Cover: Kinder des Schattens
Matthias Naumann
Kinder des Schattens
- Israelische Theatertexte zur Shoah seit der Staatsgründung
ISBN: 978-3-958-08617-3
890 Seiten | € 36.00
E-Book
Dieses Buch gehört zur Reihe Drama Panorama und enthält ca. 5 Folgen.
Erscheinungsdatum:
17.03.2026
Sonstiges
Matthias Naumann

Kinder des Schattens

Israelische Theatertexte zur Shoah seit der Staatsgründung


Die Shoah hat israelische Dramatiker*innen in den Jahrzehnten seit der Staatsgründung 1948 immer wieder beschäftigt. Dabei haben sich die Intensität der Auseinandersetzung und mit dem Wechsel der Generationen auch die Perspektiven, Schwerpunktsetzungen und Erzählformen verändert. Abgesehen von einigen Stücken, die als Bühnenmanuskripte in deutscher Übersetzung vorliegen, gibt es jedoch bis heute keine Publikation, die deutschsprachigen Leser*innen diesen zentralen Aspekt israelischer Kultur zugänglich macht. Mit 15 aus dem Hebräischen übersetzten Theatertexten, von denen die Hälfte erstmalig für diese Veröffentlichung übersetzt wurde, schafft die Anthologie Kinder des Schattens nun diese wertvolle Möglichkeit.


Viele der Texte stammen von namhaften israelischen Autor*innen, die wichtige Stimmen im Theater und/oder in der Literatur waren und sind. So ist es etwa bei den Schriftsteller*innen Lea Goldberg und Jehuda Amichai bezeichnend, dass sie, die nur selten fürs Theater geschrieben haben, gerade mit diesen Stücken eindrückliche Werke ins israelische Theater brachten. Andere, wie u.a. Hanoch Levin, Joshua Sobol, David Maayan und Smadar Yaaron oder in den vergangenen Jahren Gilit Itzhaki und Hadar Galron, waren oder sind zentrale Akteur*innen der israelischen Theaterlandschaft. Einige der Stücke wurden bereits im deutschsprachigen Theater gespielt, wenige mehrmals wie Ghetto (1984) von Joshua Sobol oder Amsterdam (2018) von Maya Arad Yasur; die meisten aber sind hierzulande sowohl für Leser*innen als auch für Theaterschaffende noch zu entdecken.


Die ausgewählten Theatertexte vermitteln auch einen literatur-, kultur- und sozialhistorischen Einblick, können sie doch als Dokumente gesellschaftlicher Entwicklungen in der Rezeption und Rolle der Shoah in der israelischen Gesellschaft gelesen werden. An den hier versammelten Stücken lässt sich ablesen, wie sich die Verhandlung der Shoah, die Auseinandersetzungen um die Erinnerung sowie das Trauma über die Zeit und mit den Generationen verändert haben.


Dieses Überblickswerk umfasst zwei Bände, die in einem chronologischen Gang durch die Jahrzehnte angelegt sind: Ausgehend von den frühesten Stücken in den 1950er Jahren zeichnet Band I die Beschäftigung mit der Shoah im israelischen Theater in den ersten Jahrzehnten nach. Band II der Anthologie zeigt die vielfältigen Entwicklungen auf, die das israelische Theater zur Shoah von den 1980er Jahren bis in die Gegenwart genommen hat. Eine umfassende Einleitung des Herausgebers stellt die Formen und Veränderungen in der Auseinandersetzung mit der Shoah im israelischen Theater durch historische Kontexte und den Wechsel der Generationen vor.


Mit den Theaterstücken


Nathan Shacham: Neue Rechnung
(1954, Übersetzung: Gundula Schiffer)


Lea Goldberg: Die Schlossherrin
(1955, Übersetzung: Gundula Schiffer)


Ben-Zion Tomer: Kinder des Schattens
(1962, Übersetzung: Rainer Hartl)


Jehuda Amichai: Züge und Glocken
(1962/1972, Übersetzung: Rachel Sauer)


Hanoch Levin: Hinrichtung
(1979, Übersetzung: Matthias Naumann)


Joshua Sobol: Ghetto
(1984, Übersetzung: Jürgen Fischer)


Motti Lerner: Kastner
(1985, Übersetzung: E. H. Smith)


David Maayan / Smadar Yaaron: Arbeit macht frei vom Toitland Europa
(1991, Übersetzung: Gundula Schiffer)


Savyon Liebrecht: Die Banalität der Liebe
(2007, Übersetzung: Vera Loos / Naomi Nir-Bleimling)


