Eva Burger
Kompetent im Unterricht
- Lehren und Lernen im Spannungsfeld von Selbst-, Sozial- und Systemkompetenz
ISBN: 978-3-852-53563-0
224 Seiten | ⏠29.95
Buch [Taschenbuch]
Erscheinungsdatum:
16.03.2017
Sonstiges
Eva Burger
Kompetent im Unterricht
Lehren und Lernen im Spannungsfeld von Selbst-, Sozial- und Systemkompetenz
Kompetenz in allen Lebenslagen, kompetent agieren und reagieren. Kompetent sein im
Umgang miteinander und kompetent Dinge einfach auch einmal passieren lassen. Selbst-, Sozial- und Systemkompetenz sind Begrifflichkeiten, die unterschiedlichste Assoziationen
auslösen. Der Handlungsspielraum in dieser Thematik ist breit gestreut und es gibt höchst
differenzierte Perspektiven im pÀdagogischen Feld, die es rund um die genannten Themenbereiche zu reflektieren gilt.
âDie Vielfalt der Bezeichnungen mag ein Indikator fĂŒr verschiedene VerstĂ€ndnisse sein, sie ist aber nicht automatisch damit gleichzusetzen, denn systemisch bedacht ist sowohl möglich, dass mit gleichen Termini Verschiedenes oder Gleiches gemeint ist als auch, dass mit
verschiedenen Termini Gleiches oder Verschiedenes gemeint ist. Wird Gleiches mit gleichen oder ungleichen Termini gemeint, ist weiterhin zu prĂŒfen, ob diese Gleichheit auf gleichen oder ungleichen GrĂŒnden beruhtâ (Blanck 2012, S. 104) .
Gleichwohl in der gĂ€ngigen Fachliteratur keine einheitliche Definitionen der Bergriffe âSelbst-, Sozial- und Systemkompetenzâ zu finden sind, kann Selbstkompetenz mit der FĂ€higkeit und Bereitschaft, selbststĂ€ndig und eigenverantwortlich zu handeln, eigenes Handeln und jenes der anderen zu reflektieren sowie die eigene HandlungsfĂ€higkeit zu erweitern, umschrieben werden (vgl. Bundesministerium fĂŒr Bildung und Forschung 2013, S. 14 f.) . Sozialkompetenz meint nach Kanning (2009, S. 15) die âGesamtheit des Wissens, der FĂ€higkeiten und Fertigkeiten einer Person, welche die QualitĂ€t eigenen Sozialverhaltens â im Sinne sozial kompetenten Verhaltens â fördert.â Eine Person verhĂ€lt sich demnach sozial kompetent, wenn sie situationsbezogen dazu beitrĂ€gt, die eigenen Ziele zu verwirklichen und gleichzeitig so agiert, dass die soziale Akzeptanz ihres Verhaltens gewahrt wird. Systemkompetenz meint den Um-gang mit komplexen dynamischen Systemen und bedarf eines selbstorganisierten Handelns und Entscheidens bei der BewĂ€ltigung von komplexen Aufgaben- und Problemstellungen auf Systemebene. Somit bezieht sich Systemkompetenz auf eine systemorientierte Gestaltung von Lebenswelten und Anforderungssituationen (vgl. Geramanis/Hermann 2016, S. 58) .
