Leserunde: Herzklopfen & WG-Drama
Moderiert von Mayler, Lola • Buch: Kurz davor ist manchmal noch zu lang • Start: 09.01.2026 - 20:15 • Ende: 30.01.2026 - 20:15
Liebe Bewerberinnen und Bewerber,
ich freue mich sehr, dass ihr euch für die Leserunde zu "Kurz davor ist manchmal noch zu lang" interessiert. Für mich ist diese Runde etwas ganz Besonderes, denn es ist meine allererste Leserunde überhaupt. Umso m…
Alltagsmomente in der WG
Erstellt von Mayler, Lola am 09.01.2026 19:51 • 5 Antworten • 2 TeilnehmerInteressant, monti. Wie genau meinst du mit "von Verantwortung keine Spur" in Bezug auf Eli – eher im zwischenmenschlichen Sinn oder im Umgang mit sich selbst?
Liebe Lola. Ich meinte im Umgang mit sich selbst. In etwa so wie, ohne Leine zu versuchen eine fast glatte Felswand zu ersteigen. Es ist ein stimmiger Vergleich. Vor 100 Jahren gab es kein Freeclimbing. Kein Bergsteiger hätte je geglaubt, dass es mal so was gäbe. Von einer Frau hätte ich zunächst einmal eine gewisse Scheu erwartet und wenn ich sie ans Gesicht fasse zumindest eine Ohrfeige. Egal was sie für mich empfindet. Als uralter Knacker habe ich natürlich die alte Sicht, aber auch extremere Auswüchse weiblicher Zuneigung erlebt. Romane erzählen immer das Glaubhafte, nie die Realität. Selbst bei autobiografischen ist das so. Das ist jetzt weniger Kritik an dir, vielmehr ein Grundsatz des creative writing
Danke für Deine ehrliche Rückmeldung. Deine Reaktion zeigt sehr schön, wie unterschiedlich wir Situationen wahrnehmen. Genau mit diesen Spannungsfeldern spielt die Szene: Eli ist keineswegs willenlos oder überrumpelt. Sie ist reflektiert, neugierig auf sich selbst und lässt sich bewusst auf Max’ Nähe ein. Sie steckt mitten in einer typischen Coming‑of‑Age‑Phase, in der Grenzen, Wünsche und Mut zum eigenen Begehren neu verhandelt werden. Dass sie anders handelt, als Du es vielleicht erwarten würdest, ist Teil ihres inneren Wachstums und ihrer eigenen Entscheidung.
Also ich erlebe Eli jetzt nicht reflektiert, sie kommt mir eher vor als habe sie durch die Betütelung der Mutter wenig Selbstbewußt sein. Aber ich bin auch noch nicht sehr weit in dem Buch. War gestern abend doch schneller müde als gehofft.
Liebe Ela,
Deine Beobachtung zu Eli passt gut zu dem Punkt, an dem sie zu Beginn des Romans steht. Sich ihrer selbst bewusst zu werden ist quasi Elis (Entwicklungs-)Aufgabe. Ich würde mich freuen, wenn Du mir erzählst, wie Du Eli später im Buch erlebst.
Das klingt psychologisch. Jeder hat ja seine eigene Erfahrung. Als Jüngling war ich weniger darauf aus zu sehen wie ich auf Jungfrauen wirke. Ich habe lieber parapsycholgische Experimente und Hypnose probiert. Außerdem ist die Position in einer patriarchischen Gesellschaft mit viel Aufwand verbunden. Da hat man wenig Zeit die Coming-of-Age-Phase zu genießen. Nicht das ich manchmal die Weiberhelden nicht beneidet hätte. Aber sie stehen unter Patriarchen ziemlich weit unten. Auch die Anzahl unehelicher Kinder macht die Position kaum wett.
Danke für Deinen Kommentar, monti. Interessant, welche Wege Gedanken manchmal nehmen.
Eli steht in der Geschichte tatsächlich an einem Punkt, an dem sie ihren eigenen Umgang mit all dem finden muss, was von ihr als junge Frau erwartet wird, was sie von sich selbst erwartet, was sie von sich selbst entfernt, ja, sie gar klein hält. Ihre Entwicklung besteht deshalb vielmehr darin, sich zu entscheiden, wer sie sein möchte.