Jaroslav Rudiš 2015
© Rafał Komorowski

Der Mörike-Preis 2024 geht an Jaroslav Rudiš

02.12.2023 von Sven Clauer

Der tschechische Autor, Dramatiker und Musiker Jaroslav Rudiš wird für sein künstlerisches Lebenswerk mit dem Mörike-Preis 2024 der Stadt Fellbach ausgezeichnet. Der Mörike-Förderpreis geht an die tschechische Schriftstellerin Alice Horáčková.

Das Gesamtwerk von Jaroslav Rudiš ist vielseitig. Der in der Tschechoslowakei geborene Schriftsteller studierte Germanistik und Geschichte und arbeitete als Lehrer und Journalist. Bei Luchterhand erschienen seine Romane "Grand Hotel", "Vom Ende des Punks in Helsinki", "Nationalstraße“ und "Winterbergs letzte Reise", sein erster auf Deutsch geschriebener Roman, der für den Leipziger Buchpreis 2019 nominiert ist. Rudiš hat auch Graphic Novels geschrieben: Alois Nebel" mit Jaromír 99, erschienen 2012 bei Voland & Quist, und Nachtgestalten" mit Nicolas Mahler, erschienen 2021 bei Luchterhand. Rudiš macht auch Musik, unter anderem mit der 2014 gegründeten Kafka Band", die Kafkas Romane Das Schloss", Amerika" und Der Prozess" vertont hat.


Roman: Weihnachten in Prag

Weihnachten in Prag

Eine Weihnachtsgeschichte aus dem verschneiten Prag. Herzergreifend erzählt von Jaroslav Rudis, brillant illustriert von seinem besten Freund Jaromír 99.

Weihnachten, Heiligabend. Wahrscheinlich der ruhigste Tag des Jahres in Prag. Jaroslav Rudiš zieht durch die Metropole an der Moldau. Es schneit, es ist kalt, und die Straßen sind leer gefegt. Und doch begegnen einem überall die alten und neuen Geschichten dieser Stadt. Rudiš wartet auf seine Freunde und kehrt in der Zwischenzeit in einige Wirtshäuser ein. Hier trifft er bei frisch gezapftem Bier drei einsame Gestalten: Kavka (genannt: Kafka), den König von Prag und eine Italienerin aus Mailand. Sie alle erzählen von diesem besonderen Tag des Jahres. Von leuchtenden Birnen und wärmenden Händen, von Karpfen in Gurkengläsern, aus deren Augen noch die verstorbenen Bewohner der Stadt glotzen, und vom Christkind, das jedes Jahr in dieselbe Kneipe kommt und sich mit der ratternden Straßenbahn wieder davonstiehlt.

Bei seinem Weihnachtsspaziergang wird Jaroslav Rudiš von seinem besten Freund Jaromír 99 begleitet, der diese magische und auch tragikomische Wanderung durch das verschneite Prag illustriert hat.

Ausstattung: mit zahlreichen Abb. von Jaromír99

Roman: Zug um Zug durch Europa

Zug um Zug durch Europa

Sein Großvater war Weichensteller, sein Onkel Fahrdienstleiter und sein Cousin Lokführer. Auch Jaroslav Rudiš liebt Züge. In seinem großformatigen Buch begibt er sich im Takt der Schienen durch Europa und zeigt mit über 160 Fotos, wie ein Eisenbahnmensch lebt und reist: von Berlin bis zum Gotthardtunnel und von Sizilien bis nach Lappland; im Nachtzug durch Polen und die Ukraine sowie im Speisewagen von Hamburg nach Prag. Dabei sammelt er Geschichten: im Speisewagen, Schlafwagen und Großraumwagen; in den Bahnhofskneipen in Böhmen und in den Cafébars italienischer Stationen. Jaroslav Rudiš weiß: Es sind die Bahnstrecken, die Europa zusammenhalten. 


Über den Preis und den Förderpreis

Der Mörike-Preis wird alle drei Jahre von der württembergischen Stadt Fellbach verliehen und ist mit 15.000 Euro dotiert. Ausgezeichnet werden deutschsprachige Autor:innen, "die durch die Qualität ihres Schaffens würdig erscheinen, im Namen von Eduard Mörike geehrt zu werden". Der Dichter lebte seit 1873 in Fellbach.

Die Preisträger vergeben den mit 3.000 Euro dotierten Förderpreis - diesen können auch fremdsprachige Schriftsteller:innen erhalten. In diesem Jahr wird der Förderpreis von Jaroslav Rudiš an Alice Horáčková verliehen. Die tschechische Autorin veröffentlichte 2014 eine Biografie über die Beatnik-Dichterin Vladimíra Čerepková und verarbeitete 2022 deren Familiengeschichte in dem Roman Rozpůlený dům (dt. "Geteiltes Haus").

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Sven Clauer

Sven Clauer

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