
Titel: Kontrastreicher Roman mit dramatischem Ende
Zu Beginn wusste ich so gar nicht, was mich bei dieser Geschichte erwarten wird. Habe ich mit so einer Dramatik und so einer Intensität gerechnet? Definitiv nicht, was mich dann auch letztendlich - im positiven Sinne - total umgehauen hat.
Der Fokus liegt anfangs ganz eindeutig auf dem berühmten Künstler Tartuffe. Deshalb kommt Joseph auch nach Südfrankreich. Seine familiären Verhältnisse sind schwierig, weshalb er diese Chance als Journalist nutzen muss. Hier tritt ganz klar die Künstlerverehrung in den Vordergrund. Es dreht sich viel um Tata, seine Arbeitsweise und auch seine Art zu Leben. Die Eindrücke von Ettie, seiner Nichte, sind zurückhaltend, jedoch merkt man sehr schnell, dass sie das Grundgerüst der Bindung darstellt. Abhängigkeiten halten alles zusammen und am laufen. Tata ist Künstler durch und durch und er genießt die Erhöhung zum Genie. Seine gottgleiche Verehrung bekommt aber im Verlauf der Geschichte immer mehr Risse. Genau da sehen wir dann Etties Chance und bekommen Einblicke in ihren Charakter.
Idylle trifft auf Dynamik und Josephs "Eindringen" in die Welt der kleinen Familie hat eine enorme Auswirkung.
Ich liebe den Wandel der Geschichte! Eine grandiose Wendung, die sich anschleicht, die man erwartet, und trotzdem ist man dann überrascht, wenn sie sich zeigt und in einem großen Finale vonstatten geht. Zudem kommt die künstlerische Komponente nicht zu kurz, was einen immer wieder in eine entrückte Künstlerwelt führt. Realität und Fiktion, Sehnsüchte und Alltag, Stütze und Ketten, Bindung und gleichzeitig Kerker. Viele Kontraste, die einen berühren und auch beim Leser selbst Emotionen hervorbringen. Man schwankt hin und her, bis es letztendlich zum Unausweichlichen kommt.
Ich persönlich fand die Schreibweise genial und habe mir auch schon das Hörbuch dazu angehört. Meiner Meinung nach ist es zu empfehlen. Ein Roman der bewegt.
5/5San