Tiere und Migration
Tierstudien 19/2021
Die Wanderungen von Tieren werden seit der Antike erforscht, diskutiert, mystifiziert und kĂŒnstlerisch reflektiert. Bei der Hinwendung zu migrierenden Tieren geht es in vielen FĂ€llen aber nicht allein um die Frage, wie und warum bestimmte Tierarten zwischen verschiedenen Habitaten wandern. Vielmehr berĂŒhrt die BeschĂ€ftigung mit Tieren auf Wanderschaft auch Themen, die der kulturwissenschaftlichen Exil- und Migrationsforschung nahestehen.
Tiere können krisenhaft von Vertreibungen betroffen und gezwungen sein, neue LebensrĂ€ume aufzusuchen. Einige Tiere fliehen indes auch mit Menschen und richten sich mit ihnen im Exil ein. Tierliche Migration betrifft aber auch die FĂ€lle, in denen (tote) Tiere ĂŒber rĂ€umliche und imaginĂ€re Grenzen hinweg transportiert und auĂerhalb ihres bisherigen Lebensraums angesiedelt und funktionalisiert werden. Nicht zuletzt wird mit Tierwanderungen auf vielfĂ€ltige Art und Weise Politik gemacht: Vorstellungen von âHeimatâ und âExotikâ, âIdentitĂ€tâ und âIndigenitĂ€tâ werden ausgehend von tierlicher Migration entwickelt; die Darstellung von âeinheimischenâ und âinvasivenâ Arten wiederum ist hĂ€ufig von Rassismen und xenophoben Rhetoriken durchzogen.
Die BeitrĂ€ge der neuen Ausgabe von Tierstudien widmen sich ausgehend von einem weiten Migrationsbegriff diesen komplexen ZusammenhĂ€ngen. Sie beleuchten die Ursachen, Formen und Effekte tierlicher Migration und analysieren die Narrative und Ă€sthetischen Modelle, die Tiere und Migration miteinander in Beziehung setzen. Das Spektrum der BeitrĂ€ge ist dabei disziplinĂ€r ebenso breit gefĂ€chert wie der zeitliche Kontext: Von theologischen Reflexionen zu Tierwanderungen in der Bibel ĂŒber sozialwissenschaftliche Blickpunkte auf den transnationalen Auslandstierschutz bis hin zu kunst- und literaturwissenschaftlichen BeitrĂ€gen zu Tiermigration bei Doug Aitken und Anna Seghers können die Leser*innen einen fundierten Einblick in die speziesĂŒbergreifenden Verflechtungen und Herausforderungen erhalten, die sich mit dem Thema Tiere und Migration verbinden.
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| Veröffentlichung: | 21.04.2021 |
| Höhe/Breite/Gewicht | H 21 cm / B 13,5 cm / - |
| Seiten | 218 |
| Art des Mediums | E-Book [Kindle] |
| Preis DE | EUR 14.00 |
| Preis AT | EUR 14.40 |
| Reihe | Tierstudien 19 |
| ISBN-13 | 978-3-958-08382-0 |
| ISBN-10 | 395808382X |
Ăber die Autorin
Jessica Ullrich (Dr. phil) ist Honorarprofessorin fĂŒr Kunstwissenschaft und Ăsthetik an der Kunstakademie MĂŒnster. Zuvor war sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Philosophischen FakultĂ€t der Friedrich-Alexander-UniversitĂ€t Erlangen und Leiterin der Kunstvermittlung im Kunstpalais Erlangen. Sie kuratierte diverse Ausstellungen von zeitgenössischer Skulptur und Fotografie. Sie ist Mitglied des Senior Editorial Board von Antennae, Journal for Nature in the Visual Arts, ReprĂ€sentantin und Board-Mitglied von Minding Animals Germany und Mitglied von BĂŒndnis fĂŒr Mensch und Tier, MĂŒnchen, ferner von AnimalitĂ€t und Ăsthetik Berlin, der Forschungsinitiative Tiertheorie (FiTT), CLAS (Cultural Literary Animal Studies) an der UniversitĂ€t WĂŒrzburg und Animals in History, einer von den UniversitĂ€ten Konstanz, Wien und ZĂŒrich getragenen Gemeinschaftsinitiative. Ullrich studierte Kunstgeschichte, KunstpĂ€dagogik und Germanistik in Frankfurt am Main sowie Kultur- und Medienmanagement in Berlin. Sie promovierte zu dem Thema âWachs als Ă€sthetisches Material. Körper und Körperfragmente in der Wachsbildnerei am Ende des 20. Jahrhunderts und ihre kulturhistorischen EinflĂŒsseâ. Im Kontext der Human Animal Studies veröffentlichte sie u.a. gemeinsam mit Friedrich Weltzien und Heike FuhlbrĂŒgge den Sammelband Ich, das Tier. Tiere als Persönlichkeiten in der Kulturgeschichte (Reimer 2008).
Frederike Middelhoff ist seit 2020 W1-Professorin fĂŒr Neuere Deutsche Literatur mit dem Schwerpunkt Romantikforschung an der Goethe-UniversitĂ€t Frankfurt am Main. Sie studierte Neuere Deutsche Literaturgeschichte, Sprachwissenschaften und Englische Literaturwissenschaft in WĂŒrzburg und Exeter und wurde anschlieĂend von der Studienstiftung des Deutschen Volkes mit einem Promotionsstipendium gefördert. Sie forscht und lehrt im Bereich der Cultural Animal Studies, der kulturwissenschaftlichen Plant Studies, der Ecocritical Theory, der MobilitĂ€ts- und Migrationsforschung und interessiert sich dabei insbesondere fĂŒr die Frage nach dem Zusammenspiel von Literatur und Wissen. Ihre Dissertationsschrift wurde 2019 mit dem bayerischen Kulturpreis ausgezeichnet und erschien 2020 unter dem Titel Literarische Autozoographien. Figurationen des autobiographischen Tieres im langen 19. Jahrhundert im Metzler-Verlag.
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