Rezensionen (7)

Die Erbin der vier Winde

  • Gesamtbewertungen: 1
  • Durchschnitt: 3.00
  • Datum: 05.10.2026

Die Erbin der vier Winde - Im Schatten des Obsidians

“Die Erbin der vier Winde – Im Schatten des Obsidians" von Daniella J. Sommers bildet den ersten Band einer Trilogie, von der bisher zwei Bände erschienen sind. Der Abschluss der Reihe wurde bereits für den 8. März nchsten Jahres angekündigt, wir müssen uns also nicht mehr allzu lange gedulden.
Das Buch überzeugt bereits äußerlich auf ganzer Linie: Ein Schutzumschlag mit Goldfolierung und Prägung, ein Rundum-Farbschnitt, ein Charakter-Pageoverlay sowie ein gestalteter Vor- und Nachsatz mit Karte und Charakter-Artwork machen es zu einem echten Schmuckstück im Regal. Die Karte erlaubt es dabei, die Reisen der Protagonisten bequem nachzuverfolgen und verleiht der Handlung somit zustzliche Immersion. Eine Triggerwarnung ist vorne im Buch zu finden – mit Verweis auf eine Website, auf der die entsprechenden Stellen mit Seitenangaben aufgelistet sind, um Spoiler zu vermeiden. Allerdings sei angemerkt, dass das Thema Suizid bereits im ersten Kapitel erwähnt wird, in der Triggerwarnung jedoch nicht explizit aufgeführt ist – da es sich hierbei um ein äußerst emotionales Thema handelt, dass bei einigen Lesern negative Gefühle auslösen könnte, sollte dieser Aspekt unbedingt ergänzt werden.

Erzählt wird sowohl aus der Perspektive unserer Protagonistin Kenna als auch ihrem Freund Caelan. Zu Kapitelbeginn verrät jeweils der Name, wessen Blickwinkel wir einnehmen. Die Handlung findet somit auf zwei Schienen statt, was den Lesefluss jedoch nicht behindert. Im Mittelpunkt steht die weibliche Hauptfigur, eine Assassine mit Heterochromie und einem moralisch grauen Profil – sie tötet für Geld, nicht nur für Gerechtigkeit. Loyal, mutig und mit echten Schwächen und Ängsten geschrieben, wirkt sie sympathisch und vor allem authentisch. Ihr gewalttätiger Meister Kadoc kassiert regelmäßig ihren Lohn ein, behandelt sie und Caelan schlecht und stellt sie schließlich sogar vor ein Ultimatum: ein Mordauftrag, der im Erfolgsfall die Freiheit für sie beide bedeutet. Kenna soll den Fae-Prinzen töten. Auch wenn der Auftrag einer Selbstmord-Mission gleicht, begibt sie sich auf den Weg und findet dabei einiges über sich selbst heraus, dass sie nie geahnt hätte. Rylan, Kennas Geliebter, wurde von Fae getötet – was ihre spätere Zusammenarbeit mit ebendiesen umso komplizierter macht. Dass sie diese Tatsache vergleichsweise schnell akzeptiert und nach kurzer Zeit kaum noch ein Problem damit zu haben scheint, „eine von denen" zu sein, wirkt angesichts ihrer Verlustgeschichte etwas zu reibungslos.