Vor diesem Hintergrund haben wir Kolleginnen und Kollegen â die wir groĂteils ĂŒber einen ĂZEPS-Lehrgang kennen lernten â eingeladen, ihre jeweiligen Standpunkte darzulegen und in dem vorliegenden Band zur Diskussion zu stellen. Eine vielfĂ€ltige Sammlung aus wissenschaftlich fundierten und teilweise evidenzbasierten BeitrĂ€gen geben einen ersten Ăberblick ĂŒber die Vielfalt der AnsĂ€tze und fordern zur weiteren Kommunikation in diesen Themenfeldern auf. In den BeitrĂ€gen nĂ€hern sich die Kolleginnen und Kollegen in ganz unterschiedlichster Weise und sehr individuell den ausgewĂ€hlten Themen an, verbinden die Bereiche der Selbst-, Sozial- und Systemkompetenz oder trennen die Themenfelder strukturiert und klar. Der Bogen spannt sich von hochschuldidaktischen Aspekten bis hin zu unterrichtspraktischen Fragestellungen. Die Einflussmöglichkeiten und AbhĂ€ngigkeiten unterschiedlicher Akteure im Bildungsprozess stehen immer wieder im Fokus der Artikel und stellen die Frage nach den âKompetenzen der handelnden Personenâ in den Raum. Aufgrund der vielfĂ€ltig aufgezeigten Perspektiven wendet sich dieses Buch vorrangig an Studierende und Lehrende im tertiĂ€ren Bildungsbereich. Ebenso können im Beruf stehende Lehrer/innen Anregungen fĂŒr die Gestaltung des Unterrichts finden. Die Verschiedenheit der BeitrĂ€ge dieses Bandes zeigt, dass viel zu den Themenbereichen gesagt werden kann und zukĂŒnftig auch noch gesagt werden sollte, um die didaktischen SpielrĂ€ume durch kompetentes Agieren weiter zu öffnen.
Der Begriff âBerufâ wird landlĂ€ufig hĂ€ufig mit âBerufungâ oder schlichtweg âJobâ gleichgesetzt. Gleich zu Beginn beschreibt Martin VĂĄcha âBerufâ wissenschaftlich fundiert als Profession und Vokation. Ein eigenstĂ€ndig entwickeltes Forschungsdesign zur Erforschung der Berufsanforderungen wird plausibel dargestellt. Auch wenn der SĂ€nger/innenberuf im Mittelpunkt des Beitrags steht, sind vielfĂ€ltige Impulse zur Erforschung des Berufsfeldes allgemein gĂŒltig und setzen sich auf einer abstrakten Ebene mit der Reflexion ĂŒber das Wesen beruflichen Handelns auseinander. Interessant ist die Frage nach der Verwertbarkeit der gewonnenen Erkenntnisse fĂŒr die Ausgestaltung von Bildungsprozessen.
Konrad Kleiner richtet den Blick auf die Wahrnehmung und vergleicht Unterricht in der Schule mit einem FuĂballspiel, denn âfĂŒr beide gilt: Der Ausgang ist relativ ungewissâ. Er diskutiert die Begrifflichkeit der Systemkompetenz und versucht des RĂ€tsels Lösung zu finden, nicht ohne festzustellen, dass âdem System âUnterrichtâ die entscheidende SchlĂŒsselrolle zukommtâ.
Damit rĂŒckt er die Beobachtung in den Fokus, beschreibt am Beispiel des âeye-trackingâ den Einfluss der differenten Wahrnehmung und Beobachtung auf den Unterrichtsverlauf, um
abschlieĂend festzuhalten, âman sieht nicht nur mit dem Herzen gutâ.
Friederike Juritsch zitiert Goldschmidt mit den bezeichnenden Worten ânur wenn es dir gut geht, kannst du der Welt dein Bestes gebenâ. Wohlbefinden und LeistungsfĂ€higkeit stehen in einem engen Zusammenhang, sowohl auf schulischer, hochschulischer und universitĂ€rer Ebene. Die Beziehungskultur am Standort sowie die professionelle Beziehung von LehrkrĂ€ften untereinander und zur Schulleitung sind wesentliche Faktoren zur Förderung der Gesunderhaltung aller Beteiligten. Basierend auf LĂ€ngles Grundmotivationen werden Ergebnisse und Erkenntnisse dargestellt, die mögliche Ausgangspunkte fĂŒr gezielte Interventionen zur QualitĂ€ts- und Schulentwicklung darstellen.
