Kerstins Kartenwerkstatt

Kerstins Kartenwerkstatt – Kreatives aus Papier und ganz viel über Bücher

Mord ohne Vorwort

02.08.2026 – 14:14 Uhr
Cover: Mord ohne Vorwort

Das Cover zeigt ein Bild an der Küste. Der Blick geht von einer Anhöhe aus über einen Häuserkomplex mit kleinem Turm auf dem Dach hinaus aufs Wasser. In der Bucht, eingeschlossen von Steilküsten, liegen zahlreiche Segelboote. Auf dem Wasser kann man zwischen den Booten die Reflexion der Sonne erkennen. Als kleine Tupfen vervollkommnen zwei Möwen das Bild, die scheinbar über dem Garten des Hauses kreisen. Für mich einfach ein schönes Cover, das neugierig macht auf die Geschichte dahinter.

„Mord ohne Vorwort – Ein Buchclub ermittelt“ von Freya Sampson erschien im DuMont Buchverlag. Die Geschichte spielt in einem kleinen Küstenort in England mit einem Buchclub, dessen Teilnehmer nicht unterschiedlicher sein könnten. Nova, Phyllis, Arthur und Ash haben ihre ganz eigene Vorstellung von guten Geschichten und sehr verschiedenen Lesevorlieben. Doch kaum passiert etwas in dem verschlafenen Ort, bündeln sie ihre Energie. Was dabei zutage kommt, ist einfach schön zu lesen, und so habe ich das Buch in wenigen Tagen verschlungen.

Die Geschichte startet mit der Ermittlung im Prolog, und so hat man als Leser schon eine gute Vorstellung, worauf es hinausgeht. Doch zunächst braucht man etwas Hintergrundwissen. Und so startet das erste Kapitel neun Tage vor dem Prolog. Ich mag diese Teaser in Krimis, wenn man als Leser schon ein wenig Futter an die Hand bekommt und das Gefühl hat, mehr zu wissen als die handelnden Personen, dann aber doch mit ihnen zusammen den Fall lösen muss, weil man sonst nicht an weitere Informationen herankommt. Dabei haben wir hier keinen klassischen Kriminalroman, sondern eher eine urige Dorfgeschichte mit der ganzen Bandbreite an Figuren, die es unter der lesebegeisterten Gemeinschaft geben kann. In den wunderbar gestalteten Klappen vom Taschenbuch findest du eine kurze Vorstellung der vier Buchclub-Mitglieder. Mir sind dabei direkt Arthur und Ash ans Herz gewachsen, die sich im Laufe der Geschichte noch viel tiefer eingegraben haben und mir noch lange in Erinnerung bleiben werden.

Ich möchte hier gar nicht zu viel vom Inhalt verraten, eine Idee bekommst du über den Klappentext und im Einband des Buches. Damit steht ein wunderbares Setting, was mich direkt zum Schmunzeln brachte. Dieses hielt sich beim Lesen konsequent, denn dich erwartet auch eine gute Portion Humor und Anspielungen auf gute alte Agatha-Christie-Romane. Zum Verständnis der Geschichte musst du die Romane oder Verfilmungen nicht kennen, es macht das Lesen nur amüsanter, wenn man die ein oder andere Person aus den Geschichten schon mal gehört hat. Ich persönlich habe vielleicht ein Buch von Agatha Christie gelesen, dafür aber den ein oder anderen Film gesehen, und so waren mir die Anspielungen vertraut. Aber wie gesagt, es sind Schmunzelmomente am Rand, und du kannst auch ohne sie der Ermittlung des Buchclubs folgen.

„In Krimis gibt es für gewöhnlich fünf Hauptmotive, jemanden umzubringen: Eifersucht, Rache, Wut, Angst und das häufigste: Habgier.“

Mit dieser Zusammenfassung startet der Buchclub in seine Überlegungen. Und wenn du schon den ein oder anderen Krimi gelesen hast, stimmst du dieser Erkenntnis zu. Eine weitere möchte ich dir nicht vorenthalten, weil sie mich zum Lachen gebracht hat. Und so muss ich dir Phyllis‘ Aussage, die an Nova gerichtet ist, einfach auch mit auf den Weg geben.

