Titel: Ließ mich zwiegespalten zurück
Während des Vietnamkrieges, der 1975 beendet wurde, haben die USA das Entlaubungsmittel Agent Orange eingesetzt, das mit dem Dioxin TCDD verunreinigt war. Noch heute leidet die vietnamesische Bevölkerung darunter, neben auftretenden Spätfolgen werden immer noch missgebildete Kinder geboren. Viele dieser Kinder werden in speziellen Heimen betreut.
Nhi ist eine von ihnen, sie wurde ohne Beine geboren. Wie alle muss auch sie mit 18 Jahren das Heim verlassen und zu ihrer Familie zurückkehren.
Bao ist eine kleine Maus, die ihre Familie verloren hat, und von Nhi aufgenommen wurde. Nhi hat nämlich ein spezielles Talent, sie kann mit Tieren sprechen. Natürlich begleitet Bao sie in das Dorf ihrer Familie. Wie sich herausstellt, lebt nur noch Hien, Nhis Großtante, außerdem hat sich das Dorf auf Schlangenzucht spezialisiert. Für Nhi wird eine Arbeit gefunden, die sie leisten kann, wirklich akzeptiert wird sie aber nicht.
Eigentlich hatte ich anhand von Titel und Cover etwas ganz anderes erwartet, eine Art Märchen, nicht aber einen Roman mit so viel Realitätsbezug, so hatte ich zunächst ein bisschen Probleme im Roman anzukommen, konnte aber relativ schnell umswitchen. Märchenhaft ist an dem Roman wenig, obwohl es ein, zwei Versatzstücke gibt, die zu Märchen passen, wie zum Beispiel Nhis spezielles Talent. Alles andere ist sehr realistisch, ein gut Teil gesellschaftskritisch und auch nicht ohne Grausamkeiten.
Ich gestehe, dass ich bisher nichts darüber wusste, dass Agent Orange sich auch heute noch so gravierend auswirkt. Sicher bin ich da nicht die einzige, weswegen ich das Thema wichtig finde, das man auch in einem Roman verarbeiten kann, wobei ich finde, dass es hier manchmal ein bisschen untergeht.
Ich habe schon andere Werke des Autors gelesen, der Roman passt schon dazu, allerdings hat er mir, im Gegensatz zu den anderen Werken weniger gut gefallen. Das lag vor allem daran, dass er für mich nicht spannend war, und ich ein bisschen die Lust verlor, ihn zu lesen.
Erzählt wird aus Baos Perspektive, was ich recht ansprechend finde. Dazwischengestreut sind immer wieder einmal verschiedene Dokumente, wie Briefe oder Medienberichte. Letzteres macht den Roman interessanter, und wirft auch die eine oder andere Frage auf. Leider sind mir die Protagonist:innen nicht wirklich nahe gekommen, vielleicht wäre Nhis Perspektive zwischendurch günstiger gewesen, um ihr näher zu kommen.
Etwas schockiert hat mich das Ende, ich bin immer noch nicht sicher, ob ich es gutheißen kann. Ich kann aber verstehen, wie es dazu gekommen ist.
Der Roman ist kein Märchen, wie ich es eigentlich erwartet hatte, sondern hat einen starken Realitätsbezug, das Thema, das hier berührt wird, halte ich für wichtig, der Roman konnte mich aber leider nicht packen, und auch die Charaktere kamen mir wenig nahe. So ließ er mich letztlich zwiegespalten zurück, daher vergebe ich durchschnittliche 3 Sterne.