Eli - die Protagonistin
Kommentare
Thema: Eli - die Protagonistin
Kommt ja auch immer darauf an, wie und ob Du Deine Tochter auf so eine Situation vorbereitet hast. Hier scheint es mir eher als ob es sich um eine Helikoptermutter handelt.
Eli scheint, das erste Mal in die "große weite Welt" zu gehen. Ist vielleicht etwas überrumpelt, was da so alles auf sie wartet. Sie scheint mir bisher ganz gut durch die Mutter, die wohl alleinerziehend ist und nur diese Tochter hat, betüttelt worden zu sein. Wenn die Mutter bei der WG anrufen will.
Daher bin ich gespannt, welche Erfahrungen Eli noch macht oder machen muss und wie sie sich aufgrund derer dann entwickelt.
Bisher nehme ich Eli eher als naiv und unerfahren wahr. Das macht es aber gleichzeitig glaubwürdig, dass sie sich direkt in die Konstellation Max-Nik stürzt. Sie ist das erste Mal allein von Zuhause weg und scheint sich erstmal ausleben zu müssen. Ich bin gespannt, wie sich ihr Charakter mit der Zeit entwickelt.
Nun ja, also bis aufs Äußerste ist Eli mit Max nicht gegangen. Als er ihr an die Jeans ging, konnte sie dann doch ein klares "Nein" aussprechen. Soweit wusste sie ja schon, dass das jetzt nicht das ist, was sie will.
Danke für diese Gedanken. Genau diese Grenze, die Eli in dem Moment setzt, ist für mich ein wichtiger Teil ihrer Entwicklung. Sie lässt sich auf das Spiel mit Max ein, weil es sie reizt und weil sie neugierig ist. Sie ist aber nicht unvorsichtig. Sie spürt sehr genau, was sie möchte und was nicht, und gerade dieses klare "Bis hierhin" gibt ihr Vertrauen in ihr eigenes Gefühl.
Max ist für sie kein Fremder im eigentlichen Sinn. Sie kennt ihn aus der WG, sie weiß, wie er sich bewegt, wie er wirkt und sie entscheidet sich bewusst dafür, sich von ihm in seine Welt mitnehmen zu lassen. Auch als sie die Erstsemester‑Party mit ihm verlässt, weiß sie, welche Signale sie aussendet. Die Situation ist für sie aufregend, aber nicht bedrohlich.
Sie hat aber auch nicht den Schneid ihrem Nik einen Schritt entgegen zu gehen. Zwei Dinge wundern mich. Zum einen wird sich wenig ausgesprochen. Was mich noch mehr wundert. In der WG hat Eli ein schönes Leben und offensichtlich keinerlei Verpflichtungen. Die Arbeit machen und die Spendierhosen haben immer die Anderen an. Das ist ja fast wie bei mir damals, wir hatten Putzfrauen für die Zimmer und medizinisches Personal auf dem Campus. Ein Paradies im Elfenbeinturm.
Genau diese Fragen finde ich selbst spannend, monti: Was passiert im WG-Alltag eigentlich hinter den Kulissen – wer übernimmt welche Aufgaben, wie organisiert sich das Zusammenleben, wie viel davon braucht ein Roman überhaupt? Natürlich ließe sich viel mehr Atmosphäre über solche Details schaffen, vom Kühlschrankauffüllen bis zum WC-Schrubben. Gleichzeitig ist es immer ein Abwägen: Wie viel Alltägliches trägt wirklich zur Geschichte bei, und wo würde es den Fokus vom Wesentlichen ablenken? Klasse, dass Du so aufmerksam mitdenkst.
Ich finde die Frage spannend, wer Eli ist, wenn das Liebesdreieck nicht das Hauptthema ist. Bisher (bin gerade bei S.124) gibt es Eli aktiv eigentlich nur in dieser Konstellation oder es wird beschrieben, dass sie lernt und ihre Abende in der Bibliothek verbringt. Aber wer ist Eli, wenn sie sich nicht anhand der Beziehungen definiert. Vielleicht würde der ein oder andere WG-Alltagsmoment hierbei helfen. Putzt sie gerne? Hasst sie den Abwasch? Etc. Es sind Kleinigkeiten, die man aber gerne erfahren würde, um das Bild von Eli weiter auszubauen.
Ich merke, dass ich noch an zwei Punkten hängenbleibe. Zum einen an dem, was monti mit „so wenig ausgesprochen“ meint, und zum anderen an der Frage von Juna, was Eli eigentlich als Person ausmacht.
