Die Gelbe Reihe

Die Gelbe Reihe / Beiträge zur Geschichte aus Stadt und Landkreis Nordhausen

Chronologie aller Bände (1 - 3)

Die Reihenfolge beginnt mit dem Buch "Die Gelbe Reihe / NORDHAUSEN AM REICHSHOFRAT". Wer alle Bücher der Reihe nach lesen möchte, sollte mit diesem Band von Nordhäuser Geschichts- und Altertumsverein e.V. beginnen. Mit insgesamt 3 Bänden wurde die Reihe über einen Zeitraum von ungefähr 3 Jahren fortgesetzt. Der neueste Band trägt den Titel "Die Gelbe Reihe / Beiträge zur Geschichte aus Stadt und Landkreis Nordhausen".

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  • Start der Reihe: 24.11.2021
  • Neueste Folge: 14.08.2024

Diese Reihenfolge enthält 3 unterschiedliche Autoren.

Cover: Die Gelbe Reihe / NORDHAUSEN AM REICHSHOFRAT
  • Band: 14
  • Autor: Wendehorst, Dr. Stephan
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  • Medium: Buch
  • Veröffentlicht: 14.08.2024
  • Genre: Sonstiges

Die Gelbe Reihe / NORDHAUSEN AM REICHSHOFRAT

190 Aktenstücke sind es, die der vorliegende Band in Regestenform bringt und damit, abgesehen von den in den vergangenen Jahren bereits durch die Kollegen des Göttinger Projektes verzeichneten Aktenstücken, erstmals einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich macht. Jedes dieser Verfahren enthält ein Gesuch um die Erteilung von Gunst, von Gnade oder von Gerechtigkeit, die vom Römischen Kaiser als Haupt des Heiligen Römischen Reiches, als oberstem Lehnsherren und Hüter des Rechts, nicht nur erwartet, sondern formell beantragt werden konnte.
Es galt dies insbesondere für die Einwohner von Städten wie Nordhausen, die einzig ihm, dem Kaiser, und keinem der die Mauern umlagernden Fürsten untertan, die also ‚reichsunmittelbar‘ waren. Emblematisch ist in diesem Sinne zu nennen, dass sich in den Nordhäuser Reichshofratsverfahren Privilegien und Mandate von Heinrich dem Vogler († 936, Nr. 189) bis zu Franz II. († 1835, Nr. 99) finden, vom ersten also bis zum letzten Herren des Heiligen Römischen Reiches und damit Zeugnisse von über 800 Jahren deutscher Lehens-, Herrschafts- und Verwaltungsgeschichte.
Die Institution, durch die der Kaiser auf diese Weise mit dem Reich in soziale Beziehung trat, war – unter anderem – der Reichshofrat, dessen hauptsächliche Aufgaben einerseits in der Rechtsprechung, andererseits in der Befriedigung gratialer und lehensrechtlicher Bedürfnisse bestand. Dass es wenigstens prinzipiell, unter bestimmte Umständen, selbst dem Geringsten unter den Untertanen des Kaisers freistand, auch noch die Mächtigsten des Reiches zu belangen, dass diese Möglichkeit auch rechtlich marginalisierten Gruppen wie Frauen oder Juden zustand und dass dies letztlich, wie eine sechsstellige Zahl an Aktenstücken im Haus-, Hof- und Staatsarchiv zu Wien belegt, auch geschah, ist eines der gerade im internationalen Vergleich allzu oft unterschätzten ‚modernen‘ Eigenschaften des Heiligen Römischen Reiches, dem nach wie vor das aus dem 19. Jahrhundert ererbte Bild eines unflexiblen, reformunfähigen und verknöcherten Gebildes anhängt.
190 Aktenstücke bedeuten zugleich 190 Einblicke in die Nordhäuser Gesellschaft ihrer Tage, in die Handlungen der wichtigsten Akteure, die bedeutendsten Probleme, die schwersten Konflikte ihrer Zeit. Zugleich jedoch eröffnen sie dem modernen Betrachter ein Fenster in die kleinen, alltäglichen Schwierigkeiten von Reich und Arm, Etabliert und Prekär, Jung und Alt. Welcher Zorn mag in den Handwerkern der Stadt aufgewallt sein, da der preußische Stadtschultheiß den Sohn eines einfachen Schweinschneiders den Weg in eine der renommierten ratsfähigen Gilden zu öffnen versuchte? Wovon sollte ein Apotheker leben, dem von der Stadt die Pacht aufgekündigt und der mit Kind und Kegel, seinen Medikamenten und im wortwörtlichen Sinne auf die Straße gesetzt wurde? Wie mögen sich die Senatoren der Stadt gefühlt haben, da sie voll Besorgnis auf die leeren Stadtkassen und die leere Ratsbierstube blickten, während die Kanoniker des Heiligkreuzstiftes in den vollen Zechstuben ihrer Stiftshäuser Tag für Tag das Geschäft ihres Lebens mit günstigem, weil vom Mahlpfenning befreiten, Bier machten? Diese und viele weitere Perspektiven eröffnet eine Beschäftigung mit den Nordhäuser Verfahren. Zugleich bieten sie Anlass für Psycho- und Soziogramme:
Wir begegnen in ihnen einzigartigen Persönlichkeiten, wie dem streitbaren Bürgermeister Johann Andreas Sigismund Wilde, der die Stadt an Reichskammergericht und Reichshofrat mit Prozessen in einem Ausmaß überzog, dass selbst der sonst so nüchterne Hans Silberborth ihn vor beinahe 100 Jahren als ‚Prozeßhansl‘ bezeichnen musste. Zugleich begegnen wir aber Johann Christoph Schöpfer, Sohn der Stadt Nordhausen und gelernter Bäcker, der im Jahre 1732 bei der Westindischen Compagnie als Matrose anheuert und von dort nach Surinam fährt, wo er – wie wenigstens seine Geschwister später insinuieren sollten – zwei Plantagen und Handelsschiffe besessen habe und so, nach den Maßstäben der Zeit, zum Millionär geworden sei (durch ihn gewinnt Nordhausen immerhin die Andeutung einer frühneuzeitlichen Kolonialgeschichte).
