Entscheidungen, die schwerfallen: Warum zögert Eli?
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Thema: Entscheidungen, die schwerfallen: Warum zögert Eli?
Ich glaube, sie ist einfach noch nicht wirklich gefestigt im Leben und hat sich von der ersten Erfahrung allein in der Studentenwelt mitreißen lassen. Macht sie auf ihre Art sympathisch und mutig, dass sie sich einfach auf das Leben einlässt.
Eli hat so einiges zu bewältigen: das Nachholen der Abnabelung von ihrer Mutter (die sie in ihren Teenie-Jahren verpasst), die Revision gesellschaftlicher Erwartungen (die im konservativen Umfeld einer Kleinstadt vorherrschen und wo jeder jeden kennt).
Der Wegzug stellt für Eli eine Möglichkeit dar, anders zu denken und zu handeln (z.B. Kondome und Wein kaufen oder mit Max unter dem Sternenhimmel knutschen). Das kann befreien, aber auch verunsichern: Wer ist sie ohne die enge Bindung zu ihrer alleinstehenden Mutter? Wer ist sie ohne die soziale Kontrolle und Druck der Gemeinschaft, in der sie aufgewachsen und wo sie zur Schule und in die Kirche gegangen ist?
Der Wegzug stellt für Eli nicht nur einen geografischen Ortswechsel dar, sondern auch einen symbolischen, ja psychologischen - weg von der Mutter, für die sie sich verantwortlich fühlt und sich mit dieser Rolle letztlich überfordert, weg von "Sina", die prototypisch für strickte Ordnung, sprich traditionelle Erwartungen wie frühe Familiengründung und lokale Berufsbiografie steht. Eli zögert. Und das bleibt bis zum Schluss (Ende des Buches oder gar des Lebens?!) so.
Was ich an Eli so bewundernswert finde und wie Juna das auch so treffend erfasst hat: Eli stellt sich mutig ihren wiederholten, mal hektischen, mal hinausgezögerten, mal durchaus wohlüberlegten Anläufen, die sie reifen lassen. Auch wenn sie dabei nicht unbedingt herausfindet, was sie will, aber definitiv das, was sie nicht will.