„Hast du noch nie einen Krimi gelesen? Ohne die Hilfe einen Hobbydetektivs schafft es die britische Polizei nie, ein verbrechen zu lösen.“

Tja, da musste ich unweigerlich an Miss Marple denken. Was mich zum nächsten Punkt in der Literatur bringt, um den man irgendwie auch nicht drum herum kommt. Hier ist es „Viel Lärm um nichts“ von Shakespeare, was der junge Ash in der Schule lesen muss und so gar keinen Zugang dazu bekommt. Aber was wäre ein Buchclub ohne die ältere belesene Generation. Im Folgenden zeigt Arthur, der weit jenseits des Rentenalters ist, dass er durchaus weiß, was im aktuellen Lesejargon so zu finden ist.

„Schau, es mag vielleicht komisch geschrieben sein, aber im Grunde ist es auch nichts anderes als eine typische Enemie-to-Lovers Liebeskomödie.“

An dieser Stelle habe ich einfach nur laut gelacht, weil ich mir die Szene bildlich vorstellen konnte, wie ein 80-Jähriger versucht, einem Jugendlichen mit aktueller Buchsprache einen Klassiker näher zubringen. Hier haben sich Arthur und Ash einfach noch tiefer in mein Herz gebohrt. Die Dynamik zwischen den ungleichen Generationen ist einfach zu schön und wird noch besser. Aber, wie schon erwähnt, das musst du selbst lesen.

Um mich jetzt nicht in Spoiler zu verlieren, fasse ich dir kurz mein Leseerlebnis zusammen. Das Setting hat mich direkt gefangen genommen. Zum einen, weil ich ein bibliophiler Mensch bin, und zum anderen, weil ich kleine Dorfgeschichten einfach liebe. Von der ersten Seite an war ich gefangen und habe bis zum großen Showdown mitgerätselt. Ich habe beim Lesen viel geschmunzelt und auch zwischendurch laut gelacht und trotzdem gebannt verfolgt, wer wohl hinter dem Diebstahl und dem Todesfall steckt. Die Auflösung ist einfach grandios gelöst. Ich hatte Spaß, gute Unterhaltung und nehme das Buch mit zu meinem nächsten Buchclubtreffen.

Magst du die Kriminalromane von Agatha Christie? Hast du nichts gegen eine gute Portion Humor während der Ermittlung? Dann habe ich hier eine besondere Geschichte für dich, die schon beim Titel das erste Schmunzeln entlockt. „Mord ohne Vorwort“ von Freya Sampson bietet gute Unterhaltung bis zum Schluss. Es ist ein kleiner Ausflug in ein idyllisches Örtchen in England, in dem der Buchclub sich selbst nach guter Romanmanier zum Ermittler aufspielt. Du findest den ein oder anderen Seitenhieb auf Agatha Christie und Shakespeare, die zum Schmunzeln einladen, und ich denke, du wirst wie ich bis zum Schluss rätseln müssen. Denn die Lösung kam für mich ganz anders als erwartet, aber ganz und gar logisch. Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung für alle, die auf der Suche nach einem unterhaltsamen Krimi sind und das Leben nicht zu ernst nehmen. Ich hab das Buch einfach verschlungen und werde jetzt mal nach weiteren Büchern der Autorin Ausschau halten.


Gesamtbewertung: 5/5
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Klappentext

Mord ohne Vorwort

Krimi von Freya Sampson
Cover: Mord ohne Vorwort

Der Buchclub des englischen Küstendorfs St Tredock ist eine eingeschworene Gemeinschaft: Die Rentnerin Phyllis kennt alle Agatha-Christie-Krimis in- und auswendig, Arthur liest seiner Frau Liebesgeschichten vor, und der schüchterne Teenager Ash flüchtet sich am liebsten in Science-Fiction-Romane. Nova, die neue Leiterin des Buchclubs im Gemeindezentrum, hat alle Hände voll zu tun, die Lesevorlieben unter einen Hut zu bringen.
Eines Tages bekommt die bunte Runde unerwarteten Zuwachs: Der geheimnisvolle Michael taucht auf – und verschwindet während eines Treffens genauso plötzlich wieder. Kurz darauf wird seine Mutter tot aufgefunden, und 10.000 Pfund fehlen in der Kasse des Gemeindezentrums. Das schreit nach Verbrechen!, denken die Hobbydetektive des Buchclubs und wittern ihre Chance, ihren bei Miss Marple erlernten Spürsinn einzusetzen, um für Gerechtigkeit zu sorgen. Denn dass es sich beim Tod von Michaels Mutter nicht um einen Unfall handeln kann, ist schnell klar.
Inspiriert von Weisheiten aus ihren liebsten Büchern begeben sich die Buchclubmitglieder auf die Spuren des Verbrechens, immer mit einem guten Schuss britischem Humor im Gepäck.

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