Chronologie aller Bände (1 - 150)

Die Reihenfolge beginnt mit dem Buch "Denen man vergibt". Wer alle Bücher der Reihe nach lesen möchte, sollte mit diesem Band von Natalia Ginzburg beginnen. Der zweite Teil der Reihe "Feuer ans Stroh" ist am 30.09.2021 erschienen. Mit insgesamt 150 Bänden wurde die Reihe über einen Zeitraum von ungefähr 24 Jahren fortgesetzt. Der neueste Band trägt den Titel "Petrolio".
- Anzahl der Bewertungen für die gesamte Reihe: 3.459
- Ø Bewertung der Reihe: 4.29
- Start der Reihe: 15.08.2001
- Neueste Folge: 18.09.2025
Diese Reihenfolge enthält 45 unterschiedliche Autoren.
- Autor: Osborne, Lawrence
- Anzahl Bewertungen: 202
- Ø Bewertung: 4.0
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 19.09.2024
- Genre: Politik
Denen man vergibt
Aber da taucht die Familie des Opfers auf und verlangt Davids Anwesenheit bei der Beerdigung in einem abgelegenen Dorf, während Jo sich weiter ausgelassen auf der Party vergnügt. Die strebt ungebrochen ihrem Höhepunkt zu – unter den argwöhnischen Augen des Hausangestellten Hamid.
Lawrence Osborne seziert seine Figuren gnadenlos, ihre Persönlichkeit und ihre Beziehungen, erfindet eindrückliche, filmische Szenen zwischen Zärtlichkeit und Zynismus.
- Autor: Caminito, Giulia
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 18.09.2025
- Genre: Politik
Das große A
Die Lombardei im Zweiten Weltkrieg: Die Menschen suchen Zuflucht vor ständigen Bombenangriffen, deutsche Besatzer jagen Partisanen, das Essen wird rationiert. Die 13-jährige Giada wohnt bei ihrer Tante, einer gläubigen Faschistin, Gewalt und Entbehrung prägen den Alltag. Also träumt sich Giada fort, träumt vom »Großen A«: Afrika, wo ihre Mutter Adele in den italienischen Kolonien angeblich ein abenteuerliches, unabhängiges Leben führt.
Und wirklich: Nach Kriegsende holt die Mutter sie zu sich nach Eritrea. Doch die großen Erwartungen werden enttäuscht: Dauerhitze und die Arbeit in Adeles Bar am Rand der Wüste haben so gar nichts Märchenhaftes an sich. Sogar der Kaffee schmeckt nach Salzwasser.
Eritrea ist auf dem Weg in die Unabhängigkeit, die verbliebenen Kolonisten ringen um eine Zukunft unter den neuen Machtverhältnissen. Und die schillernde Mutter erstickt jeden Freiheitsdrang, bis Giada den charmanten, aber undurchsichtigen Giacomo kennenlernt.
- Autor: Melandri, Francesca
- Anzahl Bewertungen: 917
- Ø Bewertung: 4.1
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 18.09.2025
- Genre: Sonstiges
Alle, außer mir
Hier beginnt Ilarias Entdeckungsreise, von hier aus entfaltet Francesca Melandri eine schier unglaubliche Familiengeschichte und ein schonungsloses Porträt der italienischen Gesellschaft. Und sie verknüpft die bisher verdrängte italienische Kolonialgeschichte in Äthiopien und Eritrea mit dem Schicksal der heutigen Geflüchteten.
Melandri stellt die Schlüsselfragen unserer Zeit: Was bedeutet es, zufällig im »richtigen« Land geboren zu sein, und wie entstehen Nähe und das Gefühl von Zugehörigkeit?
- Autor: Pasolini, Pier Paolo
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 18.09.2025
- Genre: Politik
Dialoge mit Pasolini
Von 1960 bis 1965 beantwortet Pier Paolo Pasolini – kontroverser Autor von »Ragazzi di Vita«, angehender Filmemacher und Lieblingsfeind der Konservativen – Briefe seiner Leserinnen und Leser. Die Rubrik »Dialog mit Pasolini« in der linken Wochenzeitschrift ›Vie nuove‹ sammelt unterschiedlichste Stimmen aus ganz Italien: kalabrische Kommunisten und Bergarbeiter aus Grosseto, bürgerliche D’Annunzio-Verehrer und immer wieder junge Menschen, die mit ihren politischen Überzeugungen und denen der anderen ringen.
Sie bitten um Rat, Wahlempfehlungen oder literarische Urteile, stellen Fragen zu Sexualität oder zum Erbe des Faschismus; manche äußern heftige Kritik an Pasolinis Werken, andere loben ihn ausdrücklich. Die Briefeschreiber erzählen von sich selbst, ihrer Arbeit, ihren Ängsten. Und Pasolini erwidert: leidenschaftlich, persönlich, mit aller Hoffnung auf die Jugend.
Durch dieses einzigartige Archiv populärer Rede – hier erstmals ins Deutsche übersetzt – entsteht das facettenreiche Bild einer enorm politisierten italienischen Nachkriegsgesellschaft: zwischen Wirtschaftsaufschwung und Massenprotest, Konformismus und Bildungshunger, industrialisiertem Norden und vergessenem Süden.
- Autor: Happ, Jens Jakob
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 18.09.2025
- Genre: Sonstiges
Für eine nachhaltige Architektur der Stadt
Wie kann es gelingen, unsere gebaute Umgebung so zu gestalten, dass wir uns in ihr wohlfühlen und zugleich der generationenübergreifenden Verantwortung für unsere Welt gerecht werden?
Aus unterschiedlichen Blickwinkeln – Architektur, Baustoffkunde, Klimatechnik, Theorie des Städtebaus, Paläontologie, Verwaltungsrecht, Philosophie oder Wirtschaftswissenschaft – werden konkret die drängenden Fragen erörtert: Wie bauen? Überhaupt noch bauen? Nur noch umbauen? Und was hat Ästhetik damit zu tun?
Mit Texten von Jutta Albus, Gerrit Confurius, Frank E.P. Dievernich, Elisabeth Endres, Dirk Hebel, Michael Heinrich, Anna Heringer, Hans Kollhoff, Vittorio Magnago Lampugnani, Michael Mönninger, Volker Mosbrugger, Florian Nagler, Thomas Schröer, Ernst Böhm und Wolfgang Sonne.
Leonard Cohens Stimme
Seine Stimme gehört zu den bekanntesten der Welt. Obwohl nicht einmal besonders ›schön‹, zieht Leonard Cohens Gesang weltweit Millionen von Fans in seinen Bann. Man verzeiht ihm Zynismus, überschwängliche Romantik und Pathos und lässt sich gern von ihm erschüttern. Keine andere Stimme vermag so zu elektrisieren und sowohl der Vergeblichkeit Schönheit abzugewinnen als auch mit Wut und Witz die Ungerechtigkeit der Welt anzuklagen.
Caspar Battegay geht der Faszination für Cohens einzigartige Stimme auf den Grund, deutet literarische und popkulturelle Hintergründe der Verbindung von Ton und Text und widmet sich Einflüssen der Politik und des Judentums. Anhand der neuen Deutung von Klassikern wie »Suzanne«, »Who by Fire« oder »The Future« tritt uns Leonard Cohen als ironischer Prophet vor Ohren, dessen Stimme auch nach ihrem Verstummen noch weiterklingt.
Als Reisen eine Kunst war
Was macht die Kunst des Reisens aus? Attilio Brilli verfolgt
anhand von Tagebüchern, Reiseführern und - berichten die
Spur jener passionierten und abenteuerlustigen Reisenden,
die Ende des 16. Jahrhunderts erstmals zur >Grand Tour<
aufbrachen und bis ins 19. Jahrhundert hinein die Straßen
Europas bevölkerten.
In seiner Kulturgeschichte der >Grand Tour< legt Brilli besonderes
Gewicht auf die praktischen Vorbereitungen und
den realen Ablauf der Reise: Landkarten, Sprach- und Reiseführer,
Pässe, Wechselbriefe, Empfehlungsschreiben, Gesundheitszeugnisse,
Transportmittel, Herbergen und Gasthäuser.
Er berichtet von fremden Sitten und Gebräuchen,
schaut in Goethes Koffer oder Napoleons Reisenecessaire
und hat selbst eine Fülle von Geschichten und Anekdoten
im Gepäck.
- Band: 282
- Autor: Pirandello, Luigi
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 30.09.2021
- Genre: Politik
Feuer ans Stroh
Die schönsten Novellen über Pirandellos Heimat Sizilien und ihre Bewohner.
Luigi Pirandello, bekannt durch »Sechs Personen suchen einen Autor«, gehört mit Lampedusa und Sciascia zu den bedeutendsten Erzählern der sizilianischen Literatur.
Dieser Band stellt nicht nur die schönsten Geschichten Pirandellos über seine Heimat und ihre Bewohner vor, sondern auch Geschichten, in denen das Leben die Rolle des Komikers spielt.
- Band: 290
- Autor: Origo, Iris
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 22.09.2009
- Genre: Politik
"Im Namen Gottes und des Geschäfts."
Iris Origo erzählt das Leben des Kaufmanns Datini aus dem toskanischen Prato, eines klassischen Selfmademan der Renaissance: seine Reisen, seinen Alltag, seine Ehe, seine Geschäfte zwischen Gott und Profit.
Durch Zufall wurde nach Jahrhunderten die vollständige Geschäfts- und Privatkorrespondenz des Kaufmanns Francesco di Marco Datini unter einer Treppe seines heute noch erhaltenen Palazzos entdeckt.
Aus diesen Papieren rekonstruierte Iris Origo das lebendige Portrait eines spätmittelalterlichen Selfmademan. Zugleich gewährt Datinis Briefwechsel mit seiner Frau Einblick in das Alltags- und Eheleben des vierzehnten Jahrhunderts.
Der Ursprung des Museums
Am Anfang des Museums steht die private Sammlung: In einer Zeit, in der immer mehr Privatsammlungen ans Licht treten und der Staat die Gelder streicht, ist der Blick auf den Anfang lohnend und notwendig. Pomian erforscht die Ursprünge des Sammelns und beantwortet die beiden Grundfragen: Woher kommt der oft aberwitzige Wert von Sammlerobjekten? Was unterscheidet Objekte einer Sammlung von denen des täglichen Gebrauchs?
»Hier kommt die Geschichte des Sammlers in ihrer ganzen Buntheit zu ihrem Recht: ein Feuerwerk!« [Henning Ritter, Frankfurter Allgemeine Zeitung]
- Band: 311
- Autor: Bobbio, Noberto
- Anzahl Bewertungen: 10
- Ø Bewertung: 4.0
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 30.09.2021
- Genre: Politik
Rechts und Links
Wer den Unterschied von rechts und links leugnet, gibt die Idee einer Gesellschaft mit gleichen Rechten auf, stiehlt sich aus der Spannung zwischen Freiheit und Gleichheit, die seit der Französischen Revolution besteht. Norberto Bobbio, der große politische Denker Italiens, hat mit 'Rechts und links' einen in seiner Klarheit unübertroffenen Klassiker der politischen Philosophie geschrieben.
»Für diese italienische Einmischung, mit Lust am Demokratischen, mit Leidenschaft gegen die Denunziation von Demokratie als Gleichmacherei, kann man nur dankbar sein.«
Die Zeit
- Band: 317
- Autor: Pasolini, Pier Paolo
- Anzahl Bewertungen: 31
- Ø Bewertung: 4.4
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 01.08.2006
- Genre: Politik
- Band: 319
- Autor: Kafka, Franz
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 27.04.2010
- Genre: Politik
Der Spanische Bürgerkrieg
Der Spanische Bürgerkrieg ist auch heute noch aufschlussund
lehrreich, weil sich in ihm nicht nur Faschisten und
Kommunisten gegenüberstanden, sondern die Faschisten
das Bürgertum hinter sich scharten und die Kommunisten
im Namen der Republik kämpften.
Ein unentbehrliches Grundlagenbuch, verfasst von einem
der international anerkanntesten Historiographen spanischer
Geschichte.
- Band: 342
- Autor: Hohler, Franz
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 23.08.2005
- Genre: Politik
Der Rand von Ostermundigen
Elf Geschichten aus dem Alltagsleben, in denen die Normalität zur Groteske gerät, erzählt von einem Meister der satirischen Kurzprosa.
Franz Hohler hält uns die Regeln unseres Lebens so lange vor Augen, bis wir die Wand hochgehen oder aufs Dach klettern und für immer dahinter verschwinden.
Was passiert, wenn ein Satz plötzlich seinen eigenen Willen durchsetzt? Sich in Telephongespräche und Zeitungen, in Radiosender und Fernsehnachrichten einschleicht? Sogar der Metzger zeigt seiner Kundin ein Stück Rindfleisch mit dem Satz: »Das ist der Rand von Ostermundigen.«
So sind alle diese Geschichten erzählt: Sie beginnen einfach und unauffällig und werden schnell zu »rollenden Lawinen«, wie Martin Gregor-Dellin in DIE ZEIT schrieb, »deren Bestandteile so leicht wiegen wie Schnee«.
Die Bar auf dem Meeresgrund
Der Hofmann
Castigliones Hofmann ist das Gegenteil von Macchiavellis Fürst. Am Hof des Montefeltro in Urbino unterhalten sich Damen und Herren über Sitten, Kultur und darüber, was Menschen angenehm und liebenswert erscheinen lässt. Aber nicht die Geburt, heißt es gleich zu Anfang, sondern der Adel des Geistes bestimmt das Geschick – das erste Zeichen für die Heraufkunft des bürgerlichen Zeitalters und ein Benehmen, an dem sich noch Knigge orientiert hat.
Die Auswahl enthält alle wichtigen Vorstellungen, die Castiglione den Mitgliedern der Tischrunde in den Mund legt. Recht hat, wer im Streitgespräch besser, witziger und logischer argumentiert. Überraschendes wird auch zur Gleichberechtigung der Frauen gesagt, über Schönheit und die effektivste Art der Liebeswerbung.
Das Zeitalter der Menschenrechte
Norberto Bobbios Hauptwerk: Grundlegende Texte über die Menschenrechte, ihre Geschichte, Gegenwart und Zukunft.
Wie können Menschen mit unterschiedlichen Religionen und verschiedenen politischen Anschauungen ohne Furcht zusammenleben?
Angesichts unübersehbarer Menschenrechtsverletzungen in vielen Teilen der Welt sucht Bobbio eine Antwort auf diese und andere Fragen – und bietet gedankliche und argumentative Hilfe für eine Veränderung.
Antikensehnsucht und Maschinenglauben
In einem kulturhistorischen Rückblick auf Entstehung und Formen der »Kunstkammern«, jener Sammlungsform, die als erste Museen zu bezeichnen sind, weist Horst Bredekamp in der scheinbar bizarren und absurden Zusammenstellung von Mineralien, Exotika, Maschinen, Gemälden, Androiden und Skulpturen eine innere Logik nach: ein klar definiertes Konzept, die kontinuierliche Entwicklung von der Natur über die »Antiken« bis zur Maschine und zum Kunstwerk nachzubilden.
- Band: 364
- Autor: Aristophanes
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 05.03.2013
- Genre: Politik
Lysistrata
Das Thema ist alt. Aristophanes gab ihm 411 v. Chr. Form und Namen: Lysistrata. Der Streik der Frauen gegen den Krieg der Männer. Die Frauen halten zusammen und sich zurück, bis es die Männer nicht mehr aushalten.
Erich Frieds Neuübersetzung hält sich an das Original, macht die heute unverständlichen Anspielungen erkennbar und respektiert soweit wie möglich das ursprüngliche Versmaß.
Die Altphilologin Heinke Lehmann stellt den historischen Hintergrund des Stückes dar. Barbara Sichtermann erneuert die Frage danach, was dem Menschen nötiger sei: Krieg oder Liebe? Denn beides ist nicht so weit voneinander entfernt, wie es scheinen mag.
Der Schwarze Tod und die Verwandlung Europas
Das Standardwerk über die verheerende Pest von 1348 und ihre Folgen: Herlihy untersucht den radikalen Einschnitt durch die
Pest in der Mitte des 14. Jahrhunderts, der in Europa bis zu drei Viertel der Bevölkerung zum Opfer fielen und die sich in diesem Ausmaß nie mehr wiederholte.
Ein interdisziplinäres Buch über den >Schwarzen Tod<, nicht nur als kaum noch vorstellbare geschichtliche Katastrophe, sondern als Auslöser einer bis heute andauernden technologischen und gesellschaftlichen Erneuerung.
- Band: 407
- Autor: Brückner, Peter
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 01.02.2006
- Genre: Politik
Ulrike Meinhof und die deutschen Verhältnisse
Neuauflage zum 30. Todestag von Ulrike Meinhof am 8. Mai 2006: Brückner fragt nach den deutschen Verhältnissen, die mitschuldig daran waren, daß die scharfsinnige, kluge und leidenschaftliche Journalistin in den Untergrund ging, zur "Staatsfeindin Nummer 1" wurde und in Stammheim starb. Das Buch ist nicht nur ein Portrait Ulrike Meinhofs, sondern auch eine Bestandsaufnahme der bundesrepublikanischen Nachkriegsgeschichte.
Mit einem Nachwort von Klaus Wagenbach über die Entstehung des Buches und einem zum fünfundzwanzigsten Todestag geschriebenen Vorwort von Ulrich K. Preuß über Ulrike Meinhof und die politischen Folgen, bis heute.
Ludwig XIV.
Peter Burke untersucht die Außenhaut eines Mythos: Die Geschichte Ludwigs XIV. erscheint hier als gigantische Werbekampagne, die den König über Frankreichs Grenzen hinaus als unvergleichliches Produkt anpries und durchsetzte – ein Ziel, dem Bevölkerung, Kultur und Politik bedenkenlos unterworfen wurden.
