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Ein Buch, das im Gedächtnis bleibt

23.01.2026 – 16:36 Uhr
Cover: Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104

Die Geschichte:

Ein kleiner Junge wird am Ende des Kriegs gefunden. Niemand kennt ihn und seine Herkunft. Sein Alter wird geschätzt. Man nennt ihn Hartmut und bringt ihn in ein katholisches Kinderheim. Dort herrscht Zucht und Ordnung. Die Härte macht es dem kleinen Hartmut schwer. Eines Tages lernt er die etwas ältere Kriegswaise Margret kennen, die ihn versucht zu beschützen. Beide stützen einander und wollen sich nie wieder loslassen. Doch dann …

Das Cover:

Das Cover zeigt einen kleinen Jungen, dessen Anblick mir bei genauerer Betrachtung die Augen feucht werden ließ. Eine Buchpräsentation, die ich sehr loben möchte.

Die Sprecherin:

Ich hatte mich für das Hörbuch entschieden, und Vera Teltz, die es eingesprochen hat, hat mich tief beeindruckt. Mit ihrer einfühlsamen Sprachmelodie bringt sie selbst schwere, bewegende Szenen zum Leben, sodass man die Emotionen der Figuren fast körperlich spürt. Gleichzeitig gelingt es ihr, den gelegentlich aufblitzenden rheinischen Humor locker und charmant einzuflechten, sodass man zwischendurch sogar lachen kann. Die Wechsel zwischen den Protagonisten und ihren inneren Welten meistert sie mühelos – jeder Charakter bekommt eine eigene Stimme, eine eigene Seele. Meiner Meinung nach hat Vera Teltz das Buch nicht nur gelesen, sondern regelrecht inszeniert – man fühlt sich ihr beim Zuhören ganz nah.

Meine Meinung:

Es war mir einiges von dem bekannt, was damals in den Heimen geschah. Aber es in einem Zeitungsbericht zu lesen, ist etwas anderes, als in kleine Seelen hineinzuschauen – so wie bei Margret und Hardy. Es war wirklich hart, den Kindern auf ihrem leidvollen Weg zuzusehen.

Doch auch alle anderen Protagonisten zeigen, jeder an seinem Platz, eindrücklich, was die Umstände den Menschen angetan hatten. Susanne Abel schreibt in einer vielseitigen und tief berührenden Sprache, die es ermöglicht, mit den Figuren zu weinen und manchmal sogar zu lachen. Die Schauplätze sind bildhaft und eindringlich beschrieben. Die Einbettung der Zeitgeschichte und der Geschichte der Heimkinder erforderte akribische Recherche – und diese wurde perfekt in die Erzählung eingearbeitet.

Mein Fazit: Das Buch erzählt über mehrere Generationen hinweg von den Auswirkungen dessen, was damals angerichtet wurde – und dennoch auch von Liebe, Zusammenhalt und lebenslanger Treue. Ich würde mir wünschen, dass dieses Buch zahlreich gelesen oder gehört wird. Ein Werk, das ich ausdrücklich empfehlen möchte.

Heidelinde von Friederickes Bücherblog


Gesamtbewertung: 5/5
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Klappentext

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104

Roman von Susanne Abel
Cover: Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104

Es gibt keinen Weg, der nicht irgendwann nach Hause führtAm Ende des Zweiten Weltkriegs wird mitten in Deutschland ein kleiner Junge gefunden, der nichts über sich selbst und seine Herkunft weiß. Sein Alter wird geschätzt, er bekommt den Namen Hartmut und wächst in einem katholischen Kinderheim auf, in dem viel Ordnung und noch mehr Zucht herrscht. Wer ist man, wenn man niemand ist? Dort lernt er die etwas ältere Kriegswaise Margret kennen, die ihn Hardy nennt und schon im Heim zu beschützen versucht. Die beiden werden zu einer unverzichtbaren Stütze füreinander und beschließen, sich nie wieder loszulassen. Klug, einfühlsam und berührend erzählt Susanne Abel in ihrem neuen Roman von der lebenslangen Liebe zweier Heimkinder. Doch während sie mit aller Kraft versuchen, gemeinsam das Geschehene zu vergessen und ein normales Leben zu führen, werden die Folgen ihrer Vergangenheit auch für die nachkommenden Generationen bestimmend. Eindringlich und aufrüttelnd. Ein bewegender Familienroman über den Einfluss unserer Vergangenheit auf unsere Nachkommen. Die kleine Emily leidet unter dem hartnäckigen Schweigen ihrer Urgroßeltern Margret und Hardy, bei denen sie wegen des unsteten Lebenswandels ihrer Mutter aufwächst. Als Jugendliche beginnt sie schließlich, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Wird es ihr gelingen, das Erbe der unverarbeiteten Traumata ihrer Familie endlich aufzubrechen? »Susanne Abel schreibt unterhaltsame, sogar humorvolle Romane aus dem Elend, in das wir alle hineingeboren werden, ohne es uns aussuchen zu können. Chapeau! «stern»Seit Tagen wechselten sich Schnee und Regen ab, und es war glatt. Deshalb musste jedes größere Kind ein kleineres an die Hand nehmen. Und so marschierten die Heimkinder in Zweierreihen im Dunkeln hinunter nach Drolshagen. Der Zug wurde angeführt von zwei größeren Jungs, die mit Marschtrommeln den Rhythmus vorgaben. Dahinter schritt die Oberin, gefolgt von den übrigen Nonnen. Anders als sonst nahm es an diesem 24. Dezember 1947 niemand mit dem üblichen Redeverbot so genau. Doch mit wem hätte Margret sprechen sollen? Der kleine Kerl neben ihr, von dem sie nur die Nummer und nicht den Namen kannte, war dafür zu dumm. Er rutschte aus und Margret konnte nur durch beherztes Zugreifen verhindern, dass er stürzte und am Ende auch noch sie zu Fall brachte.>Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104<, ermahnte sie ihn. Der Kleine gab keine Antwort und setzte tapfer einen Fuß vor den anderen.«

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