Kampf gegen die eigenen Dämonen und die afrikanische Mafia
„Waldmann“ von Thomas Ziebula entpuppte sich als ein hochdramatischer, packender Thriller mit beklemmendem Gegenwartsbezug: ukrainische Frauen, die vor dem Krieg flüchten, werden zu Opfern von Menschenhandel und Zwangsprostitution.
Das 2026 erschienene Buch gliedert sich in vier Bücher bzw. in 63 extrem kurz gehaltene Kapitel. Deren Kürze bzw. die ständigen Orts- und Perspektivenwechsel jagen einen als Leser regelrecht durch die Handlung. Der Schreibstil ist flüssig, von Beginn an mitreißend, spannungsgeladen, atmosphärisch, abwechslungs- und temporeich. Die Handlung spielt in der Gegenwart, lediglich der Prolog schildert einen sieben Jahre zurückliegenden Vorfall. Die durchaus schwierigen Charaktere der Hauptpersonen sind facettenreich, tiefgründig und interessant.
Die Spannung des Romans ist vielschichtig. Einerseits steht Kommissar Johannes Waldmann als Mensch im Mittelpunkt, der einen schweren Schicksalsschlag erlitt und psychisch labil ist. Bei einer Reise nach Nigeria verschwand seine Frau spurlos. Waldmanns Charakter hat mich von Anfang an fasziniert, sein Kampf gegen die inneren Dämonen, sein Durchhaltevermögen. Er war mir sofort sympathisch – familiär, als Mensch, ebenso wie als Kommissar.
Der zweite fesselnde Handlungsstrang ist die verzweifelte Suche nach den ukrainischen Frauen, wobei einem der Einblick in die Grausamkeit und Gewalttätigkeit im Prostituiertenmilieu nicht erspart bleiben, wie Vergewaltigung, Perversität. Man fiebert bis zum Schluss, hofft, dass sie noch lebend gefunden werden können. Man bekommt durch eingeschobene Briefe und Chats der Ukrainerinnen einen guten Eindruck von deren Wesen.
Neben Waldmann spielen noch einige andere Figuren eine bedeutende Rolle. Pia Luninger, die mutige, empathische und entschlossene Investigativjournalistin, ist eine der treibenden Kräfte, sie setzt alle möglichen Hebel in Bewegung, um die Suche nach den Ukrainerinnen offiziell in Gang zu setzen. Von deren Existenz und Schicksal erfuhr sie von Suse, die in Eigenregie versucht, die Frauen aufzuspüren. Suse agiert über viele Kapitel etwas undurchschaubar, aber kämpferisch aktiv im Hintergrund. Die stetigen Szenenwechsel zwischen den handelnden Personen, inklusive der Gegenseite, der afrikanischen Drahtzieher, meist mit Cliffhangern endend, lassen einen das Buch kaum zur Seite legen. Mich hat dieser Thriller voll in seinen Bann gezogen. Ich mochte Waldmann von Beginn an, ich fieberte und litt mit den ukrainischen Opfern, hoffte für sie wie auch für Pia und Suse, die sich bei ihren Aktionen stets in Lebensgefahr begeben.
Ich will nicht spoilern, was das Ende anbelangt. Es könnte durchaus eine Fortsetzung geben, die ich gerne lesen würde. Vorerst gebe ich einmal eine unbedingte Leseempfehlung! 5 Sterne!
Bookworm53
Bloggerin bei LeseHitsBookworm53
Kommentare
Waldmann
Beste deutsche Krimiliteratur: Relevant, realistisch. tiefgründig
Als Johannes Waldmann am Vorabend seiner Rückkehr in den Dienst der Bonner Mordkommission an einen Tatort gerufen wird, ahnt er nicht, in welche Abgründe dieser Fall ihn führen wird. Während er die Leiche des getöteten Lokalpolitikers besieht, jagt eine Frau in einem gestohlenen Polizeiwagen einem Audi nach. In ihm vermutet sie die junge Ukrainerin Zlata, die gerade noch mit dem Politiker auf einem Zimmer war. Auch die Journalistin Pia Luninger ist an dem Fall dran. Spurlos wird die große Reportage heißen, die sie über Menschenhandel und Zwangsprostitution schreiben will und die ihr endlich den ersehnten Karrieresprung ermöglichen soll. Mit jedem Schritt, den Waldmann tiefer in den Sumpf des Verbrechens hineinwatet, löst sich ein Faden, der die große Wunde seines Lebens nur oberflächlich zusammenhielt: der Verlust seiner Frau. Damals, auf einem Bazar, als sie von einem auf den anderen Moment einfach so – verschwand …