Als Frau an der politischen Spitze
„Zwischen Tafelspitz und Ministerrat“ von Brigitte Teufl-Heimhilcher ist ein politischer Gesellschaftsroman, der Beginn der Reihe „Familie & Karriere“.
Das in hellen Pastelltönen gehaltene Cover ist ansprechend. Das Motiv, eine Frau, die auf das österreichische Parlament zugeht, symbolisiert die Thematik Frau und Politik, Frau und Karriere. Es handelt sich um den 2020 erschienenen Sammelband, bestehend aus zwei Teilen: „Liebe, Macht und rote Rosen“ und „Der Fall Finkenberg“, wobei der erste Teil bereits 2014 als Einzelband unter dem Titel „Politik und rote Rosen“ erschien.
Ich mag an und für sich die heiteren Gesellschaftsromane dieser Autorin, ihren lockeren und flüssigen Schreibstil, die Art und Weise, wie ihre ProtagonistInnen Konflikte bewältigen. Ohne nervenaufreibende Dramatik, ohne aufwühlende tragische Ereignisse, ohne komplexe Missverständnisse und Verwicklungen. Die eine oder andere humorvolle Szene oder schlagfertige Dialoge lockern immer wieder auf. Die stets vorherrschende familiäre Harmonie ist das Wohltuende in ihren Romanen. Man hält zusammen und hilft einander. Man geht rücksichtsvoll und respektvoll miteinander um. Die Menschen haben natürlich auch Schwächen, aber ihre Ecken und Kanten sind nie wirklich verletzend oder störend.
Im Großen und Ganzen trifft das auch auf diesen Roman zu, wobei für meine Begriffe die familiären Geschehnisse sehr mit Sybilles politischer Tätigkeit überlagert sind. Sybille ist eine ambitionierte Ministerin, sie will etwas bewegen, ehrlich und offen agieren. Sie muss aber bald erkennen, dass ihr Grenzen gesetzt werden, offene, aber auch heimtückische, dass im Hintergrund Machenschaften laufen. Und dass ihre politische Karriere ihr wenig privaten Freiraum lässt und sogar ihre Liebesbeziehung massiv einschränkt. Grundsätzlich fand ich Sybille, was sie als Ministerin anbelangt, nicht nur sympathisch sondern vorbildlich. Sie traut sich, ihre Meinung zu äußern, sogar gegen die Parteilinie. PolitikerInnen mit ihrer Einstellung würde man sich als BürgerIn wünschen.
Was jedoch die private Sybille anbelangt, so empfand ich sie als zu distanziert ihrer Familie gegenüber. Sie bemüht sie zwar trotz all ihrer Termine, für Tochter, Vater und Partner da zu sein. Aber ich fand sie zu nüchtern, zu vernünftig, zu zurückhaltend, zu wenig emotional. Ich spürte kaum intensive Sorgen, Ärger, Sehnsucht oder Enttäuschung, sowie Innigkeit der Liebesbeziehung. Auch die Dispute mit ihrer pubertären Tochter fand ich nicht lebendig.
Generell ist die Handlung des ersten Teils eher trocken. Zwar überraschte mich die Aktualität der politischen Themen (immerhin wurde das Buch nicht erst heuer verfasst). Denn immer noch sind Pensionsreform und Mietzinsobergrenzen Schlagwörter der österreichischen Innenpolitik. Die feinen kriminalistischen Fäden (die im Klappentext Spannung assoziieren), wie Mord und Korruption, verlaufen eher unspektakulär. Auch die heitere Note schwang in diesem Roman kaum mit.
Der zweite Teil gefiel mir besser. Obwohl auch noch mit politischem Background, ist es eine Geschichte mit mehr Fokus auf Zwischenmenschlichem, was mich emotional mehr ansprach, sowie ein paar Szenen, die zum Schmunzeln anregen. Das ließ mich das Buch mit einem zufriedenen Lesegefühl schließen.
Die politische Szenerie in Österreich ist jedenfalls ebenso gut dargestellt wie die Probleme von sog. Karrierefrauen, deren Gratwanderung zwischen Beruf und familiären Verpflichtungen. Der Roman empfiehlt sich sehr als Diskussionsbasis über dieses Thema.
Bookworm53
Bloggerin bei LeseHitsBookworm53
Kommentare
Zwischen Tafelspitz und Ministerrat
1. Buch - Liebe, Macht und rote RosenAls Sybille einwilligt, das Amt der Sozialministerin zu übernehmen, tut sie es, um mehr Ehrlichkeit in die Politik zu bringen. Das stellt sich bald als schwieriger heraus als gedacht, denn Kanzler Reifenstein hat nur eines im Sinn: Wählerstimmen. Sybille lässt nicht locker. Trotz der Streitigkeiten mit dem Kanzler, ihrer pubertierenden Tochter und ihrem sturköpfigen Vater, geht sie der Frage nach, ob der Unfalltod ihres Vorgängers Mord gewesen sein könnte. Keiner will das so recht glauben, nur Viktor Raab, der Chefredakteur des Tagblatts, unterstützt sie und ist auch sonst immer öfter an ihrer Seite.
2. Buch - Der Fall Finkenberg
Zwei Jahre später ist Sybille Vizekanzlerin und Parteichefin. Sie liebt ihre Arbeit, auch wenn die ihr nur wenig Zeit für Privates lässt. Das stellt zunehmend eine Belastung dar, denn gerade jetzt würde Viktor Raab ihre Zuwendung brauchen. Als das Gerücht auftaucht, Umweltminister Finkenberg sei in Schwarzgeldgeschäfte verwickelt, geht Sybille der Sache dennoch auf den Grund, merkt bald, dass die Dinge nur selten so sind, wie sie auf den ersten Blick scheinen und trifft eine Entscheidung, mit der niemand gerechnet hat.