Lidia Ginsburg
Aufzeichnungen eines Blockademenschen
ISBN: 978-3-518-22482-3
240 Seiten | ⏠22.95
Buch [Gebundenes Buch]
Dieses Buch gehört zur Reihe Bibliothek Suhrkamp und enthÀlt ca. 141 Folgen.
Erscheinungsdatum:
10.03.2014
Autobiographie
Lidia Ginsburg
Aufzeichnungen eines Blockademenschen
4.8/5.00 bei 8 Reviews - aus dem Web
900 Tage war Leningrad von der deutschen Wehrmacht eingeschlossen, bevor die Rote Armee am 27. Januar 1944 den Belagerungsring sprengte. Mehr als eine Million BĂŒrger kamen in der Stadt um â ein Kriegsverbrechen, das noch immer nicht Teil der deutschen Erinnerungskultur geworden ist.
Anders als viele KĂŒnstler und Intellektuelle, die sich evakuieren lieĂen, harrte Lidia Ginsburg in Hunger und KĂ€lte aus, weil sie ihre alte Mutter nicht allein lassen wollte. Erst Jahrzehnte spĂ€ter veröffentlichte sie ihre Aufzeichnungen eines Blockademenschen â ein Bericht, der weniger an ein Tagebuch als an die Arbeitsskizzen eines Verhaltensforschers denken lĂ€sst.
Was ist ein Blockademensch? Es ist jemand, der langsam und in vollem Bewusstsein an Hunger und KÀlte zugrunde geht: nicht im Lager, sondern in der Stadt, unter Arbeitskollegen, im Kreis der Familie, in den Wohnungen, wo »die Menschen wie erfrierende Polarforscher um ihr Leben kÀmpfen«.
Wie der verhungernde Mensch seinen fremd werdenden Körper als sterbende Materie erlebt, wie er im Kreis zu rennen beginnt, wie seine Gereiztheit in Grobheit gegen seine NĂ€chsten umschlĂ€gt, wie ihn die eigene Niedertracht quĂ€lt und reut â das alles beschreibt Ginsburg mit einer Scharfsicht, die an Simone Weils logische Untersuchungen des Schmerzes erinnert. 2006 tauchte im Nachlass â eine Sensation â die »ErzĂ€hlung von Mitleid und Grausamkeit« auf. Ein Text, der als narrativer Kern der »Aufzeichnungen« gelten kann. Nach den LektĂŒre-Erfahrungen mit Schalamow und Agamben liest man das Buch heute als ein weiteres LehrstĂŒck in negativer Anthropologie.
Anders als viele KĂŒnstler und Intellektuelle, die sich evakuieren lieĂen, harrte Lidia Ginsburg in Hunger und KĂ€lte aus, weil sie ihre alte Mutter nicht allein lassen wollte. Erst Jahrzehnte spĂ€ter veröffentlichte sie ihre Aufzeichnungen eines Blockademenschen â ein Bericht, der weniger an ein Tagebuch als an die Arbeitsskizzen eines Verhaltensforschers denken lĂ€sst.
Was ist ein Blockademensch? Es ist jemand, der langsam und in vollem Bewusstsein an Hunger und KÀlte zugrunde geht: nicht im Lager, sondern in der Stadt, unter Arbeitskollegen, im Kreis der Familie, in den Wohnungen, wo »die Menschen wie erfrierende Polarforscher um ihr Leben kÀmpfen«.
Wie der verhungernde Mensch seinen fremd werdenden Körper als sterbende Materie erlebt, wie er im Kreis zu rennen beginnt, wie seine Gereiztheit in Grobheit gegen seine NĂ€chsten umschlĂ€gt, wie ihn die eigene Niedertracht quĂ€lt und reut â das alles beschreibt Ginsburg mit einer Scharfsicht, die an Simone Weils logische Untersuchungen des Schmerzes erinnert. 2006 tauchte im Nachlass â eine Sensation â die »ErzĂ€hlung von Mitleid und Grausamkeit« auf. Ein Text, der als narrativer Kern der »Aufzeichnungen« gelten kann. Nach den LektĂŒre-Erfahrungen mit Schalamow und Agamben liest man das Buch heute als ein weiteres LehrstĂŒck in negativer Anthropologie.
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| Veröffentlichung: | 10.03.2014 |
| Höhe/Breite/Gewicht | H 22,2 cm / B 14,6 cm / 556 g |
| Seiten | 240 |
| Art des Mediums | Buch [Gebundenes Buch] |
| Preis DE | EUR 22.95 |
| Preis AT | EUR 23.60 |
| Auflage | 2. Auflage |
| Reihe | Bibliothek Suhrkamp 1482 |
| ISBN-13 | 978-3-518-22482-3 |
| ISBN-10 | 3518224824 |
Ăber den Autor
Lidia Ginsburg, 1902 in Odessa geboren, 1990 in Moskau gestorben, war Literaturwissenschaftlerin und gehört als SchĂŒlerin von Sklovskij, Tynjanov und Eichenbaum zur zweiten Generation der einflussreichen russischen Formalisten.Diesen Artikel teilen
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