Bookworm53

Katzen kommen vor, agieren aber nicht; Leichen machen noch keinen Krimi

10.10.2026 – 18:53 Uhr
Cover: Ein Mord für ein Miau

„Ein Mord für ein Miau“ von Uli Aechtner soll laut Cover ein Katzenkrimi sein. Nun ja, Katzen kommen darin einige vor, allerdings spielen sie nicht, wie von mir erwartet, die Hauptrolle. Es kommen auch Leichen vor. Aber es gibt keine Ermittlungen. Keine Mördersuche im üblichen Sinn. Der Tenor des Romans liegt eher bei zwischenmenschlichen Beziehungen, Flirt und der Suche nach dem Richtigen.

Das Cover mit den zwei süßen Kätzchen, auch der Klappentext, haben mir vorgegaukelt, dass dies ein „Katzenkrimi“ nach meinem Geschmack wäre, wo zwei abenteuerlustige kleine Kätzchen ausbuchsen, dabei so einiges anstellen, erleben, vielleicht in Gefahr geraten. Und Natascha auf der Suche nach ihnen irgendwie einem Mörder in die Quere kommt. So in etwa hatte ich mir das vorgestellt.

Grundsätzlich liest sich das 2026 erschienene Buch locker und leicht. Und es beginnt auch recht vielversprechend. Natascha, Ende 30, Single, erst kürzlich aus der Stadt ins Dorf gezogen, lebt recht zurückgezogen, noch dazu arbeitet sie im Home Office. Als zwei Nachbarskinder sie darum ersuchen, ihre jungen Kätzchen einige Tage zu betreuen, während sie auf Urlaub sind, ändert sich Nataschas Leben blitzartig. Die Kätzchen bringen Unruhe in ihr Leben. Als sie ihr entwischen, zwingt sie die Suche nach ihnen, Bewohner des Dorfes kennenzulernen. Soweit so gut.

Doch Natascha begibt sich relativ halbherzig auf die Suche, lässt sich immer wieder ablenken, zu allerlei überreden, was sie eigentlich gar nicht will, insbesondere von Single-Männern, mit denen sie meiner Ansicht nach die Zeit vertrödelt, anstatt konsequent und intensiv zu suchen. Sie besucht Yogastunden, flirtet da und dort, lässt sich von einem Fotografen als Model engagieren und verliebt sich vor allem in den Dorf-Tierarzt. Die zwei kleinen Katzen bleiben wie vom Erdboden verschluckt. Natascha wirkt nicht wirklich untröstlich und besorgt. Die diversen Missgeschicke, die ihr so nach und nach passieren, fand ich meist weniger lustig als peinlich für eine fast 40-Jährige, eher zum Kopfschütteln über Naivität, Leichtgläubigkeit und Vertrauensseligkeit. Ich konnte mich mit ihren Handlungen nicht identifizieren. Ich wurde mit ihr nicht warm, fand sie nicht sympathisch.

Dazwischen geschoben erfährt man die Jahrzehnte zurückliegende Geschichte einer jungen katzenliebenden Frau, die Tierquäler zur Rede stellt, wobei es von ihr ungewollt zu Todesfällen kommt, die im juristischen Sinn wohl eher als Unglücksfälle, eventuell Notwehr gelten.

Die beiden Handlungsfäden verknüpfen sich am Ende, doch eine Krimihandlung in dem Sinn, also Ermittlungen in irgendeiner Weise, gibt es nicht.

Im Zuge der Beschreibungen der Charaktere werden eine Reihe ernsthafter Themen angerissen, wie Alkohol- und Computersucht, Krebserkrankungen, Immobilienspekulation. Trotzdem gelingt es nur wenig, den Figuren eine gewisse Tiefe und Lebendigkeit zu verleihen. Immerhin entwickelt sich Natascha im Laufe der Handlung, indem sie Kontakt zur Dorfbevölkerung findet. Die Liebesgeschichte zwischen ihr und dem Tierarzt ging mir etwas zu rasch, zu übergangslos, ohne längeres, näheres Kennenlernen. Da spürte ich keinen überspringenden Funken, keine Leidenschaft. Aber immerhin tröstete mich das Happy-End etwas über die fehlende Katzenpower und das fehlende kriminelle Miträtseln hinweg.

Leider, dieses Buch traf nicht meinen Geschmack, auch nicht meinen Humor. Ich habe den Roman im Zuge einer Leserunde kennenlernen dürfen, bei der sich gezeigt hat, dass die Geschichte polarisiert. Einerseits gab es hellauf begeisterte, andererseits enttäuschte LeserInnen. Cover und Klappentext haben wohl zum Teil einen falschen Leserkreis angelockt.


Gesamtbewertung: 4/5
Cover: 5/5
Handlung: 4/5
Spannung: 3/5
Schreibstil: 5/5
Blogger: Bookworm53

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Klappentext

Ein Mord für ein Miau

Liebesroman von Uli Aechtner
Cover: Ein Mord für ein Miau

Ehrensache, dass Natascha auf die zwei Kätzchen der süßen Nachbarsmädchen aufpasst, solange die bei ihrem Vater sind. Die schnurrende Gesellschaft von Bonnie und Clyde kommt der achtunddreißigjährigen Singlefrau sogar ganz gelegen. Seit sie von Frankfurt am Main in die ländliche Wetterau gezogen ist und im Homeoffice arbeitet, verläuft ihr Leben in viel zu ruhigen Bahnen. Wie soll sie unter solchen Umständen einen Mann finden? Bei der Übergabe warnen Holly und Dana eindringlich vor dem Katzenklau, der immer wieder Tiere verschwinden lässt. Bonnie und Clyde machen schon bald nach ihrem Einzug ihren verbrecherischen Namen alle Ehre, türmen durchs Fenster und sind dann tatsächlich wie vom Erdboden verschluckt. Im Zuge der turbulenten Suche, die nun beginnt, bekommt Natascha es mit Tierärzten, Katzenyogis und Catfluencern zu tun – und mit manchem attraktiven Singlemann. Allerdings ahnt sie nicht, dass ganz in der Nähe zu allem Überfluss ein Mörder sein Unwesen treibt ...

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