Oren Jacobi: Die gläserne Wand
(2011, Übersetzung: Sharon Nuni)


Gilit Itzhaki: Vaters Töchter
(2016, Übersetzung: Matthias Naumann)


Ilan Hatzor: Sabotage
(2018, Übersetzung: Matthias Naumann)


Maya Arad Yasur: Amsterdam
(2018, Übersetzung: Matthias Naumann)


Jacob Buchan / Hadar Galron: Pfeifen
(2019, Übersetzung: Matthias Naumann)


Elinor Milchan / Sharon Burstein Bichachi: Ohne Titel (194418)
(2022/2025, Übersetzung: Matthias Naumann)


Verlag:
Neofelis

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Veröffentlichung: 17.03.2026
Höhe/Breite/Gewicht H 21 cm / B 13,5 cm / -
Seiten 890
Art des Mediums E-Book
Preis DE EUR 36.00
Preis AT EUR 37.10
Auflage 1. Auflage
Reihe Drama Panorama 9
ISBN-13 978-3-958-08617-3
EAN/ISBN

Über die Autorin

Hanoch Levin (1943–1999) gilt als der wichtigste israelische Theaterautor des 20. Jahrhunderts. Neben 62 Stücken schrieb er Lyrik, Kurzprosa, ein Hörspiel und zwei Drehbücher und inszenierte die Uraufführungen vieler seiner Stücke selbst. Er studierte von 1964–1967 Philosophie und Hebräische Literatur an der Universität Tel Aviv. Seine Theaterkarriere begann mit drei scharfen Satiren nach dem Sechstagekrieg 1967, die ihn zugleich bekannt und umstritten machten. Weitere seiner Stücke sorgten aufgrund ihrer schonungslosen Analyse der Gewaltsamkeit zwischenmenschlicher und/oder politischer Verhältnisse immer wieder für Skandale und Auseinandersetzungen. Am bekanntesten wurde sein Stück Das Kind träumt (הילד חולם, 1991). Levin erfuhr viel Anerkennung als Theaterautor und Regisseur in Israel, 1994 erhielt er den Bialik-Preis für Literatur. Viele seiner Stücke werden im israelischen Theater bis heute immer wieder inszeniert, und sein Einfluss auf das israelische Gegenwartstheater ist weiterhin groß. In Frankreich setzte seine Rezeption bereits in den 1990er Jahren ein, auch in Osteuropa, vor allem in Polen, werden seine Stücke häufig gespielt. Nur im deutschsprachigen Theater ist sein Werk in großen Teilen nun noch zu entdecken.


Matthias Naumann ist Autor, Übersetzer und Verleger. Er studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft in Frankfurt am Main, Tel Aviv und Paris, seitdem zahlreiche Theaterarbeiten, u.a. mit manche(r)art (seit 2002 mit Eva Holling) und Futur II Konjunktiv (seit 2014 mit Johannes Wenzel und Cristina Nyffeler). 2006–2008 mit Stefanie Plappert wissenschaftliche Leitung der Erstellung des Wollheim Memorials, Frankfurt am Main, dabei Umsetzung eines Interviewprojekts mit Überlebenden des KZ Buna/Monowitz. 2011 Gründung und seitdem Leitung des Neofelis Verlag, Berlin. Zu seinen Theatertexten gehören Schwäne des Kapitalismus (Autorentheatertage 2013, DT Berlin), Die Reise (Heidelberger Stückemarkt 2014), Ich lege meine Heimat nach Rojava (Theater Trier 2017) und darauf basierend das Hörspiel Rojava – Freiwillig in den Krieg (WDR 2020), nicht von hier irgendwo (HochX München 2018), Auf dem Paseo del Prado mittags Don Klaus (Staatstheater Augsburg 2020), Hate Hate But Different (HAU Berlin 2021) und Freitags vor der Zukunft (Staatstheater Augsburg 2021). Daneben Arbeiten als freier Kurator und Dramaturg u.a. für Tmuna-Theater, Tel Aviv, Deutsches Theater Göttingen, Center for Contemporary Art, Tel Aviv / Künstlerhaus Mousonturm, Frankfurt am Main, Fatzer Tage am Ringlokschuppen Ruhr 2013–2017. Er übersetzt Theatertexte aus dem Hebräischen u.a. von Hanoch Levin, Maya Arad-Yasur, Noa Lazar-Keinan, Yonatan Levy und Joshua Sobol. Für die deutsche Übersetzung von Amsterdam von Maya Arad-Yasur wurde er 2019 von Eurodram ausgezeichnet.

www.matthias-naumann.de

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