Die Welt, in der die Geschichte spielt, ist aufwendig ausgearbeitet, was ein Abtauchen ins Buch erst wirklich möglich macht. Vier Gottheiten der vier Winde – Anmos, Thalay, Vulcra und Eren – sowie die große Mutter und Neero, die Göttin der Dunkelheit, prägen den Glauben der Menschen und Fae gleichermaßen, ebenso wie die Zeitrechnung in Monden. Ein Friedensvertrag zwischen zwei Fae-Völkern beendete einst die Unterjochung der Menschen, und die Götter der vier Winde veranstalteten blutige Spiele, deren Sieger ein wenig ihrer Magie erhielten und diese mit anderen teilten – ein interessantes Worldbuilding-Element. Die Fae selbst bedienen bekannte Stereotype: schön, spitzohrig, mächtig, mit langer Lebensspanne und Kontrolle über die Elemente, verwundbar durch Silber. Dazu kommen Halbfae, Dämonen als Kreaturen der Nacht. Am Beispiel des schwulen Nebencharakters Tariq findet auch die LGBTQIA+-Community Repräsentation in der Geschichte. Was den Spice-Level betrifft: Die romantische Spannung zwischen den Hauptfiguren – durch Tropes wie Enemies to Lovers und Forced Proximity in Form einer politische Ehe - ist deutlich spürbar. Die Szenen selbst reichen von “Closed Door” bis explizit.

Erzählerisch gibt es einige kleinere Stolpersteine: Die Einführung vieler Charaktere auf einen Schlag macht es stellenweise etwas schwierig, der Handlung zu folgen. Ein Charakterregister oder Stammbaum wäre angesichts der teils unübersichtlichen Verwandtschaftsverhältnisse sehr hilfreich gewesen. Auch die Information, dass Aeron und Nadael ein und dieselbe Person sind, kommt reichlich spät – das sorgte bei mir zunächst für echte Verwirrung. Sprachlich passen Schimpfworte wie „Heilige Scheiße" oder „beschissen" nicht immer zum edlen Fantasy-Setting des spiegelglatten Obsidianpalastes und fallen beim Lesen deutlich auf. Auch der Völkerhass, der zwischen den Fae und den Menschen herrscht, scheint bei Kenna eine Ausnahme zu machen: Sie akzeptiert ihre neue Rolle (mehr sei hier nicht verraten!) reichlich früh und ist schnell bereit, über ihre Vorurteile hinweg zu sehen, was vor allem im Hinblick auf ihre negativen Erfahrungen mit dem Fae-Volk etwas unglaubwürdig wirkt.

Alles in allem ein solider Auftakt mit aufwendiger Aufmachung, einer authentischen, starken Protagonistin und gut durchdachten Worldbuilding, der trotz einiger Schwächen Lust auf die Fortsetzung macht. Es bleibt allerdings zu hoffen, dass das Alleinstellungsmerkmal der Reihe; die vier Elemente, im zweiten Band mehr Raum einnimmt.


Stolz, Vorurteil und Hexerei

  • Gesamtbewertungen: 1
  • Durchschnitt: 4.00
  • Datum: 27.09.2026

Stolz, Vorurteil & Hexerei

„Stolz, Vorurteil & Hexerei" von Melinda Taub – eine Neuerzählung von Jane Austens Klassiker - erschien am 12. September dieses Jahres im Hobbit Presse Klett-Cotta Verlag und überzeugt bereits äußerlich: Das hochwertige Hardcover besticht durch ein elegantes Cover mit Goldfolierung und magischen Symbolen, einem filigranen Rundum-Farbschnitt sowie einem Lesebändchen – auch Vor- und Nachsatz sind liebevoll gestaltet. Eine Triggerwarnung sucht man dagegen vergeblich, wobei angemerkt sei, dass das Buch in Ansätzen auch Themen wie Sklavenhandel und Rassismus behandelt, die einige Leserinnen als belastend empfinden könnten.

 

Melinda Taub erzählt “Stolz und Vorurteil” diesmal aus der Perspektive der jüngsten Bennet-Tochter Lydia, die in dieser Version über magische Kräfte verfügt. Lydia bricht dabei regelmäßig die vierte Wand, indem sie das Publikum direkt anspricht und dabei ganz selbstverständlich von einer weiblichen Leserschaft ausgeht – ein Stilmittel, das gleich zu Beginn für Schmunzeln sorgt. Ihre Erzählung liest sich wie ein Tagebuch, inklusive Bemerkungen wie „Wo war ich stehen geblieben?" oder Kapitelüberschriften wie „Weiß Gott wievieltes Kapitel" – der Humor passt wunderbar zu einer Figur, die gar keine andere Wahl hat als sich selbst nicht so ernst zu nehmen.

