Einstieg in die Geschichte - Atmosphäre, Schreibstil, Erwartungen nach den ersten Seiten

Kommentare

Thema: Einstieg in die Geschichte - Atmosphäre, Schreibstil, Erwartungen nach den ersten Seiten

monti
monti
10.02.2026 - 19:52 Antworten

Der Einstieg spannt eine Erwartung über der Idee WG auf, Der Stil ist solide, erzählerisch gekonnt. Am findet eine literarische Begabung bei der Autorin. Freilich sehe ich sie eher bei kürzeren Texten, Kurzgeschichten, Novellen. Bei der Protagonistin fehlt irgendwie der Raum für eine Weiterentwicklung. Ihre romantische Vorgeschichte ist unbekannt, sie ist direkt zu Abenteuern bereit, ohne Erfahrung, da ist einfach kein Platz mehr für das prickelnde Erlebnis.

Mayler, Lola
Mayler, Lola
10.02.2026 - 21:35 Antworten

Dass du eine literarische Begabung entdeckt hast, freut mich natürlich, danke fürs genaue Lesen. Eli ist tatsächlich keine Figur, die sich gemütlich entfaltet. Sie stolpert quasi mitten hinein. Dass das nicht jede Erwartung erfüllt, gehört ein bisschen zum Konzept


Juna Liebrecht
Juna Liebrecht
12.02.2026 - 18:47 Antworten

Der Einstieg ins Lesen ist mir leicht gefallen. Der Schreibstil ist angenehm und macht es leicht, mir die Geschichte bildlich vorzustellen. Ich muss gestehen, dass ich zuerst etwas verwirrt war, wer Eli bzw. Eleonora bzw. Elisabeth ist. Aber am Ende von Kapitel 1 war es dann klar

Mayler, Lola
Mayler, Lola
13.02.2026 - 00:02 Antworten

Dieses unmittelbare Eintauchen in eine Geschichte ist für mich (auch als Leserin) entscheidend. Meist spüre ich schon auf den ersten Seiten, ob ein Buch mich mitnimmt. Schön, wenn mir dies als Autorin gelungen ist.

Elisabeth nennt ihre Tochter Eleonora liebevoll Eli und diese Namenskonstellation kann beim ersten Lesen kurz verwirren. Zum Glück wirklich nur kurz


9Ela6
9Ela6
14.02.2026 - 11:06 Antworten

So habe nun gestern abend auch mit den ersten Seiten gestartet. Mir ging es wie Monti, dass ich eher den Eindruck hatte, dass Eleonora eher eine ruhige, etwas schüchterne Person ist. Irgendwie hat das für mich nicht so gut gepasst mit dem, dass wohl Nik und Max hinter ihr her sind und Max dann die erstbeste Gelegenheit auch nutzen will. Oder ist Eleonora so unerfahren, dass sie das mit sich machen lässt? Ich bin mir da in dieser Person noch etwas unsicher und kann sie nicht ganz einordnen.
Ansonsten bin ich einfach gespannt, wie es mit der WG weitergeht.

Mayler, Lola
Mayler, Lola
16.02.2026 - 17:19 Antworten

Spannend, wie Eli auf den ersten Seiten wirkt. Dass Nik und Max sie interessant finden, könnte doch auch bedeuten, dass Eli ihre Wirkung unterschätzt. Vielleicht liegt das aber auch an ihrer Biografie, ihren bisherigen Erfahrungen mit den Jungs, ihrem bisherigen Fokus (Eiser-Schülerin).


Juna Liebrecht
Juna Liebrecht
16.02.2026 - 19:55 Antworten

Ich würde gerne noch allgemein etwas zum Schreibstil sagen: Ich lese meist abends nach einem langen Tag und es fällt mir leicht, mich auf die Welt einzulassen, die du in deinem Buch geschaffen hast. Es ist nicht anstrengend und dein Stil ist sehr zugänglich
Was mir an manchen Stellen aufgefallen ist: Für meinen Geschmack könntest du ein paar Adjektive streichen. Trau dem Leser ruhig zu, dass er spürt, wie etwas gemeint ist. Du beschreibst Situationen ja sehr gut, da kann man das selbst im Kopf.
Ein Beispiel, dass du verstehst, was ich meine: S. 38: "... schnell umdrehte, um ins Bad zu flitzen, sah sie plötzlich ..."
-> man ist als Leser schon in Elis Hektik-mood, weil vorher geschrieben wurde, dass sie wenig Zeit hat und sich beeilt. "Schnell" könnte also gestrichen werden, auch weil du "flitzen" hast.

