Autoren und KI

Wo beginnt im Zeitalter der KI das eigentliche Schreiben?

29.12.2025 von Edward Poniewaz

Die KI ist mittlerweile zur Kollegin geworden, die stets verfügbar ist, keinen Kaffee benötigt und dennoch jedes Mal fragt: „In welchem Ton soll ich das formulieren?“ – als wäre „leicht verzweifelt, aber würdevoll“ eine ganz normale Stilrichtung.

Für das Entwickeln von Ideen, das Strukturieren von Texten oder das genervte „Mach das bitte kürzer, aber schöner“ ist sie unschlagbar. Manchmal erinnert sie an einen literarischen Staubsauger: Sie nimmt das Chaos auf und gibt geordnete Sätze zurück.

Doch das eigentliche Schreiben beginnt dort, wo es schmerzt: Bei der Entscheidung, was man weglässt. Bei dem schiefen Bild, das plötzlich doch passt. Bei der Pointe, die nicht einfach nur „funktioniert“, sondern den Leser auch tief berührt.

KI trifft zuverlässig den Durchschnitt. Doch gute Literatur, eine unverwechselbare Stimme, entsteht oft genau durch den mutigen Schritt weg vom Mittelmaß.

Vielleicht ist KI deshalb weniger Ersatzautorin als vielmehr eine neue Schreibumgebung: Autokorrektur mit Selbstbewusstsein. Ein Werkzeug, das uns schneller macht und uns gleichzeitig zwingt, noch genauer zu wissen, was wir wollen und wofür wir stehen. Denn wenn das Handwerk durch KI-Unterstützung besser funktioniert, wird die eigene Haltung zum Alleinstellungsmerkmal.

Und am Ende bleibt der alte Trost: Schreiben muss man immer noch selbst. Die KI schaut nur freundlich zu und hilft ein wenig, die Routine zu erleichtern.

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    Edward Poniewaz

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