- Band: 414
- Autor: Ginzburg, Natalia
- Anzahl Bewertungen: 2
- Ø Bewertung: 5.0
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 15.08.2001
- Genre: Autobiographie
"Es fällt schwer, von sich selbst zu sprechen, aber es ist schön."
Die Schriftstellerin Natalia Ginzburg gehörte zu den bedeutendsten ihrer Generation: als Frau, die über das Leben der Frauen und über ihre Beziehungen schrieb.
Als Chronistin der Zerstörung der jüdischen Intelligenz ebenso wie des Widerstands. Als Autorin, die mit ihrer kühlen, distanzierten Sprache einen Beitrag leistet zur Reinigung und Wiederbelebung einer der schönsten Sprachen nach dunkler Zeit. Als Lektorin und Beraterin des Einaudi-Verlags, die teilnahm am literarischen Leben Italiens.
Die Intellektuelle Natalia Ginzburg wurde zu einer moralischen Instanz, nicht nur als jemand, der auf den Zeitungsseiten politische Fragen öffentlich diskutierte, sondern auch als unabhängige Abgeordnete die parlamentarische Arbeit beeinflusste.
Der Einfluss des Islam auf das Europäische Mittelalter
Die arabische Expansion hat die westliche Welt fast immer
nur als Bedrohung, kaum je als Bereicherung erfahren.
Dabei brachten die Araber nicht nur Lehren der
Naturwissenschaften wie der Physik, Astronomie, Geographie,
Mathematik und Medizin aus der Welt des antiken
Griechentums nach Europa, sondern auch Poesie und
Musiktheorie, und nicht zuletzt Vorstellungen von einem
verfeinerten Leben, wie es sich die Europäer bis dahin
nicht hatten träumen lassen.
Kenntnisreich räumt Watt mit immer noch virulenten
Vorurteilen auf.
- Band: 428
- Autor: Meinhof, Ulrike
- Anzahl Bewertungen: 6
- Ø Bewertung: 4.7
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 20.03.2025
- Genre: Politik
Bambule
Wer wissen will, welche Erziehungsvorstellungen noch Ende der sechziger Jahre herrschten, sollte Bambule lesen.
Das Thema ist aktuell wie je: Wie geht die Gesellschaft mit Randgruppen um, wie erzieht der Staat diejenigen, deren Fürsorge ihm übertragen wurde? Ulrike Meinhof hatte sich als Journalistin in langen Recherchen ein Bild über die Lage der Mädchen in Erziehungsheimen gemacht. In der Geschichte von Irene beschreibt sie den Alltag zwischen Hof, Schlafraum, Wäscheraum und »Bunker«, die Repressalien der Erzieher und die Befreiungsversuche der Mädchen, die »Bambule« machen, weil sie leben wollen und nicht bloß sich fügen.
- Band: 437
- Autor: Malerba, Luigi
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 17.08.2010
- Genre: Politik
Das griechische Feuer
Mit dem griechischen Feuer vermochte Byzanz feindliche
Schiffe zu vernichten und fünf Jahrhunderte sein Imperium
zu verteidigen, so lange, wie ausschließlich der Kaiser
und sein Werkmeister die Rezeptur kannten. Wem immer
sonst das Pergament mit der Formel vor die Augen kam,
der musste sterben.
Dieses Pergament bestimmt den Roman. Ob es geschlossen
oder geöffnet auftaucht, als Original oder als
Fälschung, stets vernichtet oder rettet es Karrieren, verschont
niemanden, verwandelt Drahtzieher in Opfer, am
Ende auch die Kaiserin, die alles in der Hand zu haben
glaubte, die Macht und die Männer.
Sandro Botticelli Primavera
Das berühmteste Rätselbild der italienischen Renaissance, neu gesehen und entschlüsselt.
An Botticellis Primavera, dem berühmtesten Rätselbild der Renaissance, ist fast alles ungewöhnlich: Das riesige Format (über zwei mal drei Meter), die kaum verhüllte Nacktheit der Figuren Merkur und Venus, der unerhörte Naturalismus der Flora. Nach der 1982 beendeten Restaurierung hat Horst Bredekamp das Gemälde neu gesehen: den Frühlingsgarten als das verschlüsselte Florenz, die politische Botschaft, die Spannung zwischen der Kühnheit des Nackten und dem erstaunlichen Verzicht auf die Zentralperspektive.
Und Horst Bredekamp entschlüsselt La Primavera als Ikone einer Zeitenwende: Was als Venuskult auftritt, zeigt bereits die ersten Folgen der individuellen Freiheit, die Vereinzelung.
- Band: 488
- Autor: Wolff, Kurt
- Anzahl Bewertungen: 3
- Ø Bewertung: 4.4
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 15.03.2004
- Genre: Autobiographie
Autoren - Bücher - Abenteuer
Aber nicht nur von diesen Autoren erzählt Kurt Wolff, sondern auch davon, wie Verleger und Autoren zusammenkommen (und wie auseinander).
Und er erzählt vom Verlegen im Allgemeinen, vom nötigen Urteilsvermögen und noch viel nötigeren Enthusiasmus. In diesem Zusammenhang fällt dann auch der berühmt gewordene Satz: »Man verlegt entweder Bücher, von denen man meint, die Leute sollen sie lesen, oder Bücher, von denen man meint, die Leute wollen sie lesen. Verleger der zweiten Kategorie zählen für uns nicht – nicht wahr?«
- Band: 493
- Autor: Scarpa, Tiziano
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 01.04.2004
- Genre: Politik
Was ich von dir will
Wie wird es ausgehen, wenn ein Mädchen am Strand einen Illustrierten-Fragebogen zum Thema »Wenn Sie aus einem erotischen Traum erwachen…« ausfüllt und dabei von drei braungebrannten, gutgebauten jungen Männern angesprochen wird?
Oder: Was passiert, wenn zweien die letzte Tram gerade davonfährt, er romantisch durch die milde Sommernacht spazieren, sie aber so schnell wie möglich nach Hause zu handfesteren Beschäftigungen will und ihre ganze verbale Verführungskraft einsetzt?
Oder: Welches Herz wird die Kreatur auf Lady Frankensteins Operationstisch wählen: das zynische oder das sentimentale?
Tiziano Scarpas dicht geschriebene und raffiniert gebaute Erzählungen führen immer wieder in die Irre und nehmen überraschende Wendungen, die selbst den erfahrenen Leser verblüffen.
- Band: 499
- Autor: Richter, Hans Werner
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 20.09.2018
- Genre: Politik
Im Etablissement der Schmetterlinge
Oder wussten Sie, dass Hans Magnus Enzensberger auf einer Reise nach Russland in Chruschtschows Badehose schwimmen ging? Dass sich in Ilse Aichingers Hotelzimmer die Sofadecke verdächtig wölbte und der um Hilfe gebetene Hans Werner Richter Heinrich Böll darunter hervorzog? Dass Alfred Andersch anstrebte, berühmter als Thomas Mann zu werden?
Heiter bis nachdenklich beantwortet Richter die Frage, unter welchen Bedingungen Literatur damals entstand, nach dem Krieg. Wann und wie kamen die Autoren zur Gruppe, wie ging es bei den Tagungen zu?
Ergänzt um eine Zeittafel, ein Namensregister und 21 Photos von Renate v. Mangoldt.
Mit Portraits von I. Aichinger, C. Amery, A. Andersch, I. Bachmann, H. Böll, M. Dor, G. Eich, G. Grass, W. Hildesheimer, W. Höllerer, W. Jens, U. Johnson, J. Kaiser, B. König, W. Kolbenhoff, H. Mayer, M. Reich-Ranicki, W. Schnurre, M. Walser und P.Weiss.
- Band: 501
- Autor: Shakespeare, William
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 01.08.2004
- Genre: Politik
Wie es euch gefällt Verlorene Liebesmühe
»Wie es euch gefällt«: Rosalinde, die Tochter des verbannten Herzogs, verwirrt als Schäfer verkleidet die Hofherren und mit ihrem wahren Gesicht als Dame den hübschen Orlando. Der melancholische Narr Jacques wendet das Durcheinander, das sie anrichtet, zum Guten.
»Verlorene Liebesmühe«: Am Hof des jungen Königs von Navarra will man die Frauen überwinden und gelobt Eidschwüre gegen sie. Bis die Prinzessin von Frankreich samt ihrem Damenhofstaat auftaucht.
Die Geschichte der >Annales<
Mit ihren bahnbrechenden Arbeiten haben die Historiker um die Zeitschrift »Annales« die Geschichtswissenschaft revolutioniert. Peter Burkes konziser Überblick über ihre wissenschaftliche Herangehensweise und die wichtigsten Vertreter der »Annales«-Schule sollte für jeden an Geschichtsschreibung Interessierten Pflichtlektüre sein.
Peter Burke hat für diese Ausgabe seine Bestandsaufnahme und kritische Würdigung der neuen Geschichtsschreibung aktualisiert und fortgeschrieben.
Ausgehend von der hergebrachten konventionellen Aneinanderreihung von Schlachten und Ereignissen beschreibt er die revolutionäre Kraft der »Annales«-Historiker, die das menschliche Handeln in seiner ganzen Breite zeigen wollen und dafür die Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen wie der Geographie, der Soziologie oder der Wirtschaftswissenschaft suchen. Und er gibt kurze Portraits der drei Generationen von Wissenschaftlern, angefangen bei den Gründern Lucien Febvre und Marc Bloch, über die mittlere Generation Fernand Braudels bis zu den jüngeren Vertretern wie Georges Duby, Jacques Le Goff und vielen anderen.
Ergänzt wird der Band um eine Bilanz der Rezeption und eine Einschätzung der »Annales« aus heutiger Sicht.
- Band: 504
- Autor: Rühmkorf, Peter
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 27.04.2010
- Genre: Politik
Expressionistische Gedichte
Eine sorgfältig ausgewählte und kritisch kommentierte Sammlung der schönsten expressionistischen Gedichte.
Mit den bilderreichen Gedichten des Expressionismus begann eine Literatur, die das krisengeschüttelte Ich in den Mittelpunkt stellte und den gesellschaftlichen Ruhestand für unerträglich hielt – es war der Beginn der modernen Literatur.
Peter Rühmkorf beschreibt diesen Beginn in einem einführenden Essay zu seiner repräsentativen Auswahl und stellt die Epoche und ihre Autoren vor.
Die Autoren: Johannes R. Becher, Gottfried Benn, Ernst Blass, Paul Boldt, Albert Ehrenstein, Yvan Goll, Ferdinand Hardekopf, Max Herrmann-Neisse, Georg Heym, Jakob von Hoddis, Wilhelm Klemm, Else Lasker-Schüler, Alfred Lichtenstein, Oskar Loerke, Ernst Wilhelm Lotz, Ernst Stadler, August Stramm, Georg Trakl, Franz Werfel, Alfred Wolfenstein, Paul Zech.
Neapel
Richter beschreibt die Metropole Neapel als einen Ort der Verschmelzung von Kulturen seit Anbeginn, vorzüglich aber auch aus der Sicht ausländischer Reisender, für die dieses Zentrum des europäischen Tourismus zur bedrohlichen und zugleich faszinierenden Erfahrung eines anderen, dem klassischen Bild widersprechenden Italiens wurde.
Und umgekehrt schildert Richter den Einfluss der »Fremden« auf diese Stadt, von den griechischen Einwanderern über die spanischen Höflinge und die Salons der europäischen Gesandten bis zu den englischen Konstrukteuren der Vesuv-Eisenbahn und zu den schweizer oder deutschen Industriellen des ausgehenden 19. Jahrhunderts samt ihres Vereins- und Fürsorgewesens, das sich zum Teil bis heute erhalten hat.
Das abwechslungsreiche Bild einer europäischen Metropole, nicht nur den bekannten Quellen nachgeschrieben, sondern oft auch frisch aus dem Staub unbekannter Polizeiakten und Gästebücher gezogen.
Kaufleute und Bankiers im Mittelalter
Ein kompakter Überblick über mittelalterliche Wirtschaftsgeschichte des »großen Historikers der kleinen Geschichten«: von den Betreibern des Handels und der Geldgeschäfte, von ihrer sozialen und politischen Rolle.
Im Fokus dieser Studie stehen die Protagonisten der kommerziellen Revolution im europäischen Spätmittelalter: die Kaufleute und Bankiers. Jacques Le Goff beschreibt in seiner unnachahmlich lebendigen Art, wie aus fahrenden Händlern sesshafte Kaufleute wurden, die durch die Erschließung neuer Handelswege und Geschäftsverbindungen und aufgrund neuartiger Buchhaltungsmethoden an Reichtum und Einfluss gewannen.
Aus der neuen »Berufsgattung« entstand eine neue Gesellschaftsschicht, deren – nicht nur pekuniäre – Macht bald sowohl Bürgertum und Adel als auch der Klerus anerkennen mussten. Diese Entwicklung beschreibt Le Goff knapp und einleuchtend.
Uta von Naumburg
Die zwölf Naumburger Stifterfiguren galten seit den zwanziger und dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts als Inbegriff deutscher Kunst des Mittelalters. Vor allem die Figur der Markgräfin Uta begeisterte Kunsthistoriker und wurde ein Opfer der weihevollen Sinnsucher.
Wie eine nationale Heilige oder Filmdiva wurde sie bewundert, obwohl über ihr historisches Vorbild, eine Adlige des 11. Jahrhunderts, fast nichts bekannt ist. Allein Ausdruck und Haltung der Steinfigur waren also Ursache kunstgläubiger Verehrung. Kein Medium der Zeit, das nicht emphatisch von Uta im Naumburger Dom berichtete: Bildbände, Romane, Gedichte, Erbauungsliteratur, Hörbilder, Zeitungsreportagen und ein Theaterstück übertrafen sich in Versuchen der Verlebendigung und »siegreichen Hingebung«. Wolfgang Ullrich beschreibt Gründe und Hintergründe dieser Verehrung.
Raoul Tranchirers Taschenkosmos
Dem Unverständigen schärft es den Verstand, den Glaubensstarken rüttelt es durch. Unsere angeblich so verlässliche Welt des Wissens wird auseinandergenommen und neu zusammengesetzt.
Zur besseren Orientierung ist dieser Taschenkosmos alphabetisch geordnet und mit (vom Autor eigens angefertigten) Collagen versehen – wie die alte Ausgabe von Meyers Lexikon, der »Bibel der modernen Literatur« (Elias Canetti)
"Als Kafka mir entgegenkam..."
Der Lehrjunge des Vaters berichtet von seinem kleinen Schützling, dem er nicht nur Tschechischkenntnisse vermittelte, die Hausangestellte erinnert sich an den Studenten, der Verleger an seinen größten und merkwürdigsten Autor. Arbeitskollegen beschreiben den Beamten, und einige der zahlreichen Freundinnen lassen uns etwas von seiner Wirkung auf Frauen ahnen. Und auch von dem Parkbesucher wird berichtet, der eine Puppe auf Reisen schickt und damit die Welt eines kleinen Mädchens rettet. Sie alle lassen eine Persönlichkeit lebendig werden, ihre sparsamen Gesten, ihre Höflichkeit, das Lächeln und immer neues Staunen.
Boris Vian
Seine vielen Talente: prächtig. Seine Versteckspiele: frech. Seine Täuschungen: raffiniert. Boris Vian war ein leidenschaftlicher Provokateur, der unter schwerer Weihwedelphobie litt, Sartre zu seinen besten Freunden zählte und sich zuweilen selbst übersetzte. Klaus Völker folgt seinen schillernden Spuren.
- Band: 543
- Autor: Richter, Hans Werner
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 01.08.2006
- Genre: Politik
Ein Julitag
Damals: Karoline geht noch zur Schule, als Christian sie in einer kleinen Stadt an der Odermündung kennenlernt.
Er selbst lebt schon seit einiger Zeit in Berlin, wo er in linken intellektuellen Kreisen verkehrt, mit denen er den Glauben an eine bessere, kommunistische Zukunft teilt. Karoline ist fasziniert und folgt ihm in die Reichshauptstadt. Statt der sozialistischen Revolution kommen aber die Nazis, und das junge Paar flieht nach Paris. Dort stellt sich den beiden – und ihren Freunden – bald die Frage: Im Exil bleiben oder zurückkehren? Und so trennen sich ihre Wege…
Der Kuß
Wußten Sie, daß noch unlängst ein Handkuß unter freiem Himmel undenkbar war? Die Chinesen im Kuß ein Rudiment des
Kannibalismus sahen? Öffentliche Küsse in Indien vielerorts noch heute verboten sind? Und daß Küsse in Iowa nicht länger als fünf Minuten dauern dürfen? Diese kleine Studie untersucht den Kuß als kulturelles Phänomen.
Alain Montandon durchstreift die Geschichte und Literatur und sammelt zahlreiche unterhaltsame Anekdoten und Zitate über das Küssen. Kurzweilig, knapp und fundiert untersucht er die vielfältige Semantik dieser wortlosen Mitteilung, die für ihn beides ist: mystisch und erotisch.
Die Nase Italiens
Die Biographie des berühmtesten Condottiere im Italien der Renaissance: Heerführer, Diplomat, Förderer der Künste.
Er hat die bekannteste Nase Italiens: Federico da Montefeltro. Viele kennen sie aus dem ebenso berühmten Portrait Piero della Francescas in den Uffizien.
Wenige wissen, wie Federico zu dieser Nase kam und wie es ihm gelang, zwischen 1444 und 1482 aus Urbino, einem Bergnest am Rand der Marken, ein schon von Jacob Burckhardt bewundertes Zentrum der Renaissancearchitektur zu machen: Er zog die namhaftesten Künstler nach Urbino, seine Bibliothek war eine der bedeutendsten der Epoche, sein Palast wurde die maßgebliche Fürstenresidenz der beginnenden Neuzeit.