 

Zur Familie: Lydias vier ältere Schwestern Jane, Lizzy, Mary und Kitty sind bekannte Gesichter – wobei Kitty hier buchstäblich eine Katze ist, der Lydias Fantasie einen Körper gegeben hat. Ihre Tante Margery Philips mütterlicherseits ist ebenfalls Hexe und unterrichtet Lydia in ihrer Gabe, die innerhalb der Familie zwar bekannt ist und für Geflüster sorgt, nach außen hin aber streng geheim bleibt. Lydias „Ehemann" George Wickham entpuppt sich als Dämon in menschlichem Körper, der um ihre Gabe weiß – das Verhältnis der beiden ist entsprechend kompliziert. Als Antagonist fungiert Lord Wormenheart, Lehnsherr über das Land und Hexenmeister zugleich, dem Lydia einen Gefallen verspricht – mit absehbaren Konsequenzen.

 

Das Setting bleibt dem Original treu: Meryton, Newcastle, Debütantinnen-Bälle und die strenge Etikette der Regency-Ära bilden den Rahmen, in den die magischen Elemente geschickt eingewoben werden. Kräuter-, Knoten- und Spiegelmagie, Liebeszauber und Familiars treffen auf gesellschaftliche Konventionen –die gewirkte Magie hat dabei immer ihren Preis. Dass sich Lydias Situation als Hexe in einer Welt, die von ihr erwartet, sich zu verbiegen, um in das enge Korsett gesellschaftlicher Regeln zu passen, wie eine Metapher für die Rolle der Frau liest, verleiht der Geschichte eine zusätzliche Tiefe. Auch die Problematik rund um das Erbrecht, welches zur damaligen Zeit vorherrschte – als Frauen blieb das Familienvermögen allen Bennet-Töchter verwehrt – wird thematisiert. Dabei wirkt die Geschichte allerdings keineswegs trocken oder angestaubt. Dafür sorgen unter anderem moderne Elemente wie LGBTQ-Repräsentation durch die Figuren Maria Lambe und Carmen.

 

Erzählt wird auf zwei Zeitlinien – Gegenwart und Vergangenheit –, wobei beide sich auf unsere Protagonistin Lydia beziehen. Da die Wechsel nicht immer klar gekennzeichnet sind, sondern lediglich durch Absätze voneinander getrennt sind, fällt es gelegentlich etwas schwer, die beiden auseinanderzuhalten. Wer das Original kennt, dürfte sich jedoch schnell zurechtfinden, und überraschende Wendungen sorgen dafür, dass die Spannung auch für Liebhaber der Romane von Jane Austen erhalten bleibt. Dennoch ist keinerlei Vorwissen nötig, um der Handlung folgen zu können. “Stolz, Vorurteil & Hexerei” kann auch unabhängig von seinem klassischen Vorbild gelesen werden.

 

Alles in allem eine charmante, humorvolle und dabei erstaunlich vielschichtige Neuerzählung, die Fans von Jane Austen ebenso ansprechen dürfte wie alle, die Lust auf Fantasy mit historischem Setting haben Lydias Stimme ist frisch, witzig und unverwechselbar – und macht dieses Buch zu einem echten Lesevergnügen. Sicherlich auch ein guter Kompromiss für diejenigen, denen die originalen Romane zu steif sind, aber von ihrem Setting trotzdem fasziniert sind.