Wir begegnen aber auch einer beinahe unübersehbaren Menge von manchmal mehr, manchmal weniger deutlich charakterisierten Zeitgenossen, hunderten von Handwerkern, Brennern und Brauern, Frauen und Männern aller Ränge, Kanoniker und Pastoren, Katholiken, Protestanten und gelegentlich Juden: gewiss (so kann man guten Gewissens behaupten) einem nicht kleinen Teil der in der Frühen Neuzeit kaum je mehr denn 8.000 Einwohner zugleich zählenden Bevölkerung einer ‚kulturell kleinräumigen‘ (Thomas Lau) Reichsstadt wie Nordhausen.
Die Zeitspanne, die unsere 190 Verfahren abdecken, umfasst die gesamte Epoche der ‚Frühen Neuzeit‘, von der Mitte des 16. Jahrhunderts (etwa Nr. 5), als der Reichshofrat als rechtsstiftende Institution zwar schon bestand, seine endgültige Form jedoch noch zu finden hatte, bis zum Jahre 1802 (wiederum Nr. 99), da – am 6. Juni – König Friedrich Wilhelm III. in Königsberg am Pregel jenes Patent unterschrieb, welches die Einverleibung der Reichsstadt in den preußischen Staat verfügte, in dem sie fast 150 Jahre lang verbleiben sollte. Es ist diese lange Zeit eine Epoche, die wenigstens in der populären Imagination als ein Zeitalter gekennzeichnet worden ist, das sich vom vorausgehenden Mittelalter durch Prozesse unterscheiden soll, die mit den Begriffen ‚Veränderung‘, ‚Dynamik‘ und ‚Revolution‘ zu kennzeichnen wären.
Für Nordhausen bedeutet diese Epoche in jedem Falle eine Veränderung seines Umfelds, aber auch seiner inneren Verhältnisse. Stand die kleine Reichsstadt zunehmend unter dem Druck großer und kleiner fürstlicher Nachbarn, insbesondere Kursachsens und Kurbrandenburgs, der vor allem in der Ausübung des Stadtschultheißenamtes durch beide Mächte sowie in der 12 Jahre währenden Besetzung der Stadt durch Preußen ab 1703 Ausdruck finden sollte, so brachen im Inneren Konflikte um die Ordnung der Stadt, insbesondere um Vetternwirtschaft und Korruption, wiederholt und offen zutage, was zu einer regen Reform- und Verordnungstätigkeit, aber eben auch zu Rechtsstreitigkeiten führte. Von beiden groben Entwicklungslinien – der inneren wie der äußeren – zeugen die hier versammelten Regesten der Akten des kaiserlichen Reichshofrates.
Strukturgebend ist dabei die Tatsache, dass – lassen wir das Stadtschultheißenamt einmal beiseite – innerhalb der Mauern der Stadt letztlich zwei autonome territoriale Entitäten bestanden, die weitgehend nebeneinander koexistierten: die dominierende protestantische Reichsstadt selbst mit ihren Institutionen von ‚Bürgermeister und Rat‘ und daneben das katholische Heiligkreuzstift, das nicht nur über eigene Ämter verfügte, sondern auch über einen eigenen Jurisdiktionsbereich, an dessen Grenze es im 18. Jahrhundert zu einem erst mit dem Ende der Reichsunmittelbarkeit abbrechenden, permanenten Konflikt kam, der die Frage nach der Titulatur des eben ‚Kaiserlichen Freien‘ oder eben bloß ‚Kaiserlichen‘ Reichsstiftes ebenso stellte wie diejenige nach der Jurisdiktion über die Bewohner des Stiftes, der aber auch seine Sonderrechte in Bezug auf Schroten und Mahlen tangierte sowie das Recht des Stiftes, seine Stiftshäuser durch Pfähle von der Straße zu scheiden, welches Gegenstand des womöglich umfangreichsten und komplexesten hier verzeichneten Prozesses darstellt (Nr. 99, 122). Zuletzt führt die Beherbergung eines konvertierten Schülers (Nr. 93), der noch dazu Sohn des Bürgermeisters von Sondershausen war, in einem der Stiftshäuser zu einem regelrechten Aufstand, einen Bürgertumult (Arno Wand) . Die Stadt tritt hier dem Stift gegenüber in dieselbe Rolle, wie sie die Fürstenstaaten um sie herum ihr gegenübereinnahmen: Während Bürgermeister und Rat die Ambition hegen, den Anachronismus, den das Stift darstellte, endlich loszuwerden, denkt man in Berlin, in Hannover, in Dresden ganz ähnliches in Bezug auf die Reichsstadt.
Ein weiterer Faktor ‚fremder‘ Autorität in der Stadt: Der Münzkommissar und das kaiserliche Postamt, Institutionen die als permanente Einrichtungen regelmäßig nach Wien berichten und dem modernen Beobachter interessante Einblicke in die frühneuzeitliche Wirtschaftsgeschichte Nordhausens wie der ganzen Region bieten können. Nordhausen erweist sich dabei als ein vom Kaiserhof zwar beschütztes, jedoch zugleich auch stets beobachtetes, stets vermessenes Gemeinwesen.
Neben den großen, viele Jahrzehnte und ganze Generationen von Kanonikern, Bürgermeistern und Reichshofräten verschlingenden Prozessen zwischen Stift und Stadt, die ganze Archivkartons füllen, stehen freilich auch kurze Aktenstücke, etwa die in einem Gedicht auf den Reichsvizekanzler Georg Sigismund Seld bestehende Bewerbung des Johannes Buchbach um die Würde eines poeta laureatus (Nr. 162) oder das undatierte Fragment einer Übereinkunft zwischen den Landgrafen Friedrich, Balthasar und Wilhelm von Thüringen mit den Grafen Ernst und Heinrich von Gleichen über ein von letzteren abgeschlossene Bündnis mit den Städten Erfurt, Mühlhausen und Nordhausen (Nr. 12, sogar noch kürzer: Nr. 37). ...
Cover: Die Gelbe Reihe / Beiträge zur Geschichte aus Stadt und Landkreis Nordhausen