Zwei Koryphäen, der Historiker Roeck und der Kunsthistoriker Tönnesmann, haben sich zusammengetan, um diesen bekanntesten Condottiere Italiens zu portraitieren, seinen Palast, seine Feldzüge, sein Mäzenatentum.
- Band: 563
- Autor: Ginzburg, Natalia
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 22.09.2022
- Genre: Politik
Familienlexikon
Das Personal dieses Romans ist unerschöpflich, angeführt von einem bemerkenswerten Elternpaar: der donnernde Vater, Anatomieprofessor, Bergsteiger, Freund entschiedener Urteile und Verächter von Simpeln, Salamis und Negereien, von denen im übrigen die Welt voll ist; und die unverwüstliche Mutter, leidenschaftliche Sklavin ihrer Dienstboten, listenreiche Beschützer der Kinder und des eigenen Kleiderschranks.
Sie sind das Vergrößerungsglas, durch das Natalia Ginzburg auf eine Epoche und ihre Menschen blickt: die jüdisch-piemontesischen Familien Levi und Olivetti, ihr Engagement gegen den Faschismus und ihre industrielle Pionierrolle; das Verlagshaus Einaudi und die einzigartige Konstellation seiner Autoren und Mitarbeiter, angeführt von Cesare Pavese.
Ferrareser Geschichten
Mit den berühmten fünf Geschichten aus Ferrara setzt Bassani seiner Heimatstadt und ihren Bewohnern ein liebevolles Denkmal: Es ist das kleine Glück in einer bescheidenen Ehe oder das große, unerreichbare; es ist die tiefe menschliche Zuneigung, die auch unter widrigen Umständen gedeiht und das Versagen des Bürgertums in eben jenen Zeiten, die Bassani in seinem Buch präzise zeichnet, für das er den Premio Strega erhielt.
- Band: 565
- Autor: Malerba, Luigi
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 26.09.2012
- Genre: Politik
Die nackten Masken
Spiele der Macht und Leidenschaft in Rom: Zerstrittene Kardinäle wählen nach dem Tod des Medici-Papstes Leo X. einen asketischen Flamen zum Nachfolger. Die freizügige, lebenslustige römische Gesellschaft stürzt ins Chaos.
Dieser historische Roman hat Malerba in Deutschland bekannt gemacht.
»Komisch, witzig, spannend – ein starkes Stück italienischer Gegenwartsliteratur.«
[Martin Lüdke, Focus]
- Band: 571
- Autor: Marsé, Juan
- Anzahl Bewertungen: 14
- Ø Bewertung: 4.6
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 22.09.2022
- Genre: Roman
Der Reiher
Nichts ist mehr wie früher: Zwar ist der Faschismus vorbei, die alte bürgerliche Ordnung aber aus den Fugen geraten. Was soll Edgardo nur tun, um seine Handlungsunfähigkeit zu überwinden?
Sehr früh am Morgen steht Edgardo auf, um zur Jagd zu gehen, auch wenn es dafür eigentlich zu kalt ist. Aber irgendetwas muss er ja tun. Seine Frau langweilt ihn, sein Töchterchen versetzt ihn in Hilflosigkeit, seine Landarbeiter proben den Aufstand, mit seinem Neffen, der sich den Faschisten angeschlossen hatte, ist er auseinander gekommen. Als er nach vielen Hindernissen endlich doch am Ziel anlangt und auf einen Reiher schießt, wird er das Gefühl nicht los, er schieße gewissermaßen auf sich selbst.
Ein großartiger Roman über die Unfähigkeit, mit einer veränderten Welt zurechtzukommen.
- Band: 577
- Autor: Ullrich, Wolfgang
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 15.06.2007
- Genre: Politik
Der Mann, der zum Himmel ging
Anfang des 19. Jahrhunderts stolpert der junge ungarischer Student Csoma de Körös während seines Studiums in Göttingen über die Theorie, die Ungarn stammten von einem Volk im Himalaya ab, über das in einem buddhistischen Kloster in der verbotenen Stadt Lhasa Aufzeichnungen existierten. Er setzt sich in den Kopf, diese Aufzeichnungen zu finden, lernt 16 Sprachen - einschließlich des Tibetischen - und begibt sich 1818 zu Fuß auf eine Reise, von der er nie zurückkehren wird.
In seiner fesselnd erzählten Geschichte nimmt Edward Fox uns mit auf die strapaziöse und abenteuerliche Reise des Alexander Csoma de Körös zum Dach der Welt.
Klassensäuberung
Die kühle und schockierende Analyse eines stalinistischen Massenmordes: Während der Perestroika mühsam zugegeben,
wurden die Archive unter Putin wieder geschlossen, mit der Begründung: »Eine demographische Motivation hat es nicht gegeben.«
Das Massaker von Katyn 1940, in dem zehntausende von Polen, überwiegend Offiziere und Intellektuelle, ermordet und ihre Angehörigen deportiert wurden, war ein Versuch der Klassensäuberung. Zaslavsky hat die unter Jelzin zugänglichen Akten durchgearbeitet und kommt zu diesem Schluss, der freilich eine lange Vorgeschichte hat: Der Klassenmord fand in der kurzen Zeit des Hitler-Stalin-Pakts statt. Nach der Entdeckung wurde er von Hitlers Propaganda instrumentalisiert, während die Führung der Sowjetunion das Verbrechen der Wehrmacht anlastete. Die westlichen Alliierten hingegen wählten die diplomatische
Taktik des Schweigens – eine Taktik, die den auf Seiten der Alliierten stehenden Polen unverständlich geblieben ist. Noch heute lastet dieses »Beschweigen« auf dem Verhältnis der Polen zu Europa und den ohnehin schwierigen Beziehungen zu Russland.
- Band: 594
- Autor: Richter, Hans Werner
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 15.06.2008
- Genre: Politik
Geschichten aus Bansin
Hinter der Tür
Ferrara im Oktober 1929: Der Protagonist, ein sensibler, intelleigenter Sechzehnjähriger, wechselt in der Oberstufe des Gymnasiums. Bei den neuen Mitschülern findet er keinen Anschluß - bis Luciano in der Klasse auftaucht. Der Erzähler sucht die Freundschaft dieses undurchschaubaren Jungen, der ihn zugleich fasziniert und abstößt.
- Band: 597
- Autor: Sciascia, Leonardo
- Anzahl Bewertungen: 61
- Ø Bewertung: 3.5
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 23.03.2023
- Genre: Krimi
Jedem das Seine
Niemand hat etwas gesehen, am Ende wussten aber alle Bescheid: Mord und Korruption - ein meisterhaftes Gesellschaftsbild und ein spannender Kriminalroman aus Sizilien vom Großmeister der Mafia-Romane.
- Band: 603
- Autor: Pirandello, Luigi
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 01.08.2008
- Genre: Politik
Mattia Pascal
»Eines der wenigen Dinge, vielleicht sogar das einzige, was ich sicher wußte, war, daß ich Mattia Pascal hieß«, lautet der Beginn des Romans. Mattia, auf der Flucht vor der bedrückenden finanziellen und familiären Lebenssituation, gewinnt in Monte Carlo zufällig ein Vermögen. Als er nach Hause zurückkehren will, entdeckt er eine Notiz von seinem Selbstmord in der Zeitung. Zunächst entrüstet genießt er als Adriano Meis die neue Freiheit in vollen Zügen. Aber seine Schattenexistenz ohne Dokumente lässt kein bürgerliches Leben zu: nicht einmal einen Hund kann er halten, da er keine Steuern entrichten kann, geschweige denn eine Ehe eingehen. Da beschließt er, nochmals seine Identität zu wechseln …
Handauflegen
Überwacht von einem unbestechlichen Gesandten der übergeordneten Kirchenbehörde, zelebriert Pater Jolliffe einen Gedenkgottesdienst für den Bettgefährten der beautiful people von London, einen auch ihm selbst wohlbekannten Mann. Unerwartete Enthüllungen der versammelten Hinterbliebenen sorgen dafür, dass die traurige Zeremonie einen rasanten Wandel durchläuft.
Der Geruch von Heu
In leichtem Ton erinnert sich Bassani an Menschen, die ihm begegneten, und erzählt von Ferien am Meer, von Glück, Leid und Eifersucht.
Seine Schauplätze sind Hotels von fragwürdigem Ruf, ein ärmlicher Rummelplatz, das Polizeipräsidium oder der jüdische Friedhof in Ferrara. Die 30er Jahre in Italien sind das »goldene Zeitalter« der Sfatti, der Lebemänner, und zugleich die Zeit des aufkommenden Faschismus.
- Band: 614
- Autor: Pasolini, Pier Paolo
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 17.02.2022
- Genre: Politik
- Band: 619
- Autor: Sciascia, Leonardo
- Anzahl Bewertungen: 100
- Ø Bewertung: 4.0
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 21.09.2023
- Genre: Krimi
Tag der Eule
Am hellichten Tag wird auf der Piazza ein Bauunternehmer umgebracht. Gerade als er in den schon anfahrenden Bus springen will, fallen die Schüsse. Alle steigen aus, eine Menge bildet sich um den Toten. Als die Carabinieri die Schaulustigen auffordern, die Piazza zu verlassen, und die Fahrgäste, in den Bus zurückzukehren, um sie zu vernehmen, sind alle weg – und der Bus bleibt leer. Fahrer und Schaffner haben nichts gesehen und können sich nicht einmal erinnern, wer im Bus saß. Überhaupt hat niemand etwas gesehen.
Capitano Bellodi, man merkt es gleich, ist ein Herr aus dem Norden, denn er ist so ungewöhnlich höflich und versteht gar nichts. Aber ärgerlicherweise lässt er nicht locker und fängt an, der Sache auf den Grund zu gehen …
Zu einem Zeitpunkt, als die Öffentlichkeit die Existenz der Mafia noch leugnet, beschreibt Sciascia in diesem 1961 erschienenen Roman erstmals die Strukturen der Mafia und charakterisiert meisterlich ihre Gestalten.
Der Konformist
Die Geschichte eines Mannes, den eine Schuld zur größtmöglichen gesellschaftlichen Anpassung treibt und das Psychogramm des Mitläufers schlechthin.
Marcello Clerici hat als Jugendlicher jemanden niedergeschossen, der versucht hatte, ihn zu verführen. Die Tat bleibt unentdeckt, doch Marcello wird von Schuldgefühlen gequält. Fortan ist sein ganzes Bestreben, zu zeigen, dass er wie alle anderen ist. Er wird zum willfährigen Beamten unter der neuen faschistischen Regierung. Die Ereignisse nehmen ihren unheilvollen Verlauf … Marcello wird zum Mittäter in einem verbrecherischen System.
»Der Konformist« gilt in Italien als Moravias Meisterstück. Der Roman zeigt den berühmten Autor auf der Höhe seiner Kunst der seelischen Demaskierung: den Mörder im normalen Bürger. Das Buch wurde 1969 von Bernardo Bertolucci mit Stefania Sandrelli und Jean-Louis Trintignant verfilmt.
Andrea Palladio. Teatro Olimpico
Der Italienreisende Goethe war äußerst verblüfft über das von außen unauffällige, innen aber höchst beeindruckende Teatro Olimpico, er fand es »unaussprechlich schön«. Der Palladio- Kenner Andreas Beyer betrachtet das Theater mit heutigen Augen.
Das Teatro Olimpico in Vicenza von 1585 ist der erste freistehende, massive Theaterbau seit der Antike. Der Norditalienreisende betritt voller Staunen den gänzlich erhaltenen Theaterraum mit der monumentalen Schauwand der Bühne und den berühmten Ausblicken in eine geschickt gestaffelte, illusionistische Hintergrundarchitektur. Palladio schuf diesen Bau im Auftrag der Olympischen Akademie von Vicenza; es war also kein fürstlicher Bauauftrag, sondern das Prestigeprojekt einer demokratisch strukturierten, humanistischen Vereinigung. Palladio verarbeitete Elemente der römischen antiken Theaterarchitektur. Zugleich lieferte er zum Ausklang der Renaissance mit dem Teatro Olimpico, seinem letzten Bau, eine Zusammenfassung des theater- und bühnenarchitektonischen Gedankenguts jener Epoche. So entstanden eine Bühne und ein Bauwerk, die sich mit der humanistischen Geisteswelt ihrer Auftraggeber kongenial verbanden.
- Band: 626
- Autor: Ullrich, Wolfgang
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 15.09.2009
- Genre: Politik
Die Geschichte der Unschärfe
Ein Phänomen, das jeder kennt, der in die Ferne sieht: das Verschwinden der Konturen. Eine Unschärfe, die auch das Fernglas nur vordergründig korrigiert; es bleibt ein Rest, eine Faszination des Verschwindens, eine detektivische Herausforderung.
Was bedeutet es also, wenn diese Unschärfe gewollt ist? Sie tritt zuerst im 19. Jahrhundert auf, keineswegs als »unschuldiges« Stilmittel, sondern als programmatische Haltung mit allerdings höchst unterschiedlichen ideengeschichtlichen Ursprüngen.
Ullrich beschreibt die damaligen Debatten und nimmt sie zum Anlass für eine genauere Reflexion heutiger Bildbegriffe. Welcher Zeitgeist hat die Zusammenführung traditioneller Unschärfe-Formen zu einer neuen Bildästhetik erlaubt?
Augenzeugenschaft
In seinem klar und anregend geschriebenen Buch führt Peter Burke durch den
Bildersaal der Geschichte und erweitert so den Fundus historischer Quellen.
Bilder sind – fern aller Kunstbetrachtung – auch als Materialien zur historischen
Erkenntnis zu lesen und bieten dem Historiker eine bisher kaum genutzte
Chance, Geschichte zu schreiben.
Gemälde, Drucke, Karikaturen, Landkarten, Plakate, Photographien und die
bewegten Bilder des Films sind vielsagend, sie können aber auch lügen oder die
Wirklichkeit verschleiern und manipulieren.
Anhand vieler Beispiele von der Antike bis heute, vom Reiterstandbild bis
zum japanischen Holzschnitt, erprobt Peter Burke seine Theorie des historischen,
kritisch interpretierenden Sehens.
Der Leser wird manches Bild künftig mit anderen Augen sehen!
- Band: 632
- Autor: Klein, Olaf Georg
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 23.02.2010
- Genre: Politik
Zeit als Lebenskunst
Wie kommt es, dass wir von uns ständig behaupten, wir hätten keine Zeit? Wie ist es um eine Gesellschaft bestellt, die sich aus freien Stücken unter das Diktat der Uhr begeben hat und sich dennoch immerzu beklagt über Zeitnot, Zeitdruck und Zeitmangel? Weshalb erliegen wir so oft dem Irrtum, Zeit sparen zu können, indem wir möglichst viele Dinge schneller – und am besten auch noch gleichzeitig – erledigen?
Olaf Georg Klein gibt Antworten auf diese Fragen und arbeitet an einer Fülle von anschaulichen Beispielen die historischen, philosophischen und ökonomischen Hintergründe heraus, die unser Zeitverständnis bestimmen. Nicht zuletzt ist sein Buch aber auch ein Plädoyer für einen neuen Umgang mit der Zeit und skizziert, was echte ›Zeitsouveränität‹ bedeuten würde und wie wir sie erlangen können.
Tollkirschen und Quarantäne
»Spanische Grippe«, so hieß die verheerendste Grippe- Epidemie der Moderne
(300. 000 Tote im Deutschen Reich, bis zu 50 Millionen weltweit) – und zwar,
weil als einer der Ersten der spanische König an ihr erkrankte. Während die
Schulen im Deutschen Reich und in Frankreich geschlossen und von der Südsee
bis Afrika Quarantänen verhängt wurden, versuchten Ärzte weltweit vergeblich,
dem Erreger auf die Spur zu kommen.
Aderlässe und Blutegel kamen zu neuen Ehren, Heidelberger Pathologen sezierten
violett und schwarz verfärbte Leichen mit blutroten Lungen (Tuberkulosekranke
wie Franz Kafka traf die Grippe besonders hart), ein bulgarischer
Naturheiler braute aus Tollkirschen ein Wundermittel gegen die Kopfgrippe.
Und dann gab es auch damals schon infizierte Schweine und Vögel – in einem
neuen Vorwort zu dieser Taschenbuchausgabe arbeitet Wilfried Witte weitere
Parallelen zwischen den Grippewellen am Anfang des 20. Jahrhunderts sowie
der Schweinegrippe zu Beginn unseres Jahrhunderts heraus.
- Band: 634
- Autor: Berger, Timo
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 27.04.2010
- Genre: Politik
Asado verbal
Die jungen argentinischen Autoren
weinen nicht um Argentinien – vielmehr
legen sie den Finger auf die Wunde:
Geschichten über eine Gesellschaft, die
ihre Wirtschaftskrise schon lange vor uns
zu bewältigen hatte und die einiges
gewohnt ist:
Wie werden in Argentinien Supermarktregale aufgefüllt? Was ist am Tag des
Begräbnisses von Evita Perón so überaus lustig, dass man vor Lachen erstickt?
Und was tun, wenn sich bei der Umbettung nach dreißig Jahren herausstellt,
dass der Leichnam der Frau Mama gar nicht verwest ist?
Nebst der Beantwortung solcher Fragen wird bei der Lektüre schnell auch
klar, dass die Nachwuchsautoren vom Río de la Plata sich einmischen: ganz nebenbei
geben sie Einblicke in die Lebenswelten der kleinen Leute Argentiniens.
Bei nahezu allen Beiträgen handelt es sich um deutsche Erstveröffentlichungen,
von denen mehrere selbst in Argentinien bisher noch nicht erschienen
sind!
