Aufgeben ist keine Option
„Nirgendwann – Plan B war auch Mist“ von Mac Conin entpuppte sich als ein Roman mit einer berührenden, herzerwärmenden, aber auch spannenden Geschichte, eingepackt in tiefgehende, nachdenklich stimmende Überlegungen über die Veränderungen zwischenmenschlicher Beziehungen insbesondere in Städten.
Das Cover wirkt fröhlich, aber auch etwas chaotisch. Es passt sehr gut zum Inhalt, zur Protagonistin, zu ihrer Fröhlichkeit, ihrem Optimismus, aber auch zu den Stolpersteinen, die ihren Weg pflastern. Das Buch erschien 2025. Die Handlung spielt ungefähr zur selben Zeit in Köln. Der Schreibstil ist flüssig, einfühlsam, humorvoll und gut beschreibend. Dadurch, dass aus der Perspektive mehrerer Personen erzählt wird, ergibt sich eine facettenreiche Betrachtungsweise. Man erfährt viel über die Menschen, ihre Gedanken und Gefühle, ihr Vorleben; ebenso darüber, wie sie über die anderen denken. Dadurch entsteht eine sehr lebendige, packende und gefühlsstarke Atmosphäre, in die man unweigerlich hineingezogen wird.
Eine der Perspektiven ist „Büdchen“. Darunter versteht man in Köln einen Kiosk. Diese Kioske waren früher nicht nur einfach kleine Verkaufsläden, sondern Treffpunkte der Menschen im Grätzel. Dort tauschte man Neuigkeiten aus, pflegte zwischenmenschliche Beziehungen. Indem der Autor diesem „Büdchen“ eine Stimme gibt, bildet dessen Sinnieren über die Veränderungen in der Stadt, in der Straße, über die nachlassenden Begegnungen der Bewohner eine harmonische Verbindung zur Geschichte. Die philosophischen Gedanken sind fundiert recherchiert, was auch das Literaturverzeichnis im Anhang beweist. All diese Änderungen im sozialen Gefüge, die zunehmende Isolation, Anonymität und Entfremdung passiert nicht nur in Köln, sondern das erleben wir in jeder Stadt. Diese Betrachtungen geben dem Roman Tiefe und regen zum Nachdenken an.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Johanna, kurz Jo genannt, eine junge Frau, die nach der Matura aus einer prekären familiären Situation – die Mutter ist Alkoholikerin, der Vater gewalttätig - von der Eifel nach Köln geflohen ist, in dem Bestreben sich eine Existenz aufzubauen, um auch ihre jüngeren Geschwister nachholen zu können. Obwohl sie fleißig arbeitet, gerät sie in ein finanzielles Desaster. Denn das Leben in Köln ist teuer. Und die Großstadt hat auch ihre dunklen Seiten: Vermieter und Chefs, die sie übervorteilen, ausnützen und die übergriffig werden.
Jo verfügt trotz ihrer bedrückenden Kindheit über ein fröhliches, positives Wesen. Sie packt an, ist offen und ehrlich. Sympathisch. Liebenswert. Sie agiert spontan, Planung und Organisation fallen ihr allerdings schwer. So schlittert sie in die Katastrophe: pleite, kein Job, keine Wohnung. Unerwartet erhält sie tatkräftige Hilfe durch den organisierten, fast autistisch wirkenden Carlo und den 80-jährige einsamen Hänsel. Fürs Erste hat sie ein Dach über dem Kopf und ist schuldenfrei. Doch noch steht sie nicht auf eigenen Füßen, noch sind die familiären Probleme virulent. Die Ereignisse überschlagen sich, es ergeben sich bedrohliche Situationen, es scheint ausweglos, bis Jo sich dazu durchringt, etwas Neues zu wagen.
Mich hat diese Geschichte richtig mitgerissen, einerseits emotional erfasst, andererseits ist sie auch sehr spannend. Die Charaktere wirken lebendig und authentisch, die städtische Atmosphäre ist sehr anschaulich wiedergegeben. Für mich war das Buch ein Lesehighlight, das ich mit 5 Sternen benote.
Bookworm53
Bloggerin bei LeseHitsBookworm53
Kommentare
Nirgendwann
Kein Liebesroman. Jo steht vor dem Nichts: kein Geld, kein Job, bald keine Wohnung. Als ihr Chef zu weit geht, zieht sie die Reißleine – doch der Preis ist hoch. In einer Stadt, die keine Rücksicht nimmt.
Sie kämpft sich mit Trotz, trockenem Humor und der Hilfe eines alten Mannes durch die täglichen Zumutungen des Großstadtlebens.
Zwischen Grapschern, Schulden und der Hoffnung auf ein anderes Leben stellt sich eine Frage: Wie tief kann man fallen – und wann beginnt der Weg zurück?
Kein Liebesroman, aber über Selbstachtung, klare Ansagen und den Mut, sich nicht unterkriegen zu lassen.