Karl Marx in Algier
Autor:
Uwe Wittstock wurde 1955 in Leipzig geboren und ist ein deutscher Literaturkritiker, Lektor und Autor. Zunächst arbeitete er als Journalist der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, wo er von 1980 bis 1989 der Literaturredaktion angehörte, danach wirkte er als Lektor beim S. Fischer Verlag.
Zur gleichen Zeit war er Mitherausgeber der Literaturzeitschrift Neue Rundschau. Im Jahr 2000 wurde er stellvertretender Feuilletonchef der Tageszeitung Die Welt, zwei Jahre später Kulturkorrespondent in Frankfurt/Main. Bis 2017 arbeitete er als Literaturchef des Magazins Focus. Zu seinen Werken zählen mehrere Sachbücher. 1989 erhielt er den Theodor-Wolff-Preis für Journalismus.
Inhalt:
Am 18. Februar 1882 besteigt Karl Marx in Marseille den Dampfer Said und verlässt zum ersten Mal Europa. Den Tod seiner Frau Jenny drei Monate zuvor hat er nicht verwunden. Er ist krank und hofft auf Genesung in Algier. Während er dort die Eindrücke der neuen Kultur auf sich wirken lässt, zieht er unsentimental eine Art Resümee seines Daseins und Wirkens. Uwe Wittstock erzählt lebendig und fesselnd von der letzten großen Reise des großen Denkers und blickt mit ihm zurück auf sein außergewöhnliches Leben. (Klappentext)
Rezension:
Elf Monate vor seinem Tod ließ sich Karl Marx in Algier von Bart und Mähne befreien. Ob wegen des Wetters oder ob er ein Zeichen setzen wollte, ist nicht überliefert. Davor jedoch hatte der einstige sozialistische Untergrundkämpfer elf Monate in Algier verbracht, um zu genesen, was nicht gut gelang, ebenso wenig wie die weitere Arbeit an seinen Werken. Der Schriftsteller und Journalist Uwe Wittstock schaut zurück auf eine Zeit des selbst gewählten politischen Abseits, wie auch auf ein ebenso polarisierendes und bewegtes Leben und Wirken.
Noch vor der Betrachtung des Niedergangs des Kulturbetriebs, kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1930 und der großen Flucht der Literatur, mit der französischen Hafenstadt Marseille als Sammelpunkt, 1940, widmete sich Uwe Wittstock den letzten Monaten im Leben Karl Marx und versuchte sowohl der Atmosphäre Algiers jener Zeit nachzuspüren, auch eine kompakte Beschreibung des Wirkens dieser bis heute streitbaren Figur. Nun wurde das Sachbuch einmal überarbeitet und liegt jetzt ebenfalls bei C. H. Beck vor.
Die Struktur dieses informativen und teilweise auf bis dato neu recherchierten Quellen basierenden Werkes, gibt dessen Tonalität vor. Immer im Wechsel wird einerseits von Karl Marx' Aufenthalt in der nordafrikanischen Stadt berichtet, die zur damaligen Zeit noch Bestandteil des französischen Kolonialreiches gehörte, andererseits dessen Leben und Werk, mit all ihren Facetten und auch Widersprüchen beleuchtet. Das liest sich noch nicht ganz so flüssig, wie die unter Wittstocks Feder erschienen neueren Werke, doch auch hier ist die Form die eines literarischen Sachbuchs, welcher hervorragend geeignet ist, Geschichte spannend und lebendig zu erzählen.
Dargelegt werden nicht nur entscheidende Weichenstellungen und Begegnungen im Leben des Intelektuellen, wie mit Julius Fröbel oder Karl Liebknecht,der stets die gut bürgerliche Fassade wahren, diese jedoch nur aufrecht erhalten konnte, da vor allem Friedrich Engels ihn einen Großteil seines Lebens unterstützte, und ständig auf die Revolution der unteren Klassen hoffte, die nie so eintreten sollte, als auch sein ideologisches Wirken, welches ihn mehrfach zum Staatenlosen machte. Persönliche Feinde inklusive.