Das Krähenzimmer

  • Gesamtbewertungen: 3
  • Durchschnitt: 3.00
  • Datum: 31.08.2026

Das Krähenzimmer

Vor knapp zwei Wochen, am 14. August diesen Jahres, erschien im Rowohlt Taschenbuch Verlag mit „Das Krähenzimmer" das Debüt der Autorin Carolin Frey. Das hochwertige Paperback überzeugt optisch mit einem auffälligen Farbschnitt und einem gedeckten Cover, das durch einen leichten 3D-Effekt Meeresgischt andeutet. Der Buchschnitt ist in leuchtendem Neongelb gehalten und zieht damit gleich die Aufmerksamkeit auf sich. Auch Vor- und Nachsatz sind liebevoll gestaltet – beide enthalten Meeresmotive und Zitate aus dem Buch. Eine Triggerwarnung sucht man leider vergebens, was angesichts der für einige Leser sicherlich problematischen Themen Vergewaltigung und Trauma durchaus bedenklich ist – im literarischen Genre Thriller sind solche Warnungen allerdings ohnehin weniger verbreitet als in anderen Gattungen.

 

Erzählt wird ausschließlich aus der Perspektive von Lotta, einer schlagfertigen, ungewöhnlichen Protagonistin mit Piercings und Tattoos, die von ihrem Leben gerade einfach genug hat. Kurzerhand kehrt sie nach Geelekow, einem fiktiven Küstenort, an dem sie als Kind Urlaub gemacht hat, zurück. Die Nostalgie in der Villa Sturmmöwe wird allerdings schnell von etwas Unheimlichem überlagert. Die Nachbarn verhalten sich seltsam, es kursieren Gerüchte über das Haus, mysteriöse Geräusche und ein rätselhafter Brief sorgen für Unbehagen. Schließlich stellt sich heraus, dass Lotta nicht die erste Mieterin ist, die sich dort bedroht fühlt – die Villa ist gezeichnet durch eine dunkle Vergangenheit, über die aber scheinbar niemand im Ort sprechen möchte. Die Geschichte ist durchgehend im Präsens geschrieben, was die beklemmende Atmosphäre noch verstärkt, und auch der Prolog – scheinbar aus der Perspektive eines weiteren Opfers - stimmt von Beginn an auf das Düstere ein. Die Krähen ziehen sich dabei als Symbol des Todes wie ein roter Faden durch die Geschichte, als Vorzeichen und Konstante zwischen Vergangenheit und Gegenwart zugleich. Auf diese Art und Weise gelingt es der Autorin, ihre Leser von Beginn an zu fesseln und unmittelbar an der Handlung teilhaben zu lassen.

 

Zwischen den Kapiteln finden sich mysteriöse Notizen mit „Regeln", die möglicherweise aus der Feder des Mörders stammen. Außerdem findet Lotta im Laufe der Geschichte einige Tagebucheinträge und Zeitungsartikel, die die Handlung durch abweichende Formatierung noch realer wirken lassen. Pop-Culture-Referenzen von Dolores Umbridge über Ted Bundy bis hin zu Slipknot und Narnia, dazu Alltagserfahrungen mit der Deutschen Bahn, wie sie jeder schon einmal erlebt hat, sowie englische Einschübe und Kraftausdrücke verleihen Lottas Welt eine glaubwürdige Bodenhaftung.

 

Thematisch geht das Buch weit über einen klassischen Thriller hinaus: Kontaktabbruch zur Familie, der Umgang mit Versagen und den Erwartungen anderer, die Suche nach Sicherheit sowie das Trauma sexueller Gewalt werden einfühlsam und ohne Beschönigung behandelt. Interessant ist auch die Ambivalenz rund um einige Nebenfiguren – bis zuletzt bleibt unklar, ob sie Lotta tatsächlich schützen wollen oder ihr vielmehr Böses wollen. Die Protagonistin kann niemandem trauen – und wir somit auch nicht. Dennoch baut sich kurz vor dem Finale eine Liebesgeschichte auf, die nur wenig Raum einnimmt, jedoch nicht aufgesetzt wirkt oder übermäßig vom Plot ablenkt.