Mit Texten von Lucía Puenzo, Pedro Mairal, Washington Cucurto, Fabián Casas,
Mariana Enríquez, Cecilia Pavón, Juan Diego Incardona, Ariel Magnus, Julia
Coria, Félix Bruzzone, Romina Paula, Edgardo González Amer, Oliverio Coelho,
Carlos Blasco und Andi Nachon.
Brennender Zaster
Das Geschehen ist rasant: Vier Verbrecher
mit engen Verbindungen zu Polizei
und Politik rauben einen Geldtransport
aus, rasen durch Buenos Aires
und schießen auf alles, was sich bewegt.
Sie entkommen über den Río de
la Plata nach Montevideo, verschanzen
sich dort in einer Wohnung und werden
von der Polizei sechzehn Stunden
lang belagert. Diese von Radio und
Fernsehen übertragene Belagerung
steuert unweigerlich auf ihr ungeheuerliches
Ende vor den Augen einer fassungslosen
Zuschauermenge zu …
Piglia erzählt in "Brennender Zaster"
eine wahre Geschichte – und macht
daraus einen packenden Roman, der
als Verfilmung mit einem Goya ausgezeichnet
wurde.
Die Gelegenheit
Als ihn Pariser Wissenschaftler öffentlich
bloßstellen, macht sich der mit telepathischen
Fähigkeiten begabte Ex-
Spion und Löffelbieger Bianco 1855
auf nach Argentinien, um dort in der
Pampa ein neues Leben als Viehhändler
zu beginnen. Bald heiratet er die
mehr sinnliche als übersinnliche Gina.
Das Leben in der Neuen Welt scheint
eine einzige Verheißung – wäre da nur
nicht diese rasende Eifersucht, Biancos
dumpfer Verdacht, Gina könnte
ihn betrügen …
Saers Roman bietet die einmalige Gelegenheit,
die Anfänge des modernen,
multikulturellen Argentiniens hautnah
mitzuerleben.
Ein Tango für Gardel
Sekunden vor seinem Tod bei einem Flugzeugabsturz sieht der große Sänger
Carlos Gardel noch einmal die Bilder seines Lebens vorüberziehen: wie er als
uneheliches Kind mit seiner Mutter Frankreich verlässt und nach Argentinien
gelangt, um Musikgeschichte zu schreiben, wie er in den Bordellen von Buenos
Aires ein Zuhause findet, wie er einen Rivalen niedersticht und einem Juden das
Leben rettet, wie er Enrico Caruso auf einem Schiff nach Brasilien, Charlie Chaplin
an der Strandpromenade von Nizza und schließlich auch noch den Prinzen
von Wales kennenlernt, der seine Tangos auf der Ukulele begleitet …
Das wunderschöne literarische Vexierspiel von Pedro Orgambide über das Leben
des Carlos Gardel wird ergänzt durch ein Nachwort des Tangoexperten
(und Tangosängers) Jorge Aravena Llanca sowie durch viele Photographien.
Ein Buch für alle Tangoliebhaber.
- Band: 642
- Autor: Richter, Hans Werner
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 01.08.2010
- Genre: Politik
Die Stunde der falschen Triumphe
Der letzte Satz dieses anrührenden Buchs lautet: »Wer soll das alles verstehen?«
Erzählt wird eine Dorfgeschichte aus den dreißiger, vierziger Jahren, die uns
besser verstehen lässt.
Zwei junge Männer heißen beide Willi, der eine ist Friseur, der andere Lehrer.
Der Friseur, der sich als »Mann der Mitte, nach allen Seiten offen« empfindet,
unterliegt den Verlockungen der Anpassung. Der pazifistische Lehrer wird
verhaftet, kommt wieder frei, verstummt.
Zwischen beiden steht Fritz, der NSDAP- Ortsgruppenleiter, der den Friseur
dazu bringt, in die Partei einzutreten; den Lehrer rettet seine Frau.
1945 wird der Lehrer als Bürgermeister eingesetzt und entnazifiziert Fritz.
Keiner triumphiert. Alle passen sich wieder an. Wer soll das verstehen?
- Band: 644
- Autor: Sciascia, Leonardo
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 17.08.2010
- Genre: Politik
Der Zusammenhang
"Der Zusammenhang", ursprünglich auf Deutsch unter dem Titel "Tote Richter reden
nicht" veröffentlicht, trägt den Untertitel "Eine Parodie". Aber wie der Leser
sofort ahnt, geht es alles andere als lustig zu.
Ob Staatsanwalt Varga ermordet wurde, weil er besonders unerbittlich die
öffentliche Anklage im Prozess Reis vertreten hatte? Der Polizeiminister setzt
den scharfsinnigsten Ermittlungsbeamten, Inspektor Rogas, ein – um der Öffentlichkeit
das Vertrauen in die Polizei wiederzugeben oder sie von der Unlösbarkeit
des Falls zu überzeugen?
Kaum hat Rogas seine Ermittlungen aufgenommen, als Richter Sanza – ebenfalls
mit einer Kugel im Herzen – aufgefunden wird. Sollte dieser Mord vom
ersten ablenken oder hatten die beiden vielleicht etwas miteinander zu tun?
Während Rogas noch ermittelt, wird Richter Azar ermordet.
In der Regierung ist man überzeugt, daß der Täter ein Verrückter sei. Aber
Rogas findet heraus, dass Varga und Azar im Örtchen Algo jahrelang gemeinsam
tätig waren. Tatsächlich wird dort wenig später Richter Rasto ermordet …
Mit genauer Kenntnis beschreibt Sciascia das Netz von Intrigen, Ablenkung
und Schweigen, mit dem Rogas auf Seiten der Mächtigen zu kämpfen hat.
Der Ungehorsam
Luca, 15 Jahre alt, fährt mit den Eltern nach den Sommerferien am Meer zurück
nach Rom, die Schule beginnt, aber seine Welt ist alles andere als in Ordnung:
Ein seltsamer Widerwille gegen alle Dinge beschleicht ihn, und er begibt sich
in eine innerliche Opposition zu allem, was ihn umgibt: die wohlhabenden Eltern,
deren Fürsorge er fortan zurückweist, der Unterricht, die Freunde – alles
wird ihm langweilig, alle Bindungen sind ihm lästig und zuwider. Seinen Besitz
verschenkt er an ihm vollkommen gleichgültige Personen, was ihn mit finsterer
Freude erfüllt.
Zwei Frauen befreien Luca aus seiner Todessehnsucht: Die eine, das Kindermädchen
seiner Cousinen, sorgt für sein erotisches Erwachen, die andere, eine
Krankenschwester, die ihn nach langem Fieber gesundpflegt, wird seine erste
leidenschaftliche Liebe.
Der Ungehorsam ist einer der schönsten Romane Alberto Moravias. Meisterhaft
beschreibt er in wenigen Sätzen das gutsituierte römische Milieu und die
aufgewühlte innere Welt des jungen Luca. Messerscharf beobachtet und mit
untergründigem Witz erzählt – ein Buch zum Wiederlesen!
- Band: 648
- Autor: Buch, Hans Christoph
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 28.09.2010
- Genre: Politik
Haiti
Das Erdbeben vom 12. Januar 2010 hat allein in Port- au- Prince mehr Menschen
getötet als die Tsunami- Katastrophe in Südasien 2006, und es hat Haitis Hauptstadt
buchstäblich am Boden zerstört. Aber auch die staatliche Infrastruktur
liegt in Trümmern: Als eigenverantwortlich handelndes Völkerrechtssubjekt hat
Haiti schon vor dem Erdbeben zu existieren aufgehört und steht heute faktisch
unter der Vormundschaft der UN.
Dabei begann alles mit einer Erfolgsgeschichte, die ebenso spektakulär wie
einzigartig war: Die Selbstbefreiung der Sklaven in Frankreichs reichster Kolonie
Saint Domingue, ein gelungener Spartakus- Aufstand, der im Januar 1804
zur Gründung der Republik Haiti führte. Auf der Grundlage zahlreicher Primärquellen
erweckt Hans Christoph Buch General Toussaint Louverture, den
Wegbereiter der haitianischen Unabhängigkeit, zu neuem Leben, der Napoleon
schon lange vor 1815 ein Waterloo zufügte.
Und er geht der Frage nach, warum auf den heroischen Akt der Staatsgründung
eine zweihundert Jahre dauernde Agonie folgte.
Neid
Der Neid ist in der Reihe der sieben Todsünden die unangenehmste und heimlichste.
Namenlose Bosheit, kaltblütige, aber heimliche Feindseligkeit, ohnmächtiges
Begehren, verborgener Groll und Gehässigkeit, all das beschreibt dieses
Laster.
Der Neider ist kleingeistig und weiß darum. Unerträglich scheint ihm des
Anderen Wohl, Ruhm und Besitz. Er sähe ihn gern am Boden zerstört und ist
allein zur Schadenfreude fähig.
Joseph Epstein begibt sich in seinem Essay in den Sumpf dieses vollkommen
unlustigen Gefühls. Er erzählt von den neiderfüllten Geschichten der Bibel,
wägt die Definitionen der Philosophie gegeneinander ab und durchquert Psychoanalyse
und Marxismus.
Nichts fällt dem Autor zur Verteidigung dieses niedrigen und destruktiven
Gefühls ein – sein Text aber ist auf beneidenswerte Weise humorvoll, kurzweilig
und informativ!
- Band: 652
- Autor: Sciascia, Leonardo
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 20.03.2025
- Genre: Politik
Das Verschwinden des Ettore Majorana
1932, sechs Monate vor Heisenberg, trug der 25- jährige Ettore Majorana im
Physikalischen Institut der römischen Universität seine Atomkerntheorie vor.
Er weigerte sich, sie zu veröffentlichen.
Die spätere Veröffentlichung Werner Heisenbergs kommentierte er mit den
Worten, dass damit alles zu diesem Thema gesagt sei, "wahrscheinlich schon zu
viel".
Diesem Erschrecken vor der eigenen Entdeckung widmet Sciascia sein Buch:
die Geschichte eines Genies aus Sizilien, hochsensibel und mit phantastischen
Fähigkeiten, bereits mit 23 promoviert, um sich dann in Deutschland und Italien
weiterzubilden. 1938, ein Jahr vor dem Krieg, beschließt Majorana zu verschwinden.
Seine Spur verliert sich. Die Atombombe wird dennoch gebaut.
Nauru, die verwüstete Insel
Nauru ist eine winzige, einstmals paradiesische Insel, kaum 21 Quadratkilometer
groß, irgendwo nordöstlich von Australien im Pazifischen Ozean. Als Anfang
des 20. Jahrhunderts riesige Phosphatvorkommen auf der Insel entdeckt wurden,
begann eine goldene Zeit für Nauru, das 1968 unabhängig wurde. Der kostbare
Rohstoff, der zur Herstellung von Düngemitteln genutzt wird, wurde im
großen Stil abgebaut und teuer verkauft. Sämtliche Konsumgüter und ein dekadenter
westlicher Lebensstil wurden importiert. Korruption und Misswirtschaft
kamen hinzu: Heute ist der Staat ruiniert, die Landschaft verwüstet, die Bevölkerung
leidet an Diabetes und Armut.
Der französische Journalist Luc Folliet erzählt in seiner Reportage von diesem
ökologischen und ökonomischen Desaster am Ende der Welt. Die unglaubliche
Geschichte Naurus zeigt parabelartig, wie der kapitalistische Traum vom
ewigen Wachstum innerhalb weniger Jahre in einen Alptraum umschlagen
kann.
- Band: 659
- Autor: Flaiano, Ennio
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 05.04.2011
- Genre: Politik
Allein mit Giorgio
Das Hauptwerk von Ennio Flaiano,
das mit Cathérine Deneuve und Marcello
Mastroianni verfilmt wurde.
Giorgio Fabro, ein Drehbuchautor
in den besten Jahren, kommt nach
New York, um dort Milieustudien für
sein neues Projekt zu treiben. Er beginnt
ein Verhältnis mit der jungen
Schauspielerin Liza. Als sie ein Häuschen
auf dem Land beziehen, entdeckt
Giorgio eine ebenso beunruhigende
wie faszinierende Verwandlung
an Liza, deren Sinnlichkeit immer animalischer
wird.
- Band: 663
- Autor: Pasolini, Pier Paolo
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 05.04.2011
- Genre: Politik
- Band: 668
- Autor: Sagan, Françoise
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 05.05.2020
- Genre: Politik
Ein gewisses Lächeln
Die junge Dominique studiert ohne rechte Überzeugung an der Sorbonne in Paris
und ist ebenso wenig enthusiastisch mit ihrem Kommilitonen Bertrand liiert.
Das Studentenleben fließt träge und angenehm ziellos dahin, bis Dominique
Bertrands Onkel Luc kennenlernt. Der ist zwar glücklich verheiratet, aber dennoch
einem kleinen Abenteuer nicht abgeneigt, und nach einigem skrupulösen
Zögern verbringt Dominique zwei sommerlich heiße Liebeswochen mit ihm an
der Riviera. Als sie bemerkt, dass sie sich wirklich verliebt hat, ist es bereits zu
spät. Natürlich kehrt Luc zu seiner Frau zurück und natürlich hat die Beziehung
zu Bertrand keine Zukunft …
Ein schöner, junger, zeitloser Liebeskummerroman mit der sinnlichen Melancholie
des französischen Existentialismus.
Mit geschlossenen Augen
Der junge Pietro Rosi, einziger Sohn eines Sieneser Gastwirts und Besitzers
eines kleinen Guts, wächst zwischen den Tischen der elterlichen Trattoria und
den alten Weinstöcken des Landbesitzes auf. Der kränkliche und kraftlose
Junge versucht vergeblich, gegen den despotischen Vater, einen wahren Padre
Padrone, aufzubegehren. Als er sich in das sinnliche Bauernmädchen Ghisola
verliebt, scheint sein Leben ein Ziel zu erhalten – doch seine blinde Liebe reißt
ihn noch tiefer in Verstrickungen von Lüge und Schuld.
Federigo Tozzi gilt zusammen mit Luigi Pirandello und Italo Svevo als einer der
drei großen Autoren der italienischen literarischen Moderne.
- Band: 670
- Autor: Arguedas, José María
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 26.09.2019
- Genre: Politik
Die tiefen Flüsse
Jahrelang ist Ernesto mit seinem Vater, einem mittellosen Anwalt, von einem
Dorf zum nächsten gereist. Dem Kindesalter entwachsen, kommt er schließlich
auf ein katholisches Internat in der Provinzhauptstadt Abancay, hoch oben in
den Anden.
Dort ist zum Beispiel Añuco, der Sohn des verarmten Großgrundbesitzers,
der zusammen mit dem Kraftprotz Lleras die jüngeren Schüler malträtiert; Palacitos,
ein scheuer, kaum des Spanischen mächtiger Indio; Gerardo, der Sohn
des Militärkommandeurs; Ántero, der Ernesto mit der Magie eines Kreisels verzaubert,
dessen sphärischer Klang den Schulhof erfüllt und zum letzten Mal
unbeschwerte Kindheit vorgaukelt.
Denn des Nachts wird derselbe Schulhof zu einem düsteren, unheimlichen
Ort, wo sich die schwachsinnige Küchenmagd den älteren Schülern hingibt.
Arguedas zeichnet sie als Vorbotin der Katastrophe, die über Abancay und das
Internat hereinbricht – und in der allein Ernesto einen kühlen Kopf bewahrt.
Gespräch in Sizilien
Nach fünfzehn Jahren kehrt Silvestro erstmals für drei
Tage aus Norditalien in sein armseliges Heimatdorf in
den sizilianischen Bergen zurück, um seine Mutter zu
besuchen. Er reist mit dem Zug durch Italien, setzt mit
einer Fähre über, fährt durch die Orangenhaine und Dörfer
seiner Kindheit, trifft einen Wanderer, einen Messerschleifer,
einen kleinen hungernden Sizilianer, seltsame
Herren mit und ohne Schnurrbart. Silvestro streift durchs
Dorf, taucht ein in die Erinnerungen der Familien, in das
einsame Leben seiner Mutter und der anderen Frauen
des Ortes. Wirklichkeit und Traum überlagern
sich. Auch
an diesem scheinbar entrückten Ort haben die Menschen
sich verändert: Sie leben in der Diktatur des Faschismus.
Gespräch in Sizilien
trotz der faschistischen Zensur erscheinen, wurde dann
aber verboten.
Schlangenritual
Ein Reisebericht und zugleich ein Schlüsseltext der Moderne: Von der Hochzeit seines Bruders in New York brach der junge Hamburger Forscher um die Jahrhundertwende nach Neu-Mexiko auf. Zivilisationsmüde suchte er nach dem »ewiggleichen Indianertum in der hilflosen menschlichen Seele«. Bei der Beobachtung von Stammesritualen galt seine Aufmerksamkeit besonders der Schlange als Blitzsymbol, dessen sich die indianische Magie im Wetterzauber bedient.
Ein Vierteljahrhundert später gelangte der inzwischen berühmte Gelehrte mit dem hier gedruckten Text zu einer Selbstverständigung, die zeigt, wie in indianischer, griechischer und biblischer Mythologie das Schlangensymbol den Umschlag von Angst in Vernunft verkörpert.
Ein in dieser – von Gertrud Bing und Fritz Saxl herausgegebenen – Fassung kanonisch gewordener Text, mit dem für die Warburg-Forschung grundlegenden Essay von Ulrich Raulff, aktualisiertem Kommentar und den unverzichtbaren Bildern Aby Warburgs, »denn eben die Bilder sind häufig Warburgs Argumente« (Süddeutsche Zeitung).