Die Gelbe Reihe / Beiträge zur Geschichte aus Stadt und Landkreis Nordhausen

Inhaltsverzeichnis
Grönke, Hans-Jürgen
150 Jahre Nordhäuser Geschichts- und Altertumsverein – Rückblick und
Ausblick (Tl. 2, 1945-2021) .................................................................................... 5

Hahn, Alexander
Die Antiken in der Numismatiksammlung
der Städtischen Museen Nordhausen .................................................................. 36

Gelbe, M. Sandra
Divine inspirationis rore perfusus? Die Klostergründung Breitenbich
als Beispiel einer gescheiterten Exemtion ........................................................... 63

Reinboth, Fritz
Noch einmal das Kloster Nikolausrode ................................................................ 86

Kruse, Felix
Nordthüringen als Brennpunkt der fränkischen Reichsaristokratie ...................... 94

Schneider, Hans
Lorenz Süße (1469-1549) - Augustinereremit und erster evangelischer
Prediger in Nordhausen ..................................................................................... 118

Kuhlbrodt, Peter
Nordhäuser Handwerk in reichsstädtischer Zeit vom Ausgang des
13. Jahrhunderts bis 1802 ................................................................................. 133

Tegtmeier, Christian
Pustleben und Christian K. Wilhelm v. Dohm (1751-1820) ................................ 166