 

Alles in allem ein starkes Debüt, das besonders durch die beklemmende Atmosphäre beeindruckt, welche den Leser von Beginn an in ihren Bann zieht. Man spürt Lottas Verzweiflung auf nahezu jeder Seite, und die vielschichtige Handlung bietet mehr, als der erste Eindruck vermuten lässt – inklusive einiger wirklich überraschender Plottwists, die erst auf den letzten fünf Seiten den Blick auf die Wahrheit freigeben. Von mir eine klare Leseempfehlung – vor allem für alle, die es mögen, wenn ein Thriller auch wirklich unter die Haut geht und bis zur letzten Seite fasziniert.

 


Keine Angst, Darling

  • Gesamtbewertungen: 2
  • Durchschnitt: 4.00
  • Datum: 03.08.2026

Keine Angst Darling

„Keine Angst, Darling" von Vera Buck erscheint am 3. August dieses Jahres im Lübbe-Verlag. Vorab sei angemerkt, dass mir ein Leseexemplar vorlag, das in vielerlei Hinsicht von der Originalausgabe abweicht – kein Farbschnitt, Werbung im Vor- und Nachsatz und ein Hinweis auf die Community Lesejury, die allerdings Ende Juli und damit noch vor Erscheinen des Buches eingestellt wird. Auch eine Triggerwarnung ist im vorliegenden Exemplar nicht enthalten, wobei angesichts der Inhalte – sexuelle Gewalt, häusliche Gewalt, Gaslighting, Trauma und toxische Beziehungen – sehr zu hoffen bleibt, dass die Hauptauflage hier nachbessert. Wer solche Themen als belastend empfindet, sollte das bei der Lektüre unbedingt im Hinterkopf behalten.
Von außen würde man vielleicht nicht unbedingt darauf tippen, hier einen Thriller in der Hand zu haben, der einem wirklich unter die Haut geht. Doch der Schein trügt – „Keine Angst, Darling" war eines der besten Bücher, das ich seit Monaten gelesen habe. So mitreißend, dass ich sogar wieder angefangen habe, beim Training im Fitnessstudio zu lesen.
Erzählt wird aus den Perspektiven der beiden Schwestern Paula Hartmann und Lea Graves, die jeweils in unterschiedlichen Schriftarten gehalten sind – ein kleines Detail, das sicherlich nicht jedem gleich auffällt, aber die Distanz zwischen den Figuren auf einer weiteren Ebene darstellt. Die Geschichte spielt in Florida, in der Wohngemeinschaft Sancta Familia, wobei Paula und Lea ursprünglich aus Deutschland stammen. Paula sucht verzweifelt nach ihrer entfremdeten Schwester, während deren manipulativer Mann Matt gleichzeitig Paulas Familie ins Visier zu nehmen scheint. Das Buch ist durchgehend im Präsens geschrieben, was die Ereignisse noch unmittelbarer und erschreckend greifbar macht.
Besonders stark ist der Kontrast zwischen den beiden Lebenswelten: Paulas Alltag zeichnet ein deprimierend ehrliches, realistisches Bild des Lebens mit drei Kindern – stressig, laut, chaotisch. Leas Welt hingegen wirkt auf den ersten Blick wie eine Kulisse aus den 50er-Jahren – alles perfekt, alles kontrolliert. Denn Matt kontrolliert tatsächlich alles: was Lea anzieht, was sie isst, wohin sie geht, mit wem sie spricht. Zitate wie „Ich will, was du willst" oder „Aber Mamis können doch kein Auto fahren" entfalten dabei eine beklemmende Wirkung, die noch lange nachhallt.
Die Autorin scheut sich nicht, problematische Themen schonungslos anzusprechen: Gaslighting, Narzissmus, Jähzorn, Victim Shaming, Kindheitstrauma, Religiösität als Kontrollinstrument, Erziehungscamps und die Ablehnung gleichgeschlechtlicher Liebe – das Buch deckt ein erschreckend breites Spektrum gesellschaftlicher Missstände ab, ohne dabei je konstruiert zu wirken. Eingebettet wird die Handlung in verschiedene Medienformate, darunter Haushaltsbucheinträge und TikTok-Transkripte. Emojis und Hashtags sowie Markennamen wie iPad, Minions oder Playmobil lassen die Geschichte so real wirken, dass die Handlung umso mehr fesselt.
Erzählerisch punktet das Buch zusätzlich durch die kaum vorhersehbaren Wendungen, die sich am Ende zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenfügen – keine offenen Fragen, kein zweiter Teil geplant.
Alles in allem ist „Keine Angst, Darling" ein starkes, intensives Buch, das ich mit niedrigen Erwartungen begonnen und mit echter Begeisterung beendet habe. Vera Buck schreibt schonungslos, präzise und mit einem Gespür für die leisen, alltäglichen Mechanismen von Kontrolle und Manipulation. Wer Psychothriller mag – oder sich bisher noch nicht so recht an das Genre gewagt hat – sollte diesem Buch eine Chance geben.

