der Autor dichterische Freiheiten, immerhin ist dies kein Sachbuch sondern ein Roman. Graham Moore erzählt dazu einiges in seiner Nachbemerkung, die man auf jeden Fall lesen sollte.
Ich will nicht behaupten, dass ich die ganzen mathematischen und physikalischen Hintergründe kenne und verstehe, die hier erwähnt werden, das macht aber gar nichts, denn auch Paul ist in der Beziehung Laie und so wird manches erklärt und anderes eben als gegeben angenommen. Die wissenschaftlichen Hintergründe sind zwar auch wichtig, aber im Zentrum der Geschichte stehen vor allem auch Cravaths Überlegungen, wie Westinghouse gegenüber Edison bestehen könnte und all die Tricks und Kniffe, mit denen auf beiden Seiten gearbeitet wird.
Der Roman ist erstaunlich unterhaltsam, und stellenweise richtig spannend, ich habe ihn sehr gerne gelesen. Erzählt wird aus Sicht Cravaths, man erlebt ihn auch in privatem Kontext und erfährt seine Gedanken und Überlegungen in all seinen Lebenslagen. Er ist schlau, aber auch noch jung und unerfahren, macht Fehler, ist verzweifelt, hat aber auch immer wieder Ideen. Erzählt wird eindringlich und oft sehr humorvoll. Letzteres ist vielleicht etwas überraschend, aber der Humor passt sehr gut und macht den Roman erst so richtig unterhaltsam.
Dieser Roman hat mich angenehm überrascht, er ist spannend, eindringlich erzählt, bei allem Drama auch voller Humor und bringt nicht nur einen bemerkenswerten Protagonisten sondern auch noch weitere ebenso spannende Charaktere mit, die der Welt ihren Stempel aufgedrückt haben.