
Ich, der Sohn
Eine Geschichte aus Palästina, beinahe zeitlos: Besatzung, Hungersnöte, Frömmelei, Clangesellschaft, Fanatismus als Grundübel. Dreißigjährig blickt Jesus auf sein Leben zurück, das er als rebellischer Heranwachsender teils mit der Suche nach seinem verschwundenen Vater verbracht hat; eine Wanderschaft voller Abenteuer und Gefahren, samt dem glühenden Erwachen des Eros. Maria, die Mutter, war selbst noch ein Kind, als sie ihn bekam. Nun hat sie ein Geheimnis, einen unausgesprochenen Plan. Der ernüchterte, gleichzeitig getriebene Jesus spürt, dass er ihre Erwartungen nicht erfüllen kann, bis es zu einer letzten Wendung kommt ...
Die grausame Herrschaft der Römer (ab 64 v. Chr.), die moralische Allgewalt der Priester, die bittere Armut der Menschen bilden das Szenario, in das der Protagonist hineingeboren wird. Sein Name: Jesus, wie viele jüdische Jungen hießen. Seine Mutter, sehr jung und schweigsam, sein Vater Jahre älter, fürsorglich, ein Tischler. Um die Geburt des Jungen schwelt ein Geheimnis, das seine innere Unruhe anfacht; er ist sich selbst immer wieder fremd. Die Verwandten raunen, die Mutter könnte von Soldaten vergewaltigt worden sein. Sie verfolgt nun unausgesprochene Pläne für ihren Jungen, die über die handfesten Werte des Vaters – Bescheidenheit, Fleiß – hinausgehen, ihnen zu widersprechen scheinen. Schließlich verlässt der Vater die Familie. Und der Teenager verlässt die Mutter, schweren Herzens, geht auf Wanderschaft, sucht nach dem Vater und dem Leben. »Ich musste den von Menschen gespurten Weg verlassen – wäre das womöglich auch heute angebracht? –, mich von meiner Intuition querfeldein und durchs Dickicht leiten lassen, durch das Chaos der Vegetation, wo weder Gott noch Menschenhand je eingegriffen hatten und keinerlei Gesetz herrschte, kein niedergeschriebenes und auch kein mündlich weitergetragenes.«
Giosuè Calaciura bürstet bekannte Vorlagen gegen den Strich, formt daraus etwas vielseitig Schillerndes, wozu auch die halluzinatorische Kraft seiner Sprache beiträgt. Eine Geschichte mit großer Wucht, wie gemacht für unsere Zeit, da wir tagtäglich neuen Plagen, Katastrophen und Wahnsinn gegenüberstehen. Da wir die Zivilisationsdecke mit tausend kleinen Stichen und Bewegungen unseres Menschseins zusammenzuflicken suchen, gegen die hervorbrechende Rohheit.
»Ich baue darauf, dass die Lesenden (...) in meinem Jesus die Zweifel, die Wankelmütigkeit, die Hoffnungen, die Illusionen und Enttäuschungen wiedererkennen, wie sie uns allen gemein sind. Außerdem ist Jesus eine Figur, die aufgrund ihrer revolutionären Botschaft – den Letzten eine Stimme zu geben – aus meiner Sicht heute mehr denn je zu uns spricht, und das, politisch gesehen, auf unbequeme Weise. Ich glaube, dass wir eine solche Botschaft, auch abgesehen von ihren religiösen und rituellen Bedeutungsebenen, heute mehr brauchen denn je.« (Giosuè Calaciura in »Wie sehr die Schöpfung an Ungerechtigkeit krankt«, https://www.edition-converso.com/interviews/interview-einzelansicht/wie-sehr-die-sch%C3%B6pfung-an-ungerechtigkeit-krankt.html)
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| Original Titel | Io sono Gesù |
| Veröffentlichung: | 01.06.2024 |
| Höhe/Breite/Gewicht | H 21 cm / B 12 cm / 351 g |
| Seiten | 302 |
| Art des Mediums | Buch [Taschenbuch] |
| Preis DE | EUR 24.00 |
| Preis AT | EUR 24.70 |
| Auflage | 1. Auflage |
| Reihe | Edition Converso |
| ISBN-13 | 978-3-949-55820-7 |
| ISBN-10 | 3949558209 |
Über den Autor
Ich heiße Giosuè Calaciura, bin in Palermo geboren und übe wie mein Großvater und mein Vater den Beruf des Journalisten aus. Nach der Schließung der sizilianischen Tageszeitung L’ORA habe ich als Koch gearbeitet. Auf den historischen Märkten in Palermo, Ballarò, Vucciria, Capo, habe ich begriffen, wie notwendig es ist, dass ich nicht mehr und nicht mehr nur als Journalist, von den Randexistenzen, dem Zerfall, der Ausgrenzung berichte, sondern einer Menschheit auf der untersten Stufe, die kein Gehör findet, als Erzähler eine Stimme gebe. Mein erster Roman Malacarne wurde kürzlich, fünfundzwanzig Jahre nach seiner Erstveröffentlichung in Italien neu verlegt. Auch meine Wege führten der Arbeit wegen nach Rom. In Sgobbo (2002) habe ich weiterhin von „meinen Helden“ erzählt: ein Heldenepos über die Migration mit den Augen einer Prostituierten. Mit AMREF, Afrikanische Ärztevereinigung, bin ich nach Uganda gegangen, wo La favola della figlia perduta entstand (2005); hier erzähle ich von den Erfahrungen afrikanischer Frauen in den Slums von Kampala. Ein Jahr später habe ich den Roman Urbi et Orbi publiziert, der von den letzten Tagen des Papsttums von Johannes Paul II. handelt. In Rom spielen zahlreiche meiner Erzählungen, veröffentlicht in Anthologien, und der kurze Roman Il tram die Natale. Mein Essay Pantelleria, l’ultima isola handelt vom Land des Mythos und der Grenze zwischen Europa und Afrika. Mit Borgo Vecchio (2019) habe ich das Erzählen über meine innere Heimat, zwischen Realität und Märchen, fortgesetzt, wo die Kleinsten versuchen, einem Schicksal zu entkommen, das bereits festgeschrieben scheint. Ebenso wie in La penitenza (2016), hundert Jahre Geschichte des Globalen Südens von einem Gefängnis aus gesehen. In Ich, der Sohn habe ich das Leben, die Abenteuer, die Sehnsüchte eines jungen Manns an der Peripherie des Römischen Reichs erzählt – und seinem dringlichen Begehren, die Regeln der Welt zu verändern. Ebenso wie in meinem letzten Roman Una notte: gemeint ist die erste Nacht von Weihnachten. Zu dem Stall, wo das Kind erwartet wird, das Gerechtigkeit verspricht, haben sich alle Ausgegrenzten auf den Weg gemacht, die auf einmal in die Weltgeschichte eingehen.Diesen Artikel teilen
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