
Titel: Ein einfühlsamer Roman über Kindertage im Krieg
Das Cover sieht für mich bedrückend und doch interessant aus. Das Kind wirkt neugierig und schaut aus dem Fenster, vielleicht ein Blick in die Vergangenheit? Der Titel ist gut gewählt und hat mich neugierig gemacht.
Ein Bergdorf in Österreich und die kleine Anna muss miterleben, wie Menschen mit Behinderung verschwinden, die Stimmung immer schlimmer wird und auf Nachfragen nur Schweigen folgt. Der zweite Weltkrieg. Eine Zeit, in der die Welt aus den Fugen gerät und das sogar bis in Anna´s Dorf. Lebensmittelmarken und Hunger werden zur Normalität. Kinder werden verschickt und so geht das Leben weiter. Anna´s älterer Bruder Max wird einberufen. Wie sollen Kinderseelen das ertragen? Halt findet die kleine Anna bei ihrem Großvater. Der Fels in der Brandung auch für das gesamte Dorf. Sein Wort hat Gewicht, seine Haltung ist klar. Und Anna orientiert sich an ihm.
Später lernt der Leser Anna als erwachsene Frau kennen, sie bleibt ihrer Haltung, so wie ihr Großvater, treu. Als eine Nachbarin eine rassistische Äußerung macht lässt es es nicht einfach so stehen, sie sagt etwas.
Später im hohen Alter blickt Anna auf ihre Vergangenheit zurück, sie ist nicht mehr so mobil und lebt deswegen bei ihrer Tochter. Sie lässt ihre Enkel an ihren Erlebnissen aus Kindertagen teilhaben, sie schweigt nicht auch wenn dieses Kapitel ihres Lebens düster ist. Besonders schwer fand ich die Szene bei Kriegsende, als Anna im abgedunkelten Haus ist und Geräusche hört, es sind die letzten Todesmärschen. Dieses Geräusch wird für Anna immer im Kopf bleiben.
Der Autor Thomas Lichtenwöhrer hat es geschafft mich von der ersten Seite an zu begeistern. Die Kapitel in Anna´s Kindheit sind düster aber sehr gut recherchiert Die Szenen wurden detailliert beschrieben. Auch der Großvater ist ein wichtiger Charakter. Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich empfehle es auf jeden Fall weiter.