Mensch, atme
Wir, die Schatten-Kinder der ersten Generation
Doch was dort auf Deniz C. wartete, konnte er damals mit 10 Jahren nicht wissen. Sein älterer Bruder Barbaros C. nahm schon in jungen Jahren Drogen – erst leichte, dann härtere – und diese regelmäßig auch zu Hause. Deniz C. schmiss die Schule ab der 7. Klasse und wurde ein Teil von der Gang. Seine Bemühungen gegen die Drogen zu kämpfen, scheiterten in dem Moment, als er sie auch ausprobierte. Zu der Zeit, als die C. Brüder aus Neuss dem Heroin, der neuen Droge der 90er, zum Opfer fielen, rutschten hunderttausende Jugendliche in die Abhängigkeit. Viele Betroffene sind mittlerweile über 50 Jahre alt. Neben dem Drogenkonsum geht es den meisten auch gesundheitlich schlecht; sie wurden straffällig, sitzen ein oder leben unter prekären Verhältnissen. Dadurch, dass sich viele Heroinsüchtige die Droge spritzen, kommt es unter ihnen häufiger zu Infektionen mit dem Aids-Erreger HIV, Hepatitis C und zu chronischen Leiden. Verschmutztes und geteiltes Spritzbesteck ist ein Grund dafür. Demzufolge sind viele seiner Freunde von damals gestorben.
Deniz C. war nur einer von hunderttausenden Drogenabhängigen, die in den 90ern in Deutschland der Droge Heroin zu Opfer fielen. Das machte ihn und viele andere zu „Schattenkindern der ersten Generation“ der Gesellschaft und damit verbunden war das Leid, dass einen das ganze Leben wie ein Schatten verfolgte.
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| Veröffentlichung: | 11.12.2020 |
| Höhe/Breite/Gewicht | H 21 cm / B 14,8 cm / 672 g |
| Seiten | 372 |
| Art des Mediums | Buch [Gebundenes Buch] |
| Preis DE | EUR 22.99 |
| Preis AT | EUR 23.70 |
| ISBN-13 | 978-3-347-19814-2 |
| ISBN-10 | 334719814X |
Über den Autor
Deniz Camdere, genannt Deniz C, wuchs als Sohn einer türkischen Gastarbeiterfamilie in Neuss auf. Schon früh bekommt er Probleme in der Schule, weil sein gewalttätiger Vater und sein ebenso gewalttätiger älterer Bruder Barbaros ihn und den Rest der Familie häufig verletzen und misshandeln. Einige Jahre Entspannung findet er bei einem Aufenthalt in der Türkei, wo er zusammen mit seinem Bruder Oguz bei der Oma aufwächst. Doch diese ist schon bald überfordert mit den beiden Jungs und schickt sie zurück nach Deutschland. Der älteste Bruder, Barbaros, ist in Deutschland bei der Mutter verblieben und zu diesem Zeitpunkt bereits drogensüchtig.
Durch Kontakte zu weiteren Kindern von eingewanderten Gastarbeitern aus der Türkei und Polen gerät er schon früh auf die kriminelle Bahn. Einbrüche in Geschäften und Kiosken sowie Diebstähle stehen auf dem Plan, was bereits sehr früh zu der einen oder anderen Strafanzeige führt. Marihuana steht schon im zarten Alter von 12 Jahren regelmäßig auf dem Programm.
Auch als die Mutter sich von ihrem gewalttätigen Mann trennt, der in die Türkei zurückkehrt, findet die Familie keine Besserung. Deniz‘ ältere Brüder Oguz und Barbaros sind längst in der Drogenszene angekommen und konsumieren nicht nur härtere Drogen, sondern handeln auch damit. Die alleinerziehende Mutter, die sich mit einem Vollzeitjob und einer zusätzlichen Putzstelle quält und versucht, ihre Söhne großzuziehen, ist schon bald überfordert mit den drogensüchtigen Jungs. Auch das eingeschaltete Jugendamt kann nicht viel ausrichten. Weiter bergab geht es, als Deniz mit 14 seine erste große Liebe, Nefes, kennenlernt. An einem Nachmittag verlieren die beiden verliebten Teenager die Beherrschung und es kommt zum Sex. Nefes beichtet ihrer Mutter ängstlich, was sie getan hat, mit der Folge, dass der wütende Vater sie in die Türkei schickt, um sie dort zwangsverheiraten zu lassen. Deniz ist verzweifelt und versucht, Kontakt aufzunehmen, doch bis auf ein kurzes Telefonat, bei dem Nefes ihm unter Tränen gesteht, dass sie an einen älteren Mann verheiratet werden soll, gelingt ihm dies nicht. Er schmiedet einen Plan, in die Türkei zu reisen und Nefes zu retten. Doch es ist zu spät – kurze Zeit später erfährt er durch eine gemeinsame Freundin, dass Nefes sich selbst getötet hat und im dritten Monat schwanger war. Deniz bricht psychisch und emotional zusammen, und sein Bruder Barbaros verführt ihn dazu, ausnahmsweise einmal Heroin zu rauchen, um sich wieder beruhigen zu können.
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