Den Lehrberuf mit Halbtagsjob und Ferien gleichzusetzen entspricht â zumindest teilweise â nach wie vor der Meinung etlicher âNicht-Lehrer/innenâ. Warum aber scheiden gerade Lehrer/innen aus gesundheitlichen GrĂŒnden hĂ€ufig vorzeitig aus dem Beruf aus? Renate Messner-Kaltenbrunner beschreibt in ihrem Beitrag die KomplexitĂ€t des Lehrberufs, dessen AusĂŒbung neben Fachwissen auch hohen emotionalen und persönlichen Einsatz erfordert, gleichwohl dieses Engagement selten anerkannt oder wertgeschĂ€tzt wird. Die dargestellten Forschungsergebnisse zeigen plausibel auf, wie Werte und WertschĂ€tzung als Ressourcen fĂŒr die Gesunderhaltung im Lehrberuf genutzt werden können.
Ulrike Friedwagner-Evers beleuchtet in ihrem Artikel die Bedeutung der Förderung von Selbst- und Sozialkompetenz im Kontext der Berufsorientierung. Die KomplexitĂ€t der kĂŒnftigen Berufswelt kann aus heutiger Sicht kaum abgeschĂ€tzt werden, wodurch Kinder und Jugendliche mit enormen Herausforderungen konfrontiert sind. Wesentliche Voraussetzung fĂŒr ein kĂŒnftig erfolgreiches Berufsleben ist mehr und mehr der Erwerb sogenannter ĂŒbergeordneter Kompetenzen. Dies gelingt, wenn Lehrer/innen ĂŒber Wissen in den Bereichen Selbst- sowie Sozialkompetenz verfĂŒgen und dies vermitteln können.
Mit der Implementierung der PĂ€dagog/inn/enbildung-Neu trennen Studierende der Sekundarstufenlehrer/innenausbildung nur wenige Monate von ihrer Rolle als SchĂŒler/in zu jener als gestaltende/r Akteur/in im schulischen Handlungsfeld. Brigitta Panhuber und Marianne ObermĂŒller erlĂ€utern die wesentlichen Elemente der Persönlichkeitsentwicklung und sozialen SensibilitĂ€t im Rahmen der pĂ€dagogisch-praktischen Studien. Auf der Basis anerkannter Kompetenzmodelle wird der notwendige Perspektivenwechsel hin zur Förderung von Selbst-, Sozial- und Systemkompetenz beschrieben. Ebenso werden interessante Ergebnisse empirisch erhobener Daten dargestellt.
Im Fokus des Beitrages von Susanne Steinbach steht das System des Mentoring. Sie beschreibt an Hand eines Projektes in Kooperation mit dem Stadtschulrat Wien, welche Perspektiven sich fĂŒr Berufseinsteiger/innen durch ein professionelles Mentoring-Programm ergeben. Dabei stellt sie das System des Coaching dem System des Mentoring gegenĂŒber und bringt die Differenzen auf den Punkt, indem sie u. a. ein Kompetenzprofil fĂŒr Mentoren/Mentorinnen ausarbeitet und die entsprechenden Rahmenbedingungen strukturiert.
Viele Faktoren bestimmen das Klassenklima, welches eigentlich keine technisch messbare Variable ist. Carina Hofer fragt, ob das Klassenklima von MĂ€dchen und Buben subjektiv unterschiedlich wahrgenommen wird. Nach der Darstellung wesentlicher Theorieinhalte werden empirisch erhobene Daten wissenschaftlich fundiert ausgewertet und interpretiert. Spannend ist das evidenzbasierte Ergebnis, welches einen hoch signifikanten Unterschied in der Wahrnehmung des Klassenklimas zwischen MĂ€dchen und Buben plausibel aufzeigt.
