Titel: Urban Fantasy mit zu viel Romantik
Ophelia will ihren Kurzurlaub in Prag nicht nur nutzen, möglichst viel der interessanten Stadt zu sehen, sie will auch nach der kürzlichen Trennung wieder zu sich kommen. Doch daraus wird erst einmal nichts, denn auf ihrer Erkundung durch die Prager Burg trifft sie auf einen Golem und erweckt diesen zum Leben. Kurz darauf ist sie von einer geheimnisvollen Gruppe, die sich Agency nennt, gefangen genommen worden und soll erklären, wie ihr das gelingen konnte. Zu allem Übel ist der Golem verschwunden und Ophelia scheint die einzige zu sein, die ihn wieder außer Gefecht setzen kann.
Prag und der Golem, das gehört seit dem 16. Jahrhundert fest zusammen. Beides im Klappentext hat mich sofort angesprochen, denn ich mag Prag sehr und der Golem ist eine faszinierende mythische Gestalt. Der Roman ließ sich auch, bis auf die Kritikpunkte, die ich weiter unten anführe, zunächst wirklich spannend lesen. Die Agency, die sich um Ereignisse mit magischem beziehungsweise mystischem Hintergrund kümmert, existiert, wenn auch nicht unter diesem Namen, schon sehr lange, besteht in den letzten Jahrhunderten aber nur noch aus Formwandlern. Die Menschen haben sich von der Magie abgewandt, glauben nicht mehr an sie, und sollen daher vor ihr geschützt werden. Allen Menschen, die magische Ereignisse mitbekommen, werden daher von diesen Erinnerungen befreit.
Ophelia wird einem Team zugeordnet, dessen Teamleiter, Einar, zunächst nicht sehr glücklich darüber ist, er mag Menschen nämlich nicht besonders gerne. Den Grund dafür erfährt man im Laufe des Romans. Erzählt wird ich-Form aus den Perspektiven Ophelias und Einars. Erzählerisch passt das gut, so ist man mit Ophelia hautnah dabei, wenn sie nach und nach erfährt, was hinter der Agency steckt und wer die einzelnen Teammitglieder sind, während man mit Einar das Geschehen aus Sicht eines Agenten wahrnimmt.
Leider kam mir Ophelia während des ganzen Romans nicht wirklich nahe, im Gegensatz zu Einar und seinem Team. Die einzelnen Teammitglieder mochte ich schnell, und ich finde sowohl das Setting, Prag nimmt seinen Platz im Roman ein, sowie die Prämisse des Romans interessant. Die Auflösung allerdings gefällt mir nicht ganz so gut, nicht nur, weil am Ende vieles offen bleibt und wohl im nächsten Band wieder aufgenommen wird. Ich persönlich hätte ein knackiges und abgeschlossenes Einzelabenteuer pro Band bevorzugt.
Gar nicht überzeugt hat mich die Liebesgeschichte. Dass man es mit einer zu tun haben würde, sagt ja bereits der Untertitel des Romans. Leider hat die Autorin darauf verzichtet, die Gefühle nach und nach entstehen zu lassen, sondern direkt von Anfang an darauf hingewiesen, dass da mehr ist, sowohl Ophelia und Einar haben es aber natürlich erst einmal nicht wahrhaben wollen. Für mich fühlte sich das sehr aufgesetzt an und hat mich auch schnell genervt. Wenn ich zum Bespiel lesen muss, dass Einar an Ophelias Lippen als „reife Kirschen“ denkt – echt jetzt? Hat die Autorin schon einmal reife Kirschen gesehen? Gefühlt habe ich die Beziehung bis zum Ende des Romans nicht. Schade, da habe ich, die auf Liebesgeschichten in der Regel sowieso verzichten kann, schon deutlich besseres gelesen. Für mich ist diese Liebesgeschichte absolut unnötig und nicht authentisch. Leider nimmt sie mehr und mehr Raum ein, im späteren Roman habe ich diese Szenen nur noch überflogen.
Der Roman ist der Start in eine Reihe, die offenbar mit einander verknüpfte Fälle im magischen und mystischen Bereich bietet. Mich persönlich konnte die immer mehr ins Zentrum rückende Liebesgeschichte nicht abholen, sie hat mir im Gegenteil den Roman eher vermiest. Offenbar wird auch der nächste Band von einer Liebesgeschichte beherrscht. Obwohl ich mir vorstellen könnte,, die Charaktere noch einmal wiederzutreffen, bin ich deshalb noch nicht sicher, ob ich der Reihe noch eine Chance geben sollte. Wer Urban Fantasy mit viel Romantik mag, könnte sich hier wohlfühlen.