Das Buch der verlorenen Stunden

  • Gesamtbewertungen: 1
  • Durchschnitt: 4.00
  • Datum: 25.05.2026

Das Buch der verlorenen Stunden

Am 26. August 2025 erschien im dtv-Verlag Hayley Gelfusos Debütroman Das Buch der verlorenen Stunden. Zu Beginn fühlt es sich so an, als hätte man es schon einmal gelesen, aber auf eine Weise, die man so noch nicht kannte. Die Prämisse erinnert auf den ersten Blick an Bestseller-Werke wie Cornelia Funkes Tintenherz, bewegt sich dann aber in eine gänzlich eigene Richtung und beweist damit Gelfusos Kreativität. Wer also ein weiteres Buch erwartet, das sich bequem in bekannte Fantasy-Muster einfügt, wird hier angenehm überrascht werden.

Erzählerisch entscheidet sich die Autorin für eine zeitlich fragmentierte Struktur, die über verschiedene Epochen hinweg springt. Zu Beginn jedes Kapitels wird das entsprechende Jahr angegeben — ein Hilfsmittel, das prinzipiell Orientierung bieten soll, stellenweise aber nicht ausreicht. Gerade wenn die Zeitsprünge sich häufen, wäre eine genauere Zeitangabe hilfreich gewesen, um den Motiven der Figuren wirklich folgen zu können. Das ist schade, denn die Idee hinter dieser Erzählstruktur ist durchaus reizvoll: Gelfuso nutzt die verschiedenen Zeitebenen, um Informationen gezielt zurückzuhalten und nach und nach freizugeben, was dem Plot eine eigene Spannung verleiht. Dabei verfolgen wir die Handlung aus der Perspektive zweier Protagonistinnen, die mehr verbindet, als es anfangs scheint. Wer bereit ist, sich durch diese gelegentlich unübersichtlichen Abschnitte hindurchzuarbeiten, wird mit einem Plot belohnt, der tatsächlich überrascht — die Wendungen sitzen, kommen unerwartet und hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Was das Buch trotz dieser erzählerischen Hürden trägt, sind seine Charaktere. Sie sind liebenswert, glaubwürdig und mit einem spürbaren eigenen Gewissen ausgestattet, das ihre Entscheidungen — auch wenn diese im Zeitverlauf nicht immer sofort nachvollziehbar sind — letztlich menschlich und greifbar macht. Ein Charakterverzeichnis vermisst man hier nicht; die Figuren prägen sich von selbst ein, was bei einer so vielstimmigen Geschichte keine Selbstverständlichkeit ist. Gelfuso gelingt es, ihnen eine Tiefe zu verleihen, die über das bloße Vorantreiben der Handlung hinausgeht, und genau das macht sie zu mehr als nur Werkzeugen des Plots.