Natalia Ginzburg
Maja Pflug beschreibt die Kindheit der kleinen schüchternen Nachzüglerin,
die Jugend des gelangweilten jungen Mädchens, das voller Widersprüche aufwächst:
die Mutter katholisch und musikbegeistert, der Vater jüdisch und Naturwissenschaftler,
beide erklärte Atheisten; der Staat faschistisch, die Familie
sozialistisch. Pflug schildert Natalias bittere Erfahrungen im Widerstand und
den Tod ihres Mannes Leone.
Dann die schwierigen Nachkriegsjahre in Turin und Rom, ihre Ehe mit Baldini
und ihre Freundschaften mit Felice Balbo, Cesare Pavese, Elsa Morante,
Italo Calvino und Cesare Garboli; ihre Arbeit im Einaudi-Verlag, die Diskussionen
über eine neue Literatur; und schließlich das immer mehr zunehmende
politische Engagement, das Natalia mit siebenundsechzig Jahren als unabhängige
Abgeordnete auf der Liste der KPI ins Parlament bringt.
Maja Pflug führt mit leichter Hand durch diese Biographie: Indem sie Schreiben
und Leben ständig verknüpft, gelingt es ihr nicht nur glänzend, die Person
Natalia Ginzburgs lebendig werden zu lassen, sondern auch ein Bild vom intellektuellen
Leben Italiens zu zeichnen.
Im Gegenteil
Zu ihrem Tod vor etwas mehr als einem Jahr erschienen unzählige bestürzte
Nachrufe. Dem häufig geäußerten Wunsch nach einem Band mit Texten aus dem
Nachlass kommen wir jetzt nach. Die Aufsätze aus über drei Jahrzehnten zeigen
Katharina Rutschkys bemerkenswert nimmermüden Kampf gegen männliche
Vorurteile genauso wie gegen weibliches Ressentiment und Selbstmitleid. Ganz
besonders scharf kritisiert sie ihre Lieblingsgegnerin Alice Schwarzer.
Nicht nur Themen wie Quote, Mutterschaft und Körperbilder/Mode oder
den alltäglichen Wahnsinn von Partnerschaftsproblematiken verhandelt sie in
ihrem unnachahmlich ironischen Ton, sondern sie schreibt auch berührende
Portraits von beeindruckenden Frauen. Dabei hat sie sich nie mit der Sorge
abgegeben, politisch korrekt zu sein.
Mit einem Vorwort von Ina Hartwig, der Alfred-Kerr- Preisträgerin 2011.
Spurensicherung
Von Beginn seiner Forschungen an hat Ginzburg nach
Auswegen aus dem Dilemma bloßer Gegenüberstellung
von »Irrationalismus« und »Rationalismus« gesucht;
seine Untersuchung über die »Spurensicherung«
in der Wissenschaft ist dafür der sichtbarste (und folgenreichste)
Beleg. Diese Spurensicherung beginnt im
19. Jahrhundert mit dem Kunsthistoriker Morelli, der nebensächliche
Details erstmals für die Zuschreibung von
Gemälden benutzt.
Anschließend beschreibt Ginzburg die beiden entscheidenden
neuen geschichtswissenschaftlichen Ansätze
der neueren Zeit, die Schulen von Marc Bloch und
Aby Warburg.
Pier Paolo Pasolini
Nico Naldini, ebenso wie sein acht Jahre älterer Cousin Pier Paolo Pasolini in
Casarsa im Friaul aufgewachsen, beschreibt in dieser Chronologie das Leben
und das gesamte Werk Pasolinis. Sie beginnt mit den idyllischen gemeinsamen
Jugendjahren in Casarsa, den ersten poetischen Versuchen Pasolinis im friaulischen
Dialekt, den verwirrenden Erfahrungen der frühen Liebe – bis zu jenem
ersten Konflikt mit der bürgerlichen Welt, der Anklage wegen »obszöner
Handlungen«, dem damit verbundenen Verlust seiner Stelle als Lehrer und
dem Ausschluss aus der Kommunistischen Partei.
Naldini zitiert eine Fülle von Zeugnissen von und über Pasolini: Tagebücher,
private Korrespondenz und Erinnerungen seiner Freunde, außergewöhnliche
Fotos, aufgezeichnete Gespräche, journalistische Polemiken und ästhetische Auseinandersetzungen
mit seinen Kollegen – Bausteine aus Leben und Werk eines
Poeten, der dreißig Jahre lang beinahe täglich angegriffen und beleidigt wurde,
während man ihn gleichzeitig fast wie ein Orakel las und befragte.
Das absolut perfekte Verbrechen
Ob es wohl diesmal gelingen würde? Der große Coup. Das perfekte Verbrechen. Ein Raubüberfall ohne Blutvergießen und ohne eine Spur zu hinterlassen.
Pierre, Andrei, Marin, das ist, was von »der Familie« übrig blieb, nachdem der »Onkel«, Drahtzieher und Fixpunkt des kriminellen Clans, sich altersschwach ins Jenseits verabschiedet hat.
Vor der Kulisse von Meer, Nebel und Frachtschiffen geht es nun um nichts Geringeres, als das am Hafen gelegene Casino auszurauben. Lucho, eine Knastbekanntschaft von Marin, soll helfen, den raffinierten Plan umzusetzen. Von ihm stammt die Idee mit dem ferngesteuerten Heißluftballon.
Und Marins Frau Jeanne, unerreichbar und begehrenswert, spielt mit.
Eine meisterhafte Parodie der klassischen Gaunergeschichten um Loyalität, Verrat und Rache. Tanguy Viel und sein kongenialer Übersetzer Hinrich Schmidt-Henkel erzählen sie in einem unnachahmlich musikalischen Ton wie eine tänzerische Tragödie in drei Akten: so schön wie ein Film mit Belmondo!
- Band: 689
- Autor: Houellebecq, Michel
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 26.09.2012
- Genre: Politik
Ausweitung der Kampfzone
Kaum je hat ein Autor in der französischen Öffentlichkeit ein solches von
leidenschaftlichen
Diskussionen begleitetes Echo gefunden wie Michel Houellebecq
mit seinem ersten Roman. Es wurde in Windeseile zum Kultbuch, rückhaltlos
gepriesen und wütend geschmäht. Heute gilt es vielen als Houellebecqs
bestes Buch, sein Titel ist bereits zum Sprichwort geworden.
Ein junger Informatiker, der für eine Pariser Software- Firma arbeitet, ist der
Held der in einem straff gespannten Bogen erzählten Handlung. Seine betriebsame,
aber kommunikationslose Umgebung versteht er meisterhaft zu sezieren.
Dann unternimmt er eine Dienstreise in die Provinz, gemeinsam mit einem
ebenso erotomanischen wie verklemmten Kollegen, einer Verkörperung all jener
Eigenschaften, die er an seinen Mitmenschen verachtet. Am Weihnachtsabend,
in einer Diskothek, drückt er ihm ein Messer in die Hand . . .
- Band: 692
- Autor: Rosenberg, Otto
- Anzahl Bewertungen: 43
- Ø Bewertung: 4.7
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 17.11.2022
- Genre: Autobiographie
Das Brennglas
eingebunden in das Berliner Stadtleben. Otto Rosenberg erzählt
unbeschwerte Kinderszenen aus der Zeit vor der nationalsozialistischen Gesellschaftszersetzung.
Er schildert in schlichten Worten, wie sich die braune
Wolke erst nach und nach in das Alltagsleben der deutschen Sinti und Roma
schob. Im Jahr 1936 wurde der sechsjährige Otto Rosenberg als Mensch »artfremden
Blutes« mit seiner Familie ins »Zigeunerlager« Marzahn umgesiedelt,
dort von den NS- »Zigeunerforschern« Robert Ritter und Eva Justin untersucht,
und 1943 nach Auschwitz deportiert. Ein Großteil seiner Familie wurde dort ermordet,
Otto Rosenberg aber kam nach Buchenwald, Dora und Bergen-Belsen
– und überlebte.
Von diesem schicksalhaften Davongekommensein und dem Weiterleben in
Deutschland berichtet Rosenberg erschütternd, einprägsam und lakonisch. Der
Schriftsteller Ulrich Enzensberger hat die Geschichte behutsam aufgezeichnet
und mit klugen Anmerkungen versehen.
Ein notwendiges, aktuelles Buch, angesichts des noch immer erschreckend
gesellschaftsfähigen Antiziganismus.
Die Wirklichkeit der Bilder
Die Sichtweise Baxandalls auf die italienische Kunst des 15. Jahrhunderts stand
am Anfang einer ganzen Forschungsrichtung über den Zusammenhang von
Kunstwerken und der sie umgebenden sozialgeschichtlichen Realität.
Anhand von Verträgen, Briefen und Rechnungen rekonstruiert der Autor
im ersten Kapitel die Struktur des damaligen Gemäldehandels und die ökonomische
Grundlage für die Anwendung verschiedener malerischer Techniken.
Dann erläutert Baxandall, wie sich ganz unterschiedliche Erfahrungsbereiche –
darunter das Predigen, das Tanzen und das Ausmessen von Fässern – im Schaffensprozess
großer Kunstwerke wiederfinden. Und schließlich macht uns der
Autor mit den Begriffen vertraut, nach denen Bilder seinerzeit wahrgenommen
und beschrieben wurden: Anmut, Lebendigkeit, Farbgebung oder Perspektive.
Begriffe, die uns die Werke bedeutender Meister wie Masaccio, Filippo Lippi,
Botticelli und Fra Angelico mit den Augen ihrer Zeitgenossen sehen lassen.
Baxandalls inzwischen zum Klassiker gewordenes Buch bietet eine glänzend
geschrieben Einführung in die Malerei der italienischen Frührenaissance.
- Band: 694
- Autor: Vázquez Montalbán, Manuel
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 26.09.2012
- Genre: Politik
Carvalho und die tätowierte Leiche
Am Strand von Barcelona wird eine männliche Leiche gefunden, deren Gesicht
nicht mehr zu erkennen ist – dafür prangt ein Schriftzug auf ihrer Schulter:
ICH BIN GEBOREN, UM DAS INFERNO UMZUSTÜRZEN.
Der Friseur Don Ramón beauftragt den Privatdetektiv Pepe Carvalho damit,
herauszufinden, wer der Tote ist. Carvalhos Recherchen führen ihn zunächst in
die Unterwelt von Barcelona, schließlich bis nach Holland, wo der Tote als Gastarbeiter
in einer Fabrik gearbeitet hat. Nach einem Zusammentreffen in Amsterdam
mit ein paar alten Bekannten, die er in seinem früheren Leben als CIAAgent
ausgebildet hat, folgt Carvalho der Spur einer Geliebten des Er mordeten
und kehrt nach Barcelona zurück. Dort, am sommerlichen Strand, kommen sich
Carvalho und die Verflossene des Toten, Teresa Marsé (Wagenbach- Lesern
wohlbekannt aus Juan Marsés wunderbarem Roman
"Letzte Tage mit Teresa"),
schließlich näher – ebenso wie der Lösung des Falls
. . .
- Band: 695
- Autor: Vázquez Montalbán, Manuel
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 20.09.2018
- Genre: Politik
Carvalho und das Mädchen, das Emmanuelle sein sollte
Eine argentinische Anthropologin engagiert Carvalho, um nach ihrer Jugendfreundin
Helga Mushnik zu suchen. Doch noch ehe Carvalho mit seinen Nachforschungen
richtig beginnen kann, wird Helga in der Metro tot aufgefunden
– ermordet. Dringend tatverdächtig ist ein Obdachloser, mit dem Helga die
letzten Jahre in Barcelona zusammengelebt hat.
Dabei hätte doch alles anders und aus Helga eine Filmdiva werden können:
Erfolgreich hatte sie sich damals in ihrer Heimat für die Hauptrolle in der argentinischen
Version von Emmanuelle beworben; eine Karriere als Erotikfilmsternchen
schien ihr so gut wie sicher . . .
Carvalho kämpft in diesem erstmals übersetzten Roman mit den Tücken
eines Faxgeräts (da er das Internet boykottiert), schlägt sich mit den Theorien
des semiologiebegeisterten Inspektors Lifante herum und scheucht ein paar
unverbesserliche Anhänger der argentinischen Militärdiktatur auf.
Triest verkehrt
Triest liegt zwar in Italien, ist aber die südlichste Stadt Nordeuropas, und die
wartet mit allerlei Eigenheiten auf: der Bora, einem eisigen Wind, der den Spaziergänger
jedes Jahr im April buchstäblich von der Straße fegt. Schloss Miramare,
für den Erzherzog Ferdinand Maximilian von Habsburg erbaut (den
kleinen Bruder des Kaisers Franz Joseph) und nach dessen frühem Tod allein
von seiner Frau Carlotta bewohnt, die darüber wahnsinnig wurde. Da gibt es
die Risiera di San Sabba, ein altes Reislager, das von den Nazis als Auffanglager
für italienische Juden und dann als einziges Konzentrationslager auf italienischem
Boden betrieben wurde. Den Strand und das Bad im Meer, die hier,
anders als in Genua, Neapel oder Palermo, zum alltäglichen Stadtleben gehören.
Und schließlich »Little Istria«, das Viertel, in dem die Großmutter des Autors
seit ihrer Flucht aus Jugoslawien vor sechzig Jahren lebt und dessen Straßen
die Namen der Orte Istriens und Dalmatiens tragen: Via Pola, Via Rovigo, Via
Spalato.
Mauro Covacich erzählt Geschichten aus seiner Stadt – aus Triest, und aus
einem Italien, das schon seit Jahrhunderten beinahe ganz Europa beherbergt.
Einführung in die fantastische Literatur
Ist die Figur im Roman schlicht wahnsinnig oder betrunken, sieht sie vielleicht
Gespenster, Traumbilder, Halluzinationen? Oder geschieht da tatsächlich etwas
Unwahrscheinliches, etwas Unheimliches? Nach Tzvetan Todorov ist diese
Unschlüssigkeit des Lesers ein wesentliches Merkmal der Wirkungsweise fantastischer
Literatur. Anhand zahlreicher Beispiele von E. T. A. Hoffmann über
Nikolai Gogol und Théophile Gautier bis zu Edgar Allan Poe zeigt er in seiner
Studie, auf welche Weise fantastische Texte diese Verunsicherung hervorrufen
und inwiefern sie im Rückgriff auf Übernatürliches gesellschaftliche Tabus
brechen und die Zensur umgehen konnten.
Todorov nimmt Einflüsse der russischen Formalisten auf und verarbeitet
auch Ergebnisse der strukturalistischen Untersuchungen seines Lehrers Roland
Barthes. Sein Buch ist der – durchaus kontrovers diskutierte – Ausgangspunkt
fast aller seither unternommenen Bestimmungsversuche des Fantastischen.
- Band: 699
- Autor: Ullrich, Wolfgang
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 05.03.2013
- Genre: Politik
Alles nur Konsum
Wolfgang Ullrich, der gern (Kunst-)Themen gegen den gefälligen Strich bürstet,
denkt über Konsum nach. Er wertet die Konsumkultur auf und befragt sie
dennoch kritisch. Dabei begibt er sich auf ein höchst emotionales Feld, weil
die Inszenierung von Markenartikeln unser aller Erfahrungswelt betrifft. Mit
einem Duschgel, Tee oder Joghurt wird heute immer auch eine Lebenshaltung
verkauft. Mit dem neuen Wellnessdrink kaufen wir uns ebenso ein gutes Gewissen
wie mit fair gehandeltem Kaffee.
Mit dem Untertitel spielt Ullrich auf die Briefe Über die ästhetische Erziehung
des Menschen an, in denen Schiller die Kunst als unabdingbar für die
Entwicklung des Menschen und der Gesellschaft bezeichnet. Ullrich versucht
nun, Kunstwerke und Konsumprodukte einander anzunähern, nicht zuletzt,
weil die Inszenierung von Produkten derjenigen von Kunstwerken häufig in
nichts nachsteht.
Ullrich kann der Verwandlung des Bildungsbürgers in den Konsumbürger
positive Seiten abgewinnen: Gutes Design habe eine erzieherische Wirkung,
und es erreiche die Menschen besser als andere Massenmedien. Ullrich bleibt
also Optimist – und er hält uns auf nicht selten erfrischende Weise den (Konsumenten-)
Spiegel vor.
- Band: 701
- Autor: Vázquez Montalbán, Manuel
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 05.03.2013
- Genre: Politik
Carvalho und der einsame Manager
Nach dem erfolgreichen Auftakt zur Neuedition der Pepe- Carvalho- Krimis im
vergangenen Herbst ermittelt der Privatdetektiv aus Barcelona weiter: Diesmal
geht es um Antonio Jaumá, den Manager eines internationalen Konzerns, der
nicht nur einsam, sondern obendrein auch noch ermordet worden ist.
Pepe Carvalho lässt nicht locker, denn er war dem Opfer dereinst in den USA
begegnet. Die Tatsache, dass der Tote einen Damenslip bei sich trug, scheint auf
eine Beziehungstat – womöglich noch mit Verstrickungen ins Rotlichtmilieu –
hinzudeuten. Doch je intensiver Carvalho nachforscht, desto mehr Gegenwind
bekommt er aus höchsten Kreisen in Politik und Wirtschaft zu spüren: Die
haben anscheinend etwas zu verbergen …
Copacabana
Copacabana ist nicht nur eine Verheißung von blauem Meer und weißem Sand, sondern auch der Inbegriff brasilianischer Lebensart, von demokratisch gelebter Strand- und Körperkultur über die Grenzen von Klassen und Hautfarben hinweg.
Dabei hat es mehrere Jahrhunderte gedauert, bis die Lust am Strand in Brasilien salonfähig wurde. Dazu mussten schon ein portugiesischer König 1817 aus Angst um sein Leben baden gehen und der Bau eines Tunnels 1892 das Fischerdorf Copacabana mit dem alten Stadtzentrum Rios verbinden. Erst dann wurden hier die Nächte länger und die Badehosen der mondänen Strandgäste so kurz, dass der Bikini seinen Siegeszug antreten konnte.