Seine Beweggründe wie auch das Werk werden in kompakter Form analysiert, ohne zu sehr ins Detail oder Theoretische zu gehen, zudem der Kontrast dieser Jahre zu seinem letzten Lebensabschnittes, dieses vor allem auch privat gebeutelten Mannes. Dabei ist nicht nur das Portrait einer streitbaren Figur, sondern auch eines Kontinents im Wandel jener Jahre entstanden, die da abgerundet durch ein umfangreiches Quellenverzeichnis und ein wenig Fotomaterial nun neu aufgelegt zur Verfügung steht. Wer mal einen ganz anderen Ansatz der Herangehensweise erlesen möchte, sich mit Karl Marx zu beschäftigen, der greife zu diesem Werk.
findosbuecher
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Karl Marx in Algier
Vom Autor von "Marseille 1940": Die erstaunliche Geschichte von Karl Marx letzter Reise
Am 18. Februar 1882 besteigt Karl Marx in Marseille den Dampfer «Said» und verlässt zum ersten Mal Europa. Den Tod seiner Frau Jenny drei Monate zuvor hat er nicht verwunden. Er ist krank und hofft auf Genesung in Algier. Während er dort die Eindrücke der neuen Kultur auf sich wirken lässt, zieht er unsentimental eine Art Resümee seines Daseins und Wirkens. Uwe Wittstock erzählt lebendig und fesselnd von der letzten großen Reise des großen Denkers und blickt mit ihm zurück auf sein außergewöhnliches Leben.
Als Karl Marx 1882 im Hafen von Algier an Land geht, wird er von einem einstigen sozialistischen Untergrundkämpfer empfangen. Doch von politischem Kampf kann für Marx keine Rede mehr sein. Mit Europa hat er die ideologischen Schlachtfelder hinter sich gelassen, der Arzt hat ihm alle geistigen Anstrengungen verboten. Was bleibt ihm übrig, als sich Erinnerungen hinzugeben? Anhand von teils unpublizierten Quellen schildert Uwe Wittstock die Monate in Algier und beleuchtet zugleich das Leben dieses ebenso oft überhöhten wie vorschnell verdammten Denkers: die wilden Studienjahre in Bonn und Berlin, Marx frühe poetische Ambitionen, seine seltsam bremsende Rolle im Revolutionsjahr 1848, dann das ewige Exil, die Zumutungen der Armut. Warum blieb Marx fast lebenslang politisch isoliert, und wieso ließ er sein Hauptwerk, das Kapital, unvollendet liegen? Am Schluss seiner Zeit in Algier geht Marx zum Barbier und lässt sich seinen Revolutionärsbart abnehmen: Ein später Widerruf?
- Dieses Buch ist die überarbeitete Fassung von "Karl Marx beim Barbier. Leben und letzte Reise eines deutschen Revolutionärs", erschienen 2018
- Dies ist ein wunderbares Buch. Uwe Wittstock wechselt elegant zwischen Biografie und Erzählung, und ihm gelingt das Kunststück, die philosophischen Ideen dieser Zeit mühelos zu erklären." Ferdinand von Schirach
- Fantastisch erzählt von Uwe Wittstock
- Wie Karl Marx zum ersten Mal Europa verließ
- Eine etwas andere Biografie des Denkers, der die Welt veränderte
- "Uwe Wittstock beschreibt Marx Leben und Wirken so lehrreich, klug und spannend wie elegant und leicht von jenen zehn Wochen aus, die er im Frühjahr 1882 in Algier verbrachte." Axel Hacke, Süddeutsche Zeitung
- "Wie Uwe Wittstock das Bedeutende mit leichter Hand erzählt, ist eine große Kunst und für den Leser ein großes Vergnügen." Christine Westermann, WDR 5