Ein beeindruckender Debutroman
„Kotzbrocken“ ist Gerold Rudles erster Roman, ein Roman, der mich berührt hat, der mich überrascht hat, der mich überzeugt hat. Ein Buch, das einen packt, das man nicht mehr aus der Hand legen will.
Wenn man den Autor aus zahlreichen Kabarettprogrammen nur so von der Bühne her kennt, erwartet man zwangsläufig etwas Humoristisches, eine Geschichte zum Schmunzeln und Lachen. Irgendwie irritierte mich daher auch der Titel „Kotzbrocken“. Diese Diskrepanz machte mich neugierig.
Ein bisschen Bühnenflair spürt man, aber ansonsten findet man (soweit ich das beurteilen kann) nichts Biografisches in diesem Roman. Sondern man wird mit einem mitreißenden, einfühlsamen Schreibstil in das Leben eines Mannes hinein gesogen, dessen Leben sich gerade auf Abwärtsspirale befindet.
Stefan Steiner, so heißt er, feierte viele Jahre große Erfolge als Kabarettist, wurde als Star hofiert und lebte seine Allüren aus. Ichbezogen verfügt er über keinerlei Gespür für seine Umwelt, dafür, dass er durch seine Art die Menschen an seiner Seite ständig verletzt, nicht absichtlich, nicht bewusst, sondern durch Unachtsamkeit. Alles hat sich um ihn zu drehen, jegliche Zuwendung nimmt er als selbstverständlich, interessiert sich jedoch nie dafür, was seine Familie, Frau und Tochter, bewegt, wie es ihnen geht. Glaubt, alles ist gut.
Plötzlich trifft ihn ein Schicksalsschlag. Aus heiterem Himmel. Zuvor schon gesundheitlich angeschlagen, folgt sein Zusammenbruch und ein berufliches Aus.
Das Faszinierende an dem Roman war für mich, dass hier ein Mensch im Mittelpunkt steht, für den man eigentlich wenig Sympathie aufbringen kann, so wie er sich gebärdet. Doch dem Autor gelang es, ihm nicht nur Leben einzuhauchen, sondern zu bewirken, dass man mit Stefan mitfühlt, seine Trauer, seine Hilflosigkeit, seine anfängliche Unfähigkeit, auf Menschen zuzugehen, sich auf sie einzulassen, nicht immer nur sich selbst in den Vordergrund zu stellen. Es ist ein für ihn schwieriger, schmerzhafter Weg, sich zu ändern – einen neuen Anfang als empathischerer Mensch zu finden.
„Kotzbrocken“ ist ein exzellent gelungener Debutroman, dem hoffentlich noch weitere folgen werden. Eine unbedingte Leseempfehlung meinerseits mit 5 Sternen.
Bookworm53
Bloggerin bei LeseHitsBookworm53
Kommentare
Kotzbrocken
Gerold Rudle, einer der prägenden Kabarettisten Österreichs, legt mit diesem Buch seinen ersten Roman vor – und überrascht mit einer literarischen Entdeckung.
Stefan „Steff“ Steiner war einst der große Star der österreichischen Kabarettszene: ausverkaufte Hallen, Fernsehauftritte, Preise. Ein Leben auf Achse, zwischen Applaus und Hotelzimmern. Eine Ehe. Eine Tochter. Erfolg – und kaum Zeit für alles andere.
Doch ein missglückter Fernsehauftritt bringt die Fassade ins Wanken. Die Bühnen werden kleiner, die Wege länger, die Gespräche weniger. Menschen erkennen ihn noch, aber sie sprechen von früher. Von damals.
Mit feinem Humor, genauer Beobachtungsgabe und großer Nähe zu seiner Figur erzählt Gerold Rudle von einem Mann, der glaubt, alles richtig zu machen – und trotzdem den Anschluss verliert. Tragikomisch, berührend und literarisch erzählt.
Gerold Rudle zeigt in seinem ersten Roman seinen feinen Sinn für tragikomische Momente. Gibt Einblicke in das Leben auf Achse als Kabarettist in Österreich. Ein Buch, das man nicht mehr weglegen kann - ganz großartige Erzählkunst.
Authentisch, pointiert und mit großer erzählerischer Präzision – ein Buch, das lange nachhallt.
Ein Kabarettist wagt Literatur — und überrascht.