Salzburg 1955/56 – stimmiges Zeitbild
Im Roman „Schlosshotel Fuschl“ verknüpft die Autorin Caren Benedikt geschickt die Biografie von Gräfin Harriet Walderdorff mit einer fiktiven Handlung.
Das Cover mit dem malerischen Schlosshotel Fuschl stimmt bereits wunderbar auf die Lektüre ein. Die Handlung des 2026 erschienenen Buches umspannt einen Zeitraum von einem Jahr, von Juli 1955 bis Juli 1956. Die Geschichte entwickelt sich chronologisch, mit wechselnden Personen im Fokus. Es wird zwar nicht in Ich-Form, aber doch aus dem jeweiligen Blickwinkel der diversen Familienmitglieder erzählt. Im Nachwort findet man den Quellennachweis sowie Details zu Fakten und Fantasie.
Im Mittelpunkt steht Theresa von Reuschenberg, deren Lebenslauf im Wesentlichen dem vom Gräfin Harriet Walderdorff entspricht. Sie ist sowohl die Seele vom Hotel Goldener Hirsch als auch vom Schlosshotel Fuschl. Sie ist rund um die Uhr im Einsatz, hat organisatorisch alles im Blick, für ihre Gäste ist nur das Beste gut genug. In gewissem Sinne verlangt sie dieselbe Disziplin auch von ihrer Familie - von ihren Töchtern Sophie und Marie, ihrem Ehemann Paul und der Schwägerin Apollonia – und von ihrem Personal. Sie ist aber keine herrische Person, sie dient selbst als Vorbild, regelt alles mit freundlicher Strenge.
So bewundernswert es ist, was ihr und ihrem Mann unmittelbar nach Kriegsende gelungen ist, nämlich die Renovierung und die Schaffung zweier renommierter Häuser, so zeigen sich alsbald Schatten. Einerseits bahnen sich finanzielle Schwierigkeiten an, andererseits haben die Töchter geänderte Zukunftspläne. Und dann steht plötzlich der längst todgeglaubte Bruder von Therese vor der Tür, ein später Heimkehrer aus Kriegsgefangenschaft.
Der Schreibstil ist flüssig, anschaulich beschreibend. Sowohl das Zeitbild, die Stimmung des Aufbruchs, der in die Zukunft gerichtete Blick der Menschen, die nichts mehr hören wollen vom Krieg, sind gut dargestellt. Auch das Lokalkolorit ist wunderbar zu spüren. Harmonisch mit der Handlung verwoben lernt man die schönsten Plätze der Stadt Salzburg kennen bzw. das Ambiente des Schlosshotels Fuschl.
Die handelnden Personen, wirken allesamt sehr lebendig, authentisch. Je mehr sie im Mittelpunkt stehen, desto facettenreicher sind ihre Charaktere dargestellt, mit Schwächen und Stärken und gefühlsstark. Sophie und Marie wollen ihre eigenen Wege gehen, doch sie sind Teil eines Familienunternehmens. Sehr eindrucksvoll empfand ich die Person des vom Krieg traumatisierten Bruders, der in dieser veränderten Welt nicht wirklich zurechtkommt.
Der Roman hat mich begeistert. Vom vermittelten Zeitbild über die Entwicklung der einzelnen Personen bis zur Lösung aller Probleme. Eine spannende Geschichte voller Gefühle, von Liebe, Neid und Hass, dramatisch bis tragisch, aber auch beglückend. Eine unbedingte Leseempfehlung und 5 Punkte.
Bookworm53
Bloggerin bei LeseHitsBookworm53
Kommentare
Schlosshotel Fuschl
Ein malerisch gelegenes Hotel. Eine Besitzerin, die um ihre Existenz kämpft. Und eine Familie voller abgrundtiefer Geheimnisse.
Salzburger Land, Sommer 1955: Theresa von Reuschenberg, Hotelière mit Herz und Vision, steht vor dem Chaos. Die Festspiele laufen, »Sissi« wird gedreht, die High Society geht bei ihr ein und aus – und plötzlich taucht ihr tot geglaubter Bruder Benedikt auf. Gezeichnet von der Kriegsgefangenschaft, fordert er seinen Anteil am Familienerbe. Während Theresa von finanziellen Schwierigkeiten geplagt um ihre Hotels kämpft, droht Benedikt, alles zu zerstören. Doch Theresa lässt sich ihre Liebe und Leidenschaft nicht nehmen und tut alles, um ihre Hotels, vor allem aber ihre Familie, beisammenzuhalten.