Wie können soziale Lernprozesse im Spannungsfeld zwischen Kompetenz- und Subjektorientierung an berufsbildenden mittleren und höheren Schulen erfolgreich gestaltet werden? Sabine Albert widmet sich diesem höchst aktuellen und in der Bildungslandschaft kontrovers diskutierten Thema. Gefragt wird, ob und wie ein verstehend erschlieĂendes Erlernen sozialer Kompetenzen im schulischen Unterricht in Einklang mit der von der Wirtschaft geforderten Outputorientierung von Schule gebracht werden kann.
Vera Zass und Klaudia Kröll stellen ein eigenstĂ€ndig entwickeltes und durchgefĂŒhrtes Forschungsprojekt zur Buddy-Ausbildung vor. Ăltere SchĂŒler/innen der Praxis-Mittelschule Tirol fungieren als âPatenâ und unterstĂŒtzen die jĂŒngeren u. a. bei ihrem Schuleinstieg sowie bei möglichen Fragen und Problemen. Die multiperspektivische Betrachtung zeigt die Einbindung der PĂ€dagogischen Hochschule in die Ausbildung der Buddies klar auf. Basierend auf qualitativ und quantitativ erhobenen Daten werden Ă€uĂerst positive Ergebnisse beschrieben, welche das Konzept der Buddy-Ausbildung untermauern.
Welchen Einfluss hat âSoziales Lernenâ in der Sekundarstufe 1 auf dem Weg der Klasse zu einem arbeitsfĂ€higen Team? Eine interessante Frage, der sich Werner Hosiner und Eva Burger zuwenden und zu deren Beantwortung sicher noch evidenzbasierte Untersuchungen notwendig sind. Einleitend setzen sie sich mit dem Bildungskonzept des Sozialen Lernens auseinander. Beispielhaft stellen sie praxiserprobte Ăbungen vor, die SchĂŒler/innen auf diesem Weg unterstĂŒtzen können. Die detaillierte Beschreibung einzelner Ăbungen sowie deren Reflexion machen Lehrer/inne/n Mut, Derartiges selbst zu erproben.
Manuela Nigsch transformiert das in der Wirtschaft bekannte Konzept des âmotivorientierten FĂŒhrensâ auf die pĂ€dagogische Ebene eines âmotivorientierten Lehrensâ. Auf der Basis einer Theorie der Motivationspsychologie (16 Lebensmotive nach Steven Reiss) wird dargestellt, wie Lernende unterstĂŒtzt bzw. gefördert werden und Lehrende zeitgleich ihre eigene Motivation sowie LeistungsfĂ€higkeit dauerhaft erhalten können.
Am Beispiel des âRollensâ versucht Gundl Rauter, die Möglichkeiten inter- und transdisziplinĂ€ren Unterrichtens im Fach Bewegung und Sport darzustellen. Anhand konkreter Unterrichtshandlungen werden die Bereiche der Selbstkompetenz in Beziehung gestellt und die Frage nach dem Sinn des Tuns diskutiert. Sie bringt den âhybriden Raumâ in den motorischen Lernprozess ein, zeigt die Chancen der selbstkompetenten Entwicklung damit auf und durchleuchtet kritisch, wann das Lernen durch das viele Fragen auf der Strecke bleibt und entdeckendes Lernen an dieser Stelle dem Lernprozess hinderlich entgegenwirkt.
Eva Burger geht in ihrem Beitrag letztendlich der Frage nach, ob Mathematikaufgaben so
gestaltet werden können, dass diese zeitgleich die Selbst- und Sozialkompetenz der Kinder fördern. Basierend auf theoretischen Grundlagen werden praxiserprobte Unterrichtsbeispiele dargestellt. Die gestellten Anforderungen und das Vorgehen der SchĂŒler/innen bei der Lösung der Aufgaben wird beschrieben. Kinder setzen sich bei der entsprechenden Gestaltung der Lernumgebung motiviert und konzentriert auch mit herausfordernden Aufgaben auseinander. Die erfolgreiche BewĂ€ltigung stĂ€rkt das Selbstvertrauen in das individuelle Leistungsvermögen und trĂ€gt so zur Steigerung des SelbstwertgefĂŒhls bei.