Mayler, Lola
Mayler, Lola
17.02.2026 - 09:32 Antworten

Liebe Juna, ich danke Dir für Dein Kompliment und Deinen wertvollen Hinweis. Ich sehe genau, was du meinst. Mehr Mut zur Lücke!


monti
monti
17.02.2026 - 11:26 Antworten

Junas Einwand finde ich sehr interessant. Ich lese gerade außer 'Kurz davor ...' noch 'Karl Ove Knausgård
Die Wölfe aus dem Wald der Ewigkeit' Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Knausgard beschreibt jedes Detail in seiner Story. Ob eine Fliege vorbeisauste und das zweite Hinterbein anhob. Es erinnert stark an Ulysses. Ist aber absolut nicht mein Ding. Seine Geschichte ist praktisch eine Ansammlung völlig belangloser Kleinigkeiten. Er könnte schreiben: sie fuhren nach Oslo um einzukaufen. Stattdessen beschreibt er: Das Auto stand mit dem rechten Hinterrad in einer Schmutzpfütze. Die Tür knarrte etwas als XY sie aufriss. Einige Tropfen, von der Türkante trieben in sein Gesicht. -- Es ist mehr als anstrengend. Trotzdem unterhält er irgendwie. Wenn ich mein Leben so beschreiben würde, müssten die Bibliotheken Räume anbauen. Es hängt am individuellen Stil. Wenn man als Leser Freiraum zum fabulieren hat, kann das sehr schön sein. Im Herrn der Ringe gibt es sehr viel Freiraum. Aber ich fand die Erzählung dünn und strohig. Weil der Autor einen nicht zum fabulieren anstößt sondern alleine lässt. Die Filme haben das korrigiert, auf unschönste Weise.
Ich finde Lola Stil intensiv und doch frisch.

Mayler, Lola
Mayler, Lola
17.02.2026 - 18:19 Antworten

Lieber monti,

vielen Dank für Deine Rückmeldung – besonders Dein letzter Satz hat mich wirklich gefreut.
Du hast recht: Details können eine Geschichte tragen oder sie erdrücken. Am Ende ist es wohl Handwerk und Haltung. Ich selbst mag eine klare, konzentrierte Sprache: so viel wie nötig, so wenig wie möglich. Wenn das bei Dir so ankommt, freut mich das sehr.


9Ela6
9Ela6
23.02.2026 - 09:33 Antworten

Grundsätzlich liest sich die Geschichte sehr flüssig. Und dann gibt es immer mal wieder Momente, bei denen ich echt ins Stocken gerate.
zB. Seite 191 "Sie schaute unsicher ins Gesicht ihrer Dozentin, in dem sich Besorgung abzeichnet." Ich musste diesen Satz tatsächlich ein paar Mal lesen bis ich verstand, dass es anstatt Besorgung Besorgnis heißen soll.
oder Seite 187 "Nik säte ihre Brüste mit Küssen über." Hört sich für mich wie schlecht übersetzte KI an. Ich würde sagen: Nik übersäte ihre Brüste mit Küssen. Solche (für mein Empfinden) komische Satzstellungen habe ich jetzt schon ein paar Mal gelesen, was mich dann leider immer wieder aus der Geschichte wirft.

monti
monti
23.02.2026 - 09:56 Antworten

Einige Tippfehler habe ich auch überlesen, einfach weil ich mir dachte Tippfehler. Ich bin selbst nicht der Stil- oder Schreibsichere. Gute Lektoren sind halt rar. Habe ich mir gesagt.

Mayler, Lola
Mayler, Lola
23.02.2026 - 16:06 Antworten

Danke Dir, Ela, für Deine konstruktive Rückmeldung. Ich verstehe gut, dass Dich solche Formulierungen aus dem Lesefluss bringen. Zum Zeitpunkt des Schreibens war KI tatsächlich noch überhaupt kein Thema; den Roman habe ich im Corona-Winter fertiggeschrieben. Manche Stellen sind einfach stilistische Entscheidungen oder (leider) fahrlässige Ungenauigkeiten, die im Lektorat hätten glatter werden können. Ich nehme Deine Hinweise sehr ernst und freue mich, dass Du sie so konkret benennst. In der nächsten Auflage werde ich sie auf jeden Fall berücksichtigen.

9Ela6
9Ela6
26.02.2026 - 16:08 Antworten

Manchmal finde ich es schon hart so klar zu formulieren, was irgendwie wirr klingt, nicht richtig ist oder was mich stört. Doch im Grunde sollen ja ehrliche Rückmeldungen an dich gehen. Sonst wäre der Aufwand für dich doch auch nicht gerechtfertigt.

Mayler, Lola
Mayler, Lola
27.02.2026 - 12:27 Antworten

@9ela6: Absolut! Genau das habe ich mit dieser Leserunde ja bezwecken wollen: ehrliches Feedback. Das Buch ist schon eine Weile draußen und wird gelesen, aber da ich bisher kaum Werbung dafür mache, weiß ich abgesehen von ein paar Rezensionen nicht wirklich, wie die Geschichte ankommt oder wo Leser:innen vielleicht hängen bleiben. Daher: nochmals herzlichen Dank für Deine Zeit und Deine Rückmeldung! Ich bin sehr gespannt, was Du final zur Geschichte sagst.


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