Dawid Danilo Bartelt erzählt in seiner kenntnisreichen wie kurzweiligen Biographie Copacabanas aber auch von den jungen Architekten wie Oscar Niemeyer, die das angrenzende Stadtviertel zum Modell der brasilianischen Moderne machten, von der Geburt des Bossa Nova, von Strandpolitik und Sandgesellschaften – und davon, dass direkt neben den glitzernden Hotelkomplexen die Händler aus den umliegenden Favelas ums tägliche Überleben kämpfen.
- Band: 713
- Autor: Vázquez Montalbán, Manuel
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 26.09.2019
- Genre: Politik
Carvalho und die Meere des Südens
Während ganz Barcelona denkt, der Unternehmer Stuart Pedrell genieße eine
Auszeit auf irgendeiner Südseeinsel, ziehen ihn die Liebe und das schlechte
Gewissen in jene triste Arbeitervorstadt, die er einst selbst mit aufgebaut hat.
Genau dort wird er erstochen aufgefunden.
Von der Witwe des Opfers engagiert, bringt Carvalho schnell allerlei Machenschaften
ans Tageslicht. Und nachdem Carvalho Kartoffeleintopf mit Chorizo
gekostet hat, vernascht er Yes, die verstoßene Tochter des Toten – um sie dann
bei Abalonen, Riesenkrabben und Kalbfleisch in Austernsauce abzuservieren.
Als die Umstände des Todes von Stuart Pedrell endlich auf dem Tisch liegen, ist
es seine Witwe, die beschließt, sich in der Südsee zu erholen …
Wakolda
Eine argentinische Familie im Citroën und ein alleinreisender Deutscher im
Chevrolet geraten in der Einöde Patagoniens in ein Unwetter. Während der
gemeinsam verbrachten Sturmnacht erregt die Kleinwüchsigkeit von Lilith, der
12- jährigen Tochter der Familie, die Aufmerksamkeit des Ausländers, der sich
José nennt. Nach der Ankunft in Bariloche quartiert sich der Fremde bei der
Familie als Untermieter ein und verspricht, das Mädchen zu behandeln. Als
er dann sogar Liliths neugeborenen Zwillingsschwestern das Leben rettet, gewinnt
er nach und nach das Vertrauen der Familie. Doch die seltsamen Skizzen
in seinem Zimmer lassen keinen Zweifel zu: José und Josef Mengele, der KZArzt
von Auschwitz, sind ein und dieselbe Person …
Lucía Puenzo greift in ihrem Roman die Fakten und Mythen rund um den in
ihrem Heimatland Argentinien untergetauchten Nazi-Verbrecher auf – es ist die
distanzierte Annäherung an einen Besessenen. Anders als Lilith, die Mengele in
kindlicher Faszination erliegt, weiß der Leser doch nur zu genau, mit welchem
Scheusal sie es zu tun hat. Ein gewagtes, ambitioniertes Buch.
Pienza
Angesichts der großen Besucherscharen, die jedes Jahr durch das toskanische
Pienza ziehen, vermag man sich kaum vorzustellen, dass dies einst ein abgelegenes
Provinznest war. Der heute fein herausgeputzte Ort bietet nicht nur den
berühmten Pecorino und den atemberaubenden Blick auf das Weltkulturerbe
Val d’Orcia. Die malerischen Gassen beherbergen ein einzigartiges Kunstwerk,
die erste geplante Stadt der Renaissance.
Papst Pius II. Piccolomini, zentrale Figur des Humanismus und bekannt
durch viele Schriften, hat seinen Geburtsort Corsignano für nur wenige Jahre
(1458–1464) dem Schlaf entrissen und nach einem Entwurf des Florentiner
Architekten Bernardo Rossellino zur »Piusstadt« umbauen lassen. Das Denkmal,
das er sich selbst gesetzt hat – mit Dom, Wohnpalast, den Residenzen und
profanen Gebäuden –, gibt ein genaues Bild seiner künstlerischen und intellektuellen
Vorstellung eines idealen Gemeinwesens. Piccolomini leistet damit,
wie Andreas Tönnesmann gewohnt mitreißend und anschaulich darstellt, einen
wichtigen Beitrag in der zeitgenössischen Auseinandersetzung um die Gestalt
der Stadt.
- Band: 718
- Autor: Pastoureau, Michel
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 17.09.2013
- Genre: Politik
Blau
Es ist nicht der Künstler, der eine Farbe prägt, sondern die Gesellschaft, die
sie rezipiert. So unterliegt der Symbolgehalt des Blau einer sehr wechselvollen
Geschichte von der Antike bis heute. Jahrhundertelang fristete es ein Nischendasein.
In der römischen Antike zählten nur Weiß, Schwarz und Rot. Erst mit
dem Marienkult im 11. Jahrhundert wird das Blau wichtiger Bestandteil der
klerikalen und dann auch der politischen Ikonographie. Als Kennzeichen der
Gottesmutter und des Königs, später auch von Soldaten wird es zum neuen
Konkurrenten des Rot.
Pastoureau folgt den Spuren des Blau auf seinen verschlungenen Wegen nicht
nur in Bildzeugnissen, sondern auch in zahlreichen Beschreibungen in literarischen
und wissenschaftlichen Texten, bei Goethe sogar in doppelter Hinsicht
mit seiner Farbenlehre und dem Werther. Farben wurden dabei oft bestimmte
Eigenschaften zugeschrieben, auch moralische. Nicht zufällig ist das Signet der
EU ebenso blau wie das der UNO. Der Autor beschreibt schließlich auch das
Handwerk des Färbens, das den blauen Triumphzug überhaupt erst möglich
machte und der Palette des Blau zu einem enormen Variantenreichtum verhalf.
- Band: 724
- Autor: Fischer, Peter
- Anzahl Bewertungen: 13
- Ø Bewertung: 4.6
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 09.04.2014
- Genre: Kochbuch
Schlaraffenland nimms in die Hand
Fischer, ein weitgereister 68er mit gesundem Appetit, dem die Frustküche der
Wohngemeinschaften auf den Magen schlug und die brotlose Theorie auf die
Nerven ging.
Herausgekommen ist ein heiteres, mit Zitaten der marxistischen Klassiker
gespicktes, durch und durch internationalistisches Kochbuch, das bald zu einer
Bibel der Studentenbewegung wurde und eine gewaltige Auflage erreichte.
- Band: 725
- Autor: Sichtermann, Barbara
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 09.04.2014
- Genre: Politik
Vorsicht Kind
Um den Mythos der Mutterschaft ranken sich bis heute viele Erzählungen, die
an der Lebensrealität vollständig vorbeigehen. Barbara Sichtermann macht den
Praxistest und unterzieht den Alltag mit Kind einer genauen, tabulosen Detailanalyse.
Sie beschreibt nämlich, worin die Veränderungen und Belastungen
durch ein Kind wirklich bestehen, entlang der Konfliktlinien von Langeweile,
ewiger Wiederholung, Vergeblichkeit, Aggressionen und Trotz. Und sie gibt
hilfreiche Hinweise, wie man die überflüssigen Belastungen vermeiden, die
notwendigen hinnehmen und sie allesamt teilen kann.
Barbara Sichtermann nimmt kein Blatt vor den Mund, ihre klischeefreie und
schonungslose Bestandsaufnahme bringt einen gleichwohl zum Schmunzeln.
Und auch wenn Eltern mit jedem Kind zwangsläufig Einbußen an Geld, Zeit,
Kontakten, Zweisamkeit und Nerven erleiden, ist Barbara Sichtermanns Ausblick
überaus hoffnungsvoll. Vor dem Hintergrund der Debatten um Kitaausbau,
Herdprämie und Elterngeld bezieht sie in einem neuen Vorwort gewohnt
engagiert ihre eigenwillige Position.
- Band: 728
- Autor: Turaschwili, Dato
- Anzahl Bewertungen: 19
- Ø Bewertung: 4.3
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 28.07.2022
- Genre: Roman
Westflug
auf ihrem Weg von Tbilisi (Tiflis) nach Leningrad in die Türkei umzuleiten,
und endet auf grausame Weise. Ob die Entführer oder die mit aller Härte
eingreifende KGB-Einheit die Verantwortung für die vielen Toten bei der anschließenden
Erstürmung der Maschine tragen, wird in Georgien bis heute
kontrovers diskutiert. Die Todesstrafe für die gescheiterten Freiheitssucher und
für den vollkommen unschuldigen, als Anführer stigmatisierten Beichtvater hat
die georgische Gesellschaft nachhaltig traumatisiert.
Es herrschte ein jahrzehntelanges Schweigen zu diesem zentralen Ereignis,
obwohl alle Georgier das traurige Schicksal der Entführer kannten und viele
sich mit ihnen identifizierten. Erst Dato Turaschwili, einer der bedeutendsten
Schriftsteller Georgiens und Sprachrohr seiner Generation, brachte die Geschichte
wieder ans Licht. Mit diesem Dokumentarroman brach er das Tabu
und ebnete den Weg für eine längst überfällige Aufarbeitung. Der Fall bewegt
noch heute auch dank eines international bekannten Films die Öffentlichkeit.
- Band: 729
- Autor: Ullrich, Wolfgang
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 16.08.2014
- Genre: Politik
Des Geistes Gegenwart
Glauben Sie den Theorien nicht! Das ruft Ihnen Wolfgang Ullrich zu, der in
diesem Buch mit Verve gegen den Wildwuchs kunstwissenschaftlicher Theoriebildung
anschreibt. Sehr oft, so seine Analyse, entstehen solche Gedankengebäude
eher zufällig oder, wie bei der Interpretation von Kunstwerken,
im Dienst des Marktes, nicht des Geistes. Auch fragt Ullrich, inwieweit sich
die Forschungsschwerpunkte
von historischen Themen hin zur Gegenwartsdiagnostik
verlagert haben und was daraus folgt. Er bestimmt den Stellenwert
der Geisteswissenschaften für die Erschließung von Welt.
Gewöhnlich sind es Dichter, die mit Poetikvorlesungen von sich reden machen.
Wolfgang Ullrich hat sich als Kunstwissenschaftler an dieses Format gewagt
und gibt einen höchst interessanten Einblick in die Werkstatt (nicht nur)
seines Denkens. Neben einem persönlichen Resümee seiner Erfahrungen im
akademischen Betrieb riskiert er auch einen Blick in die Zukunft der Geisteswissenschaften.
- Band: 731
- Autor: Vázquez Montalbán, Manuel
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 16.09.2014
- Genre: Politik
Carvalho und der Mord im Zentralkomitee
Nach dem Mord an Fernando Garrido, Generalsekretär der Kommunistischen
Partei Spaniens, während der Sitzung des Zentralkomitees ist ganz Spanien
in Aufruhr. Dabei erholt sich das Land gerade erst vom Franco-Regime und
manch einer fürchtet bereits einen neuen Bürgerkrieg. Auch Privatdetektiv und
Feinschmecker Pepe Carvalho bereitet sich auf das Schlimmste vor und legt
sicherheitshalber Lebensmittelvorräte an.
Doch dann holt ihn seine eigene kommunistische Vergangenheit ein, denn
die Partei beauftragt ihn, den spektakulären Mord in Madrid diskret aufzuklären.
In der Hauptstadt begegnet Carvalho einer Vielzahl von politischen
Intrigen und alten Bekannten, die ihn misstrauisch beäugen. Am meisten aber
quält ihn die Frage: Wo zum Teufel soll man in Madrid essen gehen?
Auch dieser Fall des misanthropischen Privatdetektivs Pepe Carvalho erscheint
in einer sorgfältigen Neubearbeitung, die Manuel Vázquez Montalbáns
unverwechselbare und bissige Beschreibungen eindrücklicher denn je ins Deutsche
überträgt.
- Band: 733
- Autor: Vázquez Montalbán, Manuel
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 27.01.2015
- Genre: Politik
Carvalho im griechischen Labyrinth
Kurz vor den Olympischen Spielen 1992: »Barcelona, mach Dich hübsch!«, dichtet das vorolympische Marketing, und das bedeutet vor allem die rücksichtslose Umgestaltung des Stadtbildes. Teile der Altstadt wie das Rotlichtviertel Barrio Chino werden zum touristischen Schaufenster herausgeputzt oder verschwinden gleich ganz.
Auch der alteingesessene Katalane Pepe Carvalho hat zwei Fälle von Verschwinden aufzuklären. Einerseits soll er die 17- jährige Verlegertochter Beba aufspüren, die ins Drogenmilieu abgeglitten ist. Andererseits ist da ein schillerndes Pärchen aus Paris, das den griechischen Künstler Alekos »tot oder lebendig« finden will und ihn in den gleichen Zirkeln vermutet.
Also macht sich Pepe Carvalho, der die schöne Französin am liebsten nicht aus dem Auge ließe, auf in die vom olympischen Umbauwahn bedrohte Halbwelt Barcelonas. In diesem Labyrinth aus Baulöwen, gealterten Bohémiens und den Ruinen seiner eigenen Erinnerung verliert Carvalho schnell den Faden und findet ihn erst wieder, als es fast schon zu spät ist …
Redenta Tiria
Alt wird in Abacrasta niemand. Von einer geheimnisvollen Stimme gerufen, legen sich die Männer meist den Gürtel um den Hals, die Frauen nehmen den Strick. Bis eines Tages eine barfüßige Frau ins Dorf kommt, Redenta Tiria. Das erzählt uns ein pensionierter Beamter des Einwohnermeldeamts, der auch die bizarren Biographien seiner Mitmenschen registriert hat. Viele gehen in den Tod, als würden sie nur mal schnell im Garten die Wäsche aufhängen. Allen gemeinsam ist, dass sie eine Welt bewohnen, voll des finstersten Aberglaubens und der archaischsten Bräuche, doch ausgestattet mit sämtlichen Utensilien der Neuzeit. Sie glauben an Flüche und an Weissagungen und fahren doch Motorrad oder suchen ihre Braut im Internet. Der Leser folgt dem Erzähler auf den aberwitzigsten Wegen in die dunkelsten Winkel – und bleibt dabei heiter und begierig, neue Geschichten zu erfahren.
- Band: 736
- Autor: Levy, Deborah
- Anzahl Bewertungen: 27
- Ø Bewertung: 4.2
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 03.09.2020
- Genre: Autobiographie
Was ich nicht wissen will
Wahrscheinlich gerade weil sie einen langen, auch beschwerlichen Weg bis zu ihrem heute beinahe schwerelosen Umgang mit den Worten zurückgelegt hat, wirkt Levys Sprache so klar. Offen, wie nur wenige Erzählerinnen, umreißt sie ihr Leben und ihre Rolle als Schriftstellerin, in der Kollision mit den Anforderungen als Mutter, Tochter, Ehefrau, Freundin.
- Band: 742
- Autor: Pasolini, Pier Paolo
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 18.09.2025
- Genre: Politik
Petrolio
Die Ermordung Pasolinis 1975 beendete die Arbeit an seinem Hauptwerk, dem Roman Petrolio, das er Jahre zuvor begonnen hatte. Als sich die Nichte Pasolinis 17 Jahre später entschloss, den Roman in einer sorgfältigen kommentierten Form zu veröffentlichen, verursachte er einen Riesenskandal. Pasolinis Bilder der Macht kommen aus einem Zentrum der Macht, dem Erdölkonzern ENI. Es sind bittere und satirische Bilder, voll Trauer über die Zerstörung einer vertrauten Welt, voll Wut über den heraufkommenden hedonistischen Konsumismus. Dieser Furor wie auch die ausschweifenden Szenen sexueller Orgien haben auch nach 40 Jahren nichts von ihrer Brisanz, Provokationskraft und Modernität verloren. Unwillkürlich hält der Leser inne, wird rot angesichts der Grenzüberschreitungen aller Art.
Der Bildakt
Seit dem byzantinischen Bilderstreit und dem Bildersturm der Reformation ist nicht mehr in solcher Intensität über Bilder nachgedacht worden wie in den letzten Jahrzehnten. Neben der Archäologie und der Kunstgeschichte haben sich zahlreiche weitere Fächer an Fragestellungen rund um das Bild geradezu festgebissen. Angesichts dessen geht einer der bedeutendsten Kunsthistoriker der Gegenwart der Frage nach, warum Begriff und Geltung sowie Macht und Ohnmacht von Bildern zu so hartnäckig verfolgten Themen unserer Tage geworden sind.
Bilder besitzen zwar als vom Menschen geschaffene Artefakte kein autonomes Leben, entwickeln aber immer wieder eine Präsenz, die sie mehr sein lässt als nur toter Stoff. Mit Blick darauf entwirft Bredekamp als Gegenstück zur Lehre vom Sprechakt eine Theorie des Bildakts.
Das Humboldt Forum
Der Name der Brüder Humboldt steht für eine Sammlungs- und Begegnungsgeschichte, die keinesfalls vom kolonialen Gedanken des Ausbeutens und Besitzens geprägt war, sondern von dem Wunsch, zu reisen und zu entdecken, zu sammeln und zu erforschen und nicht zuletzt zu zeigen.
Im Zentrum Berlins bietet der ehemals leere Schlossplatz die ungeheure Chance, diese Tradition sichtbar zu machen und eine neue »Freistätte« der Künste und des Wissens zu schaffen. Die drei Partner, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit ihren großartigen Sammlungen afrikanischer, asiatischer, ozeanischer und altamerikanischer Kunst, die Humboldt-Universität mit ihren Schätzen wissenschaftlicher Sammlungen und Berlin mit seinem stets lebendig gehaltenen Erbe als Stadt des Freigeistes sollen zusammenspielen, um diesen Sammlungen einen angemessenen Ort zu geben und grundlegende Fragen unserer Zeit zu erörtern.
