Eisinsel
Victor arbeitet als Krankenpfleger und empfindet innere Konflikte, während er anregende Unterhaltungen mit einer Patientin führt. Plötzlich erhält er eine Einladung, die alles verändert, und nichts ist so, wie es scheint.
Mit dem Buch bin ich leider nicht warm geworden. Meiner Meinung nach zog sich die Handlung oft in die Länge. Besonders Victors ausführliche Gedankengänge, die sich über viele Seiten erstrecken und oft zwischen verschiedenen Zeitabschnitten springen, erschwerten es mir, der Erzählung mit Interesse zu folgen. Ich fragte mich mehrmals, was das Ziel des Romans eigentlich sein könnte.
Etwa zur Mitte des Buches nimmt die Handlung dann eine überraschende Wendung, die mich regelrecht schockiert hat. Die dargestellte Gewalt empfand ich als äußerst verstörend und in ihrer Intensität völlig unerwartet. Gerade bei diesem Roman hatte ich mit einer solchen Entwicklung überhaupt nicht gerechnet.
Anschließend verlagert sich der Fokus wieder stärker auf Victors Kindheit. Diese Abschnitte konnten mich jedoch ebenfalls nicht fesseln und erschienen mir eher zähflüssig. Sie helfen zwar, Victor besser zu verstehen, doch insgesamt waren sie mir zu ausführlich und konnten mein Interesse nicht aufrechterhalten.
Auch das Ende hat mich unzufrieden zurückgelassen. Meiner Meinung nach wirkte die Geschichte nicht wirklich abgeschlossen, sondern so, als ob noch etwas fehlen würde.
Mein Fazit fällt daher leider enttäuschend aus. Die langen gedanklichen Ausführungen konnten mich nicht mitreißen und ich empfand sie größtenteils als langatmig. Hinzu kommt die unerwartete und sehr drastische Brutalität, die für mich nicht zum restlichen Roman passen wollte. Insgesamt war es einfach nicht mein Buch, weshalb ich nur ⭐⭐⭐ Sterne vergebe.
Helgas Bücherparadies
Bloggerin bei LeseHitsHelgas Bücherparadies
Kommentare
Eisinsel
Victor, einst Krankenpfleger, heute Suchender zwischen Moral und Macht, Körper und Geist, lebt in einer Welt aus Routinen, Beobachtungen und verdrängten Begierden. Was als sachliche Rückschau auf ein geordnetes Leben beginnt, wird zur schonungslosen Selbstanalyse eines Mannes, der hinter der Fassade von Fürsorge und Normalität eine zerstörerische Sehnsucht verbirgt. Zwischen Krankenhausfluren, Kaufhäusern und Hotelzimmern tastet sich Victor durch die Einsamkeit der Großstadt, immer auf der Suche nach einem Rest von Sinn, Nähe und Kontrolle. Hanno Rinke erzählt in seinem neuen Roman die Geschichte einer inneren Kälte, die in der Gesellschaft der 1990er Jahre entstanden ist – einer Zeit, in der Wohlstand und Orientierungslosigkeit nebeneinander existieren. Mit sezierender Genauigkeit verfolgt der Roman die langsame Verwandlung eines empfindsamen Menschen in einen, der nichts mehr fühlt – und damit alles zu verlieren beginnt. Ein stiller Psychothriller über Moral, Macht und das Verstummen der Empathie.