Welche Person ist am besten Charakterisiert?
Kommentare
Thema: Welche Person ist am besten Charakterisiert?
Wirklich in Erinnerung bleibt mir leider keine so richtig, denn sämtliche handelnden Figuren agieren extrem blass und farblos.
Keiner hat ein Leben außerhalb des Falles, keiner hat markante Charakterzüge, und die verschiedenen Persönlichkeiten sind fast nicht wahrnehmbar.
Der Beginn mit Alwin Brauer, in dem ich den Protagonisten vermute, ist noch gut gelungen. Ein in die Jahre gekommener Ex-Streifenpolizist, dessen Hilfe plötzlich bei einem eigenartig erscheinenden Fall gefragt ist.
Klingt gut, klingt auch spannend, aber sehr viel mehr erfährt man nicht über Alwin. Was macht er, wenn er keine Fälle löst? Wie denkt er über so ein paar wichtige Dinge im Leben? Hat er Familie, lebt er alleine, wie schauts mit Hobbys, Vorlieben und Abneigungen aus? Welche Art von Humor hat er, ist er eher Optimist oder mehr ein Zyniker, was für Laster und schlechte Eigenschaften pflegt er, welche Marotten zeigen sich und so weiter. Eben all diese Dinge, die sich bei jedem Menschen finden – und die jeden von uns so unverwechselbar machen.
All das wird im Idealfall langsam und nach und nach in die Story hineinverwoben, sodass man als Leser ebenfalls nach und nach eine Beziehung zu der Figur aufbauen kann.
Schließlich möchte man sich mit dem Sympathieträger zumindest ein wenig identifizieren können, mitleiden, mitfiebern, miträtseln und die Figur ein Stück auf ihrem Weg begleiten. Ist das nicht möglich, weil wie hier nichts oder zu wenig zum Mitfühlen angeboten wird, baut sich auch keine Beziehung auf → das Interesse, auch an dem Fall, hält sich in Grenzen und jegliche Spannung wird böse ausgebremst.
Alwin erschien mir so nebulös, dass ich nicht einmal ein Bild von ihm im Kopf bekommen habe. Er hat weder Ecken noch Kanten, er wirkt nicht wie ein Protagonist, der die Handlung dirigiert, sondern, selbst wenn er anwesend ist, mehr wie eine Stimme aus dem Off, die halt ab und an ihren Senf dazugibt.
Etwas besser ist Matt gezeichnet, ihn konnte ich mir zumindest vorstellen. Ein übergewichtiger, technikaffiner Journalist mit einem Faible für Rätsel, ok, vielleicht ein bisschen viel Klischee, aber noch im Rahmen. Doch auch hier gilt: Er hat zu wenig Persönlichkeit, zu wenig Background, zu wenig Leben.
Beide erscheinen im Grunde sympathisch und durchaus interessant genug, dass man mehr über sie erfahren möchte. Es wäre imho für die Story ein immenser Gewinn und hätte ihr sehr gutgetan.
*****
Bitte beachten, dass das meine ganz persönliche Meinung darstellt und keinen Anspruch auf alleinige Richtigkeit erhebt!
Du hast das mit den Charakteren super erklärt. Ich kann das leider nie so gut in Worte verfassen.
Interessant, das die Geschichte so unterschiedlich betrachtet wird. Ist deine Wahrnehmung, dafür meinen Respekt. Schon mal daran gedacht, einen Krimi vor Veröffentlichung "probe zu lesen"?
@Peter: Uff, ich bin ja froh, dass du mit Kritik so entspannt und professionell umgehen kannst - da habe ich schon ganz anderes erlebt!
Beta gelesen habe ich schon einiges, allerdings noch keinen Krimi. Und ich bin mir nicht sicher, ob ich wirklich ein guter Betaleser bin, ich neige nämlich dazu, einen fremden Text dann zu sehr an meinen eigenen Stil anpassen zu wollen. Ist aber schon besser geworden, ich arbeite dran .
@Yoro entspannt umgehen, naja, als Neuling im Krimi-Haifischbecken, muss man erst mal seine Linie finden. Ich habe klare Vorstellungen von meinen Cjharakteren, vielleicht zuviel davon im Kopf und noch zu knapp auf dem Papier.n Band 3 ist in Vorbereitung, da hab ich jetzt schon Anregungen zur Optimierung.
@Yoro du hast es bestens formuliert, so hätte ich das auch geschrieben, da keinerlei Infos für Alwin Brauer ersichtlich waren kann man nicht viel über ihn sagen, Matt ebenso nicht außer das er gut im Rätsel Raten ist aber mehr kann man da nicht über ihn sagen, aber Matt erscheint mir etwas fitter zu sein als Alwin.
Sorry ich kann nicht so gut formulieren wie Yoro, Sie hat es genau getroffen.
Das Personenaufgebot ist angesichts des knappen Umfangs doch recht hoch, so bleiben viele der Nebenfiguren hier eher blass.
Die beiden Hauptfiguren sind aber doch gut charakterisiert, bei Matt erscheint es mir dabei ein wenig stimmiger, während bei Alwin noch die eine oder andere Lücke angesichts seiner Vergangenheit offen bleibt.
