Edition Converso

Die Affaire Moro. Ein Roman

Chronologie aller Bände (1 - 2)

Die Reihenfolge beginnt mit dem Buch "Ich töte wen ich will". Wer alle Bücher der Reihe nach lesen möchte, sollte mit diesem Band von Fabio Stassi beginnen. Der zweite Teil der Reihe "Ich töte wen ich will" ist am 01.03.2022 erschienen. Die Reihe umfasst derzeit 2 Bände. Der neueste Band trägt den Titel "Die Affaire Moro. Ein Roman".

  • Anzahl der Bewertungen für die gesamte Reihe: 14
  • Ø Bewertung der Reihe: 3.85
  • Start der Reihe: 01.03.2022
  • Neueste Folge: 01.03.2023

Diese Reihenfolge enthält 2 unterschiedliche Autoren.

Cover: Ich töte wen ich will
  • Autor: Stassi, Fabio
  • Anzahl Bewertungen: 11
  • Ø Bewertung: 3.6
  • Medium: Buch
  • Veröffentlicht: 01.03.2022
  • Genre: Krimi

Ich töte wen ich will

Das Grauen aus dem Epilog – ein büchernärrischer Junge (im Jahr 1959) im Begriff, die ersten Seiten von Dr. Jekyll und Mr. Hyde zu lesen ... da, ein Geräusch. Später findet ihn der Vater mit ausgestochenen Augen und zerbrochenem Bleistift in den blutigen Händen im Korridor – gibt die Ikonographie dieses atmosphärischen Krimis vor.

Im Zentrum steht Vince Corso, ein freigestellter Studienrat mit einer bizarren neuen Profession: Er ist Bibliotherapeut. Mit tausend Zweifeln empfiehlt er seinen Klienten die passende Lektüre, quer durch die Genres, einmalig und originell, um ihnen einen Ausweg aus ihren Leiden aufzuzeigen. Sein »Pronto Soccorso Letterario« befindet sich im Dachgeschoss der Via Merulana in Rom – genau die aus Gaddas grässlicher Bescherung. Anfangs gibt er sich melancholischen Gedanken hin, seine geliebte Feng ist nach China abgereist, nicht mal ein Haar von ihr ist ihm geblieben. Zurück vom Feinkostbüdchen findet er sein Studio verwüstet, die Bücher zerfleddert, den Hund vergiftet.

In letzter Minute schafft es Vince mit Django in die Notaufnahme. Bohrende Fragen nach dem Wer und Warum von so viel blinder Gewalt. Der Hund im künstlichen Koma, banges Warten. Zufällig oder weniger, wird er Zeuge immer brutalerer Morde. Und stets taucht ein Blinder mit rotweißem Stock auf der Szene auf. Vince setzt ihm nach, wird unfreiwillig zum Detektiv. Längst schon ist er im Handlungsgeflecht einer Mörderbande gefangen, deren Versammlungsort die Verliese unterhalb Santa Maria Maggiore sind. Auf der anderen Seite hat ihn der im Abruzzen-Dialekt fluchende Kommissar Ingravallo auf die Liste der Mordverdächtigen gesetzt.

Fabio Stassi treibt ein raffiniertes Spiel, in dem Literatur und Realität verschwimmen: Da kullern Köpfe unter Straßenbahnen hervor, wird reichen Damen in der Via Merulana die Kehle aufgeschlitzt, ein Häftling namens Queequeg schreibt an Vince aus der Haftanstalt Regina Coeli, französische Chansons geleiten uns durch die Kapitel und der melancholische Vince selbst ist ein Suchender, schreibt regelmäßig Briefe an den Vater, den er nie kennengelernt hat. Ein vielschichtiges Buch, das Höchstspannung mit dem Vergnügen der literarischen Spurensuche verbindet und die Leser durch seine dichte Atmosphäre in den Bann zieht. Und nicht zuletzt ein Buch für alle, die einem Rom jenseits der Klischees verfallen sind – auch eine Liste von Vince Corsos Spaziergängen durch die Stadt ist zu finden.

In jener Nacht Ende Juni, so sagte Vince Corso später aus, habe er geträumt, dass ein Schwarm Nachtfalter aus dem Portal der Basilika Santa Maria Maggiore strömte und die Straßen Roms heimsuchte. Ein unwichtiges Detail, aber es war das erste, was ihm einfiel, als er sämtliche Ereignisse jenes Tages nacheinander erzählen sollte. Er hatte damit beginnen müssen, dass die Diebe zwischen Mittag und zwei Uhr nachmittags in seine Wohnung eingedrungen waren, und dass die Tür auf den ersten Blick keine Spuren von Gewaltanwendung zeigte …

Cover: Die Affaire Moro. Ein Roman
  • Autor: Sciascia, Leonardo
  • Anzahl Bewertungen: 3
  • Ø Bewertung: 4.1
  • Medium: Buch
  • Veröffentlicht: 01.03.2023
  • Genre: Roman

Die Affaire Moro. Ein Roman

»Die Affaire Moro«, so Sciascia, »wird im Laufe der Zeit einen immer größeren Wahrheitsgehalt, immer mehr an Bedeutung erlangen

Sciascia stellt sich in diesem Roman der schwierigen Frage: Was ist die Literatur, anders gesagt, was ist sie neben der Geschichte und der Chronik, der Vergangenheit und der Gegenwart, was ist sie bezogen auf die Wirklichkeit und die Wahrheit? Er unternimmt eine Schreibbewegung, die (im Stile eines Borges) die Realität erfindet; erzählend erkennt, dass das Buch bereits geschrieben war, als sich die Tragödie ereignete.

Noch bevor der parlamentarische Untersuchungsausschuss zum Fall Moro, dem Sciascia dann angehörte (Bericht der parlamentarischen Minderheit, im Anhang des Buchs) den bis heute nicht endgültig geklärten Fall Moro neu bewertete, hatte er den beinahe religiös-existenziell grundierten Band Die Affaire Moro veröffentlicht (…) und dargelegt, wie die Christdemokraten ihren Vorsitzenden, den langjährigen Ministerpräsidenten und Architekten des compromesso storico im Stich gelassen, seine Äußerungen [gezielt] missverstanden hatten: eine Befreiung durch die Ordnungskräfte sei zu keiner Zeit angestrebt worden.

Der historische Kompromiss – die Annäherung zwischen Christdemokraten und Kommunisten bedeutete für Sciascia das Grundübel der italienischen Politik: der ewige Transformismus, das immer neue Grüppchenbilden, Sich-Arrangieren, Herumlavieren. Was niemals (und gewollt) zu einer grundlegenden Änderung der Politik führt. »Ein Intellektueller aber«, so Sciascia, »sollte sich stets zur Opposition berufen fühlen.« Die unverkennbare Stimme des großen unbestechlichen, unbequemen Aufklärers.

Mit der 2022 einsetzenden Veröffentlichung von Moros ebenfalls im »Volksgefängnis« verfassten Memoriale ist die von Sciascia dargelegte Theorie einer »Zusammenarbeit« zwischen Staaten und kriminellen Banden von unerhörter Aktualität. Heute wissen wir: die allmächtige Geheimloge P2 hielt die Fäden der Affaire in der Hand; ein Jahr nach Sciascias Tod (1989) platzt der Skandal um die klandestine NATO-Organisation Gladio.

»Es ist das Buch, das Pasolini vielleicht geschrieben hätte, wäre er nicht drei Jahre vor Moro ermordet worden.« (Fabio Stassi)

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