Umgang miteinander und kompetent Dinge einfach auch einmal passieren lassen. Selbst-, Sozial- und Systemkompetenz sind Begrifflichkeiten, die unterschiedlichste Assoziationen
auslösen. Der Handlungsspielraum in dieser Thematik ist breit gestreut und es gibt höchst
differenzierte Perspektiven im pÀdagogischen Feld, die es rund um die genannten Themenbereiche zu reflektieren gilt.
âDie Vielfalt der Bezeichnungen mag ein Indikator fĂŒr verschiedene VerstĂ€ndnisse sein, sie ist aber nicht automatisch damit gleichzusetzen, denn systemisch bedacht ist sowohl möglich, dass mit gleichen Termini Verschiedenes oder Gleiches gemeint ist als auch, dass mit
verschiedenen Termini Gleiches oder Verschiedenes gemeint ist. Wird Gleiches mit gleichen oder ungleichen Termini gemeint, ist weiterhin zu prĂŒfen, ob diese Gleichheit auf gleichen oder ungleichen GrĂŒnden beruhtâ (Blanck 2012, S. 104) .
Gleichwohl in der gĂ€ngigen Fachliteratur keine einheitliche Definitionen der Bergriffe âSelbst-, Sozial- und Systemkompetenzâ zu finden sind, kann Selbstkompetenz mit der FĂ€higkeit und Bereitschaft, selbststĂ€ndig und eigenverantwortlich zu handeln, eigenes Handeln und jenes der anderen zu reflektieren sowie die eigene HandlungsfĂ€higkeit zu erweitern, umschrieben werden (vgl. Bundesministerium fĂŒr Bildung und Forschung 2013, S. 14 f.) . Sozialkompetenz meint nach Kanning (2009, S. 15) die âGesamtheit des Wissens, der FĂ€higkeiten und Fertigkeiten einer Person, welche die QualitĂ€t eigenen Sozialverhaltens â im Sinne sozial kompetenten Verhaltens â fördert.â Eine Person verhĂ€lt sich demnach sozial kompetent, wenn sie situationsbezogen dazu beitrĂ€gt, die eigenen Ziele zu verwirklichen und gleichzeitig so agiert, dass die soziale Akzeptanz ihres Verhaltens gewahrt wird. Systemkompetenz meint den Um-gang mit komplexen dynamischen Systemen und bedarf eines selbstorganisierten Handelns und Entscheidens bei der BewĂ€ltigung von komplexen Aufgaben- und Problemstellungen auf Systemebene. Somit bezieht sich Systemkompetenz auf eine systemorientierte Gestaltung von Lebenswelten und Anforderungssituationen (vgl. Geramanis/Hermann 2016, S. 58) .
Vor diesem Hintergrund haben wir Kolleginnen und Kollegen â die wir groĂteils ĂŒber einen ĂZEPS-Lehrgang kennen lernten â eingeladen, ihre jeweiligen Standpunkte darzulegen und in dem vorliegenden Band zur Diskussion zu stellen. Eine vielfĂ€ltige Sammlung aus wissenschaftlich fundierten und teilweise evidenzbasierten BeitrĂ€gen geben einen ersten Ăberblick ĂŒber die Vielfalt der AnsĂ€tze und fordern zur weiteren Kommunikation in diesen Themenfeldern auf. In den BeitrĂ€gen nĂ€hern sich die Kolleginnen und Kollegen in ganz unterschiedlichster Weise und sehr individuell den ausgewĂ€hlten Themen an, verbinden die Bereiche der Selbst-, Sozial- und Systemkompetenz oder trennen die Themenfelder strukturiert und klar. Der Bogen spannt sich von hochschuldidaktischen Aspekten bis hin zu unterrichtspraktischen Fragestellungen. Die Einflussmöglichkeiten und AbhĂ€ngigkeiten unterschiedlicher Akteure im Bildungsprozess stehen immer wieder im Fokus der Artikel und stellen die Frage nach den âKompetenzen der handelnden Personenâ in den Raum. Aufgrund der vielfĂ€ltig aufgezeigten Perspektiven wendet sich dieses Buch vorrangig an Studierende und Lehrende im tertiĂ€ren Bildungsbereich. Ebenso können im Beruf stehende Lehrer/innen Anregungen fĂŒr die Gestaltung des Unterrichts finden. Die Verschiedenheit der BeitrĂ€ge dieses Bandes zeigt, dass viel zu den Themenbereichen gesagt werden kann und zukĂŒnftig auch noch gesagt werden sollte, um die didaktischen SpielrĂ€ume durch kompetentes Agieren weiter zu öffnen.