Die Idee, beinahe zu Tode diskutiert und aus Kostengründen ausgeblendet, soll in diesem Buch anhand von Dokumenten, Reden und Ausblicken wiedergewonnen werden.
Mit Texten von: Horst Bredekamp, Friedrich Dieckmann, Klaus-Dieter Lehmann, Peter-Klaus Schuster u. a.
- Band: 746
- Autor: Duras, Marguerite
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 17.03.2022
- Genre: Politik
Der Schmerz
Warten. Mit dem Schlimmsten rechnen. Schreckensbilder bannen. Wider alle Vernunft weiterhin hoffen. Frühjahr 1945, der Krieg ist vorbei. Die Erzählerin wartet in Paris auf ihren Mann Robert L., der als Mitglied der Résistance in ein
deutsches Konzentrationslager verschleppt wurde. Sie studiert die Listen mit Überlebenden, imaginiert abwechselnd seinen Tod und seine Rückkehr, dem Zusammenbruch nahe. Zufällig in einem Leichenhaufen in Dachau entdeckt und gerettet, wird er schließlich, auf 37 Kilogramm abgemagert, tatsächlich zurückgebracht. Sie kann seinen Anblick kaum ertragen, pflegt ihn viele Wochen lang gesund, doch die Liebe ist verschwunden. Und der Schmerz bleibt.
Autobiographie oder Fiktion? Ob die Autorin diesen Text tatsächlich während ihres Wartens auf ihren damaligen Ehemann Robert Antelme verfasst hat, oder gleichsam gefiltert erst viele Jahre später, ist kaum wesentlich. Die Erzählung kreist um ihr Schmerzzentrum wie ein Nachtfalter um eine Lampe, um die Wunde, die der Holocaust der Menschheit gerissen hat. Es ist ein eindringliches, intimes Buch, das auch die Nähe von Schuld und Unschuld, von Opfern und Tätern thematisiert und nach den Möglichkeiten der Erinnerung fragt.
- Band: 752
- Autor: Vázquez Montalbán, Manuel
- Anzahl Bewertungen: 7
- Ø Bewertung: 3.8
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 04.03.2016
- Genre: Krimi
Carvalho und die olympische Sabotage
Denn irgendjemand scheint die olympischen Wettbewerbe zu sabotieren: Ben Johnson läuft die 100 Meter in unglaublichen 6,4 Sekunden, und IOC-Chef Juan Antonio Samaranch, der Carvalho eben noch einen großzügigen Scheck zugesteckt hat, wurde durch einen Doppelgänger ersetzt. Begleitet von Vera, einer serbischen Bodybuilderin und Tochter Titos, macht sich Pepe Carvalho auf die Suche nach den Drahtziehern der Verschwörung. Doch allzu viel Zeit bleibt ihnen nicht: In den USA glaubt ein Vizepräsident mit mangelhaften Geographiekenntnissen, dass Barcelona in der Nähe von Bagdad liege, und ist kurz davor, einen Bombenangriff zu starten …
Eine bitterböse Krimi-Groteske und Vázquez Montalbáns Abrechnung mit der olympischen Invasion seiner Heimatstadt durch omnipräsente Sicherheitskräfte und Immobilienspekulanten, wie sie auch heute an allen Austragungsorten zu erleben ist.
- Band: 753
- Autor: Deck, Julia
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 04.03.2016
- Genre: Politik
Viviane Èlisabeth Fauville
Viviane Élisabeth Fauville ist Anfang vierzig. Was sie nicht mehr hat: ihren schönen Mann, ihr einstiges Zuhause. Was sie hat: eine zwölf Wochen alte Tochter, eine neue Wohnung voll nicht ausgepackter Umzugskisten, den Schaukelstuhl. Viviane hat ihren Psychoanalytiker getötet und rechnet nun jederzeit damit, dass man sie überführt. Die Tatwaffe ist gereinigt, die eigene Mutter als Alibi angegeben … und doch. Élisabeth verliert sich in Straßen und Metrogängen, lauert den übrigen Verdächtigen auf, sie fragt und forscht, das Baby im Arm. Dann entdeckt die Polizei, dass ihre Mutter seit acht Jahren tot ist. Es schneit in Paris, und die Welt gerät ihr aus allen Fugen.
Karg, absurd und lakonisch, ist dieser atemlose Roman nur vordergründig eine Kriminalgeschichte. Sie bildet den Rahmen für ein meisterlich in Sprache gesetztes Spiel mit dem verblüfften Leser: Immer wieder werden alle Sicherheiten aufgehoben, stellt sich das, was man herausgefunden zu haben meint, als falsch heraus. – Oder doch nicht?
- Band: 754
- Autor: Sackville-West, Vita
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 30.09.2021
- Genre: Politik
Unerwartete Leidenschaft
Lady Slane ist 88 Jahre alt, als sie erkennt, dass sie sich in ihrem ganzen Leben bisher nur nach ihrem Mann gerichtet hat. Kaum ist er tot, trifft sie zum ersten Mal eigene Entscheidungen:
Sie gibt ihr riesiges Haus mit Angestellten auf, lässt ihre Kinder nur noch nach Terminabsprache ein, knüpft an alte Bekanntschaften an und verschenkt eine geerbte Kunstsammlung. Ihre Kinder sind empört, ihre Urenkelin dagegen nimmt sich ein Beispiel und löst ihre Verlobung auf. Vita Sackville-West hat hier nach Meinung ihres Verlegers Leonard Woolf ihr bestes Buch geschrieben.
Mein Vater ist Putzfrau
Eigentlich gibt es nichts zu lachen in der Pariser Banlieue. Paul, genannt Polo, ist ziemlich klein, hässlich, weiß und arm. Seine Mutter klebt krank und bewegungslos vor dem Fernseher, die ältere Schwester sorgt sich um ihre Fingernägel und träumt davon, einen Schönheitswettbewerb zu gewinnen. In der Schule sind alle cooler als Paul, und wenn schon nicht reich, dann wenigstens arabisch, jüdisch oder schwarz. Mit dem Vater, der sich nie beklagt und alle Demütigungen mit geradem Rücken wegsteckt, kann Paul gut reden – und schweigen. Von Priscilla erzählt er lieber nichts und ebenso wenig von Sylvie, der Mutter eines Kumpels, die seinen Kopf und seine Hände beschäftigen… Auch dass er sich längst nicht mehr um den Staub auf den Büchern kümmert, sondern begonnen hat, sie zu lesen, behält Paul vorerst für sich.
Saphia Azzeddine erzählt leichthändig und schnell eine liebevolle Vater-Sohn-Geschichte voller Situationskomik und Galgenhumor. Ein unterhaltsamer Roman über das Leben am gesellschaftlichen Rand, der fest daran glaubt, dass nichts verloren ist, solange man Bücher hat.
Eine charmante, ungezogene Komödie, die einmal mehr beweist, dass das Lesen noch keinem geschadet hat.
- Band: 762
- Autor: Vázquez Montalbán, Manuel
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 23.09.2016
- Genre: Politik
Carvalho und die Rose von Alexandria
Eigentlich will Pepe Carvalho seinen Gehilfen Biscuter und seine Freundin Charo zum Silvesteressen bei Marc de Champagne und überbackenem Camembert mit Tomatenkonfitüre einladen. Doch dann steht Charo mit ihrer halben Verwandtschaft vor der Tür und ist kaum zu beruhigen: Ihre Cousine Encarnación wurde brutal ermordet.
Da weder die Polizei noch der Ehemann aus dem Landadel ein besonderes Interesse an der Aufklärung des Mordes zu haben scheinen, soll Carvalho den Täter finden. Die Suche nach dem Mörder führt den schnell genervten Detektiv in die krisengeschüttelte spanische Provinz und tief hinein in die Familiengeheimnisse um die flamboyante Encarnación.
Als Carvalho zu wissen glaubt, wer der Täter ist, gibt es nur ein Problem: Ginés gehört zur Crew des Frachters Rose von Alexandria und befindet sich auf hoher See in der Karibik …
Eindrücklich und ironisch zeichnet Manuel Vázquez Montalbán ein Spanien, das schon in den ersten Jahren des demokratischen Übergangs aussieht wie ein Land ohne Zukunft: enttäuschte Träume, Arbeitslosigkeit und überall die alten Sieger.
- Band: 763
- Autor: Sciascia, Leonardo
- Anzahl Bewertungen: 49
- Ø Bewertung: 3.5
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 23.09.2016
- Genre: Krimi
Der Ritter und der Tod. Ein einfacher Fall
Da ruft ein Mann in der Questura an und möchte den Polizeipräsidenten sprechen, da er etwas Ungeheuerliches entdeckt habe. Aber es ist Samstagabend, das Fest des heiligen Josef steht vor der Tür, da kann die Sache schon ein wenig warten – findet der Kommissar. Aber als sein untergebener Brigadiere am nächsten Tag doch auf dem Landsitz des Anrufers vorbeischaut, sitzt dieser erschossen an seinem Schreibtisch. Offenbar hat er seinem Mörder selbst die Tür geöffnet …
Metamorphosen
Maria Sibylla Merian (1643–1717), die talentierte Tochter des berühmten Frankfurter Kupferstechers, interessierte sich schon früh für Malerei und Naturkunde. Nach einigen Jahren Ehe verließ sie ihren Mann gegen dessen Willen und schloss sich einer pietistischen Sekte an. Von Amsterdam, wo sie sich mit ihren beiden Töchtern niedergelassen hatte, brach sie 1699 zu einer zweijährigen Fahrt durch den Dschungel der Kolonie Surinam auf, um dort Tiere und Pflanzen zu sichten, zu sammeln und in Bildern festzuhalten. Zurückgekehrt, verlegte sie ihre Werke mit großem Gewinn und erlangte internationalen wissenschaftlichen Ruhm.
- Band: 768
- Autor: Murgia, Michela
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 13.03.2017
- Genre: Politik
Accabadora
Wie Mutter und Tochter leben Bonaria Urrai und die sechsjährige Maria in einem sardischen Dorf zusammen. Die alte Schneiderin hat das Mädchen zu sich genommen und zieht es groß, dafür wird Maria sich später um sie kümmern.
Als vierte Tochter einer bitterarmen Witwe war Maria daran gewöhnt, »die Letzte« und eine zu viel zu sein. Nun hat sie ein eigenes Zimmer in dem großen reinlichen Haus Bonarias, wo alle Türen offen stehen und sie jeden Raum betreten darf.
Doch ein Geheimnis umweht die stets schwarz gekleidete, wortkarge Frau, die mitunter nachts, wenn Maria schlafen soll, Besuch erhält und dann das Haus verlässt. Es scheint, als würde Bonaria in zwei Welten leben. Das Mädchen spürt, dass sie nicht danach fragen darf. Erst sehr spät entdeckt sie die ganze Wahrheit. Michela Murgia erzählt in einer schnörkellosen, poetischen Sprache aus einer scheinbar fernen, doch kaum vergangenen Welt. Von zwei Generationen, zwei Frauenleben, von einem alten, lange verschwiegenen Beruf.
Vulva
Was nicht existiert, benötigt keinen Namen, und was keinen Namen hat, existiert nicht. Das ist die Ausgangsthese von Mithu M. Sanyals bahnbrechender Studie über die Vulva.
Sie sucht nach der Geschichte der Vulva und stößt in vergessenen Quellen auf fast sakrale Wertschätzung genauso wie auf hasserfüllte Diffamierung. Sie erzählt von Baubo, die in der griechischen Mythologie die Menschheit durch die Enthüllung ihres Genitals rettete, findet zahlreiche Darstellungen selbst in der mittelalterlichen Kunst, geht auf gewaltsame Verstümmelungen ebenso wie auf die Mode der Vaginalverjüngung ein, untersucht Schleiertanz und Striptease sowie die subversiven Performancekünstlerinnen Valie Export oder Annie Sprinkle.
Eine kulturgeschichtliche Pionierarbeit für Leser jeden Geschlechts. Unterhaltsam, intelligent, provokativ, notwendig.
Terra!
Im Jahr 2157 ist nach sechs Atomkriegen eine neue Eiszeit über unseren Planeten hereingebrochen. Da gelangt eine mysteriöse Botschaft in die Kommandozentrale der sineuropäischen Föderation. Ein neuer Planet wurde entdeckt, der der alten Erde gleicht: mit Wasser, Sonnenlicht und echten Pflanzen und Tieren.
So brechen drei Raumschiffe auf, um den traumhaften Planeten »Erde 2« zu finden.
Mithilfe des alten chinesischen Weisen Fang und des zwölfjährigen Computergenies Frank werden sie feststellen, dass der Schlüssel des Geheimnisses von »Erde 2« nicht in der Zukunft liegt, sondern in der Vergangenheit.
- Band: 772
- Autor: Sabato, Ernesto
- Anzahl Bewertungen: 31
- Ø Bewertung: 4.4
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 13.03.2017
- Genre: Mystery
- Band: 773
- Autor: Ginzburg, Natalia
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 13.03.2017
- Genre: Politik
So ist es gewesen
Die lakonisch erzählte Geschichte einer klassischen Dreierbeziehung: Liebe, Leidenschaft, Verzweiflung, Eifersucht – und am Ende ein tödlicher Schuss.
Mit diesem von Italo Calvino enthusiastisch begrüßten Roman erlebte Ginzburg, die zu den bedeutendsten modernen Autoren Italiens zählt, ihren literarischen Durchbruch.
Gilles‘ Frau
Elisa und Gilles sind glücklich, die Rollen klar verteilt. Liebe bedeutet für Elisa: Ehefrau zu sein. Sie wohnen mit ihren kleinen Zwillingstöchtern in einer Arbeitersiedlung am Rande einer Industriestadt, und jeden Abend wartet Elisa sehnsüchtig auf ihren Mann. Doch ausgerechnet ihre jüngere Schwester Victorine verdreht Gilles den Kopf. Elisa, die hochschwanger ist, kommt schnell dahinter, nimmt seine Untreue hin, demütigt sich, wird gar zur Komplizin seiner Begierde, bis Victorine ihn verlässt. Als Elisa schließlich klar wird, dass sie nun ihrerseits Gilles nicht mehr liebt, kapituliert sie.
Ein meisterhafter Roman über die zerstörerische Kraft absoluter Liebe.
- Band: 780
- Autor: Murgia, Michela
- Anzahl Bewertungen: 18
- Ø Bewertung: 3.7
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 22.09.2022
- Genre: Roman
Murmelbrüder
Doch die Jungen schlichten ihn: Mit dem gleichen kühnen Witz, der zuvor ihre wilden Streiche motiviert hat, setzen sie sich jetzt über alle Konventionen hinweg und lassen die Osterprozession zum großen Versöhnungsfest werden.
Michela Murgia überrascht uns mit einer neuen sardischen Geschichte, in der es um den Wert der Freundschaft geht, die dann besonders kostbar ist, wenn man sagen kann: »Wir haben zusammen gespielt.«
- Band: 783
- Autor: Schreiber, Ulrich
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 25.08.2017
- Genre: Politik
Refugees Worldwide
»Wäre ich eine Geschichte, wären diese Tage meines Lebens vielleicht die beste Stelle gewesen. Aber ich bin ein Mensch. Wie bedauerlich.« (Ece Temelkuran)
Rund 65 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Internationale Autoren geben den unterschiedlichen Schicksalen, die dahinter stehen, eine Stimme.
Dass man auch im Provisorium zuhause sein kann und sogar deutlich mehr als an dem Ort, der vor Jahrzehnten einmal Heimat war, belegen Bewohner aus dem weltgrößten Flüchtlingscamp in Dadaab in Kenia. Der kongolesische Flüchtling in Japan kommt in diesem Band ebenso zu Wort wie Nora Bossong mit ihren Erlebnissen in einer Freiwilligeninitiative in New York vor und in der Trump-Ära. Andere Reisen führen Schriftsteller nach Litauen, Indonesien, Nigeria, Belize, Griechenland, Marokko, Brasilien, Syrien, in den Südsudan und die Ukraine.
Das Projekt »Refugees Worldwide« wurde von Ulrich Schreiber in der Peter-Weiss-Stiftung für Kunst und Politik e.V. entwickelt und von Luisa Donnerberg betreut.
Die Kunst - zur Sprache gebracht
Kunsthistoriker sollten Sprachkünstler sein. Schließlich ist es eine ihrer wesentlichen Aufgaben, Kunstwerke zum Sprechen zu bringen. In glücklichen Momenten kann daraus ein Zusammenspiel von Bild und Sprache entstehen, das zu tieferen Einsichten und einer neuen Betrachtungsweise von Kunst führt.
Andreas Beyer hat sich die Kultur des sprachlichen Ausdrucks besonders zu eigen gemacht und viele solcher beglückenden Augenblicke erzeugt. Neben dem Kunsthistoriker ist hier der Autor Beyer zu entdecken, neben der thematischen Vielfalt seiner Texte sein ebenso prägnanter wie verständlicher Stil. Er schreibt über Werke von der Frührenaissance bis ins 20. Jahrhundert, vom Gemälde bis zur Villa, von Verrocchio über Vasari und Michelangelo bis zu Goethe, Schinkel, Kandinsky und Aby Warburg.
- Band: 792
- Autor: Richter, Hans Werner
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 16.03.2018
- Genre: Politik
Die Geschlagenen
Erzählt wird die Geschichte des deutschen Soldaten Gühler, beginnend mit der Schlacht in Monte Cassino im September 1943. Er und seine Mitsoldaten sind unter Beschuss der Amerikaner, selbst ohne Waffen, apathisch vor Hunger harren sie aus. Das aussichtslose Kämpfen für ein Regime, das er ablehnt, zermürbt Gühler. In der Gefangenschaft in den USA ergeht es ihm zunächst nicht viel besser. Der Zwist unter den Gefangenen, zwischen Nazis und Antifaschisten, wird von den Amerikanern nicht unterbunden. Erst mit Kriegsende beginnt für Gühler eine Zeit der Hoffnung. Als Deutschlehrer und später verantwortlich für die Lagerbibliothek und -zeitschrift findet er seinen Weg.