Für ein Erstlingswerk ist “Das Buch der verlorenen Stunden” bemerkenswert kreativ und mutig. Gelfuso zeigt, dass sie bereit ist, ungewöhnliche Wege zu gehen — erzählerisch wie inhaltlich — und dass sie das nötige Gespür mitbringt, eine komplexe Geschichte zusammenzuhalten. Nicht alles gelingt dabei reibungslos, doch das schmälert den Gesamteindruck nur wenig. Ich hatte viel Freude daran, in die verschiedenen Zeitebenen einzutauchen, und bin gespannt, wohin die Autorin uns als Nächstes mitnimmt.

Alles in allem ist Das Buch der verlorenen Stunden eine klare Leseempfehlung für alle, die Zeitreisen-Geschichten lieben und dabei einmal abseits der gewohnten Science-Fiction-Pfade wandern möchten — wer offen ist für ein fantasievolles Abenteuer, das die Grenzen des Genres auf erfrischende Weise neu auslotet, ist hier genau richtig.


Und nebenan der Tod

  • Gesamtbewertungen: 1
  • Durchschnitt: 2.00
  • Datum: 25.03.2026

Und nebenan der Tod

Andrea Nagele, bekannt durch diverse Veröffentlichungen im Thriller- und Krimi-Bereich, veröffentlichte im Oktober 2023 im emons-Verlag ihr neues Buch “Und nebenan der Tod“. Ein tiefenpsychologisch motivierter Thriller, der uns sowohl nach Berlin als auch nach Venedig führt. Denn die beiden Paare Adele und Niklas, Franziska und Konstantin, entscheiden sich, für eine Weile ihre Wohnungen zu tauschen. In Berlin angekommen fällt Niklas dann aber schnell auf, dass irgendetwas ganz und gar nicht stimmt…

Die Geschehnisse werden aus den Perspektiven der vier bereits genannten Protagonisten erzählt. Dabei fällt vor allem auf, dass innerhalb eines Kapitels mehrere Wechsel stattfinden können. Diese werden immer durch den Namen des entsprechenden Charakters signalisiert, sodass man der Geschichte ohne Probleme dennoch folgen kann. Teilweise sind die Wechsel allerdings gar nicht nötig, da die gedankliche Ebene der Figuren nur wenig Raum einnimmt, und deshalb meist gar nicht auffällt, aus welcher Sichtweise wir die Handlung beobachten. Die Autorin nutzt gängige Umgangssprache, schreckt aber auch vor Kraftausdrücken nicht zurück. Aufgrund des Settings tauchen auch einige italienische Begriffe auf, die aber größtenteils bekannt sein sollten oder erklärt werden, sodass kein Vorwissen nötig ist. Thematisch setzt sich « Und nebenan der Tod » mit problematischen Dynamiken in Beziehungen auseinander. Auch psychologische Krankheiten finden Erwähnung. Dabei sticht vor allem die Darstellung des Verlustes eines Fötus heraus, die sicherlich eine Triggerwarnung verdient gehabt hätte. Vereinzelt auftretende Sexszenen wurden nicht explizit beschrieben. Außerdem wurden einige bekannte Online-Plattformen und Streamingdienste benannte, was neben den detaillierten Beschreibungen der venezianischen Gassen für ein realistisches Setting sorgte.   
Leider wirkten die Dialoge zwischen den Figuren stellenweise etwas hölzern, weshalb keine außergewöhnlich große Sympathie für die Charaktere entstand – allerdings stehen diese bei einem Thriller auch nur selten im Fokus. Viel entscheidender ist die Spannung und der Überraschungsmoment. Hier konnte der Titel mich persönlich leider nicht überzeugen. Da ich eher selten Krimis und Thriller lese, bin ich vielleicht auch etwas negativ beeinflusst, jedoch hatte ich bereits im Prolog einen Verdacht, was genau geschehen sein könnte, der sich dann auch bewahrheitete. Der Plottwist ganz zum Schluss dagegen konnte zumindest teilweise überraschen.