Der Begriff âBerufâ wird landlĂ€ufig hĂ€ufig mit âBerufungâ oder schlichtweg âJobâ gleichgesetzt. Gleich zu Beginn beschreibt Martin VĂĄcha âBerufâ wissenschaftlich fundiert als Profession und Vokation. Ein eigenstĂ€ndig entwickeltes Forschungsdesign zur Erforschung der Berufsanforderungen wird plausibel dargestellt. Auch wenn der SĂ€nger/innenberuf im Mittelpunkt des Beitrags steht, sind vielfĂ€ltige Impulse zur Erforschung des Berufsfeldes allgemein gĂŒltig und setzen sich auf einer abstrakten Ebene mit der Reflexion ĂŒber das Wesen beruflichen Handelns auseinander. Interessant ist die Frage nach der Verwertbarkeit der gewonnenen Erkenntnisse fĂŒr die Ausgestaltung von Bildungsprozessen.
Konrad Kleiner richtet den Blick auf die Wahrnehmung und vergleicht Unterricht in der Schule mit einem FuĂballspiel, denn âfĂŒr beide gilt: Der Ausgang ist relativ ungewissâ. Er diskutiert die Begrifflichkeit der Systemkompetenz und versucht des RĂ€tsels Lösung zu finden, nicht ohne festzustellen, dass âdem System âUnterrichtâ die entscheidende SchlĂŒsselrolle zukommtâ.
Damit rĂŒckt er die Beobachtung in den Fokus, beschreibt am Beispiel des âeye-trackingâ den Einfluss der differenten Wahrnehmung und Beobachtung auf den Unterrichtsverlauf, um
abschlieĂend festzuhalten, âman sieht nicht nur mit dem Herzen gutâ.
Friederike Juritsch zitiert Goldschmidt mit den bezeichnenden Worten ânur wenn es dir gut geht, kannst du der Welt dein Bestes gebenâ. Wohlbefinden und LeistungsfĂ€higkeit stehen in einem engen Zusammenhang, sowohl auf schulischer, hochschulischer und universitĂ€rer Ebene. Die Beziehungskultur am Standort sowie die professionelle Beziehung von LehrkrĂ€ften untereinander und zur Schulleitung sind wesentliche Faktoren zur Förderung der Gesunderhaltung aller Beteiligten. Basierend auf LĂ€ngles Grundmotivationen werden Ergebnisse und Erkenntnisse dargestellt, die mögliche Ausgangspunkte fĂŒr gezielte Interventionen zur QualitĂ€ts- und Schulentwicklung darstellen.
Den Lehrberuf mit Halbtagsjob und Ferien gleichzusetzen entspricht â zumindest teilweise â nach wie vor der Meinung etlicher âNicht-Lehrer/innenâ. Warum aber scheiden gerade Lehrer/innen aus gesundheitlichen GrĂŒnden hĂ€ufig vorzeitig aus dem Beruf aus? Renate Messner-Kaltenbrunner beschreibt in ihrem Beitrag die KomplexitĂ€t des Lehrberufs, dessen AusĂŒbung neben Fachwissen auch hohen emotionalen und persönlichen Einsatz erfordert, gleichwohl dieses Engagement selten anerkannt oder wertgeschĂ€tzt wird. Die dargestellten Forschungsergebnisse zeigen plausibel auf, wie Werte und WertschĂ€tzung als Ressourcen fĂŒr die Gesunderhaltung im Lehrberuf genutzt werden können.