Bei seinem Erscheinen 1948 sorgte dieses Debüt für Aufsehen: Niemand hatte so lebensnah über die Ereignisse geschrieben, die gerade erst vergangen waren. Über hundert Rezensionen befassten sich mit Richters Erstling, auch international fand er breite Beachtung, die Stadt Berlin verlieh ihm den Fontanepreis. Die Innensicht eines Mannes, der nur zu gern den Krieg verliert und danach erst langsam seinen Frieden findet, berührt auch heute noch.
Auf der Suche nach Marie
Marie ist dreißig und gerne verheiratet mit Jean. Ihre Freundinnen beneiden sie um ihr Eheglück, doch während eines Urlaubs am Meer gesteht sie sich erstmals ein, dass der Beziehung zu ihrem Mann etwas fehlt. Aus dem Flirt mit einem Studenten am Strand wird – zurück in Paris – eine leidenschaftliche Affäre.
Marie entdeckt ihren Körper und ihre Sinnlichkeit und ist wie berauscht. Ihr Leben ändert sie deswegen aber nicht: Als ihr Mann in die Provinz versetzt wird, geht sie selbstverständlich mit ihm, kehrt dann aber bei der ersten Gelegenheit nach Paris zurück. Marie genießt ihr Geheimnis und spielt ihre Rolle gut. Sie ist eine für die Zeit ungewöhnlich moderne Frau. Stark und intelligent, mutig und selbstbewusst.
Mal distanziert beobachtend, mal aus Maries Perspektive erzählt Madeleine Bourdouxhe von einer Liebe jenseits der Konventionen.
Wohnblockblues mit Hirtenflöte
Dana Maria Cojocaru, Tanja Dückers, Elke Erb, Dana Grigorcea, Noemi Kiss, Jan Koneffke, Eginald Schlattner, Ingo Schulze, Uwe Tellkamp und andere nähern sich dem Land, seinem historischen und landschaftlichen Reichtum und seinen Bewohnern, die in diesem vielfältigen Mikrokosmos leben.
Es ist Europa im Kleinen. Insider und Außenseiter, Eingeweihte und Staunende, Gegangene und Gekommene, Bleibende und Suchende sind die Handlungsträger dieser radikal persönlichen Texte, in denen sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, Erlebtes und Gehörtes auf ungeahnte Weise verdichten. Rumänien, für die einen Heimat oder Wahlheimat, für die anderen Station auf einer Reise oder Sehnsuchtsort, immer aber ein literarisches Herzensland – trotz oder gerade wegen der verwirrenden Widersprüchlichkeit und der Gleichzeitigkeit vieler sprachlicher und kultureller Welten.
In diesem Resonanzraum eröffnen sich bislang ungeahnte Verbindungen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur zu einer wenig bekannten europäischen Literaturlandschaft an der unteren Donau, die darauf wartet, entdeckt zu werden.
- Band: 795
- Autor: Richter, Dieter
- Anzahl Bewertungen: 10
- Ø Bewertung: 4.8
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 19.09.2024
- Genre: Sachbuch
Die Insel Capri
Wie keine andere verkörpert Capri den Zauber der Insel schlechthin: Robinson-Eiland und Insel Utopia, Toteninsel, Liebesinsel und Neue Welt. Capri ist die Insel der Inseln.
Dieter Richter zeichnet ein Portrait der »schönsten Insel der Welt«, ihrer Landschaft, ihrer Geschichte und vor allem der Menschen, die sie besucht und auf ihr gelebt haben: Abenteurer und Revolutionäre, Künstler, Schriftsteller und Philosophen, Geflüchtete und Emigranten aus den Diktaturen der Welt. Der Autor hat zahlreiche unbekannte und ungewöhnliche Quellen aufgespürt, darunter Grabsteine und Gästebücher, Polizeiakten, Urkunden, Briefe und Tagebücher, und die facettenreichste Biographie der Insel Capri verfasst.
- Band: 797
- Autor: Sagan, Francoise
- Anzahl Bewertungen: 17
- Ø Bewertung: 4.8
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 21.09.2023
- Genre: Liebesroman
Lieben Sie Brahms ...
Simon heißt der Sohn einer Kundin von Paule, der sich Hals über Kopf in sie verliebt und alles daransetzt, sie für sich zu gewinnen.
Selbstjustiz
Martial Kermeur ist des Mordes angeklagt. An einem einzigen Tag, Auge in Auge mit dem Richter, erzählt er die Geschichte seines Lebens in einer kleinen bretonischen Stadt am Meer, von der gescheiterten Ehe mit France und von seinem Sohn Erwan, den er allein aufgezogen hat. Er ist ein einfacher und bescheidener Mann, der das alte Gutshaus verwaltet, bis es einer Großbaustelle weichen muss. Seinem Sohn will er ein Vorbild sein und ihm nicht das Gefühl vererben, auf der Seite der Verlierer zu stehen. Und doch scheitert Kermeur an den eigenen Hoffnungen. Er wird von dem Immobilienspekulanten Antoine Lazenec schmählich betrogen, dem es über Jahre hinweg gelungen ist, buchstäblich die ganze Stadt mit einer gläsernen Chimäre hinters Licht zu führen und so Gemeinde wie Kleinanleger finanziell zugrunde zu richten.
Ein fein ziselierter Roman über einen Mann, der ehrenwert leben will und zum Mörder wird.
- Band: 805
- Autor: Melandri, Francesca
- Anzahl Bewertungen: 1.450
- Ø Bewertung: 4.4
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 20.09.2018
- Genre: Sonstiges
Eva schläft
In ihrer Vorstellung entfaltet sich ihre ganze Kindheit in Südtirol: Sie wuchs im Schatten der politischen Verwerfungen einer Region auf, die drei Jahrzehnte lang der Spielball bedrohlicher Allianzen war und dann endlich den Aufbruch in die Autonomie wagte. Doch noch stärker wurde Evas Kindheit geprägt von der Liebe ihrer Mutter, der im Leben nichts geschenkt wurde.
Der Roman einer Provinz ohne Vaterland und eines Mädchens ohne Vater.
Der Vesuv
Unter den rund 500 aktiven Vulkanen der Erde hat der Vesuv eine einzigartige Geschichte. Sie beginnt mit dem Ausbruch des Jahres 79 n. Chr., der Pompeji und Herculaneum begraben hat. Seither hat der »majestätische Verbrecher« (Gerhart Hauptmann) die Menschen zum Nachdenken über die dunklen Seiten der Natur gebracht. Der Vesuv ist die Geburtsstätte der modernen Vulkanologie und der am häufigsten besuchte Berg der Welt. Der Massenverkehr kam mit »Funiculì Funiculà«, der vielbesungenen Seilbahn, an deren Stelle heute Bus und Auto getreten sind.
Seit 1944 ruht der Vulkan. Rund drei Millionen Menschen leben heute in seinem Schatten. Alles ist unter Kontrolle, versichern die Wissenschaftler. Für den Ernstfall sind Evakuierungspläne ausgearbeitet. Und im Dom von Neapel fließt das Blut von San Gennaro.
Eine mitreißend erzählte Kulturgeschichte der Natur.
Das Abenteuer des Lebens
Gedanken zur Psychologie des Abenteuers stehen neben glänzend geschriebenen Miniaturen über die Schönheit eines Henkels, einer Ruine oder der Alpen; eine Philosophie der Mode neben Überlegungen zur Frage, woher das »ungeduldige Tempo« der Großstadt rührt und warum in Berlin alle immer so blasiert dreinschauen.
Es ist die tastende Untersuchung der Splitter, der Zwischenphänomene, des Unfertigen und des scheinbar Nebensächlichen, mit der Georg Simmel einen Blick aufs moderne Leben und die Existenz im Ganzen erhascht.
Nirgends lässt sich dieses philosophische Verfahren besser kennenlernen als in den hier ausgewählten Essays des einflussreichen Stichwortgebers der flüchtigen Moderne und ihrer Krisen. Gerade die Beweglichkeit und Offenheit seines Denkens machen Simmels Aktualität aus.
Wenn Venedig stirbt
Kein europäisches Land hat ein so immenses kulturelles Erbe wie Italien, kein Land solche Schwierigkeiten im Umgang mit diesem Erbe. Salvatore Settis, emeritiert und frei von allen akademischen Zwängen, ist in den letzten Jahren zum Gewissen dieses Landes geworden. Immer wieder stellt er bohrende Fragen: Wie gehen die Italiener mit ihren Schätzen um, und was machen wir Europäer mit unseren kulturellen Gütern?
Venedig mit seiner einzigartigen Architektur, Geschichte und geographischen Lage, aber auch Venedig als Ausbund der Kommerzialisierung dieser Einzigartigkeit nimmt Settis als Ausgangspunkt für universelle Überlegungen: Gibt es so etwas wie die Seele einer Stadt? Und was könnte sie sein? Die Eigentümlichkeit, die Geschichte, die Einwohner? Warum gehören Wolkenkratzer zu New York, aber nicht nach Venedig? Muss man »Städteschönheit« als »Weltkulturerbe« konservieren, oder brauchen Städte »kreative Zerstörung«? Wie steht es mit dem »Recht auf Stadt«? Wie mit den Rechten der zukünftigen Generationen?
Ein fulminantes Plädoyer für die lebendige Stadt der Zukunft – geschrieben mit umfassenden Kenntnissen, mit ganzem Herzen und voller Elan!
- Band: 812
- Autor: Melandri, Francesca
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 14.03.2019
- Genre: Sonstiges
Über Meereshöhe
Beide sind gekommen, um ihre Angehörigen zu besuchen. Luisa hat ihrem Mann Ravioli mitgebracht, damit er sie unter den Mithäftlingen verteilen kann. Paolo hofft darauf, überhaupt wieder eine Beziehung zu seinem Sohn herzustellen. Doch das Wiedersehen verläuft für beide enttäuschend und demütigend. Ein aufkommender Sturm zwingt sie, auf der Insel zu bleiben, und so beginnen sie zu sprechen. Die Bedeutung dieser Begegnung wird ihnen allerdings erst viele Jahre später bewusst werden …
Refugees Worldwide 2
Um den weltweit 68 Millionen Menschen auf der Flucht eine Stimme zu geben, schreiben Autorinnen und Autoren aus aller Welt die Schicksale von Geflüchteten auf. Sie fangen Momente und Ereignisse ein, die zugleich eine jahrzehntelange Vorgeschichte haben.
Ibrahim Nasrallah erzählt vom Aufwachsen in einem jordanischen Flüchtlingscamp, während Fariba Vafi das Leben afghanischer Geflüchteter im Iran abbildet. Der »New-York-Times «-Reporter Patrick Kingsley begleitet eine syrische Familie auf dem Weg nach Schweden. Drago Jančar aus Slowenien beschreibt, wie eine Mauer, die 1989 voller Euphorie gestürzt wurde, heute wiedererrichtet wird. Die Schauspielerin und Autorin Charmaine Craig trifft Frauen in Malaysia wie Htet Htet, deren durch Menschenhandel erfahrenes Leid ihr nichts von ihrem Stolz genommen hat. Gleich mehrere Texte zeigen die bedrohliche Situation der Rohingya. Andere Reisen führen nach Kanada, Spanien, Libanon, Südafrika, Australien, Ägypten, Kenia und Kolumbien, wohin derzeit viele Menschen aus Venezuela fliehen.
- Band: 814
- Autor: Krausser, Helmut
- Anzahl Bewertungen: 0
- Ø Bewertung:
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 14.03.2019
- Genre: Politik
Zur Wildnis
In der Neuköllner Eckkneipe »Zur Wildnis«, wo Helmut Krausser ein-, zweimal die Woche mit Freunden Backgammon spielt, finden Begegnungen, Gespräche und Diskussionen zwischen Menschen statt, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Das liegt an den sehr sozialen Bierpreisen und einer wohnzimmerhaften Atmosphäre. Zeit lässt sich hier gemütlich verdümpeln, und bei Manni, dem Wirt, kann man als Stammgast anschreiben lassen, ohne eine missbilligende Grimasse zu riskieren. Wegen des Status als Raucherkneipe gibt es in der »Wildnis« nichts mehr zu essen. Das Ordnungsamt erlaubt den Gästen aber, Essen von zuhause mitzubringen und es sich vom Wirt aufwärmen zu lassen. Manni hat folglich eine Mikrowelle angeschafft, und ein bisschen »Mitgebrachtes« hat er immer im Kühlschrank. Buletten, Bockwurst, Kartoffelsalat, solche Sachen. Touristen verirren sich eher selten hierher, aber falls doch, werden sie so nachlässig bedient, dass sie gleich wieder gehen.
Krausser hat seine Erlebnisse in der »Wildnis« in Kolumnen gefasst, die von 2015 bis 2018 im Berliner Stadtmagazin »Zitty« erschienen sind: pointierte, komische, lebenspralle Beobachtungen aus der Großstadt – mit dem rotzigen Charme der Berliner Servicekultur.
- Band: 815
- Autor: Brückner, Peter
- Anzahl Bewertungen: 2
- Ø Bewertung: 5.0
- Medium: Buch
- Veröffentlicht: 14.03.2019
- Genre: Autobiographie
Das Abseits als sicherer Ort
Lebendig begraben
Unter vielen Tränen wohnt der Maler Praim Farll seiner eigenen Beerdigung bei, nichtsahnend, worauf er sich eingelassen hat. Denn mit dem Namen seines Dieners Henry übernimmt er auch dessen Vergangenheit – und die ist durchaus bewegt. Dabei ist er bereits mit der Bewältigung des tückenreichen Alltags ohne die Hilfe seines Butlers vollends überfordert. Nur eine resolute und lebensfrohe Frau mit deutlichem Cockney-Akzent, wie er sie in Mrs. Alice Challice findet, kann ihn aus dieser misslichen Lage befreien. Doch da taucht plötzlich Henrys angeblich rechtmäßige Ehefrau auf und strengt einen Bigamieprozess an. Und das unerhörte künstlerische Talent des vermeintlichen Butlers bleibt auch nicht lange verborgen …
Arnold Bennett nimmt mit dieser Verwechslungskomödie zugleich das Finanz- wie das Justizwesen, den Zeitungs- ebenso wie den Kunstmarkt Englands aufs Korn. Mit einem großen Talent für Situationskomik und mit scharfzüngiger, aber menschenfreundlicher Ironie schafft er eine Kette turbulenter Szenen voller überraschender Wendungen.
Museum der Unerhörten Dinge
Haben Sie je einen Gedanken daran verschwendet, wie der in Prag und Tschechien geläufige Gruß »Ahoi« in die Seefahrt geriet? Warum Messwein weiß und nicht rot ist? Warum das Edelweiß so hochgeschätzt wird und Kaiserin Maria Theresia Perlmuttknöpfe für ihre Soldaten haben wollte? Wer kam als Erster auf die Idee, hohe Berge zu erklimmen, weil dort oben die Aussicht besser ist? Welche noch heute sichtbaren Spuren hat Casanova bei seinem Besuch im Dogenpalast hinterlassen?
Große Fragen, ausgelöst durch kleine Dinge, denen Roland Albrecht ein ganzes Museum gewidmet hat: dem Stein, der Thomas Mann inspirierte, dem Schreibmaschinenteilchen, das Walter Benjamin plötzlich fehlte, den Spuren eines Gedankenblitzes … Die Dinge finden ihn, und er ist bereit, ihnen zuzuhören und ihre Geschichten aufzuzeichnen. Phantasievoll und mit Augenzwinkern führt er uns in die Irre, aufs Glatteis – oder vielleicht doch auf den rechten Pfad großartiger Entdeckungen? Lesen und staunen Sie angesichts dieser Wunderkammer.
Mit zahlreichen neuen skurrilen Gegenständen und Texten.
Der Käse und die Würmer
Die große Leistung Ginzburgs mit diesem Buch war, dass er erstmals ein Individuum ins Zentrum der Mentalitätsgeschichte rückte.
Peter Burke und Natalie Zemon Davis, Roger Chartier und Robert Darnton – sie alle haben der Melodie von Menocchios Mühle zugehört und sich ihren Reim darauf gemacht.
Das Buch erzählt die Geschichte des Müllers Domenico Scandello, genannt Menocchio, der 1584 vor der Inquisition bekennt: »Ich habe gesagt, dass, was meine Gedanken und meinen Glauben anlanget, alles ein Chaos war, nämlich Erd’, Luft, Wasser und Feuer durcheinander. Und jener Wirbel wurde eine Masse, gerade wie man den Käse in der Milch macht, und darinnen wurden Würm’, und das waren die Engel.«
Diese seltsame, eher an Aristoteles als an scholastische Lehrmeinung erinnernde Überlieferung einer Gerichtsaussage ist Anhaltspunkt des Buches, das Carlo Ginzburg über einen 1532 im Friaul geborenen und 1601 als Ketzer verbrannten Müller geschrieben hat.
Ginzburg nimmt die Erzählungen des Müllers nicht nur ernst, sondern er rekonstruiert mit ihnen eine ganze Vorstellungswelt: die der vermeintlich illiteraten Unterschicht.
Mit einem neuen Vorwort des Verfassers.





















































































































