Ich finde den Hinweis sehr treffend, dass ca. in der ersten Hälfte noch wenig miteinander ausgehandelt wird. Aus entwicklungspsychologischer Sicht passt das gut zur Phase des frühen Erwachsenenalters. In diesem Alter beginnt erst der Übergang von der Identitätsfindung hin zur Fähigkeit, echte Nähe zuzulassen. Meine Absicht war, in die Handlung zu transportieren, dass es - bevor jemand überhaupt in der Lage ist, Bedürfnisse klar zu kommunizieren oder Konflikte konstruktiv auszutragen -, ein relativ stabiles Selbstbild braucht. Und das ist nicht nur bei Eli im Aufbau. Die Energie fließt Anfang 20 häufig stärker in die innere Sortierung als in zwischenmenschliche Aushandlungsprozesse. Oder wie habt ihr das bei Euch erlebt?
Meine Erfahrung und Beobachtung ist, dass gerade in dieser Lebensphase eigene Unsicherheit oft unausgesprochen bleibt. Es ist weniger ein Mangel an Bereitschaft, sondern eher ein Ausdruck der Entwicklungsaufgabe: Erst wenn das Ich ausreichend gefestigt ist, kann echte Intimität (Du und ich) entstehen. Elis (zuweilen exzessives) Tagebuch-Schreiben ist ihr Weg, zunächst
Ab Seite 124, liebe Juna, öffnet sich Elis Biografie ja noch ein Stück weiter. Vielleicht offenbart sich dort auch bereits etwas mehr, warum sie sich so stark über Beziehungen definiert.
Mich würde sehr interessieren, welche Momente im Roman Euch besonders deutlich zeigen, wie Eli als Mensch ist? Welche Eigenschaften würdet ihr ihr zuschreiben?
Hier stimme ich mit Juna stark überein. Irgendwie fehlt mir die Person hinter der Person.
Danke für Euer wertvolles Feedback, liebe Juna und lieber monti.
Wer die Person hinter der Person ist bzw. warum Eli ist, wie sie ist, wird hoffentlich beim weiteren Lesen etwas deutlicher. Eli gibt nämlich Hinweise auf Vergangenheit und ihr Leben in der Kleinstadt, wenn auch nur skizzenhaft. Haltet mich bitte auf dem Laufenden, ob Euer Fragezeichen zu Elis Persönlichkeit im weiteren Verlauf ein wenig auflöst.
Wie du es schreibst, liebe Lola, kommt eigentlich direkt im Anschluss, mehr über Eli. So hätte ich es mir tatsächlich schon früher gewünscht (also in der ersten Hälfte). Sie bekommt deutlich mehr Tiefe und man versteht Verhaltensweisen besser.
Das ist ein interessanter Punkt. Dem stimme ich überein.
Das ist ein interessanter Punkt. Dem stimme ich überein.
Gegen Ende der Geschichte wird nun Max reuig oder geheilt. Wie man es auch immer sehen will. Ich halte es für eine schwierige Sache. Er kommt wohl bei Frauen gut an. Er wird demnach immer wieder in Versuchung geraten. Ob man das wirklich durch Reue und Einsicht 'heilen' kann?
Könntest Du Dir nicht vorstellen, dass die Beziehung zwischen Max und Helen trotzdem Bestand hat? Vielleicht in einer offenen Form? Und kennt ihr nicht auch diese „gezähmten Freigänger“, die trotz aller Versuchungen erstaunlich verlässlich werden?
Oder bleiben wir bei montis nüchternen Vorahnung: Wenn wir Max 25 Jahre später denken - Wie und wo würdet ihr ihn sehen?
Was mich etwas irritiert, ist die Tatsache, dass wegen Elis Tagebuch ja im Laufe der Geschichte ein großer Streit zwischen ihr und Nik entstanden ist. Weil sie darin ihre Gedanken über Max geschrieben hat. Ich verstehe schon, dass Nik in der Hinsicht geläutert ist, weil er ihr ja dann ein Tagebuch schenkt - vermutlich als "es ist okay, was auch immer du für Gedanken hast, ich liebe dich trotzdem". Aber Eli schreibt bis zum Schluss auch über Max. Und nicht immer so, dass man es distanziert nennen könnte. Sondern man hat ja schon manchmal den Eindruck, dass sie noch an der Entscheidung von Max hängt und es ihr keine Ruhe lässt. Ich Frage mich an der Stelle: Würde sie wirklich ihre Beziehung zu Nik deshalb riskieren? Dass ihn solche Zeilen nicht erfreuen würden, kann sie sich ja denken. Und mit Max ist es ja schon sehr abgekühlt. Gerade auch bei der letzten Party - dass sie ihn da nochmal konfrontiert. Ich verstehe die Idee dahinter, aber als Leserin störe ich mich daran, weil es für mich in gewisser Weise ihrer Läuterung entgegenwirkt. Das hat glaube ich, weniger mit der Sache selbst zu tun, als mit dem Timing. Ich hätte das gerne früher gelesen, um das Glück Nik/Eli richtig anzunehmen.