Ulrike Friedwagner-Evers beleuchtet in ihrem Artikel die Bedeutung der Förderung von Selbst- und Sozialkompetenz im Kontext der Berufsorientierung. Die KomplexitĂ€t der kĂŒnftigen Berufswelt kann aus heutiger Sicht kaum abgeschĂ€tzt werden, wodurch Kinder und Jugendliche mit enormen Herausforderungen konfrontiert sind. Wesentliche Voraussetzung fĂŒr ein kĂŒnftig erfolgreiches Berufsleben ist mehr und mehr der Erwerb sogenannter ĂŒbergeordneter Kompetenzen. Dies gelingt, wenn Lehrer/innen ĂŒber Wissen in den Bereichen Selbst- sowie Sozialkompetenz verfĂŒgen und dies vermitteln können.
Mit der Implementierung der PĂ€dagog/inn/enbildung-Neu trennen Studierende der Sekundarstufenlehrer/innenausbildung nur wenige Monate von ihrer Rolle als SchĂŒler/in zu jener als gestaltende/r Akteur/in im schulischen Handlungsfeld. Brigitta Panhuber und Marianne ObermĂŒller erlĂ€utern die wesentlichen Elemente der Persönlichkeitsentwicklung und sozialen SensibilitĂ€t im Rahmen der pĂ€dagogisch-praktischen Studien. Auf der Basis anerkannter Kompetenzmodelle wird der notwendige Perspektivenwechsel hin zur Förderung von Selbst-, Sozial- und Systemkompetenz beschrieben. Ebenso werden interessante Ergebnisse empirisch erhobener Daten dargestellt.
Im Fokus des Beitrages von Susanne Steinbach steht das System des Mentoring. Sie beschreibt an Hand eines Projektes in Kooperation mit dem Stadtschulrat Wien, welche Perspektiven sich fĂŒr Berufseinsteiger/innen durch ein professionelles Mentoring-Programm ergeben. Dabei stellt sie das System des Coaching dem System des Mentoring gegenĂŒber und bringt die Differenzen auf den Punkt, indem sie u. a. ein Kompetenzprofil fĂŒr Mentoren/Mentorinnen ausarbeitet und die entsprechenden Rahmenbedingungen strukturiert.
Viele Faktoren bestimmen das Klassenklima, welches eigentlich keine technisch messbare Variable ist. Carina Hofer fragt, ob das Klassenklima von MĂ€dchen und Buben subjektiv unterschiedlich wahrgenommen wird. Nach der Darstellung wesentlicher Theorieinhalte werden empirisch erhobene Daten wissenschaftlich fundiert ausgewertet und interpretiert. Spannend ist das evidenzbasierte Ergebnis, welches einen hoch signifikanten Unterschied in der Wahrnehmung des Klassenklimas zwischen MĂ€dchen und Buben plausibel aufzeigt.
Wie können soziale Lernprozesse im Spannungsfeld zwischen Kompetenz- und Subjektorientierung an berufsbildenden mittleren und höheren Schulen erfolgreich gestaltet werden? Sabine Albert widmet sich diesem höchst aktuellen und in der Bildungslandschaft kontrovers diskutierten Thema. Gefragt wird, ob und wie ein verstehend erschlieĂendes Erlernen sozialer Kompetenzen im schulischen Unterricht in Einklang mit der von der Wirtschaft geforderten Outputorientierung von Schule gebracht werden kann.