Eisfeld, Vincent
Nordhausen in der NS-Siedlungspolitik. Die Stadtplanung zu
Geiersberg/Nordhausen-Nord 1940/1941 .......................................................... 175

Schley, Jens
Das Forschungsprojekt „Nordhausen April 1945.
Hintergründe, Opfer, Erinnerung“. Ein Werkstattbericht ........................................ 183

Zweck, Saskia
Beerdigungen auf dem Nordhäuser „Ehrenfriedhof“.
Ein Quellenbericht .............................................................................................. 194

Sourell, Bernhard
Erinnerungen an meine Ausbildung und den Erhalt des
Nordhäuser Ziegelwerks .................................................................................... 214

Steinmetz, Werner
Das „Institut Nordhausen“ – Ein sowjetisches Geheimprojekt
zum Bau der A4-Raketen ................................................................................... 224

Schmidt, Heinz Günter
Rautenstraße Westseite. Die Entstehung der Läden ......................................... 249

Weber, Dieter / Rieger, Hans Christoph
Schlaraffen in der Stadt. Erinnerungen an die erloschene Nordhusia
(Tl. IV, 1974–2017) ............................................................................................. 259

Lauerwald, Paul
Die Münzsammlung der Städtischen Museen Nordhausen –
Geschichte und Gegenwart ............................................................................... 280

Zahradnik, Marie-Luis
Das kulturelle Erbe digital erhalten. Ein Werkstattbericht über
die Dokumentation und Präsentation des
jüdischen Friedhofs in Ellrich (Tl. 1) ................................................................... 293

Abkürzungsverzeichnis ...................................................................................... 301

Autorenverzeichnis ............................................................................................ 303
Cover: Die Gelbe Reihe / Beiträge zur Geschichte aus Stadt und Landkreis Nordhausen

Die Gelbe Reihe / Beiträge zur Geschichte aus Stadt und Landkreis Nordhausen

Inhaltsverzeichnis
Beichert, Karl Wilhelm / Kühlmann, Wilhelm
Ignis in urbe furit. Der Nordhäuser Gymnasialrektor Johann Joachim Meier
(1686-1736) in seinen Texten über Bücher- und Stadtbrände (1711 und 1712)
(Teil II) .................................................................................................................... 5
Enders, Rainer
„Der Sturm“ – 1914 in Nordhausen ...................................................................... 27
Grönke, Hans Jürgen
Gibt es das noch einmal? Schachtkeller in Nordhausen - von der Vorratsgrube
zum Schachtkeller ................................................................................................ 36
Hesse, Suzy
Kunst am Bau in der DDR. Wandbilder im „Schiller“-Gymnasium in Bleicherode und
an der Turnhalle Sangerhäuser Straße in Nordhausen ................................ 48
Kneffel, Heidelore
Wilhelm Eichler. Ein Künstlerleben im 19. Jahrhundert aus Nordhausen ............ 66
Kruse, Felix
Name und Alter des Dorfes Steinbrücken ............................................................ 86
Kuhlbrodt, Peter
Die Einführung des Gregorianischen Kalenders, die Kalenderreform in der
Reichsstadt Nordhausen 1699/1700 und das Verhältnis zwischen der
Reichsstadt und dem Stift zum Heiligen Kreuz .................................................. 101
Lauerwald, Paul
Das Ringen um einen Eisenbahngrenzübergang zwischen Walkenried und
Ellrich im Interzonenverkehr 1945 bis 1949 ....................................................... 124
Müller, Jessica Sophie
Der sogenannte Theodosius-Stein. Überlegungen zur Datierung und
Bestimmung des prominenten, aber sehr umstrittenen Denkmals .................... 135
Schmidt, Heinz Günter
Bauen bei „Nordbrand“ ..................................................................................... 156
Schrock, Ulrich E.G.
Anton Rudolph von Danowsky - ein Hauptmann a. D. der kaiserlich
russisch-deutschen Legion wird Bürger in Nordhausen (Teil I) ......................... 170
3
Schütze, Michael
Die Veränderung unseres Kulturraumes am Beispiel der „Ausbringung
des Salzasprings“ ............................................................................................. 187
Theilemann, Wolfram G. / Schmidt, Manuela
„Bis 12 Uhr im Archiv mit Hanna Müller geordnet. Schweinestall!“
(Nichts ohne) Frauen im Stadtarchiv (1926-1991) ............................................. 196
Zahradnik, Marie-Luis
Jüdisches Leben in Sülzhayn im 19. Jahrhundert ............................................ 215
Abkürzungsverzeichnis ...................................................................................... 228
Autorenverzeichnis .............................................................................................. 232

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