Wenn Alt&Jung auf Mördersuche gehen
„Fadenscheinig“ von Vera Nentwich ist der Auftakt zu einer neuen Reihe der Autorin. Es ist ein Cosy-Krimi mit einem ganz speziellen Ermittler-Duo, dem 71-jährigen Lutz Weber und dem 20-jährigen Kaspar Wozniak.
Das Cover des 2026 erschienenen Buches ist ansprechend, passt gut zum Kern-Schauplatz des Krimis – denn der tägliche Besuch im Café gehört zu Lutz‘ Alltag. Der Roman spielt in der nicht näher bestimmten Gegenwart in Krefeld. Der Schreibstil ist flüssig, gut beschreibend, auch sprachlich wird gut zwischen Alt und Jung differenziert.
Erzählt wird aus Sicht von Lutz, einem alten Witwer, der seit dem Tod seiner Frau zurückgezogen lebt, einsam ist und seinen fixen Tagesrhythmus hat. Dazu gehört auch der tägliche Besuch im nahen Café. Als eines Tages Arthur, einer der Stammgäste fehlt, schaut Lutz besorgt nach dem Rechten. Er lernt Kaspar kennen, der den Schlüssel zu Arthurs Wohnung besorgt. Die beiden finden Arthur tot vor. Im Gegensatz zur herbeigerufenen Polizei, die von einem natürlichen Tod ausgeht, macht Lutz eine Entdeckung, die ihn stutzig macht. Gemeinsam beginnen sie zu recherchieren.
Das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Generationen macht den Reiz dieses Krimis aus, macht ihn einerseits sehr unterhaltsam, zeigt aber andererseits auch, dass ein Miteinander von Alt & Jung mit etwas Toleranz und Aufeinander-Eingehen nicht nur sehr wohl möglich ist, sondern sogar eine Win-Win-Situation entstehen kann.
Denn Lutz und Kaspar sind grundverschieden. Bei Lutz muss alles seine Ordnung haben, strukturiert sein, er ist höflich, rücksichtsvoll und zurückhaltend. Mit der modernen Technik ist er wenig vertraut, mit jungen Menschen hat er kaum Kontakt. Ihn befremden Kaspars stete Smartphone-Aktivitäten, er kann mit dessen Streben nach mehr Followern nicht nachvollziehen. Kaspars Unbekümmertheit und seine schnoddrigen Sprüche lockern nicht nur die Handlung auf, sondern auch Lutz wird zunehmend munterer, abenteuerlustiger. Die beiden ergänzen einander nicht nur ausgezeichnet – Lutz übernimmt die persönlichen Befragungen, während Kaspar sich mit den digitalen Recherchen befasst -, sondern sie tun einander auch gut. Lutz genießt, dass in sein Leben Abwechslung kommt, Kaspar, der bislang eher so ziellos nur nach Followern lechzte, hat endlich eine sinnvolle Aufgabe.
Es erweist sich als einigermaßen mühsam, Kontakte aus Arthurs Leben ausfindig zu machen. Doch letztlich kristallisieren sich einige Motive und Verdächtige heraus, bis es Lutz und Kaspar schließlich in einem dramatischen Finale gelingt, den Fall aufzuklären.
Mir hat der Krimi sehr gut gefallen, insbesondere das Zwischenmenschliche, die Zusammenarbeit der beiden, die sich zu einer Freundschaft entwickelt. Ich bin schon neugierig auf den nächsten Fall.
Bookworm53
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Kommentare
Fadenscheinig
Als Lutz Weber seinen Café-Bekannten Arthur Schmid tot in dessen Wohnung findet, ist für die Polizei schnell klar: Herzstillstand, natürlicher Tod. Doch Lutz, pensionierter Krawattendesigner mit geschultem Blick für Stoffe und Muster, entdeckt auf der Sessellehne etwas, das ihn nicht loslässt.
Zähneknirschend verbündet er sich mit Kasper Wozniak, 20, angehender Influencer und Sohn polnischer Eltern – der den Fall am liebsten live für seine Follower dokumentieren würde. Was die beiden eint: Sie wollen wissen, was wirklich geschehen ist.
Ihre Ermittlungen führen sie durch die Krefelder Südstadt, zu einem dreißig Jahre alten Arbeitsunfall im Stahlwerk, zu rätselhaften Einträgen auf Arthurs Laptop und zu einem Stammgast im Café, der immer etwas zu viel zu wissen scheint. Und während Lutz und Kasper Stück für Stück die Wahrheit zusammensetzen, wird klar: Jemand schaut zu.
Weber & Wozniak – Fadenscheinig ist der Auftakt einer neuen Krimi-Reihe, die in der lebhaften Südstadt Krefelds spielt – mit zwei Ermittlern, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und einem Fall, der tiefer geht als erwartet.