Vera Zass und Klaudia Kröll stellen ein eigenstĂ€ndig entwickeltes und durchgefĂŒhrtes Forschungsprojekt zur Buddy-Ausbildung vor. Ăltere SchĂŒler/innen der Praxis-Mittelschule Tirol fungieren als âPatenâ und unterstĂŒtzen die jĂŒngeren u. a. bei ihrem Schuleinstieg sowie bei möglichen Fragen und Problemen. Die multiperspektivische Betrachtung zeigt die Einbindung der PĂ€dagogischen Hochschule in die Ausbildung der Buddies klar auf. Basierend auf qualitativ und quantitativ erhobenen Daten werden Ă€uĂerst positive Ergebnisse beschrieben, welche das Konzept der Buddy-Ausbildung untermauern.
Welchen Einfluss hat âSoziales Lernenâ in der Sekundarstufe 1 auf dem Weg der Klasse zu einem arbeitsfĂ€higen Team? Eine interessante Frage, der sich Werner Hosiner und Eva Burger zuwenden und zu deren Beantwortung sicher noch evidenzbasierte Untersuchungen notwendig sind. Einleitend setzen sie sich mit dem Bildungskonzept des Sozialen Lernens auseinander. Beispielhaft stellen sie praxiserprobte Ăbungen vor, die SchĂŒler/innen auf diesem Weg unterstĂŒtzen können. Die detaillierte Beschreibung einzelner Ăbungen sowie deren Reflexion machen Lehrer/inne/n Mut, Derartiges selbst zu erproben.
Manuela Nigsch transformiert das in der Wirtschaft bekannte Konzept des âmotivorientierten FĂŒhrensâ auf die pĂ€dagogische Ebene eines âmotivorientierten Lehrensâ. Auf der Basis einer Theorie der Motivationspsychologie (16 Lebensmotive nach Steven Reiss) wird dargestellt, wie Lernende unterstĂŒtzt bzw. gefördert werden und Lehrende zeitgleich ihre eigene Motivation sowie LeistungsfĂ€higkeit dauerhaft erhalten können.
Am Beispiel des âRollensâ versucht Gundl Rauter, die Möglichkeiten inter- und transdisziplinĂ€ren Unterrichtens im Fach Bewegung und Sport darzustellen. Anhand konkreter Unterrichtshandlungen werden die Bereiche der Selbstkompetenz in Beziehung gestellt und die Frage nach dem Sinn des Tuns diskutiert. Sie bringt den âhybriden Raumâ in den motorischen Lernprozess ein, zeigt die Chancen der selbstkompetenten Entwicklung damit auf und durchleuchtet kritisch, wann das Lernen durch das viele Fragen auf der Strecke bleibt und entdeckendes Lernen an dieser Stelle dem Lernprozess hinderlich entgegenwirkt.
Eva Burger geht in ihrem Beitrag letztendlich der Frage nach, ob Mathematikaufgaben so
gestaltet werden können, dass diese zeitgleich die Selbst- und Sozialkompetenz der Kinder fördern. Basierend auf theoretischen Grundlagen werden praxiserprobte Unterrichtsbeispiele dargestellt. Die gestellten Anforderungen und das Vorgehen der SchĂŒler/innen bei der Lösung der Aufgaben wird beschrieben. Kinder setzen sich bei der entsprechenden Gestaltung der Lernumgebung motiviert und konzentriert auch mit herausfordernden Aufgaben auseinander. Die erfolgreiche BewĂ€ltigung stĂ€rkt das Selbstvertrauen in das individuelle Leistungsvermögen und trĂ€gt so zur Steigerung des SelbstwertgefĂŒhls bei.
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| Veröffentlichung: | 16.03.2017 |
| Höhe/Breite/Gewicht | H 29,7 cm / B 21 cm / - |
| Seiten | 224 |
| Art des Mediums | Buch [Taschenbuch] |
| Preis DE | EUR 29.95 |
| Preis AT | EUR 29.95 |
| Auflage | 1. Auflage |
| ISBN-13 | 978-3-852-53563-0 |
| ISBN-10 | 3852535638 |
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