Alte Pfade
Das Cover zeigt einen schmalen Pfad durch eine hügelige, wenig bewachsene Landschaft. Hier und da sind Felsen zu sehen und auch ein alter, ungleicher Zaun steht am Wegesrand. Damit ist es ein ganz passendes Bild zur Geschichte.
Alte Pfade von Alexa Hennig von Lange wurde im Dumont Buchverlag veröffentlicht. Die Geschichte spielt quasi nur fünf Tage auf einer Wanderung in den schottischen Highlands. Liliane erzählt aus der dritten Person und wacht so förmlich über das Geschehen.
In diesen fünf Tagen erfahre ich als Leser so viel mehr, als nur das aktuelle Geschehen. Es geht um Lilianes Kindheit und ihre Beziehung zu Sohn und Ex-Mann. Aber noch viel mehr dreht sich alles um ihren 89-jährigen Vater, der auf den Pfaden seiner Jugend ein letztes Mal wandern möchte. Auf diesem Weg kann Liliane das erste Mal ehrlich mit ihrem Vater sprechen. Einzig der Tod der Mutter wird umschifft.
Die Geschichte zeigt sehr schön, dass es im Prinzip nicht viel braucht, um einen inneren Frieden zu bekommen. Sie zeigt aber auch, wie wichtig es ist, zu reden und seine Emotionen zu zeigen. Mit dabei sind sehr detaillierte Beschreibungen, die dafür sorgen, dass man in Gedanken mit Liliane und ihrem Vater den Weg absolviert.
„Bevor jemand etwas sagen konnte, eilte Liliane über den fadenscheinigen Läufer, durch das angerenzende Kaminzimmer, vorbei an vollgestopften Bücherregalen und Ölgemälden von struppigen Hochlandrindern. Fast stolperte sie im Flur über die aufgereihten matschigen Gummistiefel, die Treppe hinauf.“
Man spürt die Kälte und Feuchte und freut sich, wenn Klaus bei Ankunft einer Hütte erstmal das Feuer entfacht.
„Ich meine …“ Er blieb schon wieder stehen, suchte Halt mit den Füßen und leuchtete mit der Lampe auf seine Schuhe. „… als Frau braucht man doch einen Mann an seiner Seite, der ein klares Ziel vor Augen hat. Der nicht jede emotionale Bewegung mitmacht, die eigentlich bedeutungslos ist.“
Bist du schon mal mit leichten Sommerschuhen durch Matsch gewatet? Kennst du das Gefühl, wenn du unbedingt noch etwas klären musst, weil es dir sonst nachts keine Ruhe lässt? Dann hast du ein gutes Gespür für die Protagonisten in „Alte Pfade“ von Alexa Hennig von Lange. Damit kannst du ihre Ausstattung und ihre Beweggründe sehr gut nachvollziehen. Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung.
Kerstins Kartenwerkstatt
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Alte Pfade
Als Liliane von ihrem ersten Urlaub nach der Scheidung zurückkommt, erreicht sie ein Anruf aus einem Krankenhaus in Schottland: Ihr 89-jähriger Vater ist allein in die Highlands gereist und hat in der Wildnis einen Herzinfarkt erlitten. Noch in Strandschuhen und T-Shirt fährt Liliane ihm nach, um ihn nach Hause zu holen. Doch ihr geschwächter Vater will nur eines: bis zur nördlichsten Spitze Schottlands laufen, wie damals als junger Student. Liliane sieht keine andere Möglichkeit, als ihn zu begleiten. Gemeinsam brechen Vater und Tochter in die alten Pfade der Highlands auf. Sie übernachten in Feldsteinhütten, werden von Unwettern überrascht und sprechen zum ersten Mal über die dramatische Familiengeschichte – die Kriegskindheit des Vaters in Potsdam, den frühen Tod seiner Frau, Lilianes Mutter. Während der einst so starke Mann sich auf seine Tochter stützen muss, erkennt Liliane, wie sehr die Härte ihres Vaters ihre Beziehungen zu Männern und das Verhältnis zu ihrem Sohn geprägt hat. Der letzte Weg des Vaters wird für seine Tochter zu einem Aufbruch.
Ein atmosphärisch dichter und einfühlsamer Roman über die Neubegegnung zweier Menschen, die sich lange fern waren.