Jüdisches Filmerbe
Angesichts einer traditionsreichen und regen jüdischen Filmkultur, die vom jiddischen Kino der 1920er Jahre bis zu internationalen Produktionen der Gegenwart reicht, wird jüdische Repräsentation und jüdische Filmgeschichte seit einigen Jahren verstärkt interdisziplinär beforscht – was allerdings fehlt, ist eine fundierte wissenschaftliche und gesellschaftliche Auseinandersetzung mit einem jüdischen Filmerbe. Fragen danach, was unter jüdischem Filmerbe zu verstehen wäre und welche filmkulturellen, kuratorischen oder archivarischen Praxen sich daraus ergeben könnten, sind bislang weitgehend ungeklärt.
Insbesondere mit Blick auf die Bedeutung und vielfach geführten Diskurse um ein jüdisches Kulturerbe einerseits und um Filmerbe andererseits fällt die Distanz zwischen den beiden Erbe-Diskursen auf: Während Filmerbe in den meisten Fällen von Institutionen mit Schwerpunkt auf einem Nationalkino erhalten und gepflegt wird und in den letzten 25 Jahren von den Herausforderungen der Digitalisierung beherrscht wurde, umfasst jüdisches Kulturerbe die materiellen ebenso wie immateriellen Zeugnisse dessen, was von der langen Geschichte des Judentums in Europa geblieben ist. Filme werden allerdings fast nie als Teil von jüdischem Kulturerbe bewahrt, umgekehrt widmet sich keine Filmerbe-Institution explizit dem jüdischen Kulturerbe.
Wie also stellen sich die kulturellen, historischen und wissenschaftlichen Schnittstellen von Film und Jüdischkeit dar, wenn man sie aus der Perspektive des Kulturerbes betrachtet? Dieser Frage geht der vorliegende Band auf unterschiedlichen Ebenen nach und versammelt theoretische Zugänge, Filmanalysen, Werkstattberichte, Interviews mit Filmschaffenden und historische Quellen. Der weite historische Rahmen und die thematische Vielfalt der Beiträge verweisen bereits auf die Interdisziplinarität des (Forschungs-)Felds und die Diversität seiner Akteur*innen: Jüdisches Filmerbe ist nicht nur zwischen Theorie und Praxis angesiedelt, sondern auch einem steten Diskurs, einem Aushandlungsprozess unterworfen, in den unterschiedlichste Perspektiven einfließen. Diese abzubilden und damit eine erste Annährung an die Konturen eines jüdischen Filmerbes zu unternehmen, ist Anliegen dieses Bandes.
Mit Beiträgen von Marie Ch. Behrendt, Christina von Braun, Laura Brüggemann, Kevin Clarke, Klaus Davidowicz, Tobias Ebbrecht-Hartmann, Nina Goslar, Oliver Hanley, Heike Klapdor, Elisa Kriza, Mathieu Lericq, Angelika Levi, Dani Levy, Ronny Loewy, Anna-Dorothea Ludewig, Pem, Johannes Praetorius-Rhein, Yael Reuveny, Ulrike Schneider, Philipp Stiasny und Lea Wohl von Haselberg.
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| Veröffentlichung: | 01.11.2026 |
| Höhe/Breite/Gewicht | H 21 cm / B 21 cm / - |
| Seiten | 260 |
| Art des Mediums | Buch |
| Preis DE | EUR 24.00 |
| Preis AT | EUR 24.70 |
| Auflage | 1. Auflage |
| ISBN-13 | 978-3-958-08532-9 |
Über den Autor
Anna-Dorothea Ludewig ist als Literaturwissenschaftlerin seit 2007 am Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien tätig und lehrt als Privatdozentin an der Universität Potsdam. Ihre Forschungsinteressen umfassen die Schnittstelle Film/Literatur, Kulturerbediskurse, die deutschsprachige jüdische Literatur- und Kulturgeschichte (19./20. Jahrhundert), literarische und filmische Weiblichkeitsentwürfe sowie Prager deutschsprachige Literatur(en) und Biographien („Prager Kreise“).
Ulrike Schneider ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Jüdische Studien und Religionswissenschaft an der Universität Potsdam. Sie forscht zur deutschsprachigen jüdischen Literatur vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart, zur Holocaust-Literatur, zu Fragen der Erinnerungskultur und zum DEFA-Dokumentarfilm.
Lea Wohl von Haselberg ist Professorin für Jüdischen Film und audiovisuelle Erinnerung an der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF. Sie forscht zu jüdischer Filmgeschichte, deutsch-jüdischen Diskursen im postnationalsozialistischen Deutschland und Antisemitismus und Film. Sie ist Co-Programmdirektorin des Jüdischen Filmfestivals Berlin Brandenburg (JFBB) und Mitherausgeberin von Jalta. Positionen zur jüdischen Gegenwart.
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