Alles in allem ist Andrea Nagele mit “Und nebenan der Tod“ ein kurzweiliger Thriller gelungen, der menschliche Abgründe eindrücklich darstellt und vermittelt, wie toxische Dynamiken in romantischen Beziehungen einen Menschen negativ beeinflussen können. Die Figuren selbst blieben allerdings durch fehlende Einzigartigkeit nicht besonders in Erinnerung und auch die entscheidende Spannungskurve war nicht im Verlauf der gesamten Handlung spürbar, weshalb mir persönlich der Titel eher weniger gefallen hat.


Snape

  • Gesamtbewertungen: 1
  • Durchschnitt: 5.00
  • Datum: 14.03.2026

Snape - Die inoffizielle Biografie

“Snape – Die inoffizielle Biografie des gefürchteten Zaubertranklehrers von Hogwarts” von Lorrie Kim, herausgegeben durch Millicent Shacklebolt, erschien im Oktober 2024 im riva-Verlag (Münchner Verlagsgruppe) und lädt uns ein, Severus Snape auf eine ganz neue Art und Weise kennenzulernen.

Obwohl der Titel eine biografische Darstellung von Charakters suggeriert, konzentriert sich der Text eher auf die literarische Analyse der bekannten Werke von Joanne K. Rowling als auf eine chronologische Aufarbeitung von Snapes Leben. Das Buch ist nicht offiziell lizensiert, basiert allerdings auf zahlreichen Quellen, die in der angefügten Bibliographie aufgelistet sind. Hinsichtlich der Struktur orientiert sich die Autorin an den Daten der Veröffentlichung der acht, beziehungsweise neun Teile der Harry-Potter-Reihe, wobei “Harry Potter und das verwunschene Kind” nicht von der gesamten Fangemeinde als offizieller Abschluss der Saga akzeptiert wird. Lorrie Kim bezieht den Titel im Anschluss an eine kurze Erklärung der Kontroverse, in ihre Interpretation mit ein. Jedes ihrer Kapitel beschäftigt sich mit der Rolle des Severus Snapes in einem der Harry-Potter-Bücher, beginnend mit dem ersten Teil “Harry Potter und der Stein der Weisen”.
Ausführlich geht die Autorin auf Aussagen und Taten des Charakters ein um dessen wahres Wesen, Ambitionen, Motive und Wertvorstellungen für den Leser zu offenbaren. Da es sich bei Severus Snape um eine sehr vielschichtige, komplexe Figur handelt, steht die Harry-Potter-Community diesem auch heute noch zwiegespalten gegenüber. Er ist eine der wenigen Charaktere im Franchise, dessen Handlungen bis zum großen Finale mehrdeutig bleiben, was sicherlich einen Teil der Faszination ausmacht. Lorrie Kim ist es mit “Snape – Die offizielle Biografie des gefürchteten Zaubertranklehrers von Hogwarts” gelungen, weitere Interpretationsmöglichkeiten aufzudecken und somit ein vollkommen neues Bild des Charakters zu erschaffen. Darüber hinaus weist sie auch auf verborgene Anspielungen von Joanne K. Rowling hin, indem sie ausgewählte Aspekte von Werken aufzeigt, die die Harry-Potter-Reihe inspiriert haben und Vergleiche zieht.

Ein spannender “deep dive” für alle, die die Harry-Potter-Bücher bereits unzählige Male gelesen haben und von ihrem Lieblingscharakter Severus Snape einfach nicht genug bekommen können. Eine tiefgreifende Interpretation des vielleicht berühmtesten Zaubertranklehrers, die selbst eingefleischte Fans noch überraschen und zum Nachdenken anregen kann.    

FamousNinchens Buchregal

Cover: Die Erbin der vier Winde

Die Erbin der vier Winde

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Cover: Und nebenan der Tod

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Cover: Snape

Snape

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Cover: Odins Ruf - Verblasste Erinnerung

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Cover: Gwin und das Herz des Drachen (Band 1)

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24 Dates To Fall In Love

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Cover: Im Bann der Freibeuter

Im Bann der Freibeuter

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