Die Frage „Würde sie wirklich ihre Beziehung zu Nik deshalb riskieren?“ ist tatsächlich eine, die ich mir als Autorin selbst stelle.
Zitat [Eli zu Max]: "Was, wenn ich auch so verkorkst bin? Nik war von Anfang an seiner Gefühle für mich sicher. Von Anfang an! Und ich? Ich habe geschwankt. Heute erst habe ich wieder geschwankt! Was, wenn ich ihn wieder enttäusche?"
Genau an diesem Punkt wollte ich zeigen, dass Eli zwar wächst, aber noch nicht vollständig aus ihren alten Mustern herausgewachsen ist. Sie ist nicht perfekter geworden. Sie wird Fehler machen. Für mich fühlt sich dieser Moment ein wenig an wie die letzte Sequenz einer abgeschlossenen Serien‑Staffel: ein kleiner, bewusst stehen gelassener Rest, der nicht völlig aufgeräumt ist und den Zuschauer mit einem leichten Gefühl der Unzufriedenheit zurücklässt, bevor die nächste Staffel beginnen kann. Dies ist quasi der letzte Hinweis darauf, dass Entwicklung nicht sauber abgeschlossen wird, nur weil eine neue Beziehung beginnt.
Dass es für Dich eher wie ein Stolperstein wirkt, Juna, verstehe ich gut. Ich lasse Dich als Leserin zwischen authentischer Unvollkommenheit und dem Bedürfnis nach einem runden emotionalen Abschluss stehen. Tut mir leid
Das letzte Treffen mit Max verstehe ich auch nicht so ganz. Seine reife Freundin, nun ja, das liegt nahe ihm eine erwachsende Frau an die Seite zu stellen. Es widerspricht nur der Erfahrung das Womenizer sich lieber mit jüngeren Damen zeigen. Sie dagegen ist von der Schilderung eher etwas für Ältere. Eine Frau die einen jüngeren Mann beeindruckt sollte eher etwas verspielter, auf young getrimmter sein.
Den Punkt kann ich sehr gut nachvollziehen. Dass Womanizer automatisch auf deutlich jüngere Frauen stehen, ist aber kein Naturgesetz. Für mich funktioniert Max’ reifere Partnerin erzählerisch deshalb gut, weil seine Beziehung zu ihr keinesfalls seinem früheren Verhalten widerspricht, sondern seine Entwicklung markiert.
Reifere Frauen strahlen oft Klarheit und Selbstsicherheit aus. Helen stellt zB das komplette Gegenteil von Eil dar. Aber auch von Lu, mit der Max bereits eine Vergangenheit hatte. Lu - die Taffe, könnten wir denken, sie verkörpert doch diese Attribute auch! Ja, aber sie behält diese in der Beziehung mit Max nicht stringent bei: [Lu zu Eli] "Bis einmal diese Sandy auftauchte. (...) Ich merkte sofort, dass Max ein Auge auf die geworfen hatte. Oder war ich das vielleicht selbst, stellvertretend für ihn sozusagen?... (....) Ich sagte zu ihm ›Schau, dein Beuteschema, oder?‹. Weißt du, El, ich wollte einfach nur cool sein. Ich wollte selbstbewusst wirken und den Eindruck vermitteln, ich würde Max niemals einengen. Ich habe mir im Nachhinein vorgeworfen, dass ich ihn selbst dazu ermutigt hatte. Ich weiß noch, wie er mich ansah. Das war nicht der Blick, der um Erlaubnis fragt. Erst später konnte ich seinen Blick richtig deuten, El. Ich habe ihn gewissermaßen dazu gedrängt, dieses Mädchen abzuschleppen. Ich habe ihm signalisiert, dass das zwischen uns nichts Bedeutendes ist, verstehst du? Dass es mir nichts ausmacht, wenn er das tut."
Für Max, der genug Drama erlebt hat (und durch den Rosenkrieg seiner Eltern früh gelernt hat, wie instabil Beziehungen sein können und wie sehr Menschen einander verletzen), kann der Frauentyp wie Helen, die weiß, wer sie ist und ihm auch klare Grenzen setzt (--> Szene auf dem Parkplatz vor dem Sportstudio, die Eli und Lu beobachten), sehr anziehend wirken. Nicht, weil sie älter ist, sondern weil sie ihm aufzeigt, was er sich selbst nie zugestanden hat: dass er mehr sein kann als seine Inszenierung als der charmante Womanizer.
